Kritik: Alien: Covenant

Die dunkle Seite der Schöpfung

FSK 18

Spoilerfrei!

Katherine Waterstone als Daniels schaut zu einem Alien in Alien Covenant

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

 


Was bisher geschah: Unsere Zusammenfassung aller Alien-Filmen bringt dich auf den neusten Stand

Worum geht's?

Zehn Jahre nach den Ereignissen aus Prometheus – Dunkle Zeichen ist der riesige Weltraumtransporter Covenant auf dem Weg zu einem erdähnlichen Himmelskörper. Um den bewohnbaren Planeten zu besiedeln, befinden sich an Bord der Covenant über 2000 Kolonisten und tausende menschliche Embryos, die im Kälteschlaf ihrer neuen Heimat entgegen schlummern. Vom Raumschiff Prometheus, die 10 Jahre zuvor auf der Suche nach den Schöpfern der Menschheit verloren ging, ist jede Spur verloren – bisher zumindest.  

Als an Bord des Kolonisationsschiffs ein unerwarteter Zwischenfall eintritt, sieht sich Captain Oram (Billy Crudup) dazu gezwungen einen fremden Planeten anzulaufen, der ähnlich gute Lebensbedingungen verspricht, wie das eigentliche Ziel. Obwohl der erste Offizier Daniels (Katherine Waterston) dagegen ist, bricht ein Erkundungsteam zur Oberfläche des Himmelskörpers auf. Dort angekommen, dauert es nicht lange, bis sie der fatale Irrtum teuer zu stehen kommt und die Kolonisten auf fremde Lebewesen treffen.


Weltraum-Filme, die einen anderen Ansatz verfolgen als die 'Alien'-Reihe:


Woher wir kommen

„Woher kommen wir?“ – Diese Frage stellt sich die Menschheit seit Jahrtausenden. Mit Sicherheit zu beantworten ist das bekanntlich nicht. Die Erklärungsversuche von Wissenschaftlern sind meist vage; die Antworten von Religionen wiederum, wirken meist wie ein schlechter Filmplot auf Drogen. Prometheus – Dunkel Zeichen und seine Fortsetzung offenbaren eine eigne Theorie. Und die geht so: Erschaffen wurde die Menschheit als Abbild einer humanoiden Spezies, den sogenannten "Konstrukteuren".

Tatsächlich wird die Überlegung, dass wir Menschen als Abbild einer höheren Spezies erschaffen wurden, von Forschern nicht völlig ausgeschlossen. So oder so, mit Alien: Covenant wird eins klar: die Schöpfungsthematik ist eine dramaturgische Goldgrube von nahezu biblischem Ausmaß von der noch mehrere Fortsetzungen zehren können.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Im Kern der neuen Alien-Filme, steht aber nicht nur die Frage nach unserem Ursprung. Vielmehr bringt der Sci-Fi-Thriller auf den Punkt, was uns Menschen so menschlich macht: Wir erschaffen Dinge. Ob Faustkeil, Fluggerät oder neuerdings künstliche Intelligenz, wir sind das einzige Lebewesen, das derart viel kreiert. Der Androide David, den wir in Prometheus kennenlernten, ist dem Menschen bestens nachempfunden: Auch er erschafft Dinge.

"David, woran glauben Sie?" – "An die Erschaffung."

Captain Oram stellt den Androiden David zur Rede

Doch umso heller das Licht umso dunkler der Schatten. Dynamit war ursprünglich für den zivilen Bergbau gedacht und befeuerte wenig später Weltkriege. Was eine allwissende Menschenkopie für den Menschen bedeutet hat Peter Weyland (Guy Pearce), der Schöpfer von David, offensichtlich nicht bedacht, was die Crew der Covenant schmerzlich erfahren muss. Wie viele Filme zuvor, hat auch der fünfte Teil der Reihe eine klare Meinung zu Künstlicher Intelligenz, verbindet diese jedoch auf spannende Weise mit der Reflexion über menschliches Handeln.

Was 'Covenant' so besonders macht

Ein Crewmitglied der Covenant windet sich vor schmerz in einem Krankenzimmer des Ladnungsschiffs in Kritik Alien Covenant
Blutige Horrorszenen lassen nicht lange auf sich warten.

Während viele Franchises fortwährend dieselbe Story auslutschen und sich von einem Remake ins nächste retten, geht Alien: Covenant einen anderen Weg. Hier fließen Mainstream-Unterhaltung, philosophische und religiöse Themen in einem Film zusammen und erzeugen eine starke Mischung. Die ausgewogene Kombination aus philosophischen Themen und blutigem Alien-Splatter macht den Film besonders sehenswert. Der philosophische Tiefgang der Story fungiert zudem als effizientes Transportmittel um uns den Schrecken des Films besonders nahe kommen zu lassen.

Dabei mündet die subtile (An-)Spannung, die mir die Nackenhaare zu Berge stehen lässt, alsbald in blutroten Terror, dem sich die Kolonisten ausgesetzt sehen. Trotz der befriedigend schaurigen Splatter-Szenen, die wir bei einem Science-Fiction-Streifen mit dem Namen „Alien“ im Titel erwarten dürfen, stumpfen diese jedoch schnell ab. Das liegt auch daran, dass sich die klaustrophobisch-paranoide Stimmung, durch die sich die Reihe immer auszeichnete, dieses Mal nur bedingt einstellt.

Zwar dürfen sich Fans über neue Xenomorphen (Alien-Hybride) freuen, am stärksten ist der Film jedoch, bevor diese offenbart werden.

Androiden ersetzen starke Frauen

Katherine Waterston sucht als Daniels mIt einem Gewehr bewaffnet nach einem Alien
Katherine Waterston tut sich schwer damit, dem Erbe von Sigourney Weaver und Noomi Rapace gerecht zu werden.

Starke Frauenrollen haben bei der Alien-Reihe Tradition. Im Vergleich mit Sigourney Weaver (Alien 1 -3) und Noomi Rapace (Prometheus) bleibt Hauptdarstellerin Katherine Waterston jedoch blass. Das liegt weniger an ihrem Schauspiel als daran, dass es den Autoren nicht gelingen mag, eine solide emotionale Bindung zwischen Hauptfigur und Publikum aufzubauen. Zudem wirkt der Versuch, der Rolle einen emotionalen Kern zu geben (Stichwort: Blockhütte) gewollt und generisch.

Michael Fassbender (Assassin’s Creed) wiederum brilliert in der Rolle des Androiden Walter. Rein optisch sieht er genauso aus wie sein Vorgängermodell David (ebenfalls: Michael Fassbender), den Peter Weyland für die Suche nach den Konstrukteuren – unseren Schöpfern –erschuf. Was Walters Software angeht, gibt es jedoch massive Unterschiede zu David. Dieser Differenz entlädt sich zum Höhepunkt des Films und sorgt für einen soliden Plot Twist.

’Alien: Covenant’ ist blutig-philosophisches Weltraumkino

Was Regisseur Ridley Scott mit seinem neuen Sci-Fi-Thriller besonders gut gelingt, ist die Fortführung des Alien-Franchises in dem er Fanservice nur dort einsetzt, wo er Sinn macht und Querverweise als spannungsstiftendes Mittel einsetzt. Auch den in Prometheus eingeführten Schöpfungsmythos spinnt Alien: Covenant interessant weiter und verknüpft klassische Elemente der alten Alien-Filme mit neuen, tiefschürfenden Ideen. Covenant ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein Spin-Off vom Vorbild lösen und einen eigenen Platz im Filmuniversum einnehmen kann ohne seine Herkunft zu leugnen. Ridley Scott, sieht das wohl auch so, und plant bereits sechs weitere Alien-Filme. Der nächste, der uns mehr über Elizabeth Shaws Odyssee zum Planeten der Konstrukteure erzählen wird, kommt nächstes Jahr.  

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