Kritik: Army of the Dead

Zack Snyder’s The Suicide Squad
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Titelbild Poster für Kritik Army of the Dead von Netflix auf 4001reviews
  • Zack Snyder ist nicht nur ein Multitalent, sondern auch ein Workaholic. Nur zwei Monate nach Release seines Snyder-Cuts flimmert der nächste Blockbuster 'Army of the Dead' über den Heimbildschirm. Diesmal vereint Snyder seine filmischen Anfänge im Zombie-Genre mit der Epik seiner Superhelden-Werke. Doch funktioniert das Gemisch? Erfahrt es in unserer Bewertung und Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht's? Las Vegas ist kontaminiert. Wo einst Spielwütige ihr Gehalt verzockten, tummeln sich nun massenweise Zombies. Kein Problem, denkt sich die amerikanische Regierung, und riegelt die Stadt ab. Jahre später soll der ganze Landstrich mit einer Atombombe ausgemerzt werden, was dem Businessmann Bly Tanaka (Hiroyuki Sanada) überhaupt nicht passt – denn er hat noch 200 Millionen Dollar in einem Safe im Herzen der Stadt liegen. Also beauftragt er Haudegen Scott Ward (Dave Bautista, Blade Runner 2049) und sein Team – darunter Matthias Schweighöfer als Tresorknacker Dieter – ein letztes Mal, sich durch Massen von Untoten zu schießen und die Ware sicherzustellen. Die Aktion entpuppt sich jedoch als Himmelfahrtskommando… Werbung Das Snyder-Dilemma Zack Snyder war für mich immer ein eigenwilliges enfant terrible. Nach seinem vielbeachteten Debut Dawn of the Dead hieß es vor allem style over substance. Ob 300, Sucker Punch oder in jüngster Zeit seine meiner Meinung nach allesamt missglückten DC-Heldenfilme – die eigene visuelle Handschrift war stets zu erkennen. Aber eben leider auch die inhaltliche Handschrift. Denn selten haben die Filme von Snyder tatsächlich etwas substanzielles zu erzählen. Lediglich die Adaption von Watchmen, der für mich ein Meisterwerk ist, vereinte optischen Bombast mit einer faszinierend-komplexen Geschichte – was natürlich auch Mastermind Alan Moore geschuldet war. Doch wenn Snyder an der Story mittüftelt? Dann ächzt es meistens im Plot-Gebälk. Ein bisschen von allem, bitte! Für Army of the Dead hat das Drehbuchteam um Zack Snyder ordentlich in die Genre-Kiste gegriffen. Ein wenig Geheimniskrämerei der amerikanischen Regierung à la Stranger Things, ein bisschen augenzwinkernde Schlachtplatte in den Fußstapfen von Zombieland und eine Heist-Story wie in Haus des Geldes. Das kann man schon so machen, dann müssen die Elemente aber auch ineinander greifen. Hier ist das Ergebnis – ich hatte es befürchtet – eher halbgar. Zack Snyders Größenwahn (oder nennen wir es: Hang zum dramatischen Bombast) ist nicht immer dienlich. Denn während die Zombie-Metzelei mit einem stimmigen Mix aus CGI und handgemachtem Gore fantastisch aussieht, bremsen künstliche Konflikte die eigentlich rasante Handlung enorm aus. Statt emotionale Tiefe in den Plot zu bekommen, geraten Figuren fast schon klischeehaft aneinander: zum Beispiel Ward und seine meist irrational agierende Tochter, die ihren jahrelangen Streit mal eben in ein paar kurzen Sätzen lösen. Vorhersehbarer Sideplot-Overkill Überhaupt ist die Handlung so konventionell, wie es sich für einen Zombie-Slasher eben ziemt. Dabei riechen die geübten Zuschauenden jede Wendung meilenweit gegen den nach Verwesung riechenden Wind. Ob der dubiose Handlanger des Auftraggebers etwas Böses im Schilde führt? Ob sich der Badass-Charakter nach einigen Zankereien mit dem liebenswerten Nerd anfreundet? Ob die ohnehin schon knapp bemessene Zeit aus „Gründen“ noch knapper wird? Die Antwort auf all das und mehr ist natürlich: Ja! Aber ganz ehrlich: schauen wir ein Spektakel wie Army of the Dead wegen der ausgefeilten Handlung? Nein, wir wollen Zombies, Blut und Gedärme! Und die bekommen wir auch – nur eben noch eine ganze Menge Leerlauf dazu. Neben teils mauen Dialogen und zweifelhaften Entscheidungen der Charaktere sind es vor allem die evolvierten Zombies, die unnötig Zeit rauben. Klar, Snyder möchte, dass Army of the Dead für Genre-Fans mehr ist als herkömmliche Kost und experimentiert ein wenig am Zombie-Mythos herum. Doch wirklich berauschend ist das Ergebnis nicht, da viel zu viele Fragen offen bleiben. Schade, denn immerhin war sein Erstlingswerk damals eine waschechte Genre-Perle ohne Schnickschnack. Lasset den roten Saft fließen! Zwar hätte man locker 20 Minuten überflüssiges Material rauskürzen können, aber jetzt habe ich wirklich genug gestänkert. Denn wenn die Nummer Fahrt aufnimmt, dann richtig! Army of the Dead ist nämlich auch voller kleiner Highlights, die mal spannend, mal witzig und oft einfach richtig in die Fresse daherkommen. Schon die erste große Zombie-Szene, in der sich der Trupp durch „überwinternde“ Untote schleicht, hat alles, was das Herz begehrt. Und wenn sich Bautista & Co zu fettem Soundtrack durch eine Casino-Spielhalle schießen, dann ist auch Snyder in seinem Element. Das alles ist perfekt durchchoreografiert, ballert amtlich und macht richtig Laune. Aber Achtung: hier ist insgesamt mehr Action als Horror drin! Try not to get nuked, or murdered by the undead. Kate Ward in Army of the Dead Bitte nicht allzu ernst nehmen Kam etwa Snyders Justice League insgesamt doch eher ernsthaft daher, geht es bei Army of the Dead mit ein bisschen mehr Augenzwinkern zu. Und das tut dem Film auch gut, immerhin werden von Alpha-Zombies bis Zombie-Tigern allerhand irre Dinge aufgefahren. Der solide aufspielende Cast scheint eine gute Zeit am Set gehabt zu haben. Dave Bautista (Guardians of the Galaxy Vol. 2) beherrscht nicht nur Action, seine schiere Präsenz wirkt wie ein Anker im bunten Geschehen. Auch Ana de la Reguera und Nora Arnezeder beweisen echte Kickass-Qualitäten, während Ella Purnell unter ihrer lachhaft schlecht geschriebenen Figur leidet. Comedienne Tig Notaro, die nachträglich per Greenscreen in den Film eingefügt wurde, bringt ein paar lockere Sprüche mit ein, doch wirken ihre Szenen dadurch weniger organisch. Anders ist es bei Omari Hardwick und Matthias Schweighöfer (You Are Wanted), die zwar ein wenig zu schnell zu Buddies werden, aber für die witzigsten Momente sorgen. Für das deutsche Publikum kommt Schweighöfers Figur etwas zu stereotyp daher (heißt Dieter, akkurat-deutscher Tech-Nerd, mag Richard Wagner, yada yada yada), doch wenn er angesichts eines Untoten laut kreischt, dann zündet das voll. Wir sind jedenfalls gespannt auf das von Schweighöfer inszenierte Prequel Army of Thieves. Fazit: 'Army of the Dead' vereint Snyders bewährte Stärken und Schwächen In Snyders neuem Zombie-Spektakel werden seine Qualitäten (und das Fehlen der selbigen) einmal mehr offenbar. Optisch ein echter Hingucker, mit satter Action, brutalem Gemetzel und teils frisch-humorvollen Sequenzen ist Army of the Dead insgesamt unterhaltsam. Story-technisch hingegen überzeugt der rudimentäre Heist-Plot und die teils mit unglaubwürdigen Entwicklungen abgestraften Figuren nur wenig. Zu viele Fässer werden aufgemacht, keins davon wird befriedigend behandelt. In all dem Bombast wäre weniger tatsächlich mehr gewesen. Wer das Hirn abschalten und augenzwinkernd Zombies beim Sterben zusehen möchte, wird über die inhaltlichen Schwächen hinwegsehen können. Alle anderen sollten vielleicht doch lieber Snyders Dawn of the Dead herauskramen und sich an ernsthafterem Horror erfreuen.
    Kritik: Army of the Dead
    Handlung
    50%
    Schauspiel
    75%
    Action
    85%
    Horror
    60%
    Spannung
    65%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 21.05.2021
    Filmlänge: 148 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , ,
    Bildrechte: 2021 Netflix
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Ganz okay
67%

Zack Snyder ist nicht nur ein Multitalent, sondern auch ein Workaholic. Nur zwei Monate nach Release seines Snyder-Cuts flimmert der nächste Blockbuster 'Army of the Dead' über den Heimbildschirm. Diesmal vereint Snyder seine filmischen Anfänge im Zombie-Genre mit der Epik seiner Superhelden-Werke. Doch funktioniert das Gemisch? Erfahrt es in unserer Bewertung und Kritik.

Worum geht's?

Las Vegas ist kontaminiert. Wo einst Spielwütige ihr Gehalt verzockten, tummeln sich nun massenweise Zombies. Kein Problem, denkt sich die amerikanische Regierung, und riegelt die Stadt ab. Jahre später soll der ganze Landstrich mit einer Atombombe ausgemerzt werden, was dem Businessmann Bly Tanaka (Hiroyuki Sanada) überhaupt nicht passt – denn er hat noch 200 Millionen Dollar in einem Safe im Herzen der Stadt liegen. Also beauftragt er Haudegen Scott Ward (Dave Bautista, Blade Runner 2049) und sein Team – darunter Matthias Schweighöfer als Tresorknacker Dieter – ein letztes Mal, sich durch Massen von Untoten zu schießen und die Ware sicherzustellen. Die Aktion entpuppt sich jedoch als Himmelfahrtskommando…

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Das Snyder-Dilemma

Zack Snyder war für mich immer ein eigenwilliges enfant terrible. Nach seinem vielbeachteten Debut Dawn of the Dead hieß es vor allem style over substance. Ob 300, Sucker Punch oder in jüngster Zeit seine meiner Meinung nach allesamt missglückten DC-Heldenfilme – die eigene visuelle Handschrift war stets zu erkennen. Aber eben leider auch die inhaltliche Handschrift. Denn selten haben die Filme von Snyder tatsächlich etwas substanzielles zu erzählen. Lediglich die Adaption von Watchmen, der für mich ein Meisterwerk ist, vereinte optischen Bombast mit einer faszinierend-komplexen Geschichte – was natürlich auch Mastermind Alan Moore geschuldet war. Doch wenn Snyder an der Story mittüftelt? Dann ächzt es meistens im Plot-Gebälk.

Ein bisschen von allem, bitte!

Für Army of the Dead hat das Drehbuchteam um Zack Snyder ordentlich in die Genre-Kiste gegriffen. Ein wenig Geheimniskrämerei der amerikanischen Regierung à la Stranger Things, ein bisschen augenzwinkernde Schlachtplatte in den Fußstapfen von Zombieland und eine Heist-Story wie in Haus des Geldes. Das kann man schon so machen, dann müssen die Elemente aber auch ineinander greifen. Hier ist das Ergebnis – ich hatte es befürchtet – eher halbgar.

Zack Snyders Größenwahn (oder nennen wir es: Hang zum dramatischen Bombast) ist nicht immer dienlich. Denn während die Zombie-Metzelei mit einem stimmigen Mix aus CGI und handgemachtem Gore fantastisch aussieht, bremsen künstliche Konflikte die eigentlich rasante Handlung enorm aus. Statt emotionale Tiefe in den Plot zu bekommen, geraten Figuren fast schon klischeehaft aneinander: zum Beispiel Ward und seine meist irrational agierende Tochter, die ihren jahrelangen Streit mal eben in ein paar kurzen Sätzen lösen.

Dave Bautista in einem Szenenbild aus Army of the Dead in einer Kritik von 4001reviews

Noch weiß das Team um Scott Ward (Dave Bautista, 2. v.r.) nicht, was in Vegas auf sie wartet.

Vorhersehbarer Sideplot-Overkill

Überhaupt ist die Handlung so konventionell, wie es sich für einen Zombie-Slasher eben ziemt. Dabei riechen die geübten Zuschauenden jede Wendung meilenweit gegen den nach Verwesung riechenden Wind. Ob der dubiose Handlanger des Auftraggebers etwas Böses im Schilde führt? Ob sich der Badass-Charakter nach einigen Zankereien mit dem liebenswerten Nerd anfreundet? Ob die ohnehin schon knapp bemessene Zeit aus „Gründen“ noch knapper wird? Die Antwort auf all das und mehr ist natürlich: Ja! Aber ganz ehrlich: schauen wir ein Spektakel wie Army of the Dead wegen der ausgefeilten Handlung?

Nein, wir wollen Zombies, Blut und Gedärme! Und die bekommen wir auch – nur eben noch eine ganze Menge Leerlauf dazu. Neben teils mauen Dialogen und zweifelhaften Entscheidungen der Charaktere sind es vor allem die evolvierten Zombies, die unnötig Zeit rauben. Klar, Snyder möchte, dass Army of the Dead für Genre-Fans mehr ist als herkömmliche Kost und experimentiert ein wenig am Zombie-Mythos herum. Doch wirklich berauschend ist das Ergebnis nicht, da viel zu viele Fragen offen bleiben. Schade, denn immerhin war sein Erstlingswerk damals eine waschechte Genre-Perle ohne Schnickschnack.

Lasset den roten Saft fließen!

Zwar hätte man locker 20 Minuten überflüssiges Material rauskürzen können, aber jetzt habe ich wirklich genug gestänkert. Denn wenn die Nummer Fahrt aufnimmt, dann richtig! Army of the Dead ist nämlich auch voller kleiner Highlights, die mal spannend, mal witzig und oft einfach richtig in die Fresse daherkommen. Schon die erste große Zombie-Szene, in der sich der Trupp durch „überwinternde“ Untote schleicht, hat alles, was das Herz begehrt. Und wenn sich Bautista & Co zu fettem Soundtrack durch eine Casino-Spielhalle schießen, dann ist auch Snyder in seinem Element. Das alles ist perfekt durchchoreografiert, ballert amtlich und macht richtig Laune. Aber Achtung: hier ist insgesamt mehr Action als Horror drin!

Try not to get nuked, or murdered by the undead.

Kate Ward in Army of the Dead

Bitte nicht allzu ernst nehmen

Kam etwa Snyders Justice League insgesamt doch eher ernsthaft daher, geht es bei Army of the Dead mit ein bisschen mehr Augenzwinkern zu. Und das tut dem Film auch gut, immerhin werden von Alpha-Zombies bis Zombie-Tigern allerhand irre Dinge aufgefahren. Der solide aufspielende Cast scheint eine gute Zeit am Set gehabt zu haben. Dave Bautista (Guardians of the Galaxy Vol. 2) beherrscht nicht nur Action, seine schiere Präsenz wirkt wie ein Anker im bunten Geschehen. Auch Ana de la Reguera und Nora Arnezeder beweisen echte Kickass-Qualitäten, während Ella Purnell unter ihrer lachhaft schlecht geschriebenen Figur leidet.

Omari Hardwick und Matthias Schweighöfer in einem Szenenbild aus Army of the Dead in einer Kritik von 4001Reviews

Vanderohe (Omari Hardwick, l.) und Dieter (Matthias Schweighöfer) sorgen mit ihrer Bromance für die witzigen Momente des Films.

Comedienne Tig Notaro, die nachträglich per Greenscreen in den Film eingefügt wurde, bringt ein paar lockere Sprüche mit ein, doch wirken ihre Szenen dadurch weniger organisch. Anders ist es bei Omari Hardwick und Matthias Schweighöfer (You Are Wanted), die zwar ein wenig zu schnell zu Buddies werden, aber für die witzigsten Momente sorgen. Für das deutsche Publikum kommt Schweighöfers Figur etwas zu stereotyp daher (heißt Dieter, akkurat-deutscher Tech-Nerd, mag Richard Wagner, yada yada yada), doch wenn er angesichts eines Untoten laut kreischt, dann zündet das voll. Wir sind jedenfalls gespannt auf das von Schweighöfer inszenierte Prequel Army of Thieves.

Fazit:

'Army of the Dead' vereint Snyders bewährte Stärken und Schwächen

In Snyders neuem Zombie-Spektakel werden seine Qualitäten (und das Fehlen der selbigen) einmal mehr offenbar. Optisch ein echter Hingucker, mit satter Action, brutalem Gemetzel und teils frisch-humorvollen Sequenzen ist Army of the Dead insgesamt unterhaltsam. Story-technisch hingegen überzeugt der rudimentäre Heist-Plot und die teils mit unglaubwürdigen Entwicklungen abgestraften Figuren nur wenig. Zu viele Fässer werden aufgemacht, keins davon wird befriedigend behandelt. In all dem Bombast wäre weniger tatsächlich mehr gewesen. Wer das Hirn abschalten und augenzwinkernd Zombies beim Sterben zusehen möchte, wird über die inhaltlichen Schwächen hinwegsehen können. Alle anderen sollten vielleicht doch lieber Snyders Dawn of the Dead herauskramen und sich an ernsthafterem Horror erfreuen.

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