6.8/10

Kritik: Barbarian

AIRBNB MIT DEM GEWISSEN TWIST

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Genres: Horror, Thriller, Startdatum: 09.09.2022

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Schenkt man dem Filmwelt-Gespräch der letzten Wochen Glauben, dann ist ‚Barbarian‘ wohl die Gänsehaut-Überraschung des Jahres. Der Horror-Thriller zog direkt weite Kreise und schlug sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik ein wie eine Bombe. Wird der Film dem Hype gerecht oder schürt der viele Wirbel eine falsche Erwartungshaltung?

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#ILikeToMoveIt #Mindfuck #Klassikernerd

Darum geht’s

Tief in der Nacht vor einem wichtigen Bewerbungsgespräch kommt Tess (Goergina Campbell) im strömenden Regen vor ihrem Airbnb an. Gelegen in einer heruntergekommen Gegend und von nichts als Dunkelheit ummantelt, macht das Haus bereits nicht einen besonders einladenden Eindruck, doch dabei soll es nicht bleiben. Als Tess das Haus betritt, merkt sie schnell, dass sie nicht alleine ist, denn der wildfremde Keith (Bill Skarsgård) behauptet, das Airbnb genau wie sie für mehrere Nächte gemietet zu haben. So sieht sich Tess gezwungen, ihre Bleibe für eine Nacht mit einem unbekannten Mann zu teilen, der vielleicht mehr im Schilde führt, als es zunächst scheint. 

Die Horrorüberraschung des Jahres?

Die Diskussion rund um Barbarian reißt auch jetzt, über zwei Monate nach dem englischsprachigen Kinostart, immer noch nicht ab. Bei der Frage, ob der Horrorfilm nun das Gänsehaut-Highlight des Jahres ist, ist man sich dabei noch uneinig. Doch bei einem Punkt stimmen alle Besprechungen überein: Barbarian sollte maximal unvorbereitet angeschaut werden. Wer sich ohne Vorwissen in den Film wagt, wird belohnt. 

Wenn ihr euch ein vollkommen unvoreingenommenes Filmerlebnis wahren möchtet, dann sollte aus diesem Grund hier mit dem Lesen pausieren und zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommen. Innerhalb dieser Kritik werde ich selbstverständlich keine näheren Plot-Punkte erläutern, doch die unvoreingenommene Filmerfahrung wird sie dennoch verändern. 

Damit hast du nicht gerechnet!

Der Grund für all den Wirbel rund um Barbarian liegt in einem Handlungsgerüst, welches wir nur selten im Mainstream-Kino zu sehen bekommen. Der Film spielt mit unseren Erwartungen an die Handlung und baut bewusst bekannte Elemente des Horrorkinos ein, nur um anschließend in die vollkommen entgegengesetzte Richtung zu gehen.

Tiefste Nacht, strömender Regen und die Tür geht nicht auf – mehr als 1 von 5 Sternen sollte für das Airbnb nicht drin sein.

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Beispiel gefällig? Tess schläft. Das Bett hinter ihr ist nicht zu sehen. Plötzlich fährt die Kamera suggestiv nach oben und erfahrene Horror-Zuschauer:innen können nur eines erwarten: Jemand (oder etwas) wird hinter ihr im Bett liegen – oder? Falsch gedacht. Als wäre nichts gewesen schneidet Barabarian in die nächste Szene und lässt die Erwartungshaltung unbedient.

Kleine Momente wie diese stehen stellvertretend für die gesamte Natur des Filmes. Geschichte, Setting, Figuren: der Film wagt, sich in diversen Bereichen mehrfach vollkommen neu zu erfinden und mit den Erwartungen des Publikums zu brechen.

Und auf einmal ist ein Fremder in deinem Haus. Ist Keith (Bill Skarsgård) zu trauen?

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Damit geht Barbarian einen mutigen Weg, der oft brillant funktioniert, dem Film jedoch gleichzeitig vereinzelt den Wind aus den Segeln nimmt. Einerseits hält die Handlung das Publikum durch die ständig gebrochene Erwartungshaltung in einer konstanten Anspannung. Die Horror-Regeln à la Scream sind entkräftet und es kann alles zu jedem Zeitpunkt passieren. Die Twists sind dabei stellenweise so überraschend und plötzlich, wie bei kaum einem anderen Horrorfilm der letzten Jahre. So sorgt Barbarian sowohl in der Handlung als auch in der technischen Umsetzung für eine frische Horror-Brise im Kinosaal. 

Andererseits verlangt der Film dem Publikum durch seine ständig wechselnde Natur einiges an Bereitschaft ab. Ist man als Zuschauer:in einmal in eine Passage des Filmes und deren Atmosphäre eingetaucht, wird es nicht lange dauern, bis man von der Handlung in die nächste Stimmung geschubst wird. So bekommen die einzelnen Etappen der Handlung (trotz meist genialer Ausgestaltung) wenig Zeit zum Atmen und das Publikum muss bereit sein, mit dem Film zusammen in neue Stimmungen einzutauchen. Zudem wirken manche der Twists stellenweise arg herbeigeführt. So reizt der Film die „Das würde eine Figur bei Verstand niemals tun“- Regeln bis ans Äußerste aus und lässt uns regelmäßig an der Zurechnungsfähigkeit unserer Protagonistin zweifeln. 

Ein Seil in der Wand eines Horrorhauses? Einfach mal dran ziehen!

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Besonders gegen Ende nimmt Barbarian dabei einige Wendungen, bei denen es mir schwerfiel, noch Schritt zu halten. Brechen von Erwartungshaltung ist in dem Sinne oft ein zweischneidiges Schwert. Wo die Twists manche Zuschauer:innen begeistern werden, werden sie andere aus dem Flow der Handlung herauswerfen. 

Ein wilder Genremix

Eine ähnlich unkonventionelle Mischung wie bei der Handlung findet sich auch bei den verschiedenen Stimmungen, die der Film vermitteln möchte. Während das Publikum in einem Moment von einer angespannten Horror-Sequenz gefesselt wird, schlägt der Ton wenige Sekunden später in komödiantische oder satirische Stimmungen um. Während auch diese Momente isoliert sehr gut funktionieren könnten, ist es genau wie bei der Handlung die Kombination all dieser Elemente, die zu irritiertem Stirnrunzeln führen kann. 

Besonders der satirische Kommentar des Films wirkt dadurch im Kontext oftmals abgedroschen und wenig durchdacht. Barbarian bleibt im Endeffekt immer noch ein oft faszinierendes und interessantes Seherlebnis. Ein Erlebnis, das durch zu viele Irritationen und abrupte Wendungen allerdings einiges an Potenzial einbüßt. 

Fazit

6.8/10
Ganz okay
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 5.5/10
Charaktere 6/10
Horror 8/10
Humor 6.5/10
Visuelle Umsetzung 8/10
Details:
Regisseur: Zach Cregger,
FSK: 16 Filmlänge: 103 Min.
Besetzung: Bill Skarsgård, Georgina Campbell, Justin Long,

Barbarian wird seinem Ruf gerecht und bietet eines der abwechslungsreichsten Kinoerlebnisse des Jahres – auch über das Horror-Genre hinweg. Der Film erfindet sich am laufenden Band neu und überrascht sein Publikum durch schockierende Twists und clevere visuelle Spielereien. Doch durch diese Achterbahnfahrt einer Handlung wirkt die Struktur des Films stets wirr und irritierend. Es braucht einiges an Bereitschaft von der Seite des Publikums, um mit den verschiedenen Stimmungen und 180 Grad Handlungswenden des Films Schritt zu halten. Dennoch lohnt sich Barbarian für seine einzigartige Seherfahrung und die (isoliert betrachtet) starken Einzeletappen der Handlung.

Artikel vom 25. November 2022

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