Kritik: Borat: Anschluss-Moviefilm

Film für aktuell Amerika it’s nice
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
  • Nach 14  Jahren schlüpft Sacha Baron Cohen erneut in seine Paraderolle. Ob 'Borat Anschluss Moviefilm' aber mit dem Original mithalten kann oder eher ein lascher Aufguss der bekannten Gags ist – das erfährst du in unserer Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Zurück nach Amerika Seit dem letzten Film ist es Kasachstans zweitbestem Journalist schlecht ergangen: die ganze Welt hat über die  Kasachen gelacht und Borat ist zur Strafe ins Arbeitslager gesteckt worden. Doch jetzt bekommt er eine zweite Chance. Die Regierung ist nicht erfreut, dass Donald Trump diverse Diktatoren zu seinen Freunden zählt, sich aber noch nicht in Kasachstan gemeldet…
    Kritik: Borat: Anschluss-Moviefilm tba
    1
    Handlung
    60%
    Humor
    60%
    Schauspiel
    75%
    Tiefgang
    50%
    Dialoge
    65%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 23.10.2020
    Filmlänge: 95 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , ,
    Regisseur:
    Besetzung: ,
    Bildrechte: Amazon Prime Video
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Gesamtbewertung:

Mäßig
62%

Nach 14  Jahren schlüpft Sacha Baron Cohen erneut in seine Paraderolle. Ob 'Borat Anschluss Moviefilm' aber mit dem Original mithalten kann oder eher ein lascher Aufguss der bekannten Gags ist – das erfährst du in unserer Kritik.

Zurück nach Amerika

Seit dem letzten Film ist es Kasachstans zweitbestem Journalist schlecht ergangen: die ganze Welt hat über die  Kasachen gelacht und Borat ist zur Strafe ins Arbeitslager gesteckt worden. Doch jetzt bekommt er eine zweite Chance.

Die Regierung ist nicht erfreut, dass Donald Trump diverse Diktatoren zu seinen Freunden zählt, sich aber noch nicht in Kasachstan gemeldet hat. Um die Beziehungen zu den US and A zu verbessern, soll Borat nach Amerika reisen und Vizepräsident Mike Pence einen Affenpornostar schenken. Zusammen mit seiner Tochter Tutar stolpert er wie gewohnt von einer absurden Situation in die nächste.

Das Muster ist in etwa dasselbe wie zuvor. Mit einem Unterschied: Borat selbst taucht nur wenig im Film auf. Denn, wie in einer Szene zu Beginn klargemacht wird, im grauen Anzug und mit Schnauzbart wird Sacha Baron Cohen sofort auf der Straße angesprochen. Jeder kennt Borat, die alte Masche funktioniert nicht mehr. Es folgt eine Reihe recht austauschbarer Kostümierungen als bärtiger wirrer Mann, plus: ein kurzer Auftritt als Donald Trump.

Borat auf der Straße in einem Szenenbild für Kritik Borat Anschluss Movie-Film

Borat zurück in US & A. Doch die Maskerade funktioniert nicht mehr. Daher bedarf es einer "Verkleidung über einer Verkleidung".

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Ein weiblicher Borat

Der Film erzählt dann auch vielmehr die Geschichte von Tochter Tutar, großartig rücksichtslos gespielt von Marija Bakalowa. Vom Schweinestall in kasachischen Hinterland geht es für sie nicht nur nach Amerika, sondern auch um die Emanzipation von der antifeministischen Propaganda ihres Vaters. Dieses Setting dient als steter Spiegel für das Frauenbild der amerikanischen Gesellschaft.

Maria Bakalova und Sacha Baron Cohen in Verkleidung in einem Szenenbild für Kritik Borat Anschluss-Moviefilm

Maria Bakalova und Sacha Baron Cohen in Verkleidung in einem Szenenbild für Kritik Borat Anschluss-Moviefilm

Der Film hat eine klare politische Agenda. Viel deutlicher als der Vorgänger. Doch neben all diesen, ohne Zweifel sehr lobenswerten, Ideen bleibt doch eine ganz wichtige Frage: Ist der Film lustig? Schließlich ist es eine Komödie. Die Antwort: Manchmal. Immer dann nämlich, wenn der Humor auch tatsächlich auf die Verwerfungen in der Gesellschaft abzielt.

So sucht Borat mit seine Tochter in einer Szene etwa ein “Women’s Health Centre” auf, nachdem Tutar versehentlich ein Spielzeugbaby verschluckt hat. Dort berät sie allerdings kein Arzt, sondern ein Priester, dessen Hauptanliegen es ist, Frauen von einer Abtreibung abzuhalten. Es entfaltet sich eine großartige Aneinanderreihung von Missverständnissen, die uns mehrfach zum Lachen gebracht hat.

Worüber wir nicht besonders lachen konnten

An einigen Stellen bleibt Borat Anschluss Moviefilm humoristisch leider hinter seinem Potential zurück. Wie schon der Vorgänger setzt der Film oft auf sehr brachialen Genital- und Fäkalhumor. Dass dabei jetzt Vaginen und Menstruationsblut statt Penisse im Zentrum stehen, macht wenig Unterschied. Als Tutar etwa vor einer konservativen Frauengruppe spricht und die ganze Szene nur zu einem sehr langen Gag über Masturbation wird, ist das schade, weil nicht sehr originell oder subversiv.

Insgesamt fehlt es dem Film an einigen Stellen etwas an Biss. Sowohl die Conservative Women als auch die an anderer Stelle vorgeführten Verschwörungsanhänger sind sehr leichte Ziele. Auch wirkt der aus dem ersten Film bekannte Culture-Clash-Humor doch stark veraltet. Beispielsweise der Witz, dass Borat Geschirr und technische Geräte in die Waschmaschine räumt, ist wirklich mau und gehört zusammen mit Gymnastikmontagen mit Gummipenis zu den uninteressanteren Momenten des Films.

Auch ein Corona-Film

Manche Späße sind zwar in Ordnung, dauern aber etwas zu lang z.B. das wiederholte Kommunizieren mit dem kasachischen Landwirtschaftsministeriums via Fax im Copy-Shop verliert sehr schnell an Witz. Insgesamt fühlt sich der zweite Teil von Borat etwas zu sehr an wie die Pandemie-Situation, in der er entstanden ist und die er, natürlich, auch aufs Korn nimmt: Die Handlung hängt etwas zu lange an zu wenigen Orten rum und alles zieht sich etwas in die Länge.

Doch in Anbetracht der erschwerten Bedingungen der Veröffentlichung schlägt der Humor des Films sich gut. Denn zu sehen gibt es ihn dieser Tage nicht im Kino, sondern ausschließlich bei Amazon Prime. Ohne einen vollen Kinosaal, der durch kollektives Gelächter auch schwächere Stellen rettet, fällt jeder Gag, der nicht zündet, sofort auf.

Fazit:

Fazit: Kann man sich ansehen, muss man nicht

So richtig begeistert sind wir nicht. Im Vergleich zum Vorgänger ist Borat Anschluss Moviefilm deutlich weniger radikal und setzt leider kaum noch auf Komik durch unangenehme Situationen. Der Humor ist an vielen Stellen milder und einfacher zugänglich. Einige Witze sind etwas zu absehbar und konventionell. Den Mockumentary-Stil mag man an vielen Stellen nicht glauben. An den guten, weil es unfassbar ist, was da gesagt wird, an den schlechten, weil es ziemlich gestellt wirkt. Dennoch ist er insgesamt aber sehenswert und angenehm kurzweilig. Als feministischer Film, der er wahrscheinlich gerne wäre, können wir ihn aber nicht durchgehen lassen.

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