7.2/10

Kritik: Don’t look up

DICH SCHICKT DER HIMMEL!

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Genres: Drama, Komödie, Startdatum: 09.12.2021

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Bloß nicht nach oben schauen! Vice Regisseur Adam Mckay erzählt mit ‚Don’t look up‘ ein komödiantisches What-if-Weltuntergangsszenario, das gleichzeitig als bissige Gesellschaftssatire daherkommt. Kann die Meteoriten-Metapher einschlagen oder verfehlt McKay sein Ziel?

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#ILikeToMoveIt #Mindfuck #Klassikernerd

Darum geht’s

Dr Kate Dibiaski (Jennifer Lawrence) traut ihren Augen nicht: aus heiterem Himmel entdeckt die Wissenschaftlerin einen bisher unbekannten Komet am nächtlichen Sternenhimmel. Anhand des frisch gebackenen Funds macht sich eine Euphorie in Kates Team breit, welche jedoch schnell in blankes Entsetzen umschlägt. Denn als Kate gemeinsam mit ihrem Kollegen Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) die voraussichtliche Flugbahn ihrer Entdeckung berechnet, stellen beide schockiert fest, dass der gigantische Himmelskörper in wenigen Monaten mitten auf die Erde stürzt – ein Ereignis, das jegliches Leben auf unserem Heimatplaneten auslöschen würde.

Alarmiert und voller Panik versuchen sich die beiden Wissenschaftler:innen Gehör zu verschaffen, um vor der drohenden Auslöschung zu warnen. Doch sowohl in der Politik als auch in der Öffentlichkeit stoßen beide auf taube Ohren und wahnwitzige Entscheidungen.

Die Anti-Katastrophe

Anhand einer bloßen Inhaltsangabe würden viele Don’t Look up direkt als herkömmlichen Katastrophenfilm verbuchen. Ein existenzbedrohlicher Komet, panische Massen, Zerstörung und Weltuntergang, die Formel ist bekannt. Wer sich dieser Erwartungshaltung entsprechend auf ein Armageddon 2.0 im Michael Bay-Gewand freut, wird allerdings enttäuscht werden, denn Adam Mckays neue Satire kommt viel mehr wie ein Gegenentwurf des gesamten Genres daher. Ja, es gibt eine drohende Katastrophe und ja, die menschliche Existenz steht auf dem Spiel, doch wird diese Tatsache als katastrophal empfunden? Ganz und gar nicht!

„Wir hatten schon so viele ‚Die Welt geht unter‘-Treffen. Dürre, Hungersnot, Ozonloch. Das ist so langweilig.“

Präsidentin Orlean in Don’t look up

Mit Ausnahme der wenigen Protagonist:innen begegnen die Figuren aus Don’t look up ihrem heraufziehenden Untergang mit müdem Lächeln, abwinkenden Handbewegungen und schlechten Witzen. Egal ob hohe Tiere wie die Präsidentin, die nur auf ihre Zwischenwahlen fokussiert ist, oder die breite Masse, die lieber das Sternschnuppen-Tattoo einer Sängerin bewundert, anstatt den Blick Richtung tatsächlicher Himmelskörper zu wenden – niemand erfasst den Ernst der Situation.

Adam McKay selbst beschreibt diese Herangehensweise als Reflexion auf die Klimapolitik, doch die Metapher zieht für viele Themen: ob Corona oder Social Media – der Komet zielt auf die volle Breitseite unserer Gesellschaft.

„wir verpacken schlechte Nachrichten in guter Laune“

So oder so ähnlich erklärt Präsidentin Orlean (Meryl Streep) ihre tiefenentspannte Haltung im Angesicht der lebensbedrohlichen Gefahr aus dem All. Das Zitat, welches hauptsächlich der absurden Situationskomik dient, könnte jedoch auch direkt an das Publikum gerichtet sein, denn es beschreibt McKays eigenwilligen Genremix haargenau. Don’t look up hat zwar die satirischen Qualitäten eines The Big Short, doch die überzogenen Figuren, wahnwitzigen Situationen und die hohe Gagdichte erinnern oft mehr an McKays frühere Komödien wie Anchorman.

Wer diese gesehen hat, wird sich bereits ein Bild vom Humor des Filmes machen können: beinahe jede Figur kratzt an der vollkommenen Lächerlichkeit und die Handlung versucht sich von Minute zu Minute selbst in ihrer Absurdität zu übertreffen. McKay konstruiert sich ein riesiges Mosaik des Wahnsinns, bei dem jede Figur oder Entscheidung stellvertretend auf eine Personengruppe des realen Lebens abzielt und durch den Kakao zieht.

Subtil wie die Apokalypse

Diese Art der in-your-face-Komik sorgt zwar für einige der komischsten Szenen des Jahres, doch im Kontext einer Satire balanciert McKays Humor auf einem sehr schmalen Grat. Wo Satireklassiker wie Dr. Seltsam oder Network sehr subtil arbeiten und ihre Botschaften unterschwellig in ihre Handlung einflechten, ist Don’t look up in etwa so feinfühlig wie der handlungszentrale Komet. Statt mehrdeutigen Themen tendiert der Film viel mehr zu Szenen, in denen Leonardo DiCaprio mit vor Panik aufgerissenen Augen in die Kamera monologisiert und uns jegliche Botschaften auf dem Silbertablett serviert.

An dieser Herangehensweise werden sich die Geister mit Sicherheit scheiden. Wo die einen oft die Augen verdrehen werden und sich berechtigterweise fragen, ob der Film sie für dumm verkaufen will, könnten andere gleichzeitig die Frage stellen, ob subtil sein bei der Thematik noch die richtige Herangehensweise ist. Braucht es vielleicht eine derartige Holzhammermethode, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen? Denn eines schafft Don’t look up definitiv: Er macht sauer! Jede Figur, die nicht zuhört und jede bescheuerte Entscheidung oder Wendung – spätestens nach 30 Minuten wird bei den Meisten der Punkt erreicht sein, bei dem der Komet plötzlich zum größten Sympathieträger des Filmes wird.

Blickt man allerdings auf die wenigen emotionalen Momente des Filmes, welche besonders rund um das sehr gelungene Ende stattfinden, wird deutlich, wie stark Don’t look up in seinen ruhigeren Augenblicken sein kann. Ein bis zwei mehr solcher Atempausen anstelle eines weiteren satirischen Vergleichs hätten dem Film durchaus gutgetan und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die überzogenen Szenen des Wahnsinns im Kontext einer geerdeten Realität stärker wirken.

End of the World Party der Stars

Jene, die die Besetzung von Don’t look up bereits überflogen hat, werden es bereits staunend bemerkt haben: beim Star-Appeal des Filmes kann es im Gegensatz zum Inhalt keine zwei Meinungen geben. Meryl Streep, Leonardo Dicaprio, Jonah Hill… die Liste der Hollywood-Sternchen hinter dem Film scheint endlos.

Bei einem derartig prominenten Cast wundert es nicht, dass fast alle Schauspieler:innen perfekt in ihren übertriebenen Figuren aufgehen. Sei es ein Jonah Hill, der augenscheinlich viel Platz für eigene Improvisationen bekommt oder ein durchgeknallter Ron Perlman, der im Bademantel aus seinem Vorgarten auf den Kometen schießt – alle Schauspieler:innen sind herrlich überdreht und unterhaltsam. Auch Leonardo DiCaprio ist gewohnt fantastisch, doch der heimliche Star ist Mark Rylance als ein Tech-Milliardär, der an Personen wie Steve Jobs oder Elon Musk erinnert. Zu viel sei über seine Figur nicht verraten, doch er stiehlt jede Sekunde seiner wenigen Screentime und sorgt für garantierten Lachmuskelkalter.

Fazit

7.2/10
Ordentlich
Community-Rating: (2 Votes)
Handlung 7/10
Schauspiel 8/10
Humor 8/10
Tiefgang 6/10
Charaktere 7/10
Details:

Urkomische Satire mit Haudrauf-Botschaft

Don’t look up hat sich vieles vorgenommen: im Kontext eines auf die Erde zurauschenden Asteroiden will Regisseur Adam McKay von unzähligen Themen erzählen, die von Klimaschutz, über Donald Trump bis zur oberflächlichen Social-Media-Welt reichen. Ein gewagter Plan, der jedoch in vielen Momenten aufgeht. Mithilfe seines tollen Casts, dessen Karikatur-eqsuen Figuren und irrsinnig komischer Situationskomik nimmt McKay eine Thematik, nach der anderen ins Visier und stellt diese komödiantisch an den Pranger. Dabei zielt der Film jedoch hauptsächlich auf die offensichtlichen Schwerpunkte ab und behandelt diese wenig subtil. Für eine meisterhafte Satire fehlt hier zu oft die Vielschichtigkeit.

Artikel vom 14. Dezember 2021

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