Kritik: Game of Thrones – Staffel 8

Folge 2: Der Anfang vom Ende
Spoilerfrei!
Lesedauer: 8 Mins.
  • Kit Harrington als Jon Snow auf dem eisernen Thron in einem Poster für Kritik Game of Thrones Staffel 8
  • Es soll die epischste Staffel der Seriengeschichte werden. 'Game of Thrones' hat mit Staffel 8 die letzte Möglichkeit, sich als beste TV-Show aller Zeiten zu etablieren. Erwarten wir zu viel oder können die letzten sechs Folgen uns nochmal vom Hocker hauen? In unseren wöchentlichen Episodenkritiken finden wir es heraus! Direkt zur neuesten Episodenkritik Das solltest du über unsere Episodenkritiken wissen Wir bewerten jede Episode der achten Staffel in einer Episodenkritik. Diese Kritik wird zwischen Montag und Mittwoch nach der neuesten Episode erscheinen. Die Gesamtbewertung der Staffel ist der Durchschnitt der einzelnen Bewertungen für die Episoden. Die Gesamtbewertung kann sich also…
    Kritik: Game of Thrones – Staffel 8 tba
    1

    85%

    Stark

    Episode 1 'Winterfell'
    81%
    Episode 2 'Ein Ritter der sieben Königslande'
    89%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 15.04.2019
    Episoden: 73 in 8 Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Showrunner: ,
    Besetzung: , , , , , ,
    Bildrechte: © 2019 HBO

Gesamtbewertung:

Stark
85%

Es soll die epischste Staffel der Seriengeschichte werden. 'Game of Thrones' hat mit Staffel 8 die letzte Möglichkeit, sich als beste TV-Show aller Zeiten zu etablieren. Erwarten wir zu viel oder können die letzten sechs Folgen uns nochmal vom Hocker hauen? In unseren wöchentlichen Episodenkritiken finden wir es heraus!

Das solltest du über unsere Episodenkritiken wissen

Wir bewerten jede Episode der achten Staffel in einer Episodenkritik. Diese Kritik wird zwischen Montag und Mittwoch nach der neuesten Episode erscheinen. Die Gesamtbewertung der Staffel ist der Durchschnitt der einzelnen Bewertungen für die Episoden. Die Gesamtbewertung kann sich also jede Woche verbessern oder verschlechtern!

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Kritik: Folge 1 'Winterfell'

Original-Titel: Winterfell
Erscheinungsdatum: 15. April 2018 (DE)
Folge 1 jetzt auf Amazon streamen*

Daenerys Targaryen und Jon Snow stehen nebeneinander in einer Eislandschaft in Game of Thrones Staffel 8 Folge 1 Winterfell

Noch stehen Daenerys und Jon Seite an Seite – aber wie lange noch?

Die Zeit läuft ab. 'Game of Thrones' bleiben nur noch sechs Kapitel, den Epos mit all seinen Fragen und Mysterien zu Ende zu erzählen. Für die neuen Folgen gilt also: all killer, no filler! Ob die ersten 50 Minuten namens 'Winterfell' diesen Erwartungen gerecht werden, erfahrt ihr in der Episodenkritik. Unser Episodenpodcast geht zudem noch mehr in die Tiefe.

Jon Snow (Kit Harrington) und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) erreichen Winterfell. Doch die Nordmänner wollen der Exotin noch kein Vertrauen schenken. Währenddessen planen Cercei Lennister (Lena Headey) und Euron Graufreud (Pilou Asbæk) ihren nächsten militärischen Schachzug. Der Nachtkönig ist nämlich auf dem Vormarsch.

Vorab: Das neue Intro rockt. Natürlich ist die Frage gerechtfertigt, ob der Stil- und Traditionsbruch notwendig gewesen ist. Doch die verspielteren Animationen verleihen dem ikonischen Intro einen ganz neuen Touch.

Statt einem Dutzend Handlungsorte sehen wir lediglich Winterfell und Königsmund im Detail. Creative Art Director Angus Wall erklärt, dass Staffel 8 weniger parallele Storylines erzählt und stattdessen mehr in die Tiefe geht - alles laufe auf einen Punkt zu.

Entgegen mancher Erwartungen ist Winterfell keine Folge der Superlative. Statt großer Action und Pay-Offs sind es vor allem die ruhigen Momente, die den Charakter des Staffelauftakts ausmachen. Auch wenn aus Handlungssicht absolut nichts unerwartetes passiert, ist der Erzählstil überraschend. Ich hätte nicht gedacht, dass sich Staffel 8 so eine ruhige und langsame erste Stunde erlaubt.

Tatsächlich fühlt sich Winterfell anders an als klassisches Game of Thrones. Das liegt nicht nur daran, dass sich der Cast, der sonst an unterschiedlichen Enden der Karte umhergewandert ist, zu einem Kammerspiel in Winterfell zusammengefunden hat. Trotz aufgemotztem Budget wirkt alles irgendwie gebündelter ... und „kleiner“.

So sind auch die Dialoge kürzer. Wortschlachten, die wir vor allem aus den ersten Staffeln der Serie kennen, gibt es hier nicht. Die Charaktere ringen sich ab und zu mal einen Oneliner von den Lippen, doch davon abgesehen ist Winterfell ziemlich stumm.

Es scheint so, als hätten die Drehbuchautoren die goldene Regel „Show, don’t tell“ neu für sich entdeckt. Eventuell haben Sie aber auch einfach erkannt, dass Sie ohne George R. R. Martins Buchvorlage dem Stil des Autors nicht gerecht werden können. Auch der tausendste Penis-Witz von Tyrion über Varys ist nicht mehr so lustig wie damals.

Selbst Ramin Djawadis epischer Soundtrack wird in dieser Folge leiser gedreht. Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Einige Szenen, wie die Reunion von Arya und Jon, sind gerade aufgrund der fehlenden Musik so kraftvoll und natürlich. Doch Jons erster Ritt auf einem Drachen ist bei weitem nicht so episch, wie er hätte sein können. Der Gänsehaut-Faktor fehlt — das kann Djawadi besser!

Der einzige Gänsehaut-Moment ist für mich der Dialog zwischen Sam und Jon in der Krypta. Vor dem Grab Ned Starks erfährt Jon auf undramatische Weise, dass er der Sohn von Lianna Stark und Rhaegar Targaryen ist. Im Hintergrund haucht ein Chor die Game of Thrones-Melodie an. Sams grandioser One-Liner rundet die Szene ab und verrät uns den tragischen Hauptkonflikt der Staffel:

„You gave up your crown to save your people. Would she do the same?“

Samwell Tarly zu Jon Snow

Der aufbrodelnde Konflikt zwischen Daenerys und Jon verspricht eine mächtige Entladung. Umso enttäuschender ist, dass Jon und Daenerys leider das peinlichste Game of Thrones-Pärchen aller Zeiten sind. Der kurze Dialog vor dem Wasserfall ist eine übel riechende Mischung aus Fan-Fiction und Porno. Der darauffolgende Kuss ist noch schlimmer.

Erinnert ihr euch noch an die bittersüße Romanze zwischen Jon und Ygritte? Dazwischen liegen Welten. Warum Jon und Dany plötzlich so verliebt ineinander seien sollen, wurde nie erklärt oder gezeigt. Klar, sie haben Macht und sehen gut aus. Aber da hat jedes Disney-Märchen mehr Weisheit in seinen Liebesgeschichten.

Die Folge versagt in Sachen Romantik auf ganzer Linie, dafür funktioniert der Humor umso besser. Tatsächlich gehört Winterfell zu den lustigsten Folgen der ganzen Serie. Die ein oder andere trockene Pointe erinnert zwar an den typischen Marvel-Humor, doch die übergeordnete Dramatik wird dadurch nicht untergraben. Immerhin wissen wir jetzt, dass Tormund schon immer wunderschöne, blaue Augen hatte.

Während die Charaktere noch ihre Witzchen reißen, bekommen wir schonmal einen kleinen Vorgeschmack des Horrors, zu welchem der Nachtkönig imstande ist. Das Mandala aus Extremitäten in der Festung von Lord Umber erinnert an morbiden Sci-Fi-Horror à la Auslöschung. Hier zeigt Staffel 8 ihr Potential: Wir dürfen uns auf das unheimlichste Kapitel der Serie bereit machen.

Nicht weniger gruselig ist Brans leerer Blick zu Jaime, der nach seinem Fensterschubser wieder nach Winterfell zurückgekehrt ist. Diese besonders unangenehme Reunion ist ein leiser aber feiner Cliffhanger, der die Vorfreude auf die nächste Episode immens steigert. Wird Bran seinem „alten Freund“ verzeihen? Bran ist schwer einzuschätzen, was diesen Konflikt umso spannender macht.

Fazit: Folge 1 Winterfell

Der Staffelauftakt ist eine berechenbare Folge ohne Überraschungen. Dennoch sind die vielen langersehnten Wiedersehen zwischen den Charakteren herzerwärmend und kitschfrei inszeniert. Leider fehlt einigen „epischen“ Szenen die dramaturgische Wucht. Die minimal gehaltenen Dialoge schwanken zwischen peinlich und hitverdächtig. Winterfell ist eine leise Vorbereitungsfolge mit kleinen Highlights, die starke Konflikte für die kommenden Folgen bereitlegt. Ich bin mir sicher: In der nächsten Folge wird es ordentlich krachen.

Episodenrating: 81%

Unseren Podcast zur neuen Folge gibt's auf  SoundCloud, iTunes oder YouTube:

Kritik: Folge 2 'Ein Ritter der sieben Königslande'

Ein Drittel der finalen Staffel ist bereits erzählt und es ist noch nichts passiert. Verschwenden die Serienmacher zu viel kostbare Zeit? Diese Frage können wir erst rückblickend beantworten. Dennoch ist ‘Ein Ritter der sieben Königslande’ etwas ganz Besonderes. Mehr in der Episodenkritik.

Winterfell bereitet sich auf die finale Schlacht gegen den Nachtkönig vor. Währenddessen schließt Jaime Frieden mit bekannten Gesichtern aus der Vergangenheit. Zwischen Daenerys und Sansa wird es in absehbarer Zeit jedoch keine Versöhnung geben. Jon verrät Daenerys ein gefährliches Geheimnis …

Staffel 8 verlangt uns viel Geduld und Vertrauen ab. Nach zwei Folgen stehen wir immer noch hinter den Toren von Winterfell und warten fiebrig auf die Schlacht. Spätestens jetzt wird sich jeder fragen, wie der Epos in bloß vier Folgen zu Ende erzählt werden soll. Wir sind nervös. Und die Serienmacher wissen das.

Es steht nicht nur Winterfell auf dem Spiel, sondern auch das Vermächtnis der gesamten Serie. Werden uns die letzten Stunden Game of Thrones zufriedenstellen können? Diese Ungewissheit ist die Ruhe vor dem Sturm, der letzte Einheizer. Doch die Folge ist mehr als das: Regisseur David Nutter ist ein ruhiges, atmosphärisches und vor allem emotionales Kammerspiel gelungen.  

Die Entscheidung der Produzenten ist mutig, eine wertvolle Episode voll und ganz der Charaktere zu widmen. Der Story-Fortschritt ist gleich null. Dennoch kann sich die Folge als besonders wichtig erweisen, denn sie sorgt dafür, dass zum Beginn der Schlacht unsere Empathie-Batterien voll aufgeladen sind. Wir werden daran erinnert, warum wir welchen Charakter ins Herz geschlossen haben und es wird umso schmerzhafter sein, wenn wir uns nächste Woche von einigen verabschieden müssen.

Welche Gefühle beherrschen den Vorabend einer Schlacht? Diese Folge findet die perfekte Antwort. Ein Ritter der sieben Königslande mischt Anspannung, Furcht, Euphorie, Nostalgie und Reue zu einem wortwörtlichen Wechselbad der Gefühle.

Diese Atmosphäre wurde letztens so gut in der Schlacht um Helms Klamm in Der Herr der RInge eingefangen. Selbst Podricks wehmütiges Lied “Jenny from Oldstone” erinnert stark an Pippins “Edge of Night”, dass er Denethor in den Hallen von Minas Tirith vorsingt. Hier zeigen sich die cinematischen Qualitäten der Serie, die nicht nur in einem großen Budget, sondern auch in dramaturgischem Feingespür fundiert sind.

Dabei folgt diese Episode gar keiner stringenten Dramaturgie. Sie schwelgt von Szene zu Szene, Charaktere laufen sich zufällig über den Weg, plaudern über gute alte Zeiten oder schließen Frieden miteinander. Im Zentrum steht dabei Jaime Lannister, der nicht nur sein lange ersehntes Wiedersehen mit Bran bekommt, sondern auch für den herzerwärmendsten Moment der Folge verantwortlich ist: Sein Ritterschlag für Brienne ist pures Seelenbalsam. Kaum zu glauben, dass dieser Mann ein unschuldiges Kind aus dem Fenster gestoßen und seinen Cousin ermordet hat.

Auch für die anderen Charaktere agiert diese Folge als ein Fluchtpunkt. Alles scheint auf diesen Moment zugelaufen zu sein. Acht Staffeln voller Charakter-Irrwege und -Konflikte werden nun zu Ende gebracht. Die kathartischen Dialoge zwischen Jaime und Tyrion sind dafür ein gutes Beispiel. Spätestens, als Tyrion sich einen Witz über ihren toten Vater Tywin erlaubt und Jaimie kurz gluckst, scheinen die alten Dämonen überwunden worden zu sein.

Trotz der drückenden Luft einer bevorstehenden Schlacht besitzt auch Ein Ritter der sieben Königslande erstaunlich viele funktionierende Gags. Für die befreiendsten Lacher sorgt Tormund, der die Nähe zu Brienne für weitere schamlose Flirtversuche ausnutzt und von seinem “größten” One-Night-Stand erzählt.

Wenig zu lachen haben hingegen Sansa und Daenerys. Während sich Dany mit ihrer Sturheit und Thron-Besessenheit immer mehr ins Aus schießt, wächst vor allem Sansa über sich hinaus. Im Dialog zwischen den beiden Ladys geht der Punkt definitiv an die Lady von Winterfell. Momentan bietet Daenerys keine Lösung für das “Norden-Problem” an. Ich bin gespannt, inwieweit der Konflikt zwischen Sansa und Daenerys noch eskalieren wird.

Spätestens nach Jons Geständnis über seine wahre Herkunft ist Daenerys die klare Verliererin der Episode. Emilia Clarke spielt diese wichtige Szene zwar gut genug, doch ich hätte mir von ihrer Reaktion noch mehr Entsetzen gewünscht. Stattdessen endet dieses Gespräch mit einem wohl platzierten Hornstoß, der die Schlacht von Winterfell einleitet. Ein vorhersehbarer, und dennoch gemeiner Cliffhanger.

Fazit: Folge 2 ‘Ein Ritter der sieben Königslande’

Nach den ersten zwei Folgen präsentiert sich Staffel 8 berechenbar und dennoch packend. Ein Ritter der sieben Königslande ist die Ruhe vor dem Sturm und lässt den Zuschauer spüren, dass ein großes Finale vor der Tür steht. Einige grandiose Gänsehautmomente und emotional aufgeladene Dialoge läuten die große Schlacht von Winterfell ein. Kaum eine andere Folge der Serie hat uns die Charaktere so nahe bringen können wie diese. Das mag für den ein oder anderen Fan-Service sein, doch ich bin mir sicher, dass Folge 3 keine Rücksicht auf Verluste machen wird.  

Episodenrating: 89%

Unseren Podcast zur neuen Folge gibt's auf  SoundCloud, iTunes oder YouTube:

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Kritik: Folge 3 Vorschau / Preview

Die Kritik erscheint, sobald die Episode veröffentlicht wurde!

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