Kritik: Force of Nature

Im Auge des Klischee-Sturms
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Titelbild zur Kritik von Force of Nature
    © Grindstone Entertainment Group
  • Mel Gibson versucht seit Jahren sein schlechtes Image wieder loszuwerden. Seine neue Taktik scheint es zu sein, seinen Sexismus und Antisemitismus einfach mit schlechten Filmen zu überdecken. Wieso ‘Force of Nature’ nicht mal einen ersten Blick wert ist, erfährst du in unserer Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum gehts? Ein Hurricane nähert sich der Küste Puerto Ricos, der desillusionierte Polizist Cardillo (Emile Hirsch) und seine unerfahrene Kollegin Peña (Stephanie Cayo) sind abkommandiert, sture Zivilisten zu evakuieren. Doch plötzlich finden sie sich eingekesselt in einem Mietshaus mit nur einem Eingang, umzingelt von brutalen Gangstern, angeführt vom rücksichtslosen Kriminellen John der Täufer (David Zayas). Die einzige Hilfe sind der ehemalige Polizist Ray (Mel Gibson) und seine Tochter Troy (Kate Bosworth). Ein Kampf um Leben und Tod beginnt! Uh, spannend! – Nein, leider kein bisschen. Die hier sehr vage wiedergegebene Handlung von Force of Nature wird auch beim Anschauen des Film nicht viel reichhaltiger. Gestrickt aus Klischees und Erwartbaren wird die Grundidee “Cops versus Gangster” nicht viel hinzugefügt. Dabei sind die Polizisten die Underdogs und die Gangster klar überlegen. Weiter folgt dann nichts auch nur ansatzweise Interessantes. Ab irgendeinem Zeitpunkt passiert dann sowieso nur noch irgendwas, alles läuft ziemlich belanglos und vorhersehbar ab. Es interessiert einen aber auch nicht wirklich, was genau los ist und inwiefern das jetzt mit irgendwas zusammenhängt. Der einzige Grund, aus dem die Figuren immer wieder aufs Neue durch die Flure des Gebäudes schleichen und sich prügeln, ist wahrscheinlich, dass der Film halt noch nicht vorbei ist. Werbung Schnell, einen Arzt – schon wieder! Es ist fast beeindruckend, wie lang sich die anderthalb Stunden des Films anfühlen. Und auch, wie viel bekannte Handlungselemente wiederverwertet werden – fremde wie eigene: zweimal wird eine Durchsuchung des Gebäudekomplexes “Stockwerk für Stockwerk” ausgerufen und ganze viermal ist eine Verarztungsszene notwendig, fast ein fünftes Mal. Aber auch schon bei der ersten Wunde, die verbunden wird, ist man recht desinteressiert, weil die Figuren größtenteils ziemlich papierne Abziehbilder sind. Die kriminellen Gangster zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie (a) kriminell sind und (b) Gangstersachen machen. Allerdings glaubt man keinen Augenblick, dass diese brutalen Typen, die ständig das Maschinengewehr gezückt und die Taschen voller Sprengstoff haben, die jeden umbringen, egal ob Freund oder Feind, Kunstdiebe sein sollen. Selbst für den Klischee-Drogenbaron wäre da etwas “over the top”. Albern und wirklich sehr ermüdend wird es dann, wenn die Bösen die Guten mit hunderten Schüssen nicht treffen, während andersrum ein Schuss sofort trifft. Die Gangster scheinen im entscheidenden Moment vergessen zu haben, wie man ein Maschinengewehr benutzt und feuern einzelne Schüsse ab – andernfalls würden die Guten wohl doch allzu sehr in Bedrängnis geraten. Solche Klischees und Logikfehler werden dann auch nicht dadurch besser, dass der Film Handlungslöcher zu schließen versucht, indem er selbst darauf hinweist. Auffällig künstlich Einem unterhaltsamen B-Movie sieht man die oft nicht ganz so hochwertige Umsetzung dann ja doch nach. In Force of Nature trägt die billig ramschige Inszenierung allerdings nur noch zusätzlich zum Nicht-Gelingen bei. Der Film nimmt sich selbst enervierend ernst und scheint frei von jeglicher Ironie. Szenen wie ein Fluchtversuch über ein Baugerüst wirken dadurch extrem peinlich: offensichtlich weht kaum Wind (weil eine Windmaschine zu teuer gewesen wäre?), die Kleidung bewegt sich nicht, aber die Schauspieler halten sich manisch verkrampft an den Metallstreben fest, weil ja ein Hurricane toben soll. Sie schreien gegen keinen Lärm an, der Regen ist eindeutig nur ein dünner Film vor dem Gerüst. Das sieht eher aus wie Nieselregen auf dem Bau in Bottrop, als Hurricane Stufe fünf in Puerto Rico. Es wirkt total unglaubwürdig, wenn zwei Charaktere, die sich seit zehn Minuten kennen, intime Lebensgeschichten austauschen und romantische Schwingungen zwischen ihnen behauptet werden. Dann ist da noch ein total gezwungener Handlungsstrang über Rassismus und Polizeigewalt, irgendwas mit Männern und Frauen und bla bla bla. Nichts kriegt der Film hin. Aus keiner Chance, aus keinem Thema macht er etwas. Mit Bart, einem ganz langen Das Marketing von Force of Nature scheint vollständig auf die verbliebene Bekanntheit und Publikumswirksamkeit von Mel Gibson zu setzen. Auf jedem Poster und Vorschaubild erscheint er als vermeintlich in einer Hauptrolle. Dabei taucht er nur nebenbei auf. Schade. Denn er sorgt für die zwei oder drei minimal unterhaltsamen Momente, die der Film zu bieten hat. Man wünscht sich, dass es ein paar mehr Augenblicke des Wahnsinns gäbe, für den er bekannt ist. Der ganze Witz übers Altwerden, bei dem alternde Hollywood-Größen auch alternde Versionen ihrer früheren großen Rollen spielen ist ja ganz nett. (Das kennen wir auch von Robert DeNiro, der wiederholt als gangsterhafter Grandpa und Schwiegervater aufgetreten ist, oder von Brad Pitt, der den überhaupt nicht mehr jungen Playboy spielt.) Die Szenen über Mel Gibsons Dialyse zünden hier aber so gar nicht. Schaut was anderes, egal was! Egal welchen Grund man hat, sich diesen Film anschauen zu wollen, es gibt bessere Alternativen: Wer einen exploitationartigen Actionfilm sehen möchte, der an der südlichen Grenze Amerikas (und darüber hinaus) spielt – und Mel Gibson in der tatsächliche Hauptrolle hat, ist mit Get the Gringo (2012) besser bedient. Ein abgründiger Thriller mit einem ungleichen Duo aus ernüchtertem, erfahrenen Polizisten und übermotiviertem Neuling? Sieben (1995) klingt nach der richtigen Wahl. Oder soll es ein gewaltvoller B-Movie-Thriller um Polizisten, Verbrechen und Korruption sein? Bad Lieutenant (1992) wäre eine Option. Und falls es auch unbedingt inclusive Hurricane, oder zumindest dessen Folgen sein soll, kann zur Neuverfilmung gegriffen werden: Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (2009). Fazit: Tour de Force statt Force of Nature Wer einen actiongeladenen und rücksichtslosen B-Movie voller rauer und ungewöhnlicher Charaktere und cooler Dialoge erwartet, wird maßlos enttäuscht werden. Die titelgebenden Naturgewalten begegnen einem höchstens in Form von nicht mehr zurückhaltbarem Gähnen und Augenrollen. Das Ganze hätte vielleicht etwas werden können, wenn Force of Nature sich nicht ganz so schrecklich ernst nehmen würde und die absurden Trash-Elemente der Handlung mit einem Augenzwinkern in Szene gesetzt hätte. So ist es leider eine ermüdende und anstrengende Zeitverschwendung.
    Kritik: Force of Nature
    Action
    35%
    Handlung
    45%
    Spannung
    25%
    Atmo
    15%
    Dialoge
    15%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 25.01.2021
    Filmlänge: 99 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , ,
    Bildrechte: Lionsgate
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Schlecht
27%

Mel Gibson versucht seit Jahren sein schlechtes Image wieder loszuwerden. Seine neue Taktik scheint es zu sein, seinen Sexismus und Antisemitismus einfach mit schlechten Filmen zu überdecken. Wieso ‘Force of Nature’ nicht mal einen ersten Blick wert ist, erfährst du in unserer Kritik.

Worum gehts?

Ein Hurricane nähert sich der Küste Puerto Ricos, der desillusionierte Polizist Cardillo (Emile Hirsch) und seine unerfahrene Kollegin Peña (Stephanie Cayo) sind abkommandiert, sture Zivilisten zu evakuieren. Doch plötzlich finden sie sich eingekesselt in einem Mietshaus mit nur einem Eingang, umzingelt von brutalen Gangstern, angeführt vom rücksichtslosen Kriminellen John der Täufer (David Zayas). Die einzige Hilfe sind der ehemalige Polizist Ray (Mel Gibson) und seine Tochter Troy (Kate Bosworth). Ein Kampf um Leben und Tod beginnt! Uh, spannend! – Nein, leider kein bisschen.

Die hier sehr vage wiedergegebene Handlung von Force of Nature wird auch beim Anschauen des Film nicht viel reichhaltiger. Gestrickt aus Klischees und Erwartbaren wird die Grundidee “Cops versus Gangster” nicht viel hinzugefügt. Dabei sind die Polizisten die Underdogs und die Gangster klar überlegen. Weiter folgt dann nichts auch nur ansatzweise Interessantes.

Emile Hirsch und Stephanie Cayo in den Hauptrollen.

Emile Hirsch und Stephanie Cayo scheinen in etwa so begeistert zu sein wie die Zuschauer:innen.

Ab irgendeinem Zeitpunkt passiert dann sowieso nur noch irgendwas, alles läuft ziemlich belanglos und vorhersehbar ab. Es interessiert einen aber auch nicht wirklich, was genau los ist und inwiefern das jetzt mit irgendwas zusammenhängt. Der einzige Grund, aus dem die Figuren immer wieder aufs Neue durch die Flure des Gebäudes schleichen und sich prügeln, ist wahrscheinlich, dass der Film halt noch nicht vorbei ist.

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Schnell, einen Arzt – schon wieder!

Es ist fast beeindruckend, wie lang sich die anderthalb Stunden des Films anfühlen. Und auch, wie viel bekannte Handlungselemente wiederverwertet werden – fremde wie eigene: zweimal wird eine Durchsuchung des Gebäudekomplexes “Stockwerk für Stockwerk” ausgerufen und ganze viermal ist eine Verarztungsszene notwendig, fast ein fünftes Mal. Aber auch schon bei der ersten Wunde, die verbunden wird, ist man recht desinteressiert, weil die Figuren größtenteils ziemlich papierne Abziehbilder sind.

Die kriminellen Gangster zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie (a) kriminell sind und (b) Gangstersachen machen. Allerdings glaubt man keinen Augenblick, dass diese brutalen Typen, die ständig das Maschinengewehr gezückt und die Taschen voller Sprengstoff haben, die jeden umbringen, egal ob Freund oder Feind, Kunstdiebe sein sollen. Selbst für den Klischee-Drogenbaron wäre da etwas “over the top”.

Albern und wirklich sehr ermüdend wird es dann, wenn die Bösen die Guten mit hunderten Schüssen nicht treffen, während andersrum ein Schuss sofort trifft. Die Gangster scheinen im entscheidenden Moment vergessen zu haben, wie man ein Maschinengewehr benutzt und feuern einzelne Schüsse ab – andernfalls würden die Guten wohl doch allzu sehr in Bedrängnis geraten. Solche Klischees und Logikfehler werden dann auch nicht dadurch besser, dass der Film Handlungslöcher zu schließen versucht, indem er selbst darauf hinweist.

Kate Bosworth als Krankenschwester Troy.

Kate Bosworth als Krankenschwester Troy, die sicher nicht nur deshalb gecastet wurde, weil sie mit dem Regisseur verheiratet ist.

Auffällig künstlich

Einem unterhaltsamen B-Movie sieht man die oft nicht ganz so hochwertige Umsetzung dann ja doch nach. In Force of Nature trägt die billig ramschige Inszenierung allerdings nur noch zusätzlich zum Nicht-Gelingen bei. Der Film nimmt sich selbst enervierend ernst und scheint frei von jeglicher Ironie.

Szenen wie ein Fluchtversuch über ein Baugerüst wirken dadurch extrem peinlich: offensichtlich weht kaum Wind (weil eine Windmaschine zu teuer gewesen wäre?), die Kleidung bewegt sich nicht, aber die Schauspieler halten sich manisch verkrampft an den Metallstreben fest, weil ja ein Hurricane toben soll. Sie schreien gegen keinen Lärm an, der Regen ist eindeutig nur ein dünner Film vor dem Gerüst. Das sieht eher aus wie Nieselregen auf dem Bau in Bottrop, als Hurricane Stufe fünf in Puerto Rico.

Es wirkt total unglaubwürdig, wenn zwei Charaktere, die sich seit zehn Minuten kennen, intime Lebensgeschichten austauschen und romantische Schwingungen zwischen ihnen behauptet werden. Dann ist da noch ein total gezwungener Handlungsstrang über Rassismus und Polizeigewalt, irgendwas mit Männern und Frauen und bla bla bla. Nichts kriegt der Film hin. Aus keiner Chance, aus keinem Thema macht er etwas.

David Zayas als John der Täuder und seine Bande an Gaunern.

Eine sehr glaubhafte Darstellung einer Bande erfolgreicher Kunstdiebe.

Mit Bart, einem ganz langen

Das Marketing von Force of Nature scheint vollständig auf die verbliebene Bekanntheit und Publikumswirksamkeit von Mel Gibson zu setzen. Auf jedem Poster und Vorschaubild erscheint er als vermeintlich in einer Hauptrolle. Dabei taucht er nur nebenbei auf. Schade. Denn er sorgt für die zwei oder drei minimal unterhaltsamen Momente, die der Film zu bieten hat. Man wünscht sich, dass es ein paar mehr Augenblicke des Wahnsinns gäbe, für den er bekannt ist.

Der ganze Witz übers Altwerden, bei dem alternde Hollywood-Größen auch alternde Versionen ihrer früheren großen Rollen spielen ist ja ganz nett. (Das kennen wir auch von Robert DeNiro, der wiederholt als gangsterhafter Grandpa und Schwiegervater aufgetreten ist, oder von Brad Pitt, der den überhaupt nicht mehr jungen Playboy spielt.) Die Szenen über Mel Gibsons Dialyse zünden hier aber so gar nicht.

Irgendwas.

Etliche Male müssen Schuss- und Bisswunden versorgt und Blutungen gestoppt werden.

Schaut was anderes, egal was!

Egal welchen Grund man hat, sich diesen Film anschauen zu wollen, es gibt bessere Alternativen: Wer einen exploitationartigen Actionfilm sehen möchte, der an der südlichen Grenze Amerikas (und darüber hinaus) spielt – und Mel Gibson in der tatsächliche Hauptrolle hat, ist mit Get the Gringo (2012) besser bedient. Ein abgründiger Thriller mit einem ungleichen Duo aus ernüchtertem, erfahrenen Polizisten und übermotiviertem Neuling? Sieben (1995) klingt nach der richtigen Wahl. Oder soll es ein gewaltvoller B-Movie-Thriller um Polizisten, Verbrechen und Korruption sein? Bad Lieutenant (1992) wäre eine Option. Und falls es auch unbedingt inclusive Hurricane, oder zumindest dessen Folgen sein soll, kann zur Neuverfilmung gegriffen werden: Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (2009).

Fazit:

Tour de Force statt Force of Nature

Wer einen actiongeladenen und rücksichtslosen B-Movie voller rauer und ungewöhnlicher Charaktere und cooler Dialoge erwartet, wird maßlos enttäuscht werden. Die titelgebenden Naturgewalten begegnen einem höchstens in Form von nicht mehr zurückhaltbarem Gähnen und Augenrollen. Das Ganze hätte vielleicht etwas werden können, wenn Force of Nature sich nicht ganz so schrecklich ernst nehmen würde und die absurden Trash-Elemente der Handlung mit einem Augenzwinkern in Szene gesetzt hätte. So ist es leider eine ermüdende und anstrengende Zeitverschwendung.

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