Kritik: Frau im Dunkeln

Familienurlaub in Griechenland
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Mit 'Frau im Dunkeln' schafft Maggie Gyllenhaal ihr Regiedebüt. Neben Dakota Johnson, glänzt der Cast mit Olivia Colman in der Hauptrolle. Kann die Romanverfilmung jedoch auch über die Besetzung hinaus überzeugen? Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's Die 48 Jahre alte Leda Caruso (Olivia Colman) verbringt ihren Urlaub auf einer Insel in Griechenland. In der idyllischen Ruhe möchte sie ihrer Arbeit als Professorin nachgehen. Als jedoch eine Familie mit Kleinkind und einige Jugendliche am Strand auftauchen, ändert sich die entspannte Atmosphäre. Schließlich gibt es große Aufruhr als die junge Mutter Nina (Dakota Johnson) ihr Kind aus den Augen verliert. Leda beteiligt sich an der Suche und findet die Kleine schließlich, bringt diese zurück, behält jedoch die geliebte Puppe der Tochter. Immer mehr erinnert sich Leda im Verlauf des Urlaubs an ihre eigenen zwei Töchter, an die Beziehung zu ihnen und ihre eigenen Erfahrungen als junge Mutter. Werbung (K)eine Frau wie jede andere Maggie Gyllenhaal hat sich mit Frau im Dunkeln keine einfache Thematik für ihr Regiedebüt ausgesucht. Mütter lieben bedingungslos und stellen alle ihre Bedürfnisse hinter diejenigen ihrer Kinder? Eben dieses Stigma möchte das Drama brechen. Frau im Dunkeln stellt die Realität junger Mütter fast schon unangenehm authentisch und echt dar. Warum unangenehm fragt ihr? Es sind die kleinen Momente, Konversationen und heimlichen, privaten Aktionen, welche einen als Zuschauer:in mitnehmen. Sie zeigen das Innerste der Hauptfigur Leda. Mal kommt sie herüber, wie die verbitterte Alte, mal hat man Mitleid mit ihr, mal möchte man sie schütteln. Personen so nah und echt zu sehen, kann eine:n schnell unangenehm berühren, aber eben das zeichnet den Film aus. Ein so komplexes Thema braucht diesen Raum und den Fokus, und genau das hat Maggie Gyllenhaal getan. Sie gibt der Figur Leda den Raum ihre Geschichte zu erzählen. Dazu gehören ihre stolzen Momente, ihre schwachen Momente, Momente für die sie sich schämt. Bis zum Ende ist man sich als Zuschauer:in nicht ganz sicher, ob man sie nun wirklich mag oder nicht. Allein diese Darstellung macht sie als Figur so echt und nahbar, denn wer ist schon ganz gut, oder ganz schlecht? Haben nicht alle Menschen diese Facetten? Frau im Dunkeln ist an sich eine Charakterstudie von Leda und als solche nahezu perfekt umgesetzt. Olivia Genius Colman Eine große Rolle spielt hier, im wahrsten Sinne des Wortes, Olivia Colman in ihrer Rolle als Leda. Sie spielt die ältere Professorin in allen ihren Facetten. Mal spricht sie offen über ihre schon erwachsenen Kinder, lacht, trinkt, ist selbstbewusst. Und dann hast du die Leda, die einem Kind die Puppe klaut, Jugendlichen vernichtende Blicke zuwirft, ihre Ruhe haben und alleine ihren Urlaub genießen will. Dabei ist die wahre Kunst, dass man das Gefühl hat, sie zu kennen, oder besser: Menschen wie sie zu kennen. Sei es deine Nachbarin, Lehrerin, Oma oder Mutter: Leda scheint so durchschnittlich, sie ist keine Superheldin. Sie ist normal, nicht immer sympathisch, aber immer authentisch. Neben Colman sind jedoch auch die anderen Schauspieler:innen durchaus lobend hervorzuheben. So spielt Dakota Johnson die junge Mutter Nena, die selbst so überfordert ist, wie es Leda in jüngeren Jahren war, fantastisch. Etwas mehr Abwechslung, bitte! Abgesehen von der Schauspielleistung und Charakteren gibt es jedoch Aspekte, die nicht alle Menschen abholen. So war die Handlung zu Teilen sehr langatmig und wenig abwechslungsreich – sowohl inhaltlich, als auch optisch. Zwar hat man zwischendurch einige Rückblicke, die durchaus Schwung in die Handlung bringen, doch farblich bleibt alles in einer sehr gleichen, faden Stimmung. Ein wenig mehr Farbe, Ortswechsel und vielleicht sogar einprägsamere Musik, hätten das durchaus wichtige Thema besser unterstreichen und für eine breitere Masse an Zuschauer:innen nahbar machen können. Hervorzuheben ist hier das antiklimatische Ende. Man erwartet einen Wumms, der nicht kommt. Zwar ereignet sich eine Auseinandersetzung, doch fällt diese weitaus weniger spektakulär aus, wie man sich das erhofft hätte. Dadurch hat man leider keinen nachhaltigen, emotionalen Effekt. Filme, in denen der Fokus so stark auf einer Person liegt, halten hierfür enormes Potential, doch dieses wurde in Frau im Dunkeln nicht befriedigend ausgeschüttet. Fazit: Sehr gut, könnte aber nicht jedem gefallen Frau im Dunkeln ist eine nahezu perfekt inszenierte Charakterstudie zu einem Thema, dem bisher noch viel Aufklärung bedarf. Olivia Colman gibt schauspielerisch eine fantastische Darstellung der Protagonistin Leda ab und auch der Rest des Cast ist durch die Reihe weg fantastisch besetzt. Leider könnte der Film für viele etwas zu langatmig und nicht genügend abwechslungsreich sein. Auch der erwartete Höhepunkt fällt enttäuschend aus. Aus meiner Perspektive dennoch sehr sehenswert und vor Allem zum Denken anregend.
    Kritik: Frau im Dunkeln
    Schauspiel
    95%
    Tiefgang
    80%
    Emotionen
    75%
    Handlung
    70%
    Szenenbild
    60%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 16.12.2021
    Filmlänge: 122 Minuten
    FSK: 12
    Genre: , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , ,
    Bildrechte: Netflix
  • YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

Gesamtbewertung:

Gut
76%

Mit 'Frau im Dunkeln' schafft Maggie Gyllenhaal ihr Regiedebüt. Neben Dakota Johnson, glänzt der Cast mit Olivia Colman in der Hauptrolle. Kann die Romanverfilmung jedoch auch über die Besetzung hinaus überzeugen?

Darum geht's

Die 48 Jahre alte Leda Caruso (Olivia Colman) verbringt ihren Urlaub auf einer Insel in Griechenland. In der idyllischen Ruhe möchte sie ihrer Arbeit als Professorin nachgehen. Als jedoch eine Familie mit Kleinkind und einige Jugendliche am Strand auftauchen, ändert sich die entspannte Atmosphäre. Schließlich gibt es große Aufruhr als die junge Mutter Nina (Dakota Johnson) ihr Kind aus den Augen verliert. Leda beteiligt sich an der Suche und findet die Kleine schließlich, bringt diese zurück, behält jedoch die geliebte Puppe der Tochter. Immer mehr erinnert sich Leda im Verlauf des Urlaubs an ihre eigenen zwei Töchter, an die Beziehung zu ihnen und ihre eigenen Erfahrungen als junge Mutter.

Werbung



(K)eine Frau wie jede andere

Maggie Gyllenhaal hat sich mit Frau im Dunkeln keine einfache Thematik für ihr Regiedebüt ausgesucht. Mütter lieben bedingungslos und stellen alle ihre Bedürfnisse hinter diejenigen ihrer Kinder? Eben dieses Stigma möchte das Drama brechen. Frau im Dunkeln stellt die Realität junger Mütter fast schon unangenehm authentisch und echt dar. Warum unangenehm fragt ihr?

'Frau im Dunkeln' zeigt die unverblümte Realität vieler junger Mütter.

Es sind die kleinen Momente, Konversationen und heimlichen, privaten Aktionen, welche einen als Zuschauer:in mitnehmen. Sie zeigen das Innerste der Hauptfigur Leda. Mal kommt sie herüber, wie die verbitterte Alte, mal hat man Mitleid mit ihr, mal möchte man sie schütteln. Personen so nah und echt zu sehen, kann eine:n schnell unangenehm berühren, aber eben das zeichnet den Film aus. Ein so komplexes Thema braucht diesen Raum und den Fokus, und genau das hat Maggie Gyllenhaal getan. Sie gibt der Figur Leda den Raum ihre Geschichte zu erzählen. Dazu gehören ihre stolzen Momente, ihre schwachen Momente, Momente für die sie sich schämt. Bis zum Ende ist man sich als Zuschauer:in nicht ganz sicher, ob man sie nun wirklich mag oder nicht. Allein diese Darstellung macht sie als Figur so echt und nahbar, denn wer ist schon ganz gut, oder ganz schlecht? Haben nicht alle Menschen diese Facetten? Frau im Dunkeln ist an sich eine Charakterstudie von Leda und als solche nahezu perfekt umgesetzt.

Olivia Genius Colman

Eine große Rolle spielt hier, im wahrsten Sinne des Wortes, Olivia Colman in ihrer Rolle als Leda. Sie spielt die ältere Professorin in allen ihren Facetten. Mal spricht sie offen über ihre schon erwachsenen Kinder, lacht, trinkt, ist selbstbewusst. Und dann hast du die Leda, die einem Kind die Puppe klaut, Jugendlichen vernichtende Blicke zuwirft, ihre Ruhe haben und alleine ihren Urlaub genießen will. Dabei ist die wahre Kunst, dass man das Gefühl hat, sie zu kennen, oder besser: Menschen wie sie zu kennen. Sei es deine Nachbarin, Lehrerin, Oma oder Mutter: Leda scheint so durchschnittlich, sie ist keine Superheldin. Sie ist normal, nicht immer sympathisch, aber immer authentisch.

Die Darstellung von Leda (Olivia Colman) ist durchwegs authentisch und vielseitig.

Neben Colman sind jedoch auch die anderen Schauspieler:innen durchaus lobend hervorzuheben. So spielt Dakota Johnson die junge Mutter Nena, die selbst so überfordert ist, wie es Leda in jüngeren Jahren war, fantastisch.

Etwas mehr Abwechslung, bitte!

Abgesehen von der Schauspielleistung und Charakteren gibt es jedoch Aspekte, die nicht alle Menschen abholen. So war die Handlung zu Teilen sehr langatmig und wenig abwechslungsreich – sowohl inhaltlich, als auch optisch. Zwar hat man zwischendurch einige Rückblicke, die durchaus Schwung in die Handlung bringen, doch farblich bleibt alles in einer sehr gleichen, faden Stimmung. Ein wenig mehr Farbe, Ortswechsel und vielleicht sogar einprägsamere Musik, hätten das durchaus wichtige Thema besser unterstreichen und für eine breitere Masse an Zuschauer:innen nahbar machen können.

Am Ende von 'Frau im Dunkeln' fehlt der Wumms.

Hervorzuheben ist hier das antiklimatische Ende. Man erwartet einen Wumms, der nicht kommt. Zwar ereignet sich eine Auseinandersetzung, doch fällt diese weitaus weniger spektakulär aus, wie man sich das erhofft hätte. Dadurch hat man leider keinen nachhaltigen, emotionalen Effekt. Filme, in denen der Fokus so stark auf einer Person liegt, halten hierfür enormes Potential, doch dieses wurde in Frau im Dunkeln nicht befriedigend ausgeschüttet.

Fazit:

Sehr gut, könnte aber nicht jedem gefallen

Frau im Dunkeln ist eine nahezu perfekt inszenierte Charakterstudie zu einem Thema, dem bisher noch viel Aufklärung bedarf. Olivia Colman gibt schauspielerisch eine fantastische Darstellung der Protagonistin Leda ab und auch der Rest des Cast ist durch die Reihe weg fantastisch besetzt. Leider könnte der Film für viele etwas zu langatmig und nicht genügend abwechslungsreich sein. Auch der erwartete Höhepunkt fällt enttäuschend aus. Aus meiner Perspektive dennoch sehr sehenswert und vor Allem zum Denken anregend.

❯ Alle Artikel
SCHREIBE EINEN KOMMENTAR
Noch kein Kommentar

Antworten

*

*