8.9/10

Kritik: Better Call Saul – Staffel 6

Episodenkritiken inkl. Livetalks

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Genres: Drama, Krimi, Thriller, Startdatum: 19.04.2022

Interessante Fakten für…

  • Mit 63 Folgen wird Better Call Saul genau eine Episode länger als seine Schwester-Serie Breaking Bad mit insgesamt 62 Episoden.

Vince Gilligans Albuquerque-Epos – man kann es nicht anders nennen – neigt sich dem Ende zu. Ob wir mit der finalen Staffel von Better Call Saul ein weiteres Meisterwerk erhalten, erfährst du von Woche zu Woche in dieser Episodenkritik.

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#PotterUltra #SchwerMetaller #Storyteller

Jede Woche die neue Folge in der Kritik

In dieser Episodenkritik bewerten wir jede Folge der sechsten Staffel Better Call Saul gesondert. Die Gesamtbewertung der Staffel ergibt sich aus der Durchschnittswertung aller bisher veröffentlichten Folgen.

Jede Woche ein neuer Livetalk

Nächster Termin: Jeden Donnerstag ab 19:30 Uhr auf YouTube!

Spreche mit uns und der Breaking Bad & Better Call Saul Community über die jeweils neueste Folge Better Call Saul!

Das erwartet dich in den Livetalks:

  • Spannende Facts & Analysen
  • Staffel 6 Bingo-Spiel
  • Theorien zu Story & Charakteren
  • und vieles mehr!

Episode 1: Wein und Rosen (Original: Wine and Roses)

Darum geht’s:

Jimmy (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn) planen einen Coup, um den Ruf von Howard Hamlin zu beschmutzen. Dadurch erhoffen sie sich eine Beendigung des Sandpiper-Crossing-Falls und damit die Auszahlung von Jimmys wohlverdienter Provision. Nacho (Michael Mando) flüchtet aus Mexiko, nachdem er ein Attentat auf Kartell-Hengst Lalo (Tony Dalton) vermasselt hat. Mike (Jonathan Banks) und Gus (Giancarlo Esposito) wollen Nacho aus den Fängen der Salamancas befreien.

Kritik: 

Schon in den ersten drei Sekunden überrascht die sechste Staffel: Kein Gene! Das Schwarz-Weiß wird schnell durch einen Stapel bunter Krawatten nachkoloriert und wir bekommen die wohl großartigste Intro-Szene in der Geschichte des Breaking Bad / Better Call Saul Zyklus: Die Räumung von Sauls Hauspalast. Ohne ein einziges gesprochenes Wort erzählt diese Sequenz mehr als drei Folgen zusammen; voller Hints und Eastereggs, die es zu entschlüsseln gilt.

Daraufhin geht es erstmal gemächlich weiter, wie es für den Großteil der Serie üblich ist. Gedrosseltes Tempo, große Sorgfalt. Die Spannung wird so subtil aufgebaut, dass man gar nicht richtig in Worte fassen kann, auf was oder wegen was man im Moment überhaupt gespannt ist. Insgesamt ist Wine and Roses eine relativ leichtfüßige Episode, die ohne Katastrophen und Schicksalsschläge auskommt und stattdessen den listigen Spaß früher Saul-Episoden einfängt, die sich auf das Plotten krimineller Streiche konzentrieren.

Jimmy und Kims Schachzug gegen Howard Hamlin erscheint im Kontrast zu den Kartell-Schießereien nahezu infantiler Blödsinn zu sein, doch gerade deswegen machen diese Szenen so Spaß. Highlight ist Jimmys Infiltration eines Golfclubs, um seinem Erzfeind Howard ein falsches Kokain-Päckchen in den Spint zu legen.

Währenddessen entpuppt sich Lalo weiter als Schurken-Darling der Serie. Er ist ein Killer mit Herz, ein Schuft mit Charisma, der sich trotz eines Doppelmords an zwei Schleusern irgendwie die Gunst des Zuschauers ergattert, indem er sich bei den wartenden Flüchtlingen für die Unannehmlichkeiten entschuldigt und ihnen das Geld ihrer Reise zurückerstattet.

Fazit:

Wine and Roses bietet eine großartige Intro-Sequenz und einen gelungenen Auftakt der finalen Staffel, obwohl die Folge nicht viel mehr als ein Appetizer ist für alles, was noch kommen mag. Eine subtile Spannung deutet sich an, eine Grundnervosität, die sich vor allem um Kim und Nacho dreht und das Warten auf die nächsten Episoden beinahe unerträglich macht.

Bewertung: 8.5

Episode 2: Zuckerbrot und Peitsche (Original: Carrot and Stick)

Kim findet Gefallen an grenzlegalen Streichen.

Rhea Seehorn in einem Szenenbild aus Better Call Saul Staffel 6 Staffel 2 Carrot and Stick

Darum geht’s:

Jimmy und Kim benutzen die Cattlemans, um einen Rufmord an Howard zu verüben. Mike macht sich Sorgen um Nacho, der sich immer noch auf der Flucht vor den Salamancas befindet.

Kritik: 

Das Tempo zieht an! Vince Gilligan selbst hat für diese Episode Regie geführt und obwohl er der Meister des „Slow-Burns“ ist, fackelt er in Carrot and Sticks ein ordentliches Feuerwerk ab.

Kern dieser Folge ist Nachos Warten auf Erlösung in einem gottverlassenen Motel in Mexiko. Gilligan gelingt es mithilfe seiner sehr ruhigen und räumlichen Inszenierung, Nachos Paranoia spürbar zu machen. Ein kleines Loch in einem gegenüberliegenden Fensterladen entpuppt sich als Spannungstrigger, der für jeden anderen Regisseur zu nichtssagend und unauffällig wäre. Doch Gilligans Liebe zu Details zahlt sich einmal mehr aus.

Die angespannte Stille kippt schnell in einen gewaltigen Shootout zwischen Nacho und den Salamanca-Zwillingen. Zwar erreicht das Szenario niemals die Dramatik eines Feuergefechts zwischen Hank und den Nazis aus der fünften Staffel Breaking Bad, doch gehört die Szene allemal zu den hochwertigsten Actionszenen beider Serien.

Hector Salamanca schneidet einmal mehr fantastische Grimassen und begibt sich in ein Blickduell mit Gus Fring. Während Mark Margolis als klingelnder Gangster-Rentner weiterhin seinen ikonischen Beitrag leistet, enttäuscht die Darstellung von Fring einmal mehr. In Better Call Saul fehlt es der Rolle komplett am Facettenreichtum, an Gänsehautmomenten, die den Wechsel zwischen seinen Masken „Saubermann“, „Gangsterboss“ und „psychopathischer Killer“ zeigen. Seit der dritten Staffel ist Fring nicht mehr als ein seelenloser, eindimensionaler Stratege, der immer grimmig guckt. Selbst die karikaturistischen Salamanca-Zwillinge haben mit einer kleinen Geste der Menschlichkeit, indem sie ihre Mäntel über Lalos vermeintliche Leiche gelegt hatten, etwas Unterbau bekommen.

Spätestens nachdem das Ehepaar Cattleman wieder zu sehen ist, hört man als Zuschauer auf, das grimmige Gesicht eines Gus zu spiegeln, denn dir Rückkehr der Cattlemans gestaltet sich als ebenso witzig wie deren Einführung in der ersten Folge der Serie. Jimmy und Kim nutzen die beiden als Subjekte für ihre Inception, einen Gedanken in Maines Hirn zu pflanzen; nämlich jener, dass Howard kokst. Solche ausgefallenen Story-Kniffe machen Better Call Saul zu einer besonderen Serie und die Kreativität der Serienmacher scheint unermüdbar zu sein.

Am Ende der Folge spricht Kim von Wölfen und Lämmern, in Bezug auf Jimmy, Kim und die Cattlemans. Doch wer hier wirklich der Wolf ist, wird mit einem fiesen Cliffhanger angedeutet …

Fazit:

Carrot and Sticks zieht das Tempo an, liefert eine großartig inszenierte Schießerei und einen unverschämt genialen Coup in bester Saul-Manier. Knarren und Köpfchen: es ist eine exemplarische Folge der Serie.

Bewertung: 9.1

Unser Livetalk zur Folge 1 & 2

Episode 3: Pest und Cholera (Original: Rock and Hard Place)

Die Salamancas wollen Gerechtigkeit für Lalo.

Better Call Saul Season 6 Episode 3 Rock and Hard Place
Darum geht’s:
Nacho befindet sich weiterhin auf der Flucht. Mike gibt Nacho das Versprechen, seinem Vater kein Leid zuzufügen, sollte er bald nicht mehr unter den Lebenden weilen. Jimmy und Kim planen weiterhin den Sturz von Howard Hamlin und ziehen dafür Huells Fingerfertigkeit hinzu.

Kritik: 

Die Folge beginnt mit einer kryptischen Intro-Sequenz: Die Kamera fliegt über eine malerische Flora der Wüste New Mexikos. Bis auf eine blaue Blume und eine Scherbe ist nichts zu sehen. Cold Opens wie dieser gehören zum altbewährten Repertoire von Breaking Bad und Better Call Saul und je „kälter“ das Opening ist, desto dramatischer wird dessen Auflösung sein.

Doch bis Pest und Cholera seine Intro-Sequenz in Kontext setzt, verstreichen 45 hochspannende Minuten wie im Flug. Tatsächlich ist diese Folge eine der Nervenaufreibendsten der gesamten Serie. Die Schlinge zieht sich zu – vor allem für Nacho.

Nachos Versteckspiel mit den Salamanca-Zwillingen erweist sich als Hochspannung pur. Der verlassene Öltank ist ein klaustrophobisches Setpiece, das einlädt, gemeinsam mit Nacho die Luft anzuhalten. Doch verschnaufen können wir noch lange nicht.

Ein emotionales Telefonat zwischen Nacho und seinem Vater startet die tickende Uhr: denn was könnte dieses Telefonat anderes sein, als ein beidseitiger Abschied? Spätestens, nachdem Mike für seinen Quasi-Sohn eine Henkersmahlzeit anliefern lässt, wird schnell klar, dass sich Nacho auf der Einbahnstraße befindet.

Eine vorsichtige Hoffnung sagt uns, dass es vielleicht doch einen Plan gibt; letztendlich bereiten wir uns jedoch auf den Tod einer der beliebtesten Serien-Charaktere vor. Die Frage bleibt: Wie wird es passieren? Und wird es wehtun?

Für die Erleichterung sorgt ein neuer Streich unseres Gaunerpärchens gegen Howard Hamlin. Eine Robin-Hood-Aktion für die Opfer des Betrugs von Sanpiper Crossing; zumindest reden sich Jimmy und Kim das ein. Wenn schon Taschendieb Huell die Frage stellt, was wirklich die Motivation zweier Anwälte sei, sich mit kriminellen Delikten die Zeit zu vertreiben, dann sollten wir das auch tun.

Richtige Fragen stellt auch Staatsanwältin Suzanne Ericsen (Julie Pearl), die Verdacht schöpft, dass Jimmy ein Anwalt der Salamancas und somit für Lalos Flucht verantwortlich ist. Doch wir wissen: Tatsächlich legt sich die Schlinge wohl viel mehr um Kims Hals als um Jimmys.

Wie sehr das moralische Urteilsvermögen von Kim entgleist ist, beantwortet sie mit einer Frage an Jimmy: „Möchtest du ein Freund des Kartells sein? Oder möchtest du eine Ratte sein?“ Dieser Satz hätte auch aus dem Mund von Lalo selbst stammen können.

In bester Western-Manier treffen sich nun also das Kartell und Gus‘ Gang in der Wüste. Zwischen ihnen ein Nacho, der den bissigsten Monolog des Serien-Zyklus‘ seit Hank Schraders Tod liefert. Sein Tod folgt nun wenig überraschend; tatsächlich erscheint er viel mehr als eine Katharsis, ein Sieg gegen die psychopathischen Spielchen der Drogen-Mächte, die ihn am liebsten selbst zerfleischt hätten. Nacho stirbt nicht auf den Knien, sondern mit Stolz. Sein Geständnis gegenüber Hector – sein Beitrag zu Hectors Gesundheitszustand – ist das Sahnehäubchen eines perfekten Abschieds eines geliebten Charakters. Danke für alles, Michael Mando!

Fazit: 

Pest und Cholera liefert Dramatik, die man sich normalerweise für ein Staffelfinale aufhebt. Als eine der rundum stärksten Folgen der Serie, sowohl dramaturgisch als auch visuelle, wird sie lange in Erinnerung bleiben und sich förmlich einbrennen. Doch fragt man sich: Kam Nachos Tod zu früh? Was bieten die nächsten zehn Folgen an Kompensation? Schließlich haben wir in dieser Serie vor allem um die Leben zweier Charaktere gebangt: jene von Nacho und von Kim. Doch ich bin mir sicher, dass die Showrunner uns weiterhin überraschen werden.

Bewertung: 9.4

Unser Livetalk zur Folge 3

Episode 4: Hit and Run (Original: Hit and Run)

Gus zittert: Wo steckt bloß dieser Lalo?

Gus Frin Giancarlo Espositio in Better Call Saul Staffel 6 Hit and Run

Darum geht’s:

Jimmy und Kim inszenieren eine Szene für Cliff Maine, um Howards Reputation zu diffamieren. Während sich Kim verfolgt fühlt, fällt Jimmy in Missgunst bei seinen Arbeitskollegen, die ihn nur noch als krummen Kartell-Anwalt ansehen.

Kritik:

Diese Folge ist etwas besonderes: Zum ersten Mal führt Kim-Darstellerin Rhea Seehorn Regie. Nicht nur übernimmt sie die Handschrift der Serie, sie erweitert diese mit neuen Nuancen, in Form von energetischem Editing und noch nie gesehenen POV-Shots.

Nach einer der dramatischsten Folgen der Serie, Pest und Cholera, ist Hit and Run wohltuendes Comic Relief. Im Zentrum steht die Mission “Sturz Howard” und sie gipfelt in einer der witzigsten Sequenzen aus Better Call Saul

Bob Odenkirk als haselnussbrauner Double von Howard Hamlin brennt sich ein wie die Mittagssonne über der Wüste von New Mexiko. Sein empörter Ausruf “Which asshole moves a cone?” gehört ab nun an zum Repertoire der besten One-Liner der Serie. 

Doch ist es vor allem Kim, die in dieser Episode im Zentrum steht. Ihr Treffen mit Mike, zwei Hauptcharaktere, die bisher an zwei Enden des Story-Spektrums standen, belebt die Dynamik der Serie. 

Über allen Köpfen schwebt eine Frage: Wo ist Lalo? Durch seine lange Abwesenheit gewinnt Lalo noch mehr Respekt, sowohl bei den Charakteren als auch bei uns Zuschauern. Wenn sich selbst Gus mit paranoiden Gedanken in einem Bunker verschanzt, dann bläst das den Mythos “Lalo” umso mehr auf und die Vorfreude auf seine Wiederkehr steigt; oder sollten wir doch lieber nervös sein? 

Hit and Run kommt ohne großen Cliffhanger aus: die Folge endet mit der Erstsichtung des “Palastes für Gerechtigkeit”, das zukünftige Saul-Office. Kims nervöser Blick über ihre Schulter reicht schon aus, um die Spannung auf die nächste Folge hoch zu halten. 

Fazit:

Hit and Run ist ein außergewöhnliches Regiedebüt von Rhea Seehorn und geht ein als eine der lustigsten und leichtfüßigsten Episoden der Serie. Damit ist die Episode der perfekte Counterpart zur letzten Folge. Zwar fehlen die großen Entwicklungen, die großen Überraschungen, dafür überzeugt Hit and Run mit Tempo, Charme und Unterhaltungswert.

Unser Livetalk zur Folge 4

Episode 5: Blaue Flecken (Original: Black and Blue)

Darum geht’s:

Howard verdächtigt Jimmy, seinen Ruf zu beschmutzen und fordert ihn zu einem ungewöhnlichen Duell auf. Währenddessen zählt Gus die Stunden bis zu Lalos Rückkehr, der sich wiederum in Deutschland aufhält, um Beweise für den Bau des Drogen-Superlabors zu sammeln. 

Kritik: 

Nur noch acht Episoden bis zum endgültigen Finale des Franchises. Nicht nur Gus wartet nervös auf die fallende Axt, auch wir Zuschauer rutschen auf dem Sessel hin und her, während die Serienmacher mit scheinbar provokanten Absichten das Tempo der Staffel drosseln. 

Im Gegensatz zu den letzten Episoden fühlt sich Blaue Flecken noch mehr wie ein Bindeglied an. Hier und da schleicht sich eine unbeabsichtigte Länge ein, zum Beispiel, wenn Gus im Schneckentempo sein Drogenlabor abläuft, um sich mental auf Lalos Rückkehr vorzubereiten. 

Dass Gus vor Angst schlottert, ist immerhin ein starker Move. Habe ich mich schon öfter darüber ausgelassen, dass der Hühnermann ungefähr so eindimensional geworden ist wie ein “Los Pollos”-Drive-In-Schild, bekommt er nun einige menschliche, beinahe neurotische Züge. Seine Beinahe-Panikattacke vor einem Kunden und das Putzen seiner Badfugen manifestiert seine Furcht auf clevere Weise.

Leider aber reicht das nicht aus, die Spannung um den Lalo-Gus-Konflikt auf die Spitze zu treiben. Schließlich wissen wir, dass Gus in Zeiten von Breaking Bad die Oberhand gewonnen haben muss und die Frage nach dem Wie erscheint wenig spannend, wenn Gus auf dem Weg dahin nichts weiter zu verlieren hat außer seinen Ruhepuls. Hier muss der Einsatz erhöht werden, die Chance auf eine Katastrophe, von der wir noch nichts wissen. 

Für die Unterhaltung sorgt in Blaue Flecken vor allem Howard. Seine Reaktion auf Cliffs gut gemeinte Konfrontation ist Comedy-Gold, sein Boxkampf mit Jimmy um die Ehre noch besser. Howards Move erscheint lachhaft, vor allem seine bierernste Motivation dahinter, Jimmy eine rein zu hauen. Doch wird der Kampf zwischen Hamlin und McGill mit Sicherheit größere Konsequenzen für Jimmy haben als ein blaues Auge; vielleicht sogar für Howard?

Ein Privatdetektiv soll Jimmy auf jeden Schritt und Tritt überwachen. Damit bahnt sich eine weitere Kollision zweier Parallelwelten an: Kann es sein, dass Howards und Mikes Ermittler ineinander rennen? Wird Howard die Faust des organisierten Verbrechens zu spüren bekommen? 

Weiterhin im Dunkeln verborgen sind die Pläne von Jimmy und KIm, ihren Schlachtplan gegen Howard weiterzuführen. Wir bekommen ein paar Hints aber niemals irgendeine Einsicht in ihre Gedankenwelt, was auf Dauer etwas frustrierend sein kann. Man sollte uns Zuschauer etwas mehr abholen bezüglich “Operation: Howard”.

Im letzten Drittel liefert Blaue Flecken schließlich das spannende Material: Lalo ist zurück; zurück in Deutschland! Sein Flirt mit Werner Zieglers Witwe Margarethe  erinnert an alte Bond-Filme, denn Lalo ist nicht weniger charismatisch und charmant wie ein Geheimagent. Er beruhigt sogar einen deutschen Klischee-Dackel auf fremder Sprache und verschont Margarethe vor einem falschen One-Night-Stand, auch wenn er sowas von bereit gewesen wäre, über ihre Leiche zu steigen, um in seiner geheimen Mission nicht aufzufliegen. 

Fazit:

Blaue Flecken besitzt einprägsame Szenen, wie beispielsweise das peinliche Boxduell zwischen Howard und Jimmy, sowie Lalos Rückkehr in unerwartetem Setting. Gleichzeitig erscheint das Erzähltempo mutig langsam und Jimmy und Kims Plan für Howard sehr undurchsichtig. Gus’ Probleme erscheinen auf den ersten Blick spannend, auf den zweiten Blick wünsche ich mir aber mehr Eskalationspotential. Dennoch bekommt die Folge, für den Kontext der bisher genialen Staffel, einen Vertrauensvorschuss, auch wenn, oder gerade weil das Warten auf die nächste Folge immer unerträglicher wird!

Bewertung: 8.4

Unser Livetalk zur Folge 5

Episode 6: Hacken und Schleifen (Original: Axe and Grind)

Armer Howard: Hat er das ganze Theater wirklich verdient?

Patrick Fabian als Howard Hamlin in Hacken und Schleifen Better Call Saul Staffel 6

Darum geht’s:

Lalo geht seiner Spur in Deutschland weiter nach. Jimmy und Kim planen das Finale ihres großen Plans gegen Howard.

Kritik:

Es ist das Regiedebüt des großen Giancarlo Esposito, Darsteller von Gus Fring, und zudem eine Folge ganz ohne … Gus Fring. Zufall? Nein, denn Esposito wollte sich unter keinen Umständen selbst delegieren. 

Der Teaser ist eine Rückblende und gleichzeitig die wohl stärkste Szene der Folge. Wir sehen, wie Kims Mutter als Vorbild versagt; hervorragend gespielt von Beth Hoyt, die Rhea Seehorn erstaunlich ähnlich aussieht. Kims gestohlene Ohrringe werden zu ihrem Sinnbild der Kriminalität, ebenso wie Marcos Ring für Jimmy. 

Mit 43 Minuten ist Hacken und Schleifen eine relativ kurze Folge. Dementsprechend schnell erscheint das Erzähltempo, das zwischen Szenen springt, ohne ihnen die übliche Luft zum atmen zu geben. 

So sehen wir nicht, wie Lalo einen von Zieglers Arbeitern überhaupt findet oder wie Francesca ein neues Office für Saul einrichtet, die Dinge geschehen einfach. Für andere Serien wäre das ein normales Erzähltempo, für Better Call Saul wirkt es lückenhaft. 

Jimmy und Kims Handlung trabt voran, ohne wirklich viel neues zu erzählen, weswegen der Plot ironischerweise “langsam” wirkt. Das Problem: Man schließt uns Zuschauer komplett aus den Köpfen der beiden aus. Zu keiner Sekunde können wir uns sicher sein, was Jimmy und Kim seit vier Folgen eigentlich genau planen. In einem Bingewatch mag dies absolut kein Problem sein; für die kleine, wöchentliche Dosis von 45 Minuten ist das aber frustrierend. 

Während Lalo aufgrund einer schwachen Inszenierung enttäuscht – wer läuft denn schon so unbeholfen mit einer Knarre herum – liefert Saul Goodman mal wieder klassische Momente, die einen zum schmunzeln bringen, wie zum Beispiel Sauls Regiearbeit während Francescas Telefonat oder der pinkelbedürftige Klient, der Francescas Wasserspiel als Pissoir benutzt, während die Toilette in den Müllcontainer geworfen wurde. 

Hochintelligent ist auch die Einführung des schwarzen Notizheftes, das als Grundlage für Sauls spätere Machenschaften dienen soll. Saul bekommt sein berühmt berüchtigtes Kontakt-Repertoire also „vererbt“. Clever, denn es lag eigentlich seit Staffel 1 auf der Hand, doch niemand hätte daran gedacht, dass ausgerechnet der Tierarzt eines der wichtigsten Puzzlestücke des späteren Saul Goodman parat hält. 

Fazit:

Hacken und Schleifen ist eine Kontext-Folge. Alleinstehend bietet sie wenig, da ihr die großen Highlights fehlen, sie könnte im Kontext der Serie aber auch ein essentielles Kapitel sein. Leider wirkt Giancarlo Espositos Regie nicht ganz so verspielt wie der eines Vince GIlligan oder einer Rhea Seehorn. Sie macht (bis auf das ewige Hinhalten im Bezug auf den „Doomsday“) aber auch wenig falsch. Die Ruhe vor dem Sturm, der im Midseason-Finale mit Sicherheit aufziehen wird.

Bewertung: 7.4 

Unser Livetalk zur Folge 6

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Episode 7: Plan and Execution

Darum geht’s: 

Jimmy und Kim verfolgen gespannt, wie Howard während der wichtigen Sandpiper-Verhandlung zugrunde geht. Währenddessen ist Lalo zurück in Albuquerque und sucht nach der besten Option, den “Hühnchenmann” kalt zu machen. 

Kritik: 

Wir alle haben erwartet, dass in dieser Episode eine Axt fallen wird. In welcher Form auch immer. Wie das Schwert über Damokles warteten wir auf den Fall von Howard Hamlin und während Jimmy und Kim dem Doomsday mit kindlicher Freude entgegen fieberten, wussten wir es besser, dass das Lachen irgendwann ein Ende haben wird. 

Das gilt natürlich nicht für Lalo, der mit seinem verschmitzten Lächeln die Folge beendet und uns schadenfroh in die einmonatige Pause schickt. 

Ja, Plan and Execution ist ein “Midseason-Finale”, wie man es sich wünscht. Oder auch nicht. Dabei hat Produzent und Regisseur dieser Folge Thomas Schnauz auf Twitter bestätigt, dass die Staffel ohne den Hintergedanken an einen Split abgedreht wurde. In einer anderen Welt hätten wir nächste Woche also schon die achte  Folge sehen können. Wollte sich Herr Schnauz etwa für diesen unheimlich fiesen Cliffhanger entschuldigen?

Doch vielleicht tut ein bisschen Verschnaufen ganz gut. Denn Plan and Execution ist die mit Sicherheit nervenaufreibendste Folge der Serie; und gleichzeitig die Beste. 

Spulen wir zurück an den Anfang: Lalo kriecht aus einem Abflussrohr in Albuquerque. Wir vermuten einen baldigen Anschlagsversuch auf Gus Fring; denn noch haben wir absolut keine Ahnung, wo Lalo am Ende der Folge stehen wird und es ist genial. 

Das hohe Tempo der letzten Folge wird beibehalten und die Vorbereitungen – bzw. Anpassungen – für den „Doomsday“ werden unter Hochdruck umgesetzt. Nur machen die Szenen mit Jimmy, Kim und der Video-Crew dieses Mal ungemein mehr Spaß, da wir nun einigermaßen verstehen, was der Plan ist. 

Der rhythmische Tracking-Shot im Park gehört zu den unterhaltsamsten Szenen der sechsten Staffel und erlaubt es uns zu lachen, bis es von einem zähneknirschenden Grinsen abgelöst wird, sobald Howards “Vorführung” beginnt. 

Das Spannungslevel ist nun verdammt hoch; und das muss man wohl doch den zwei bis drei vorausgehenden Build-Up-Episoden verdanken, die uns auf provokante Art warten lassen haben. 

Habe ich kritisiert, dass uns Staffel 6 zu viele Informationen rund um Jimmy und Kims Plan vorenthält? Schuldig. Allerdings ist genau das eingetroffen, was ich erhofft habe, nämlich eine dramaturgische Rechtfertigung, die sich gewaschen hat. Letztendlich waren die Drehbuchautoren doch schlauer und vorausdenkender als ich und das erleichtert mich sehr. 

Howards Karriere-Sturz ist beinahe so unangenehm wie jener von Chuck aus der berühmten Folge Chicanery. Nun, lustiger und nicht ganz so tragisch, doch allemal zum fremdschämen und zum mitleiden. Obwohl wir den Plan bis dato schon kennen, überrascht uns die Folge dann doch mit ein bis zwei nicht kommunizierten Teilschritten. Perfekt. Und wie Howard in seinem Stuhl Richter Casamiro mit erschreckten Hamsteraugen anstarrt: mehr als perfekt. 

Das war der Plan. Kommen wir zur Exekution. 

Wie passend, dass für die Regie Thomas Schnauz gewählt wurde, der bereits die Folge Miese Entscheidung gedreht hatte: diese ist bekannt für die hochspannende Szene mit Lalo in Kims Wohnung. Plan and Execution ist also so etwas wie ein Sequel

Better Call Saul spielt einmal mehr mit einer Symbolik, die sich einbrennt, dieses Mal in Form einer Kerze, die flackert, sollte jemand Kims Wohnung betreten. Das erste Mal flackert sie für Howard und wir verstehen, dass er ein Todgeweihter ist. Das zweite Mal flackert sie für den Sensenmann, Lalo, der sich, wie der Schatten eines Dämon, hinter Howard aufbäumt. Eine Szene, die für Gänsehaut sorgt. 

Howards Tod ist nicht nur schockierend, sondern auch herzzerreißend für den Zuschauer und ironisch für Jimmy und Kim. Sie haben Howard nun im wahrsten Sinne des Wortes vernichtet und “Spaß” kann dabei keiner mehr haben. 

Die letzten Sekunden sind nichts weiter als der unfairste Cliffhanger der Serie. Es ist ein “Point of no Return” und ein “Game Changer” für die übrigen sechs Folgen der Staffel. Ab jetzt ist alles möglich und ich kann kaum warten, es zu erfahren. 

Fazit:

Plan and Execution ist ein Meilenstein, nicht nur für Better Call Saul, sondern für die ganze Serienlandschaft. Ohne bombastische Action, heißen Sex oder rohe Gewalt schaffen es die Serienmacher, fünfzig ikonische Minuten des guten Storytellings für alle anderen Serien als Exempel zu setzen. Das hier ist nichts anderes als Perfektion.

Bewertung: 10.0 

Unser Livetalk zur Folge 7

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Fazit

8.9/10
Sehr gut
Community-Rating: (16 Votes)
Wein und Rosen 8.5/10
Zuckerbrot und Peitsche 9.1/10
Pest und Cholera 9.4/10
Hit and Run 9.2/10
Blaue Flecken 8.4/10
Hacken und Schleifen 7.4/10
Plan and Execution 10/10
Details:
Showrunner: Peter Gould, Vince Gilligan,
FSK: 16 Episoden: 13
Besetzung: Bob Odenkirk, Giancarlo Esposito, Jonathan Banks, Rhea Seehorn, Tony Dalton,

Das Gesamtfazit erscheint, sobald alle Folgen veröffentlicht wurden!

Artikel vom 24. Mai 2022

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