Kritik: Jungle Cruise

Kaffeefahrt durch den Dschungel
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
  • Action Star Dwayne Johnson und Publikumsliebling Emily Blunt, 200 Millionen Dollar Budget, aufwendige Animationen und familienfreundliche Action – ein furioses Abenteuer für Groß und Klein? Leider nein. Wieso 'Jungle Cruise' keine Wildwasserfahrt ist, sondern nur müde dahinschippert, erfahrt ihr in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum gehts? Die junge Botanikerin Lily Houghton (Emily Blunt) ist fest davon überzeugt, den Baum des Lebens im südamerikanischen Regenwald ausfindig zu machen. Dazu reist sie mit ihrem Bruder Jack Whitehall (McGregor Houghton) dorthin und engagiert den zwielichtigen, aber doch sehr fähig wirkenden Frank Wolff (Dwayne Johnson) als Kapitän und Guide den Fluss hinauf. Die Truppe gerät dabei sowohl mit Bootsverleihmagnat Nilo Nemolato (Paul Giamatti), mit dem Frank noch eine offene Rechnung hat, als auch dem deutschen Prinz Joachim (Jesse Plemons), der auch auf der Suche nach dem Baum des Lebens ist, aneinander. Werbung Der Fluch des Amazonas? Ich komme nicht umhin, auf Fluch der Karibik zu sprechen zu kommen. Zum Hintergrund: Anfang der 2000er dachten sich die Marketingstrategen bei Disney, dass ihre Themenparkattraktion mit Namen Pirates of the Caribbean doch eigentlich großartiges Material für einen Spielfilm hergäbe. Aus irgendeinem Grund… Wahrscheinlich waren ihnen die Romane ausgegangen und es blieb nichts übrig, als entweder Jahrmarktattraktionen oder Dada-Lyrik zu verfilmen. Beide Vorschläge sind gleich absurd. Schließlich gibt ihnen der Erfolg teilweise doch Recht: die Flucht der Karibik-Filmreihe brachte Disney viereinhalb Milliarden (!) Dollar ein (von Videospielen und Büchern ganz abgesehen). Gigantische Einspielergebnisse und – zugegeben: ein paar der Filme sind auch unterhaltsam. Zurück zu Jungle Cruise: er beruht nun wieder auf irgendeinem Fahrgeschäft. Doch er beruht auch auf Fluch der Karibik. Denn die Handlung weist etliche Parallelen auf: eine weibliche Hauptfigur, die sich nicht so verhält, wie Frauen es damals taten (Keira Knightley und Emily Blunt); eine männliche Hauptfigur, die sowohl ein Schelm und Scharlatan ist, als auch nicht ganz, wer sie zu sein scheint (Johnny Depp und Dwayne Johnson); eine Gruppe verfluchter Bösewichte (Barbossa und seine Crew, bzw. Aguirre und seine Männer); einen zentralen, persönlichen Konflikt zwischen der männlichen Hauptfigur und besagten Bösewichten; einen zweiten Schurken in militärischer Uniform, der … irgendwelche Ziele verfolgt; alte Schiffe, irgendwelche Voodoo-Elemente, Flüche und, und, und. Muskeln statt Charisma Es gibt zwei wichtige Unterschiede: erstens fehlt Jungle Cruise ein Orlando Bloom. Nicht nur macht das den Film weniger attraktiv, sondern es wird notwendig, dass die Liebesnebenhandlung – die wird ja immer in solche, am Reißbrett geplanten Blockbuster mit aller Kraft hineingezwängt – zwischen Emily Blunt und Dwayne Johnson stattfinden muss. Und zwischen den beiden, um es mal milde auszudrücken, knistert so gar nichts. Zweitens hat Dwayne Johnson sicher mehr Muskeln in der Schulter als Johnny Depp im ganzen Körper, ist dafür aber auch kein besonderer Schauspieler, sondern vornehmlich eine Actionaufstellfigur. Einen Film, der vom Charisma seiner Figuren zu leben versucht, kann er nicht tragen, wie Johnny Depp das als Jack Sparrow vermochte. Kurz am Rande seien Werner Herzogs Fitzcarraldo (1982) und Aguirre, der Zorn Gottes (1972) empfohlen. Der erste erzählt auch die Geschichte einer Fahrt, den Fluss hinauf durch den Urwald, nur in gut und spannend. Der zweite erzählt die Geschichte Aguirres, der auch in Jungle Cruise eine Rolle spielt, nur eben in gut und spannend. Verkaufen statt verzaubern Doch genug des Vergleichs. Ist Junge Cruise neben dem zum modernen Klassiker gewordenen Fluch der Karibik vielleicht etwas mau, aber kann zumindest für sich genommen bestehen? Nein. Kann er nicht. Der Film ist schrecklich generisch und dadurch so ziemlich ohne Seele. Er ist von vorne bis hinten durchkalkuliert, um eben auch ein Franchise für irgendeine Wasserrutsche oder Hüpfburg im Disneyland zu schaffen. Der Film ist nicht spannend, weil viel zu vorhersehbar, und er ist nicht witzig, weil viel zu gezwungen. Der wiederkehrende Witz, dass Dwayne Johnsons Figur ständig schlechte Witze macht, wirkt total fehl am Platz und ist ein sehr unbeholfener Versuch, selbstironisch zu sein. Das Schlimme ist, dass der Film gar nicht unbedingt irgendwelche großen Fehler macht. Es gibt keine technischen, filmischen oder sonstigen Fauxpas. Jungle Cruise ist einfach fade. Die Handlung bleibt uninspiriert und bietet nicht eine einzige interessante Szene. Es mag pathetisch oder kitschig klingen, aber von einem solchen Abenteuerfilm wie Jungle Cruise es gerne wäre, würde ich mehr – nun ja, Verzauberung erwarten. Stattdessen fühlt es sich an, wie eine zweistündige Ausrede, sicher irgendwelche Kostüme, Heliumballons und mehr Disneyland-Tickets zu verkaufen. Fazit: Träge und kalt Das beschreibt sowohl meine eingeschlafenen Beine beim Verlassen des Kinos, – der Film dauert immerhin über zwei Stunden! – sondern auch den Film selbst. Obwohl viel auf der Leinwand passiert, berührt davon nichts. Alles fließt träger dahin, als der Fluss, auf dem die Handlung spielt und lässt einen so ziemlich kalt. Was als großer Sommerblockbuster geplant war, kann man guten Gewissens in den Winter verschieben, wenn es irgendwo gestreamt werden kann, oder es gleich ganz überspringen. Langweilig und hoffentlich schnell vergessen.
    Kritik: Jungle Cruise
    Action
    50%
    Handlung
    45%
    Humor
    35%
    Charaktere
    45%
    Dialoge
    40%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 29.07.2021
    Filmlänge: 127 Minuten
    FSK: 12
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
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    Bildrechte: Disney
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Gesamtbewertung:

Schwach
43%

Action Star Dwayne Johnson und Publikumsliebling Emily Blunt, 200 Millionen Dollar Budget, aufwendige Animationen und familienfreundliche Action – ein furioses Abenteuer für Groß und Klein? Leider nein. Wieso 'Jungle Cruise' keine Wildwasserfahrt ist, sondern nur müde dahinschippert, erfahrt ihr in der Kritik.

Worum gehts?

Die junge Botanikerin Lily Houghton (Emily Blunt) ist fest davon überzeugt, den Baum des Lebens im südamerikanischen Regenwald ausfindig zu machen. Dazu reist sie mit ihrem Bruder Jack Whitehall (McGregor Houghton) dorthin und engagiert den zwielichtigen, aber doch sehr fähig wirkenden Frank Wolff (Dwayne Johnson) als Kapitän und Guide den Fluss hinauf. Die Truppe gerät dabei sowohl mit Bootsverleihmagnat Nilo Nemolato (Paul Giamatti), mit dem Frank noch eine offene Rechnung hat, als auch dem deutschen Prinz Joachim (Jesse Plemons), der auch auf der Suche nach dem Baum des Lebens ist, aneinander.

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Der Fluch des Amazonas?

Ich komme nicht umhin, auf Fluch der Karibik zu sprechen zu kommen. Zum Hintergrund: Anfang der 2000er dachten sich die Marketingstrategen bei Disney, dass ihre Themenparkattraktion mit Namen Pirates of the Caribbean doch eigentlich großartiges Material für einen Spielfilm hergäbe. Aus irgendeinem Grund…

Wahrscheinlich waren ihnen die Romane ausgegangen und es blieb nichts übrig, als entweder Jahrmarktattraktionen oder Dada-Lyrik zu verfilmen. Beide Vorschläge sind gleich absurd. Schließlich gibt ihnen der Erfolg teilweise doch Recht: die Flucht der Karibik-Filmreihe brachte Disney viereinhalb Milliarden (!) Dollar ein (von Videospielen und Büchern ganz abgesehen). Gigantische Einspielergebnisse und – zugegeben: ein paar der Filme sind auch unterhaltsam.

Dwayne "The Rock" Johnson, Emily Blunt und Jack Whitehall in Jungle Cruise (2021)

Frank (Dwayne Johnson), Lily (Emily Blunt) und ihr Bruder McGregor (Jack Whitehall) sollen als unpassend zusammengewürfeltes Team lustig sein, sind aber als Charaktere ziemlich abgedroschen.

Zurück zu Jungle Cruise: er beruht nun wieder auf irgendeinem Fahrgeschäft. Doch er beruht auch auf Fluch der Karibik. Denn die Handlung weist etliche Parallelen auf: eine weibliche Hauptfigur, die sich nicht so verhält, wie Frauen es damals taten (Keira Knightley und Emily Blunt); eine männliche Hauptfigur, die sowohl ein Schelm und Scharlatan ist, als auch nicht ganz, wer sie zu sein scheint (Johnny Depp und Dwayne Johnson); eine Gruppe verfluchter Bösewichte (Barbossa und seine Crew, bzw. Aguirre und seine Männer); einen zentralen, persönlichen Konflikt zwischen der männlichen Hauptfigur und besagten Bösewichten; einen zweiten Schurken in militärischer Uniform, der … irgendwelche Ziele verfolgt; alte Schiffe, irgendwelche Voodoo-Elemente, Flüche und, und, und.

Muskeln statt Charisma

Es gibt zwei wichtige Unterschiede: erstens fehlt Jungle Cruise ein Orlando Bloom. Nicht nur macht das den Film weniger attraktiv, sondern es wird notwendig, dass die Liebesnebenhandlung – die wird ja immer in solche, am Reißbrett geplanten Blockbuster mit aller Kraft hineingezwängt – zwischen Emily Blunt und Dwayne Johnson stattfinden muss. Und zwischen den beiden, um es mal milde auszudrücken, knistert so gar nichts.

Zweitens hat Dwayne Johnson sicher mehr Muskeln in der Schulter als Johnny Depp im ganzen Körper, ist dafür aber auch kein besonderer Schauspieler, sondern vornehmlich eine Actionaufstellfigur. Einen Film, der vom Charisma seiner Figuren zu leben versucht, kann er nicht tragen, wie Johnny Depp das als Jack Sparrow vermochte.

Die Dorfälteste aus Jungle Cruise (2021)

Vieles von der Dschungelstaffage wirkt unaufrichtig und grenzt an Klamauk.

Kurz am Rande seien Werner Herzogs Fitzcarraldo (1982) und Aguirre, der Zorn Gottes (1972) empfohlen. Der erste erzählt auch die Geschichte einer Fahrt, den Fluss hinauf durch den Urwald, nur in gut und spannend. Der zweite erzählt die Geschichte Aguirres, der auch in Jungle Cruise eine Rolle spielt, nur eben in gut und spannend.

Verkaufen statt verzaubern

Doch genug des Vergleichs. Ist Junge Cruise neben dem zum modernen Klassiker gewordenen Fluch der Karibik vielleicht etwas mau, aber kann zumindest für sich genommen bestehen? Nein. Kann er nicht. Der Film ist schrecklich generisch und dadurch so ziemlich ohne Seele. Er ist von vorne bis hinten durchkalkuliert, um eben auch ein Franchise für irgendeine Wasserrutsche oder Hüpfburg im Disneyland zu schaffen.

Der Film ist nicht spannend, weil viel zu vorhersehbar, und er ist nicht witzig, weil viel zu gezwungen. Der wiederkehrende Witz, dass Dwayne Johnsons Figur ständig schlechte Witze macht, wirkt total fehl am Platz und ist ein sehr unbeholfener Versuch, selbstironisch zu sein.

Jesse Plemons in Jungle Cruise (2021)

Jesse Plemons Rolle ist bereits ein solches Klischee, dass es umso alberner wird, je mehr er versucht, witzig zu sein.

Das Schlimme ist, dass der Film gar nicht unbedingt irgendwelche großen Fehler macht. Es gibt keine technischen, filmischen oder sonstigen Fauxpas. Jungle Cruise ist einfach fade. Die Handlung bleibt uninspiriert und bietet nicht eine einzige interessante Szene. Es mag pathetisch oder kitschig klingen, aber von einem solchen Abenteuerfilm wie Jungle Cruise es gerne wäre, würde ich mehr – nun ja, Verzauberung erwarten. Stattdessen fühlt es sich an, wie eine zweistündige Ausrede, sicher irgendwelche Kostüme, Heliumballons und mehr Disneyland-Tickets zu verkaufen.

Fazit:

Träge und kalt

Das beschreibt sowohl meine eingeschlafenen Beine beim Verlassen des Kinos, – der Film dauert immerhin über zwei Stunden! – sondern auch den Film selbst. Obwohl viel auf der Leinwand passiert, berührt davon nichts. Alles fließt träger dahin, als der Fluss, auf dem die Handlung spielt und lässt einen so ziemlich kalt. Was als großer Sommerblockbuster geplant war, kann man guten Gewissens in den Winter verschieben, wenn es irgendwo gestreamt werden kann, oder es gleich ganz überspringen. Langweilig und hoffentlich schnell vergessen.

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