• Titelbild Kritik Operation 12 Strong
  • Krieg geht immer! So oder so ähnlich scheint es in den Schädeln vieler Hollywood-Studiobosse zu erschallen, wenn neue Stoffe auf die Leinwand gebracht werden sollen. Ein paar tapfere amerikanische Soldaten, eine lose Handlung nach wahren Begebenheiten und ordentlich Blei. Fällt 'Operation: 12 Strong' in diese Kategorie? Erfahrt es in unserer Bewertung und Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht’s? Der 11. September 2001 hat nicht nur die Welt erschüttert, sondern eine klaffende Wunde in die amerikanische Seele gerissen. In kürzester Zeit betreten Spezial-Truppen von US-Soldaten den Norden Afghanistans, um der dort verschanzten Taliban und Al-Qaida aufzuspüren, zu bombardieren und schließlich zu besiegen. Für diese heikle Mission muss der kampfunerprobte Captain Mitch Nelson (Chris Hemsworth, Thor: Tag der Entscheidung) mit dem Warlord General Dostum (Navid Negahban) zusammenarbeiten, um im unbekannten Terrain eine Chance zu haben. Doch eben jener Warlord setzt lieber auf Pferde als auf großes Geschütz … Kriegsfilme von der Stange In den frühen 2000ern gab es die Renaissance der Sandalen-Filme, mittlerweile erleben wir die Renaissance bleihaltiger Nahost-Kriegsfilme. Die Rezeptur ist einfach: eine wahre Begebenheit als lose Rahmenhandlung, ein beinharter Trupp von heimatliebenden und mutigen Soldaten, die retrospektiv keine ausreichende Würdigung für ihren Einsatz erhalten haben und ein paar bad guys, denen dringend die Lichter ausgeknipst gehören – und das alles in einem beliebigen Land irgendwo im Osten. Ach ja, Krieg kann doch so einfach sein! Auf Netflix, das Operation: 12 Strong mittlerweile im Programm hat, tummeln sich einige dieser Filme. Neben nur schwer erträglichen Gurken wie Lone Survivor oder kaum erinnerungswürdigen Netflix Originals wie Sand Castle oder Jadotville ist ausgerechnet Michael Bays 13 Hours einer der sowohl unterhaltsamsten als auch ambivalentesten Beiträge zu diesem Genre. Regisseur Nicolai Fuglsig feuert zwar ein vergleichbares Kugel-Feuerwerk ab, verpasst aber, der Thematik ansatzweise nachhaltige Tiefe und Substanz zu verleihen. Ein Spagat, den Zero Dark Thirty oder Tödliches Kommando mit Bravour hinbekommen haben. Gesichtslose Helden ohne Kontur Die Exposition wird ebenso routiniert wie hastig abgespult: Ein Anschlag, eine Truppe, eine Mission. Von den vor Testosteron strotzenden Charakteren bleibt dabei fast niemand im Gedächtnis. Kurz wird den Zuschauenden klar gemacht, dass unsere Protagonisten alle Familie haben (und damit viel zu verlieren), aber das war’s dann schon mit der Charakterzeichnung. Freilich erwartet hier auch niemand weltbewegende Entwicklungen – aber dieses zu rudimentäres Vorgehen gehört abgestraft. Es ist die unbestreitbare Präsenz eines Chris Hemsworth, die den Film halbwegs zusammenhält. Doch selbst er spielt nur eine grobe Skizze einer Persönlichkeit, die meistens kalkuliert, lässig und in den brutalen Szenen etwas zu souverän agiert. Einzig Michael Shannon (Shape of Water) und der wunderbar zwielichtig spielende Navid Negahban schaffen es, aus der dreckigen Männer-Masse herauszustechen. Selbst ein Michael Peña (Extinction) geht hoffnungslos unter. Nicht, weil Operation: 12 Strong nicht gut gespielt wäre – sondern weil es keine Spielfläche gibt, auf der die Schauspieler glänzen könnten. Neue Sicht auf den Afghanistan-Konflikt? Zu Beginn des Einsatzes treffen unsere Special Forces in einer recht spannenden und gleichzeitig amüsanten Szene auf den afghanischen Warlord Dostum, der den Truppen zur Seite stehen soll. Dahinter steckt eine Vielzahl politischer Interessen und Konflikte. Denn während die Vereinigten Staaten das nördliche Revier als oppositionelle Einheit ansehen, stehen dort tatsächlich viele kleinere Gruppen in Konkurrenz zueinander. Einerseits schafft diese Sicht auf den Krieg im Hindukusch (US-Truppen kooperieren mit Warlords, um einen Krieg zu gewinnen) für einige neue, sicherlich weniger bekannte Impulse. Andererseits wird mit diesem Potenzial in Operation: 12 Strong herzlich wenig angefangen. Lediglich in einer Schlüssel-Szene keimt ein Hauch von politischer Diskrepanz auf. Ansonsten positioniert sich Fuglsig klar auf der Seite der amerikanischen Helden. Zu keiner Sekunde wird hinterfragt, ob der Einsatz gerechtfertigt oder verhältnismäßig ist. Der Anschlag auf das World Trade Center genügt als Rechtfertigung – und die Handlungen der Truppen zumindest ein wenig kritisch einzuordnen, das scheint zu viel verlangt. Am Ende sind die Heimkehrer Helden. Was die amerikanische Regierung in Afghanistan langfristig angerichtet hat, das wird im Abspanntext elegant umschifft. Mit unserem heutigen Wissen wirkt das wie eine verpasste Chance, nein: wie eine verpasste Pflicht! Werbung Pferde gegen Panzer? Kleinigkeit! Wer sich nicht um die politischen Hintergründe von Operation: 12 Strong schert, der wird immerhin mit einem opulenten Leinwand-Gemetzel einigermaßen unterhalten. Mit jedem neuen Scharmützel steigert Nicolai Fuglsig die Schauwerte, die Kamera-Arbeit und das Sound Design sind erstklassig und wenn sich die Soldaten ihre Geschosse um die Ohren jagen, bebt auch das Heimkino. Dass die Protagonisten meistens nicht sonderlich vorausschauend und in mindestens einer Szene grob fahrlässig handeln, ist hingegen ein deutlicher Dämpfer. Richtig abstrus wird es im großen Finale, in dem sich den Zuschauenden ernsthaft die Frage stellt, wie die Protagonisten auch nur eine Sekunde überleben können. Wenn die Helden auf Pferden (immerhin werden sie auch US-Horse Soldiers genannt) gegen eine Übermacht anreiten, wie Cowboys einarmig ihre Gewehrsalven abfeuern, während eine gegnerische Batterie im Sekundentakt Raketen auf sie abfeuert, dann ist das einfach zu viel des Guten. Und inmitten des Gefechts noch einen persönlichen Vergeltungstrip eines Generals einzubauen gibt die Geschichte endgültig der Lächerlichkeit preis. Sieht alles hochwertig aus, realistisch wirkt es aber beileibe nicht. Fazit: 'Operation: 12 Strong' sieht gut aus, hat aber nichts zu sagen Die wahren Erlebnisse der US-Horse Soldiers sind die perfekte Prämisse für einen guten Kriegsfilm, der leider in der Kategorie „schaut man sich an, vergisst man schnell wieder“ landet. Weder wird die Chance wahrgenommen, einen selbstkritischen Blick auf den blutigen Nahost-Konflikt zu werfen, noch wird sich groß um eine stimmige Charakterzeichnung und -entwicklung gekümmert. Stattdessen schauen wir Chris Hemsworth dabei zu, wie er vom unerfahrenen Schönling zur eiskalten Killer-Maschine mutiert und jede noch so absurde Kampfhandlung überlebt. Die Bilder sind eindrücklich und das Kriegsgeschehen chaotisch und überfordernd. Jenseits davon kann Operation: 12 Strong allerdings mit wenig punkten.
    Kritik: Operation: 12 Strong
    Handlung
    50%
    Toneffekte
    80%
    Charaktere
    35%
    Tiefgang
    45%
    Action
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 08.03.2018
    Filmlänge: 130 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , ,
    Bildrechte: 2018 Concorde Filmverleih
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Gesamtbewertung:

Mäßig
59%

Kritik: Operation: 12 Strong

Afghanistan, die Cowboys kommen!
Spoilerfrei! |
Lesedauer: 5 Mins.
|

Krieg geht immer! So oder so ähnlich scheint es in den Schädeln vieler Hollywood-Studiobosse zu erschallen, wenn neue Stoffe auf die Leinwand gebracht werden sollen. Ein paar tapfere amerikanische Soldaten, eine lose Handlung nach wahren Begebenheiten und ordentlich Blei. Fällt 'Operation: 12 Strong' in diese Kategorie? Erfahrt es in unserer Bewertung und Kritik.

Worum geht’s?

Der 11. September 2001 hat nicht nur die Welt erschüttert, sondern eine klaffende Wunde in die amerikanische Seele gerissen. In kürzester Zeit betreten Spezial-Truppen von US-Soldaten den Norden Afghanistans, um der dort verschanzten Taliban und Al-Qaida aufzuspüren, zu bombardieren und schließlich zu besiegen. Für diese heikle Mission muss der kampfunerprobte Captain Mitch Nelson (Chris Hemsworth, Thor: Tag der Entscheidung) mit dem Warlord General Dostum (Navid Negahban) zusammenarbeiten, um im unbekannten Terrain eine Chance zu haben. Doch eben jener Warlord setzt lieber auf Pferde als auf großes Geschütz …

Kriegsfilme von der Stange

In den frühen 2000ern gab es die Renaissance der Sandalen-Filme, mittlerweile erleben wir die Renaissance bleihaltiger Nahost-Kriegsfilme. Die Rezeptur ist einfach: eine wahre Begebenheit als lose Rahmenhandlung, ein beinharter Trupp von heimatliebenden und mutigen Soldaten, die retrospektiv keine ausreichende Würdigung für ihren Einsatz erhalten haben und ein paar bad guys, denen dringend die Lichter ausgeknipst gehören – und das alles in einem beliebigen Land irgendwo im Osten. Ach ja, Krieg kann doch so einfach sein!

Auf Netflix, das Operation: 12 Strong mittlerweile im Programm hat, tummeln sich einige dieser Filme. Neben nur schwer erträglichen Gurken wie Lone Survivor oder kaum erinnerungswürdigen Netflix Originals wie Sand Castle oder Jadotville ist ausgerechnet Michael Bays 13 Hours einer der sowohl unterhaltsamsten als auch ambivalentesten Beiträge zu diesem Genre. Regisseur Nicolai Fuglsig feuert zwar ein vergleichbares Kugel-Feuerwerk ab, verpasst aber, der Thematik ansatzweise nachhaltige Tiefe und Substanz zu verleihen. Ein Spagat, den Zero Dark Thirty oder Tödliches Kommando mit Bravour hinbekommen haben.

Gesichtslose Helden ohne Kontur

Die Exposition wird ebenso routiniert wie hastig abgespult: Ein Anschlag, eine Truppe, eine Mission. Von den vor Testosteron strotzenden Charakteren bleibt dabei fast niemand im Gedächtnis. Kurz wird den Zuschauenden klar gemacht, dass unsere Protagonisten alle Familie haben (und damit viel zu verlieren), aber das war’s dann schon mit der Charakterzeichnung. Freilich erwartet hier auch niemand weltbewegende Entwicklungen – aber dieses zu rudimentäres Vorgehen gehört abgestraft.

Es ist die unbestreitbare Präsenz eines Chris Hemsworth, die den Film halbwegs zusammenhält. Doch selbst er spielt nur eine grobe Skizze einer Persönlichkeit, die meistens kalkuliert, lässig und in den brutalen Szenen etwas zu souverän agiert. Einzig Michael Shannon (Shape of Water) und der wunderbar zwielichtig spielende Navid Negahban schaffen es, aus der dreckigen Männer-Masse herauszustechen. Selbst ein Michael Peña (Extinction) geht hoffnungslos unter. Nicht, weil Operation: 12 Strong nicht gut gespielt wäre – sondern weil es keine Spielfläche gibt, auf der die Schauspieler glänzen könnten.

Chris Hemsworth auf einem Pferd in einem Szenenbild für Kritik Operation 12 Strong

Hoch zu Ross: im Zweifel bekämpft Mitch Nelson (Chris Hemsworth) seine Feinde auch so.

Neue Sicht auf den Afghanistan-Konflikt?

Zu Beginn des Einsatzes treffen unsere Special Forces in einer recht spannenden und gleichzeitig amüsanten Szene auf den afghanischen Warlord Dostum, der den Truppen zur Seite stehen soll. Dahinter steckt eine Vielzahl politischer Interessen und Konflikte. Denn während die Vereinigten Staaten das nördliche Revier als oppositionelle Einheit ansehen, stehen dort tatsächlich viele kleinere Gruppen in Konkurrenz zueinander. Einerseits schafft diese Sicht auf den Krieg im Hindukusch (US-Truppen kooperieren mit Warlords, um einen Krieg zu gewinnen) für einige neue, sicherlich weniger bekannte Impulse. Andererseits wird mit diesem Potenzial in Operation: 12 Strong herzlich wenig angefangen.

Chris Hemsworth in einem Szenenbild für Kritik Operation: 12 Strong

Für die erste Afghanistan-Offensive müssen sich die Amis mit einem hiesigen Warlord (Navid Negahban, rechts) zusammentun.

Lediglich in einer Schlüssel-Szene keimt ein Hauch von politischer Diskrepanz auf. Ansonsten positioniert sich Fuglsig klar auf der Seite der amerikanischen Helden. Zu keiner Sekunde wird hinterfragt, ob der Einsatz gerechtfertigt oder verhältnismäßig ist. Der Anschlag auf das World Trade Center genügt als Rechtfertigung – und die Handlungen der Truppen zumindest ein wenig kritisch einzuordnen, das scheint zu viel verlangt. Am Ende sind die Heimkehrer Helden. Was die amerikanische Regierung in Afghanistan langfristig angerichtet hat, das wird im Abspanntext elegant umschifft. Mit unserem heutigen Wissen wirkt das wie eine verpasste Chance, nein: wie eine verpasste Pflicht!

Werbung



Pferde gegen Panzer? Kleinigkeit!

Wer sich nicht um die politischen Hintergründe von Operation: 12 Strong schert, der wird immerhin mit einem opulenten Leinwand-Gemetzel einigermaßen unterhalten. Mit jedem neuen Scharmützel steigert Nicolai Fuglsig die Schauwerte, die Kamera-Arbeit und das Sound Design sind erstklassig und wenn sich die Soldaten ihre Geschosse um die Ohren jagen, bebt auch das Heimkino. Dass die Protagonisten meistens nicht sonderlich vorausschauend und in mindestens einer Szene grob fahrlässig handeln, ist hingegen ein deutlicher Dämpfer.

Richtig abstrus wird es im großen Finale, in dem sich den Zuschauenden ernsthaft die Frage stellt, wie die Protagonisten auch nur eine Sekunde überleben können. Wenn die Helden auf Pferden (immerhin werden sie auch US-Horse Soldiers genannt) gegen eine Übermacht anreiten, wie Cowboys einarmig ihre Gewehrsalven abfeuern, während eine gegnerische Batterie im Sekundentakt Raketen auf sie abfeuert, dann ist das einfach zu viel des Guten. Und inmitten des Gefechts noch einen persönlichen Vergeltungstrip eines Generals einzubauen gibt die Geschichte endgültig der Lächerlichkeit preis. Sieht alles hochwertig aus, realistisch wirkt es aber beileibe nicht.

Fazit:

'Operation: 12 Strong' sieht gut aus, hat aber nichts zu sagen

Die wahren Erlebnisse der US-Horse Soldiers sind die perfekte Prämisse für einen guten Kriegsfilm, der leider in der Kategorie „schaut man sich an, vergisst man schnell wieder“ landet. Weder wird die Chance wahrgenommen, einen selbstkritischen Blick auf den blutigen Nahost-Konflikt zu werfen, noch wird sich groß um eine stimmige Charakterzeichnung und -entwicklung gekümmert. Stattdessen schauen wir Chris Hemsworth dabei zu, wie er vom unerfahrenen Schönling zur eiskalten Killer-Maschine mutiert und jede noch so absurde Kampfhandlung überlebt. Die Bilder sind eindrücklich und das Kriegsgeschehen chaotisch und überfordernd. Jenseits davon kann Operation: 12 Strong allerdings mit wenig punkten.

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