8.2/10

Kritik: Past Lives – In einem anderen Leben

LIEBE GEHT AUCH OHNE DRAMA

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Genres: Drama, Romanze, Startdatum: 17.08.2023

Interessante Fakten für…

  • In einem Interview erklärte Greta Lee, wie amüsant sie es fand, dass, als sie ihrer Familie und ihren Freunden von der Rolle erzählte, viele von ihnen überrascht waren. Sie fragten sich, ob sie überhaupt Koreanisch sprechen kann.
  • Trotz des starken Akzents und des gebrochenen Englisch seiner Figur spricht Teo Yoo neben drei anderen Sprachen auch sehr gutes Englisch.
  • Past Lives ist Celine Songs Regiedebüt.

In Celine Songs Regiedebüt spielen keine Plottwists, dramatische Love-Triangles oder Intrigen eine Rolle. Vielmehr beschäftigt sich “Past Lives” mit komplexen Beziehungen und der feinen Linie zwischen Romantik und Freundschaft.

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#Marvelgeek #Genießerin #Trash

Darum geht’s

Als Na-young (Greta Lee) schon in frühen Kindheitstagen gemeinsam mit ihrer Familie in die USA auswandert, lässt sie ihre Jugendliebe Hae-sung (Teo Yoo) zurück. Über die Jahre finden sie auf verschiedenen Wegen zueinander und trennen sich wieder. Verbindet die beiden mehr, als eine platonische Freundschaft? Oder sehnt sich lediglich ein Teil von Na-young nach ihrer ersten Heimat?

Erstmal nichts Neues

Die Story rund um zwei Menschen, die Kilometer entfernt voneinander leben und zueinander finden, ist nichts Neuartiges – „Timing is a bitch“, wie man so schön sagt. Vielmehr nutzt Past Lives eben diese einfach zugängliche Handlung, die leicht zu folgen ist, um viel komplexere Themen anzusprechen. Dazu zählen zum Beispiel das Stehen zwischen zwei Welten von Immigrant:innen erster Generation, die nostalgische Sehnsucht nach der Kindheit und zwischenmenschliche Beziehungen, die irgendwo zwischen Liebe und Freundschaft stehen.

All das wird dabei nicht nur durch Dialog und Schauspiel getragen, sondern es werden Bilder geschaffen, die in sich bereits so eine enorme Aussagekraft haben, dass es kaum Dialog benötigt. Angefangen mit den Kindern, dessen (Schul-)Wege sich trennen oder der Touri-Boots-Ausflug zur Freiheitsstatue, in der sich Na-youngs Blick verliert, während Hae-sung eben diesen sehnsüchtigen Blick auf sie. Diese vielen kleinen Bildkompositionen und Motive zeigen nur noch mehr, mit wie viel Liebe zum Detail Celine Song gearbeitet hat.

Geht runter wie Öl

Gleichzeitig geht sie sehr sparsam mit Emotionen um, sodass die meisten intimen Momente lediglich durch kleine Bewegungen und schnelle Blicke passieren. Es bleibt alles so subtil und undramatisch, wodurch Past Lives sich so realistisch und angenehm anfühlt. Ob das langweilig ist? Für mich ein klares Nein. Im Gegenteil: Es ist unglaublich erfrischend eine Romanze zu sehen, die ohne jegliches Drama auskommt und den Fokus auf die wichtigen Dinge einer Beziehung legt.

Wir sehen gesunde Kommunikation, wir sehen Lachen und wir sehen Weinen. Wir sehen das Schöne, was Menschen einem im Leben geben können, aber wir sehen auch die schmerzlichen Grenzen zwischen Zweien, die sich in so unterschiedlichen Lebensrealitäten befinden. Die Atmosphäre ist dabei stets nostalgisch, ohne dabei unnötig melancholisch zu wirken.

Ein kleiner Blick reicht

Celine hat sich für eine einfache Handlung entschieden und konnte so mehr erzählen als ein Großteil der Genrevertreter. Gleiches gilt für die Wahl der Charaktere! Mit drei tragenden Rollen hatte man als Zuschauer:in die Zeit, sich in die verschiedenen Figuren hineinzuversetzen.

Das Spiel zwischen Greta Lee und Teo Yoo braucht keine Worte. Beide lieben in einer Art und Weise einander, ohne recht zu wissen, was genau es ist, was sie verbindet. Jede Interaktion zwischen den beiden ist geprägt von Intimität und Vertrautheit. Beide suchen etwas in der anderen Person. Aber ist das wirklich Liebe?

Mit dem Hintergrundwissen, dass die Geschichte sich am Leben von Regisseurin Celine Song orientiert, ist auch klar, warum die Kamera hauptsächlich das Leben von Nora fokussiert. Spannend wären vielleicht an der Stelle noch mehr Einblicke in Hae-sungs Leben gewesen. Doch eben durch diesen Fokus eröffnen sich den Zuschauer:innen diese zwei Welten, die in Nora leben, alleine durch die Zeit, die wir mit der Protagonistin verbringen.

Zu schön, um wahr zu sein

Neben Nora und Hae-sung gibt es aber noch einen Charakter: Noras Mann, Arthur (John Magaro). Durch ihn entsteht eine sehr klug gewählte Ebene: die des äußeren Betrachters. Er selbst ist nicht Teil dieser einzigartigen Beziehung, fühlt sich teilweise ausgeschlossen und ist selbst hin und wieder überfordert. Dadurch kann man sich gut mit ihm identifizieren und alles was passiert, wird in Kontext gesetzt. Dabei sind Nora und Arthur nahezu ein utopisches Beispiel für eine harmonische Beziehung mit gesunder Kommunikation… fast etwas zu gesund. Ob es solch reflektierte Menschen wirklich gibt, sei dahingestellt. Song hat sich in Past Lives gegen romantische eifersuchts-Dramatik entschieden und das lässt Raum für so viel mehr Emotionen. Und wenn man darüber nachdenkt: Haben nicht alle Romanzen die ein oder andere Logiklücke?

Fazit

8.2/10
Stark
Community-Rating:
Handlung 7/10
Tiefgang 9/10
Atmosphäre 9/10
Schauspiel 8.5/10
Charaktere 7.5/10
Details:
Regisseur: Celine Song,
FSK: 0 Filmlänge: 106 Min.
Besetzung: Greta Lee, John Magaro, Teo Yoo,

Past Lives überzeugt mit grandiosem Schauspiel und nostalgisch, schöner Atmosphäre. Dabei wurde eine sehr simple Handlung mit wenig Charakteren gewählt, wodurch Regisseurin Celine Song die Freiheit hatte, ihre Liebe zum Detail unter Beweis zu stellen.

In der Simplizität der Handlung zeigen sich komplexe Themen, die einen auch nach Beenden des Filmes nicht so schnell loslassen. Dabei sind vielleicht manche Charaktere etwas zu verständnisvoll und rational, doch das Fehlen unnötigen Dramas ist für den emotionalen Nachhall der Romanze nur zuträglich.

Artikel vom 11. Februar 2024

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