Kritik: The Gentlemen

Eine Hommage an sich selbst
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Mit dem Gangsterfilm 'The Gentlemen' kehrt Regisseur Guy Ritchie zu dem Genre zurück, das ihn berühmt gemacht hat. Ob sich sein neuer Blick auf Englands Unterwelt lohnt oder ob die bunte Mischung aus Verbrechen, harten Typen und coolen Sprüchen nicht mehr zeitgemäß ist, erfährst du in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht’s? Englands Drogenmarkt stehen große Veränderungen bevor. Der Herrscher im United Cannabis-Kingdom, Michael “Mickey” Pearson (Matthew McConaughey), hat beschlossen, sich zur Ruhe zu setzen und sein Imperium aus einem dutzend geheimen und gut versteckten Großplantagen und einem internationalen Vertriebsnetz zu verkaufen. Doch die Dinge laufen bei weitem nicht so geschmiert, wie Mickey sich das gedacht hat. Jeder wittert eine Chance, ordentlich Profit zu machen. Der aufstrebende chinesische Gangster Dry Eye (Henry Golding) versucht sich in den Verkauf einzumischen, der schmierige Journalist Fletcher (Hugh Grant) schnüffelt überall herum und dem reichen, amerikanischen Geschäftsmann Matthew Berger (Jeremy Strong) ist auch nicht ganz zu trauen. Werbung Der Film wartet mit der bekannten Verstrickung von Handlungssträngen und Story-Elementen auf: Machtspiele zwischen Gangsterbossen, Intrigen und Erpressung, Drogenkrieg, Entführung, vermeintliche “Good Guys”, die versehentlich zwischen die Fronten geraten und so weiter. Das wirkt alles auf den ersten Blick recht konventionell und nicht sehr innovativ. Stylisch, ab und zu… Direkt zu Beginn fällt auf, dass The Gentlemen sehr stylisch daherkommt. Der Film eröffnet mit Mickey Pearson, der bei einem Bier im Pub nicht nur kurz die vierte Wand bricht, während er dem Zuschauer die Regeln des Dschungels erklärt, die in der Unterwelt gelten, sondern sich auch noch schnell mit seiner Frau zum Essen verabredet und dann erschossen wird. Wir sehen Blutstropfen, die in seinem Getränk wabern, zu Rauchschwaden werden und schließlich in einer Vorspannsequenz übergehen. Zu “Cumberland Gap” von David Rawlings wabern, wie in einem 70er-James-Bond, Text und Animation durch und lassen erstmal Gutes erhoffen. Das sieht alles ziemlich stylisch aus, das ist mit Geschick und Können gemacht. Jedoch währt die Freude nicht sehr lange, bzw. flammt sie immer nur zwischendurch kurz auf. Zwar ist The Gentlemen an einigen Stellen sehr gekonnt gefilmt und inszeniert, jedoch über weite Strecken auch sehr mäßig. Wenn eingeblendete Schrift künstlich flackert, als wäre sie auf altem Film analog eingefügt, oder wenn flashige Hip Hop-Videos in den Film montiert erscheinen, wirkt das alles eher wie ein Gimmick. Nichts davon unterstützt die Handlung. Gangster-Klischees Guy Ritchie hat in der Vergangenheit immer wieder mit zu viel “Style over Substance” sehr uninteressante Filme gedreht wie den verwirrenden stilisierten Revolver oder den einschläfernd glatten King Arthur: Legend of the Sword. Dass er sich hier eher auf seine Geschichte konzentriert ist daher eigentlich zu begrüßen. Dadurch wird allerdings auch offensichtlich, wie langweilig und unsinnig die Story an vielen Stellen ist. "Ich habe gesehen, wie die Würste gemacht werden, jetzt will ich was über die Fleischerei erfahren." Matthew Berger Insgesamt betreibt The Gentlemen eine Verbrecherfolklore. Nicht nur wirken Gestaltungselemente, wie der stilisierte Vorspann und die (sehr gute!) Musikauswahl, nostalgisch, sondern auch die Handlung ist zu abgegriffen. So werfen sich die Figuren dauernd ach so clevere Metaphern und Analogien an den Kopf, die man ziemlich schnell satt hat. Dass mit der Hauptfigur Mickey, der immer wieder auf falsche und uneinheitliche Sprachbilder aufmerksam macht, oder mal eine Fabel ironisch erzählt und kommentiert, versucht wird, diese Klischees zu brechen, funktioniert dabei nicht sehr gut. "Es gibt nur eine Regel in diesem verfickten Dschungel: wenn der Löwe Hunger hat, dann frisst er!" Mickey Pearson Auch bei aus Gangsterfilmen bekannten Themen wie Rassismus, Sexismus und Gewalt versucht der Film dadurch abzumildern, indem er selbst mit einem Augenzwinkern darauf hinweist. Nach dem Motto: "Klar, ist nicht okay, aber hey, so ist das eben, und ist ja auch irgendwie witzig." Leider wirkt das an manchen Stellen etwas sehr veraltet und ist eher unangenehm anzuschauen. Schauspielleistung! Sehr anerkennend muss die Leistung einzelner Schauspieler erwähnt werden. Denn ein stereotyper Gangsterfilm ist doch für eine Sache ausgezeichnet geeignet: Darstellern die Möglichkeit zur freien Entfaltung zu geben. Vor allem Hugh Grant macht davon auf exzellente Weise Gebrauch. Der Frauenschwarm der 90er, der sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem richtigen Schauspieler entwickelt, liefert als wieseliger Klatschjournalist eine Performance, die jede Sekunde Spaß macht! Matthew McConaughey spielt wie eh und je sich selbst und gibt den Südstaaten-Cowboy. Dass er das aus irgendeinem Grund in den feinsten Kreisen der britischen High Society macht, ist irgendwie Quatsch, aber gut. Colin Farrell kann seine Rolle als ungehobelter Ire ganz gut in die Form eines Boxclubbetreibers einfügen. Michelle Dockery und Henry Golding können ihre Rollen, deren Hauptcharakterzüge zu sein scheinen, dass sie eine gut gekleidete Frau bzw. ein Chinese sind, leicht ausfüllen. Auch hier gilt: eher unangenehm. Fazit: Hängengebliebenes Ganovenfest Insgesamt ist The Gentlemen leider etwas zu sehr in der Vergangenheit verhaftet. Figuren und vor allem Handlung und Dialog wirken nicht sehr zeitgemäß, weil bekannt, nicht besonders innovativ, klischiert und an einigen Stellen etwas flach. Wer Fan von Guy Ritchie und dem Gangster-Genre ist, wird sicherlich gut unterhalten werden. Wer mehr erwartet, als einen folkloristischen Remix bekannter Bilder und Geschichten, der zwar hin und wieder poppig, bunt, poliert und gut aussieht, wird sich wahrscheinlich etwas langweilen.
    Kritik: The Gentlemen
    Handlung
    65%
    Action
    55%
    Humor
    45%
    Schauspiel
    80%
    Visuelle Umsetzung
    65%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 27.02.2020
    Filmlänge: 115 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , ,
    Bildrechte: Leonine
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Mäßig
62%

Mit dem Gangsterfilm 'The Gentlemen' kehrt Regisseur Guy Ritchie zu dem Genre zurück, das ihn berühmt gemacht hat. Ob sich sein neuer Blick auf Englands Unterwelt lohnt oder ob die bunte Mischung aus Verbrechen, harten Typen und coolen Sprüchen nicht mehr zeitgemäß ist, erfährst du in der Kritik.

Worum geht’s?

Englands Drogenmarkt stehen große Veränderungen bevor. Der Herrscher im United Cannabis-Kingdom, Michael “Mickey” Pearson (Matthew McConaughey), hat beschlossen, sich zur Ruhe zu setzen und sein Imperium aus einem dutzend geheimen und gut versteckten Großplantagen und einem internationalen Vertriebsnetz zu verkaufen. Doch die Dinge laufen bei weitem nicht so geschmiert, wie Mickey sich das gedacht hat. Jeder wittert eine Chance, ordentlich Profit zu machen. Der aufstrebende chinesische Gangster Dry Eye (Henry Golding) versucht sich in den Verkauf einzumischen, der schmierige Journalist Fletcher (Hugh Grant) schnüffelt überall herum und dem reichen, amerikanischen Geschäftsmann Matthew Berger (Jeremy Strong) ist auch nicht ganz zu trauen.

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Der Film wartet mit der bekannten Verstrickung von Handlungssträngen und Story-Elementen auf: Machtspiele zwischen Gangsterbossen, Intrigen und Erpressung, Drogenkrieg, Entführung, vermeintliche “Good Guys”, die versehentlich zwischen die Fronten geraten und so weiter. Das wirkt alles auf den ersten Blick recht konventionell und nicht sehr innovativ.

Colin Farrell und seine Crew "The Toddlers"

Colin Farrell und seine Crew "The Toddlers".

Stylisch, ab und zu…

Direkt zu Beginn fällt auf, dass The Gentlemen sehr stylisch daherkommt. Der Film eröffnet mit Mickey Pearson, der bei einem Bier im Pub nicht nur kurz die vierte Wand bricht, während er dem Zuschauer die Regeln des Dschungels erklärt, die in der Unterwelt gelten, sondern sich auch noch schnell mit seiner Frau zum Essen verabredet und dann erschossen wird. Wir sehen Blutstropfen, die in seinem Getränk wabern, zu Rauchschwaden werden und schließlich in einer Vorspannsequenz übergehen. Zu “Cumberland Gap” von David Rawlings wabern, wie in einem 70er-James-Bond, Text und Animation durch und lassen erstmal Gutes erhoffen. Das sieht alles ziemlich stylisch aus, das ist mit Geschick und Können gemacht.

Jedoch währt die Freude nicht sehr lange, bzw. flammt sie immer nur zwischendurch kurz auf. Zwar ist The Gentlemen an einigen Stellen sehr gekonnt gefilmt und inszeniert, jedoch über weite Strecken auch sehr mäßig. Wenn eingeblendete Schrift künstlich flackert, als wäre sie auf altem Film analog eingefügt, oder wenn flashige Hip Hop-Videos in den Film montiert erscheinen, wirkt das alles eher wie ein Gimmick. Nichts davon unterstützt die Handlung.

Henry Golding als chinesischer Gangster-Emporkömmling

Henry Golding macht das Beste aus seiner Rolle als Gangster, der die Unterwelt aufmischen will.

Gangster-Klischees

Guy Ritchie hat in der Vergangenheit immer wieder mit zu viel “Style over Substance” sehr uninteressante Filme gedreht wie den verwirrenden stilisierten Revolver oder den einschläfernd glatten King Arthur: Legend of the Sword. Dass er sich hier eher auf seine Geschichte konzentriert ist daher eigentlich zu begrüßen. Dadurch wird allerdings auch offensichtlich, wie langweilig und unsinnig die Story an vielen Stellen ist.

"Ich habe gesehen, wie die Würste gemacht werden, jetzt will ich was über die Fleischerei erfahren."

Matthew Berger

Insgesamt betreibt The Gentlemen eine Verbrecherfolklore. Nicht nur wirken Gestaltungselemente, wie der stilisierte Vorspann und die (sehr gute!) Musikauswahl, nostalgisch, sondern auch die Handlung ist zu abgegriffen. So werfen sich die Figuren dauernd ach so clevere Metaphern und Analogien an den Kopf, die man ziemlich schnell satt hat. Dass mit der Hauptfigur Mickey, der immer wieder auf falsche und uneinheitliche Sprachbilder aufmerksam macht, oder mal eine Fabel ironisch erzählt und kommentiert, versucht wird, diese Klischees zu brechen, funktioniert dabei nicht sehr gut.

"Es gibt nur eine Regel in diesem verfickten Dschungel: wenn der Löwe Hunger hat, dann frisst er!"

Mickey Pearson

Auch bei aus Gangsterfilmen bekannten Themen wie Rassismus, Sexismus und Gewalt versucht der Film dadurch abzumildern, indem er selbst mit einem Augenzwinkern darauf hinweist. Nach dem Motto: "Klar, ist nicht okay, aber hey, so ist das eben, und ist ja auch irgendwie witzig." Leider wirkt das an manchen Stellen etwas sehr veraltet und ist eher unangenehm anzuschauen.

Hugh Grant als Klatschreporter Fletcher

Hugh Grant liefert eine grandios unterhaltsame Darbietung als gieriger Klatschreporter Fletcher.

Schauspielleistung!

Sehr anerkennend muss die Leistung einzelner Schauspieler erwähnt werden. Denn ein stereotyper Gangsterfilm ist doch für eine Sache ausgezeichnet geeignet: Darstellern die Möglichkeit zur freien Entfaltung zu geben. Vor allem Hugh Grant macht davon auf exzellente Weise Gebrauch. Der Frauenschwarm der 90er, der sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem richtigen Schauspieler entwickelt, liefert als wieseliger Klatschjournalist eine Performance, die jede Sekunde Spaß macht!

Matthew McConaughey spielt wie eh und je sich selbst und gibt den Südstaaten-Cowboy. Dass er das aus irgendeinem Grund in den feinsten Kreisen der britischen High Society macht, ist irgendwie Quatsch, aber gut. Colin Farrell kann seine Rolle als ungehobelter Ire ganz gut in die Form eines Boxclubbetreibers einfügen.

Michelle Dockery und Henry Golding können ihre Rollen, deren Hauptcharakterzüge zu sein scheinen, dass sie eine gut gekleidete Frau bzw. ein Chinese sind, leicht ausfüllen. Auch hier gilt: eher unangenehm.

Fazit:

Hängengebliebenes Ganovenfest

Insgesamt ist The Gentlemen leider etwas zu sehr in der Vergangenheit verhaftet. Figuren und vor allem Handlung und Dialog wirken nicht sehr zeitgemäß, weil bekannt, nicht besonders innovativ, klischiert und an einigen Stellen etwas flach. Wer Fan von Guy Ritchie und dem Gangster-Genre ist, wird sicherlich gut unterhalten werden. Wer mehr erwartet, als einen folkloristischen Remix bekannter Bilder und Geschichten, der zwar hin und wieder poppig, bunt, poliert und gut aussieht, wird sich wahrscheinlich etwas langweilen.

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