8.1/10

Kritik: The Menu

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Genres: Drama, Komödie, Thriller, Startdatum: 17.11.2022

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Mit ‚The Menu‘ erwartet uns ein kulinarischer Thriller in den Kinos, der bittere Comedy mit scharfer Gesellschaftssatire vermischen möchte. Gelingt das 5-Sterne-Menü, oder lässt das servierte Mahl zu wünschen übrig?

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#ILikeToMoveIt #Mindfuck #Klassikernerd

Darum geht’s

Julian Slowik (Ralph Fiennes) gilt als einer der besten Küchenchefs der Welt. Seine Kreationen sprengen jegliche Kategorisierungen und um die von ihm veranstalteten Menüs ranken sich mysteriöse und verehrende Geschichten. 

Bei einem derartigen Status wundert es also nicht, dass eine von Slowik erdachte Mahlzeit zu den exklusivsten Erfahrungen der Gourmet-Welt zählt. Zurückgezogen auf der Insel Hawthorne kocht der legendäre Küchenchef nur edelsten Gerichte für die ausgewähltesten Gäste.

Zwei dieser Gäste sind Margot (Anya Taylor-Joy) und Tyler (Nicholas Hoult), die gemeinsam mit einer handvoll anderer pik feiner Feinschmecker:innen zu einem einzigartigen Menü nach Hawthorne eingeladen werden. Wie einzigartig dieses Menü tatsächlich wird, enthüllt sich schließlich über die verschiedensten Gänge, die den Gästen immer weniger schmecken werden.

Himmlischer Einstieg

Willkommen in der Welt von Hawthorne. Hochnäsige Restaurant-Kritiker:innen, stinkreiche Kaufleute und begeisterte Essens-Enthusiasten tummeln sich auf dem kleinen Boot, welches seine Gäste zum exklusivsten Restaurant der Welt bringen soll. 

The Menu entführt uns in eine fremde Welt voller exzentrischer Figuren und absurder Schauplätze. Sei es die hochnäsige Gästeliste oder die mysteriöse Kulisse Hawthornes und die Insel drumherum: Alles fühlt sich realitätsfern an, und alles dreht sich um Essen.

Mhhhhmm wie…. lecker? Die Gerichte auf Hawthorne sind außergewöhnlich.

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Für das Publikum wird Protagonistin Margot zum Tor zu dieser Welt. Als einzige Figur, die einen klassischen Cheeseburger dem selbst vornehmsten Essen vorziehen würde, wird sie schnell zur Identifikationsfigur, durch deren Augen wir die Welt der exquisiten Küche kennenlernen. Eine kleine, spezielle Welt die Regisseur Mark Mylord bis in den letzten Winkel ausgestaltet.

Sei es das Design Hawthornes rund um nachhaltige Lebensmittelproduktion oder virtuose Close-ups verschiedener Gerichte, die in der Liebe zu diesen zu baden scheinen – Mylord fängt eine Atmosphäre ein, die das Essen und die Zubereitung dessen beinahe religiös zu verehren scheint. So gelingt es augenblicklich in diese fremde, verdrehte Welt einzutauchen, um sich auf das kommende Menü einzulassen.

Bösartige Hauptspeise

Doch bei dem gemächlichen, stimmungsvollen ersten Akt soll es nicht bleiben, denn das servierte Menü hat es in sich. Mylord bringt all seine Figuren und Themen sorgfältig in Position und verdreht seinen Film anschließend zu einem bösartigen Kammerspiel, das keine Gefangenen nimmt. 

Eigentlich passt Margot überhaupt nicht in das Hawthorne-Setting.

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Dabei bedient sich der Film trotz des Thriller-Ansatzes nur zwischendurch an ein, zwei Prisen Schockmoment und spannungsgeladene Passagen. Denn der Fokus von The Menu liegt eindeutig bei den messerscharfen Dialogen und den darunterliegenden Themen. 

Hier fällt direkt Mylords Hintergrund als Regisseur vieler Folgen von Succession auf, denn ähnlich wie bei der HBO-Serie halten sich die Figuren stets die verbalen (Küchen)-Messer an die Kehle. Dem Film gelingt es, seine vielen Wortgefechte oder Monolog-Passagen nie langweilig werden zu lassen – Ganz im Gegenteil: denn in den ruhigen Gesprächsmomenten von The Menu liegt der eigentliche satirische Kern des Films. 

Bitterer Abgang

Durch verschiedenste Figuren blickt The Menu auf die Welt der Oberklasse-Gerichte und deren Liebhaber:innen. Mylord nutzt seine Karikatur-ähnlichen Figuren, um diese Welt sorgfältig zu sezieren. Die Charaktere bleiben dabei zwar größtenteils beabsichtigt eindimensional doch die Fragen, die die Handlung aus dieser Konstellation zieht, sind clever, köstlich böse und stellenweise urkomisch. 

Der Geniestreich des Filmes ist dabei, dass der Kommentar nicht zwangsweise an die Gourmet-Welt gebunden bleiben muss. Die Themen, Figuren und Aussagen lassen sich mit Leichtigkeit auf verschiedenste Settings übertragen, die mit Leidenschaft, Kunst und Rezeption zu tun haben. So ist es für Mylords Satire unwichtig, ob sich die Handlung um Lebensmittel- oder (naheliegendes Beispiel) Filmkritik dreht. Wenn ihr richtig doll für irgendein Thema brennt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihr euch irgendwo auf der Satire-Speisekarte von The Menu wiederfinden werdet.

„Er ist nicht nur ein Koch, er ist ein Geschichtenerzähler. Das Spiel ist zu erraten welches Überthema das gesamte Menü haben wird“

Tyler (Nicholas Hoult)

Die Art und Weise, wie Mylord seine böse satirische Metapher Schritt für Schritt vor uns ausbreitet ist der Höhepunkt des gesamten Films. Wenn es schließlich darum geht, alles Etablierte zu einem gleichermaßen fantastischen Ende zu führen, bleibt The Menu zwar etwas unter den geschürten Erwartungen, doch das fällt in der Gesamtkomposition aller Gänge kaum ins Gewicht.

Ein Lob an den Küchenchef

Doch keine Restaurant Kritik ohne ein Wort zum Küchenchef. Denn obwohl Margot in vielerlei Hinsicht als Protagonistin des Films daherkommt, wird schnell klar, dass Ralph Fienne’s Julian Slowik die Hauptzutat des Menüs ist. Zunächst erfahren wir nur aus zweiter Hand und durch Gerüchte von dem legendären Küchenchef, doch wenn Julian schließlich in Erscheinung tritt, ist es kaum möglich den Blick von ihm abzuwenden.

Julian Slowik hat stets alles und jede:n im Blick.

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Obwohl der Großteil des Casts gut funktioniert, ist Fiennes Performance so magnetisch, dass alle anderen im Gegensatz zu verblassen drohen. Mit einer gleichermaßen faszinierenden wie beängstigenden Aura kontrolliert Fiennes den gesamten Film und sorgt für einen Gänsehautmoment nach dem anderen. So sorgt die beängstigende Ruhe mit der er sein Personal kontrolliert, direkt für Unbehagen und Elemente wie sein Händeklatschen vor jedem neuen Gang werden zum schaurigen Leitmotiv des gesamten Filmes. Ralph Fiennes als Julian Slowik gehört zu den stärksten Schauspielleistungen des Jahres, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Fazit

8.1/10
Stark
Community-Rating:
Schauspiel 8.5/10
Spannung 8.5/10
Charaktere 7/10
Handlung 8/10
Humor 8.5/10
Details:
Regisseur: Mark Mylord,
FSK: 16 Filmlänge: 107 Min.
Besetzung: Anya Taylor-Joy, Nicholas Hoult, Ralph Fiennes,

The Menu ist eine unglaublich unterhaltsame Thriller-Satire, der eine fantastische Mischung aus Komik, Spannung und Kommentar gelingt. Regisseur Mark Mylord verstrickt seine Figuren in ein nervenaufreibendes Küchen-Kammerspiel, das einige bitterböse Seitenhiebe bereithält. Dabei vergisst der Film jedoch nie, einen gleichermaßen witzigen wie spannenden Thriller zu erzählen, der durch seine Wendungen und großartiges Schauspiel zu begeistern weiß. Wer über die etwas zu eindimensionalen Figuren und ein vergleichsweise weniger befriedigendes Ende hinwegsehen kann, wird mit The Menu ein absolutes Festmahl haben.

Artikel vom 17. November 2022

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