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Kritik: The Room

EIN KATASTROPHALES MEISTERWERK!

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Genres: Drama, Romanze, Startdatum: 27.06.2003

Interessante Fakten für…

  • Nach Angaben von Greg Sestero hat Tommy Wiseau den Film bei Paramount eingereicht, in der Hoffnung, dass sie den Vertrieb übernehmen. Normalerweise dauert es etwa zwei Wochen, bis man eine Antwort erhält. Dieser Film wurde jedoch innerhalb von 24 Stunden abgelehnt.
  • Gegen Ende des Drehs in Los Angeles war die Moral in der Crew so schlecht, dass Todd Barrons Name nicht auf der Klappe stand, die Take-Nummern nicht aufgezeichnet wurden, kichernde Crew-Mitglieder in die Aufnahmen hinein- und wieder herausgingen und ganze Szenen unscharf waren, weil sich niemand die Mühe machte, das Objektiv zu überprüfen.
  • Laut Tommy Wiseau leidet Charakter Denny an einer Art psychischer Störung, was sein Verhalten im Film erklärt. Darsteller Philip Haldiman wurde darüber nicht informiert.

Im Jahr 2003 bescherte der ominöse Tommy Wiseau der Filmwelt ein Werk, das so hundsmiserabel war, dass es zurecht als schlechtester Film aller Zeiten gehandelt wird. Dennoch hat sich ein wahres Mysterium um den künstlerischen Totalausfall entwickelt: weltweit zelebrieren Fans die filmgewordene Absurdität und mit ‚The Disaster Artist‘ hat James Franco dem Kultstreifen ein endgültiges Denkmal gesetzt. Warum ‚The Room‘ so unsäglich schlecht und gleichzeitig sehenswert ist, verraten wir in unserer Bewertung und Kritik.

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Darum geht’s

Johnny (Tommy Wiseau) ist Everybody’s Darling: in seiner Heimatstadt San Francisco kennt jeder den zuvorkommenden Gentleman, der nicht nur aussichtsreiche Chancen in seinem Job in der Bank hat, sondern auch bald seine Flamme Lisa (Juliette Danielle) heiraten wird. Mit seinem besten Freund Mark (Greg Sestero) verbringt er ebenso viel Zeit wie mit dem jungen Denny (Philip Haldimann), für den er eine Art Vaterfigur geworden ist. Doch das Glück ist nicht von langer Dauer: die umtriebige Lisa hat genug von ihrem langweiligen Verlobten und beginnt eine Affäre mit Mark…

Ein ernster Film am Rande des Nonsense

Es braucht nur eine Szene, bis der Zuschauer merkt: irgendwas läuft hier gewaltig schief! Und dabei weiß man irgendwie nicht, ob man lauthals Brüllen oder angesichts des dargebotenen Dilletantismus weinen soll. Am besten beides! Egal, was in The Room passiert, es ist unglaubwürdig, amateurhaft, zu sehr gewollt und zu keiner Zeit gekonnt. Herausgekommen ist ein Film, der so konfus ist, dass man des Öfteren ins Rätseln kommt, warum die Protagonisten gerade so handeln.

Dabei ist die Handlung so simpel, wie sie nur sein kann: ein klassisches Liebesdreieck zwischen einer Frau und zwei besten Freunden. Multitalent Tommy Wiseau (der nicht nur Hauptdarsteller ist, sondern sich auch für Regie, Drehbuch und Produktion verantwortlich zeichnet) versucht in seinen unfreiweillig urkomischen Szenen zu etablieren, wie herzzerreißend das doch alles ist. Dabei kann man die sich viel zu oft wiederholenden Aussagen an einer Hand abzählen: Johnny liebt Lisa, Lisa liebt jetzt Mark, Mark und Johnny sind beste Freunde.

Es ist einfach nur absurd, wie oft Wiseau fast identische Dialoge in seinem Film platziert, damit der Zuschauer auch ja kapiert, was hier vor sich geht. Dieser Fuchs! Doch Wiseau verkauft den Zuschauer zu keiner Zeit für dumm: er nimmt sich und sein Herzensfilm absolut ernst. Und das macht die Sache auch so ungeheuer unterhaltsam.

Desaströser Szenen-Eintopf

In The Room passieren nonstop groteske Dinge. Und immer wieder fragt man sich: Was zum Geier haben die sich dabei gedacht? Viele der Fragen, die dem Zuschauer unweigerlich in den Kopf schießen, werden auch nie erklärt. Warum spielen auf einmal vier Männer in Tuxedos Football auf der Straße? Wer ist der mysteriöse Psychologe, der plötzlich in Johnnys Wohnzimmer auftaucht und seine Binsenweisheiten von sich gibt? Wie gehetzt kann ein Einkauf im örtlichen Blumenladen eigentlich ablaufen? Was arbeitet Johnny denn genau? Was hat es mit dem „Scotchka“ auf sich? Und wie viele Menschen stapfen täglich durch sein Haus? Es ist kein Wunder, dass das Internet längst knochenbrechende Trinkspiele zu diesem Kultstreifen erfunden hat.

Eine der faszinierendsten Szenen aus ‚The Room‘. Wird das Drehbuch rückwärts gelesen?

Selbst dem größten Laien wird in jeder Szene klar, was der meisterliche Storyteller Tommy Wiseau damit etablieren möchte. Wenn Johnny und Mark Football spielen, wird die innige Freundschaft der beiden dargestellt. Wenn Lisa innerhalb von einer halben Stunde drei Mal mit verschiedenen Männern im Bett landet, ist ihre Rolle als leichtes Mädchen offensichtlich. Und wenn Johnny in seltsamen Dialogen seinem Schützling Denny Tipps über das Leben gibt, soll sein Charakter nicht nur als nahbarer Mentor, sondern zudem noch als fürsorgliche und verantwortungsvolle Figur gezeichnet werden.

Diese Szenen sind freilich so schlecht umgesetzt und oftmals so überflüssig, dass ihre gewollte Intention komplett untergraben wird. Macht aber nichts: der gewiefte Zuschauer versteht natürlich auch so, was uns Wiseau damit verklickern will.

Schauspiel, hölzern wie ein Wandschrank

Neben einem minimalistischen Szenenbild, absolut überflüssigen Greenscreen-Szenen und einer katastrophalen Kameraführung ist es vor allem das – im wahrsten Sinne – einzigartige Schauspiel, was The Room so furchtbar (großartig) macht. Tommy Wiseau hat offensichtlich minimalen bis keinen Aufwand in die Führung seiner Akteure gesteckt. Nicht nur ist das Casting ein einziges Missgeschick, die Charaktere treten auch in den Szenen auf und ab, als seien sie im Theater.

Oh, hi!

I gotta go!

Jede Figur in jeder Szene

Während sich einige Nebendarsteller wie Mike Holmes und Carolyn Mynnott zumindest noch ansatzweise bemühen, ihre hauchdünn gezeichneten Figuren zu dreidimensionalisieren, geben sich Greg Sestero und die restlichen Kollegen keine Mühe, glaubhaft zu wirken. Doch der Vogel wird von Tommy Wiseau selbst abgeschossen: nicht nur sieht er aus wie eine Kreuzung aus Graf Dracula und Motörhead-Fanboy, seine Darbietung ist so hölzern, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.

Eine der ikonischsten Szenen, in der Johnny wutentbrannt auf die Dachterrasse stürmt, wurde zum Spielball der Popkultur und hundertfach persifliert. Eine der Schlüsselszenen in James Francos The Disaster Artist gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte dieser herrlich-verrückten Darbietung.

Das große „Aber“

So sehr man sich bei The Room auch angesichts des grauenhaften Schauspiels, des unterirdischen Drehbuchs und der handwerklichen Unfähigkeit aller Beteiligten auch winden muss: es gibt einen Grund, warum der Streifen bis heute weltweit förmlich zelebriert wird. Es ist nur schwer zu erklären, aber der unbedingte Wille und die Leidenschaft von Tommy Wiseau, einen echten amerikanischen Spielfilm zu drehen, überträgt sich auch auf den Zuschauer. Wiseau ist mit einer derartigen Ernsthaftigkeit zu Werke gegangen, dass man sich einfach wundern muss, wie losgelöst von aller objektiver Qualität man eigentlich agieren kann. Allein die damalige Marketingkampagne und die Tatsache, dass Wiseau den Film zwei Wochen im Kino behielt, um bei den Oscars bedacht zu werden, sagt alles über seinen unzerbrechlichen Erfolgswillen aus.

The Room ist also tatsächlich ein „must see“ für alle Filmliebenden. Am besten gönnt man sich ein paar Bier, eine Flasche Schnaps und zieht sich dieses Meisterwerk mit ein paar guten Freunden rein. Schallendes Gelächter ist vorprogrammiert und es gibt wahrscheinlich niemanden, der sich diesem 99-minütigen Totalausfall entziehen kann. Zu unfreiweillig komisch ist dieser Kultstreifen – und gerade deshalb auch so brillant!

Fazit

1/10
Trash
Community-Rating:
Handlung 1/10
Schauspiel 1/10
Dialoge 0.5/10
Emotionen 1/10
Tiefgang 1.5/10
Details:
Regisseur: Tommy Wiseau,
FSK: 12 Filmlänge: 99 Min.
Besetzung: Greg Sestero, Juliette Danielle, Philip Haldiman, Tommy Wiseau,

So sehr man auch sucht: in diesem Film gibt es wirklich nichts, was gut ist. Ein grauenhaftes Drehbuch, eine furchtbare Handlung, billigste Produktionsmittel und Schauspieler, die dieses Berufs nicht würdig sind. Tommy Wiseau hat mit The Room tatsächlich den schlechtesten Film aller Zeiten ins Leben gerufen. Wer sich jedoch darauf einlässt, dem werden schon nach Sekunden die Lachtränen in die Augen schießen – denn der Kultfilm ist so bierernst gemeint, dass sich jede Szene regelrecht in ein Lachfeuerwerk verwandelt. Worte werden diesem modernen Klassiker niemals gerecht werden: also ab vor die Glotze! Jeder Mensch sollte The Room mindestens einmal gesehen haben, um das schiere Ausmaß dieser filmischen Katastrophe zu erleben. Wir versprechen: jede Sekunde ist Gold!

Artikel vom 3. Februar 2018

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