Kommentar: Gewalt in Film und Fernsehen

4 GRÜNDE, WESHALB FILME UND SERIEN AUF GEWALT SETZEN

Wenn es knallt, dann richtig: In Film und Fernsehen ist Gewaltdarstellung seit jeher ein massiver Streitpunkt zwischen Künstlern, Kritikern, Publikum und Studios. Immer wieder wurden in der Filmgeschichte Grenzen überschritten und neu ausgelotet – bis sich diese zuletzt augenscheinlich in Luft aufgelöst haben. Aber warum setzen so viele Regisseure auf hohe Gewaltdarstellung? Eine Bestandsaufnahme.

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#NetflixAndChill #Meta #AdvocatusDiaboli

FSK-Siegel als Abschreckung? Ich bitte euch!

‚Der Soldat James Ryan“ brachte in den 90ern in ihrer Härte noch nie gesehene Bilder auf die Leinwand.

Matt Damon in Soldat James Ryan

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich mit zarten 13 Lenzen im Wohnzimmer meines besten Freundes saß. Die Eltern waren weg und weil Langeweile auf Neugierde traf, durchforsteten wir die VHS-Sammlung seines Vaters. Neben ein paar schnöden Klassikern fiel uns plötzlich Der Soldat James Ryan in die Hände. Das FSK-16 Siegel ließ die Pumpe natürlich gleich höher schlagen und so warfen wir die Kassette in den Player und starrten gebannt auf den Röhrenbildschirm.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir durchgehalten haben, aber nachdem einem Soldaten die Gedärme aus dem Bauch hingen, schalteten wir kreidebleich ab und versuchten, diese Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen. Der Film war für uns Jungspunde doch eine Nummer zu heftig. Und ich lernte daraus ein paar wichtige Dinge.

Gewalt ist längst kein Tabuthema mehr!

Szenen wie diese aus ‚Burn After Reading‘ sind fast schon Standard.

Brad Pitt in Burn After Reading

Als ausufernder Filmfan habe ich mittlerweile natürlich einiges gesehen und stecke viel mehr weg, als mein schreckhaftes Teenie-Ich. Während ich damals bei der blutigen Eingangsszene von Der mit dem Wolf tanzt noch große Augen machte und auf die Enthauptungen der Star Wars-Filme überhaupt nicht mehr klar kam, gehört diese Art von Gewaltdarstellung für mich mittlerweile fast schon zum „guten Ton“. Wenn ein Film diesbezüglich nicht richtig fetzt, langweile ich mich schnell. Gleichzeitig freue ich mich regelrecht, wenn es ein Film oder eine Serie schafft, doch noch mal eins drauf zu setzt und damit die Gewaltmesslatte eine Stufe höher legt.

Eigentlich eine spannende Reaktion: Habe ich mich so sehr an die blutigen Bilder im Kino oder auf Netflix gewöhnt, dass ich schon gar nicht mehr zu schocken bin? Wann ist die Gewaltdarstellung zu heftig? Selbst die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) scheint sich hier stark gewandelt zu haben. „FSK 12 ist das neue FSK 16“, spottete zum Beispiel die FAZ. Ist die heftige Amputationsszene in 127 Hours wirklich einem 12-Jährigen zuzumuten? Oder die entstellten Fratzen der Untoten aus Fluch der Karibik? Oder Kopfschuss-Nahaufnahmen und Zerstümmelungen mit einer Axt aus Burn After Reading? Man bedenke, dass Kinder ab 6 Jahren diese Filme in Begleitung ihrer Eltern bereits im Kino sehen dürfen. Gewagt!

Wozu wird Gewalt gezeigt?

Modernste CGI oder Make-Up wie hier in ‚The Walking Dead‘ wirken mittlerweile täuschend echt.

Zombie in The Walking Dead

Höher, schneller, weiter – das ist die Maxime so ziemlich jeder Filmreihe oder Serie. Man möchte dem abgehärteten Zuschauer in der nächsten Runde natürlich mehr bieten, als er ohnehin schon gewohnt ist. Natürlich geht es hierbei nicht nur um eine härtere Gewaltdarstellung, sondern auch um inszenatorische Finesse, ausgeklügeltere Story und unvorhersehbare Twists. Doch gerade bei dem Realitätsgrad der Action erkennt man dieses ungeschriebene Gesetz sehr deutlich. Was zudem mit CGI, Prothesen und Kunstblut heutzutage alles darzustellen ist, stellt alles bisher Gesehene in den Schatten.

Wir halten fest: egal, ob man Gewalt haben möchte oder nicht, Studios wie Netflix oder HBO werden weiterhin munter eine Schippe Blutkapseln nach der anderen drauflegen, um die Grenzen zu pushen. Klar, man will ja auch im Gespräch bleiben.

Die Frage, ob es so dienlich ist, sich noch mehr geplatzte Köpfe reinzuziehen, muss letztlich jeder für sich beantworten. Manche Menschen halten eine krasse Gewaltdarstellung aus, manche eher weniger. Wer hier seine Grenzen immer wieder nach oben versetzt, der braucht natürlich auch immer heftigere Gewaltdarstellungen, um wirklich geschockt zu werden. Unserem Voyeurismus sei Dank bleiben wir oft nicht bei einer Schwelle stehen, sondern suchen unterbewusst das nächste Extrem. Bei meiner damaligen, jugendlichen Eskapade habe ich jedoch gemerkt, dass einen die heftigen Bilder noch ganz schön lange verfolgen können – mein erstes Learning an diesem Tag. Und diese Tatsache ist nicht immer so schön.

Eine Frage, die etwas universeller ausfällt, ist das Wozu der Thematik. Wozu müssen noch mehr Liter Blut fließen? Wozu muss das Abschlachten hunderter Menschen in allen expliziten Details dargestellt werden? Wozu ist es notwendig, dass Arme, Köpfe, Beine abgehackt werden? Diese Frage hat – zumindest nach meinem Verständnis – vier Antworten.

Fall 1: Gewalt als Abschreckung

Nach der berühmt-berüchtigten Strandszene in ‚Der Soldat James Ryan‘ will keiner mehr in den Krieg ziehen.

Omaha Beach in Soldat James Ryan 1

Es ist naheliegend, Gewalt als Stilmittel anzusehen, das dem Zuschauer eine gewisse Unmittelbarkeit der Geschehnisse beschert. Die überfordernden Bilder, die während der Normandie-Szene von Der Soldat James Ryan auf mich einprasselten, gaben mir zum ersten Mal eine Perspektive auf das Grauen, das dem Krieg inne wohnt. Und es schreckte mich ab. Das war die zweite Erkenntnis, die ich von diesem Tag mitnahm: Ich möchte niemals einen Krieg miterleben. So hat mir die detaillierte Gewaltdarstellung dieses Antikriegsfilms (aber ist es wirklich ein Antikriegs-Film?) geholfen, eine erste Meinung zur Thematik zu entwickeln, ohne selbst direkt davon betroffen zu sein. Ohne diese detailgetreue Wiedergabe der damaligen Geschehnisse in all ihrer Grausamkeit wäre das so wohl nicht möglich gewesen.

Fall 2: Gewalt als Charakter- und Storyelement

In ‚127 Hours‘ ist physische Gewalt ein unumgängliches Kernelement der Handlung.

James Franco in 72 Hours

Gewalt kann den Zuschauer in die Geschichte hineinziehen. Emotional fesseln. Dem Zuschauer klar machen, wie heftig ein Sujet ist oder wie sehr die Figuren zu kämpfen haben. Niemand würde Fatih Akin vorwerfen, gewaltverherrlichend zu sein, wenn sich Diane Krugers Charakter in Aus dem Nichts die Pulsadern aufschneidet. Im Gegenteil: diese überraschende Szene ist wie ein Schlag in die Magengrube und verdeutlicht, wie auswegslos die Situation der Protagonistin ist. Die Gewalt ist kein reiner Selbstzweck, sondern sie dient der Tiefe der Geschichte, den Motiven einer Figur. Wenn dieses Element bewusst platziert wird, bekommt ein Film eine ganz neue Schwere.

Beim oben bereits erwähnten 127 Hours ist (physische) Gewalt zunächst eigentlich kein zentrales Thema. Viel mehr geht es um den schieren Überlebenswillen der Hauptfigur. Dass dieser letztlich in einem äußerst blutigen Befreiungsschlag mündet, ist gleichermaßen schockierend (wer sich an die Amputationsszene erinnern kann, weiß, wovon ich rede), wie auch konsequent. Denn genau diese akribisch bebilderte Szene ist der Abschluss des 127 Stunden lang umkämpften Ausbruchs aus der Misere des Protagonisten. Diese brutale Darstellung ist notwendig für die Geschichte und hilft, den Überlebenswillen der portraitierten Figur nachempfinden zu können.

Fall 3: Gewalt als Stilisierung

In der Thriller-Serie ‚Hannibal‘ ist die Inszenierung von Gewalt ein eigenes Kunstwerk.

Grill in Hannibal Serie

Wenn es um den Gewaltdiskurs geht, mischt natürlich Regie-Wunderkind Quentin Tarantino ganz oben mit. Seine Filme wurden immer wieder kontrovers diskutiert – und das nicht ohne Grund. Das Regiedebut Reservoir Dogs bekam in Deutschland eine Freigabe ab 18, ebenso wie sein späterer Revenge-Slasher Kill Bill – Volume 1. In fast allen Tarantino-Filmen geht es ziemlich blutig zu; manchmal spritzen regelrechte Fontänen durch die Szenerie. Doch wirklich schockierend ist das nicht. Und das aus einem einfachem Grund.

Quentin Tarantino nutzt Gewalt als übertriebenes Stilmittel. Oftmals sind die blutigen Auseinandersetzungen in seinen Werken so überzeichnet, dass man sie überhaupt nicht ernst nehmen kann. Und das möchte der Regisseur wohl auch gar nicht. Den Background als filmsüchtigen Videotheken-Mitarbeiter und Fan des Exploitation-Genres sieht man seinen Filmen immer an – und das versprüht auch diesen besonderen, anarchistischen Charme. Ist es notwendig, dass die Hateful Eight mit ihren Wummen die Wände der kleinen Hütte mit Blut streichen? Sicher nicht. Macht es Laune, ihnen dabei zuzusehen? Aber hallo!

Gewalt wirkt dann am harmlosesten, wenn sie sich selbst nicht ernst nimmt. Deswegen funktionieren auch Splatter-, Zombie– und Trashfilme so hervorragend, ohne nachhaltig zu verstören. Die Überstilisierung schafft eine Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Gesehenen. Und so muss man eher losprusten, wenn hier die Gliedmaßen umherfliegen, als mit der Ohnmacht kämpfen. In diesem Fall dient eine übertriebene Gewaltdarstellung auch einem humoristischen Effekt. Und das kann mitunter höchst unterhaltsam sein.

Ein Beispiel, in dem Gewalt zwar als Stilmittel, jedoch nicht zum reinen Entertainment genutzt wird, ist die großartige Serie Hannibal mit Mads Mikkelsen. Die Blutbäche vermischen sich mit den Requisiten, ganze Figuren entstehen aus dem roten Lebenssaft. Es ist genau dieses Spiel mit der brutalen Darstellung, die die ganz eigene Ästhetik der Serie ausmacht. Das ist mitunter durchaus ekelerregend, doch folgt die Gewalt immer dem einzigartigen Stil – und genau das hat den gleichen Effekt, wie bei einem Tarantino-Werk: Der Zuschauer kann sich distanzieren und die Serie eher als ein riesiges Kunstwerk ansehen, als einen ultrabrutalen Kannibalen-Schocker.

Fall 4: Gewalt als Selbstzweck

Wenn ausufernde Gewalt nur sich selbst dient, wie hier in ‚American Gods‘, dann ist eine Linie überschritten.

Pfeilbeschuss in American Goods

Während die ersten drei Anwendungen meines Erachtens durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, gibt es eine große Falle, in die viele gewollt kontroverse Filmemacher tappen: Gewaltdarstellung, die lediglich existiert, um zu existieren. Sobald die Kamera auf zersplitternden Knochen, durchtrennten Arterien und literweise Kunstblut verharrt, aber nichts davon dem Fortgang der Charaktere, der Geschichte, der Atmosphäre oder der Emotionalität des Films dient, wird eine Grenze überschritten. Die Gewalt ist einfach nur da (die Dystopie-Serie Altered Carbon driftet hin und wieder in diese Gefilde ab – ein Vorwurf, den sich auch Tarantino gelegentlich gefallen lassen muss).

Diese Gewaltplatzierung mag zwar kurz ekeln oder schocken (ganz nach dem Motto: je heftiger, desto einprägsamer), drängt den Film selbst dabei aber an die Kante zur Belanglosigkeit. Jedes Element in einem Film, das dem Film selbst nicht dient, lässt ihn ungarer und beliebiger wirken. Das merkt man als Zuschauer bewusst oder unbewusst, aber man bemerkt es. Die Wenigsten attestieren einem Film hohe Qualität, nur weil auf möglichst abartige Weise Menschen über den Jordan geschickt werden. Nein, Filme bleiben dann hängen, wenn sie emotional berühren, uns in die Geschichte hinein nehmen und – sollte Gewalt platziert werden – entweder als launige Slasher oder tatsächlich als hart mit der Filmrealität konfrontierende Werke funktionieren. Gewalt um der Gewalt Willen funktioniert schlichtweg nicht.

Lynne Ramsay hat sich zuletzt in A Beautiful Day exzellent diesem Dilemma entzogen: ihre Gewaltdarstellung ist gerade deshalb so effektiv, weil sie so oft übersprungen wird. Das krasse Gegenteil von eben jenen Filmen, die sich regelrecht in ihren blutgetränkten Szenen baden, ohne den nötigen Unterbau geliefert zu haben. Manchmal ist es effektiver, die Gewalt im Kopf des Zuschauers entstehen zu lassen, anstatt sie genüsslich in großen Lettern auf die Leinwand zu pinseln.

Was am Ende bleibt

Die Gewalt in die „Schlacht der Bastarde“ erfüllt einen Zweck, das ist aber nicht immer so bei Game of Thrones.

Schlacht der Bastarde in Game of Thrones

Versteht mich nicht falsch. Ich feiere es, wenn es auf der Leinwand mal so richtig kracht und die Protagonisten knietief in Blut stehen (genau so oft schaue ich übrigens auch weg!). Doch je mehr Serien und Filme ich sehe, die so bemüht darum sind, den Gewaltgrad doch noch mal zu toppen, desto kritischer bin ich dazu eingestellt. Und das liegt gerade daran, dass Gewalt oft als Selbstzweck zelebriert wird. Simple Effekthascherei!

Was haben meine Kumpels und ich gebrüllt vor Lachen, als wir damals den derart überzogenen From Dusk Till Dawn angeschaut haben. Und wie sehr habe ich mich auf dem Kinosessel gewunden, als Leonardo DiCaprio in The Revenant von Mensch und Natur im Viereck rumgeprügelt wird. Selbst bei Hacksaw Ridge, der von meinen Kollegen einiges an Kritik abbekam, wurde ich bei der chaotisch-brutalen Auftaktschlacht mit ihren zerfetzten Gesichtern und durchschossenen Wirbelsäulen eiskalt erwischt.

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Doch wie genervt war ich vom x-ten Teil der einfallslos gewalttätigen Saw-Reihe, von Uwe Bolls anti-unterhaltsamer und oft sinnentleert brutaler Filmografie und –haters gonna hate – der einen oder anderen Gewaltorgie in Game of Thrones, die im Kern nichts zu erzählen hatte und einfach da war, um den Voyeurismus des Publikums zu befriedigen. An wie viele der beliebig eingestreuten Meucheleien der Serie könnt ihr euch noch erinnern? Wahrscheinlich nur an eine Handvoll, obwohl fast jede Folge die Messer wetzt. Dafür aber sehr wahrscheinlich an storytechnische Gamechanger wie die „Red Wedding“ oder die „Schlacht der Bastarde“. Denn hier verfolgt die Gewalt einen wirklichen Zweck. An anderen Stellen hingegen ist sie einfach nur da, um da zu sein. So zum Beispiel die Todesszene von Oberyn Martell, dessen Kopf mit bloßen Händen zerquetscht wird. Aufgenommen in einer Nahaufnahme, versteht sich (siehe Titelbild dieses Artikels).

Ich wünsche mir, dass Filmemacher und Studios mehr darauf achten, dass Gewalt kein Qualitätsmerkmal wird, sondern einen klaren Zweck für Filme und Serien erfüllt. Erst dann kann sie wirklich schockieren, zum Nachdenken anregen, unterhalten oder sogar zum Lachen bringen. Alles andere ist eine Vergeudung von Zeit und Kunstblut. – Micha Kunze

Was ist deine Meinung zu diesem Thema?

Darf deine Lieblingsserie so richtig blutgetränkt sein? Bist du Fan von grober Gewaltdarstellung oder doch eher Freund des Subtilen? Wie stehst du zu meinen Thesen? Ich bin gespannt, deine Meinung in den Kommentaren zu lesen!

Artikel vom 20. April 2018

4 Kommentare
  1. Film Base
    Film Base sagte:

    In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass Filme mit gewalttätigen Inhalten, aber auch Nachrichtensendungen, die menschliche Not, Tragödien, Gewaltverbrechen und Katastrophen zeigen, vor allem bei spontaner Aggressivität eine wichtige Rolle spielen. Gewalt im Fernsehen beeinflusst unmittelbar das Verhalten der Kinder. Auch die spätere Entwicklung wird in aggressive Bahnen gelenkt.

    Antworten
    • David
      David sagte:

      Eine These die immer wieder aufkommt. Dabei muss man sich die unterschiedlichen Studien ganz genau ansehen. Was genau kann gemessen werden und wird als Merkmal für Aggressivität oder gar aggressives Verhalten definiert? Ich erinnere mich an eine Studie, in der ein erhöhter Puls und weitere Merkmale der körperlichen Erregung bereits als aggressive Tendenz gewertet wurden. Aus solchen Ergebnissen wird in Artikeln dann schnell der Zusammenhang „Gewalt in bewegten Bildern macht aggressiv“ oder „Gewalt in bewegten Bildern fördert reale Gewalt“ hergestellt. Von einem erhöhten Puls auf reale Gewalt zu schließen ist weit hergeholt. Bisher wurde in der Wissenschaft kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen. Auf die Spitze getrieben wird das Theme dann in Computerspielen. Die alte Killerspiel-Debatte. Auch dort gibt es eine breite Studienlage doch die Ergebnisse zeigen, dass man nicht so einfach einen kausalen Zusammenhang zwischen der fiktiven und realer Gewalt nachweisen kann. In solchen Längsschnittstudien einzelne Einflüsse zu isolieren ist sehr schwer. So fehlt dann auch der Beweis, dass Gewalt in bewegten Bildern zu realer Gewalt führt. Millionen friedlicher und gewalthaltige Inhalte konsumierende Menschen sind da ein einfaches Indiz.

      Insgesamt muss man meiner Meinung nach pragmatisch bleiben und von einer bewahrpädagogischen Haltung zurücktreten und alle Rezipient*innen mit ihren Sehinteressen ernst nehmen. Auf lange Sicht kann niemand die fiktive Gewalt unterbinden. Die Gesellschaft kann aber an anderen viel wichtigeren Stellschrauben drehen. Über Gewalt zu sprechen ist der erste Schritt.

      Antworten
  2. Egon
    Egon sagte:

    Ich finde es völlig unverständlich, warum jemand den wiederholten Anblick von menschlicher Gewalt in einem Film oder einer Serie ansehen kann, ich persönlich finde es unerträglich und drehe ab oder wechsle das Programm. Ich halte es für ziemlich beunruhigend, dass so viele Menschen Gewalt als Unterhaltung ansehen. Vielleicht sind das absolut gelangweilte Menschen oder Menschen, die selbst als Kind Gewalt erfahren haben (die sollten die Bücher von Alice Miller lesen …)

    Antworten
    • David
      David sagte:

      @Egon: Ihren Unmut kann ich nachvollziehen, allerdings greift ihre Ansicht deutlich zu kurz. Wir wissen bereits aus der Forschung, dass ein Großteil der Menschen nicht einfach „absolut gelangweilt“ sind und deshalb violente Inhalte in Medien konsumieren. Die Gründe sind vielfältig. Im Artikel oben wird ja bereits darauf eingegangen. Dazu empfehle ich Ihnen z. B. auch die Studie von Anne Bartsch et. al. „More Than Shoot-Em-Up and Torture Porn:Reflective Appropriation and
      Meaning-Making of Violent Media Content“ Ihre Beunruhigung kann ich auch nachvollziehen. Sie müssen sich aber nicht all zu viele Sorgen machen. Sie können sich selbst mit einfachen Recherchen beantworten, dass ein monokausaler Zusammenhang (Gewalt in Medien => mehr reale Gewalt) unzureichend ist und werden einfachen Erkenntnissen zustimmen müssen, z. B. dass es in der Menschheitsgeschichte bisher auch ohne die neuen Medien mit realer Gewalt ging. Dass die Menschen durch Gewalt in den neuen Medien also immer gewalttätiger werden lässt sich so pauschal also erstmal nicht sagen und daher brauchen sie auch keine Angst haben. Es ist aber wichtig sich konstruktiv mit dem Thema auseinander zu setzen und auch die andere Seite zu verstehen. Fragen Sie mal ihre Freunde und Bekannten was sie an Gewalt in Filmen etc. fasziniert. Der Dialog ist wichtig damit Sie das „unverständliche“ überwinden können =)

      Antworten

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