Episodenguide: Love, Death & Robots – Staffel 2

Das Nachschlagewerk für die zweite Staffel von 'Love, Death & Robots'
Spoilerfrei!
Lesedauer: 9 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Netflix beliebteste Anthologieserie 'Love, Death & Robots' geht in die zweite Runde. Mit nur acht Folgen sind zwar deutlich weniger Episoden im Gepäck, doch Quantität war ja noch nie ein Erfolgsgarant. Wie sich die zweite Staffel rund um Dystopien, mörderische Gadgets und Zukunftsphilosophien schlägt, erfährst du in unserem Episodenguide. 2x01: 'Automatisierter Kundenservice' Originaltitel: Automated Customer Service Regie: Meat Dept Visueller Stil: CGI Themen: Macht der Maschinen, absurder Kundenservice Darum geht’s: Da ihr Putzroboter sich zunehmend aggressiver verhält, fühlt sich eine ältere Dame gezwungen, den Kundenservice zu kontaktieren. Während dieser nicht gerade von großer Hilfe ist, fährt das Haushaltsgerät die großen Geschütze auf. Bewertung: Schon die erste Folge der zweiten Staffel verbindet alles, was wir an Love, Death & Robots lieben: der Kampf mit den Maschinen, eine Portion augenzwinkernde Gewalt und natürlich Humor. Tatsächlich gibt es in den weiteren Folgen fast gar nichts mehr zu lachen, was den Auftakt umso effektiver macht. Das fängt bei den herrlich schrulligen Figuren und der Slapstick-artigen Action an, doch auch die allzu reale Prämisse lässt uns schmunzeln (und seufzen). Wir alle kennen die ewigen Warteschleifen, die automatisierten Informationsabfragen, die Hotline-Musik und verständnis- und empathielose Mitarbeitende, die einem ums Verrecken nicht weiterhelfen können oder wollen. Diesen Zustand treibt Automatisierter Kundenservice auf die Spitze. Die computergenerierte Stimme fährt seelenruhig ihr (teils absurdes) Protokoll ab, während die alte Dame panisch vor ihrem Roboter flüchtet, der ihr und ihren Haustieren an den Kragen will. Dieses Gefälle ist einfach witzig! Während der Großteil dieser Folge rasant, actiongeladen und humorvoll ist, ist der sanfte Twist am Ende tiefgründiger, als man zunächst annehmen könnte. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber das Regie-Trio Meat Dept lässt sich nicht lumpen, die Ausmaße einer vollautomatisierten Welt kritisch zu beäugen. Ein fulminant-humorvoller Auftakt, an den fast keine der nachfolgenden Episoden heranreicht. 2x02: 'Eis' Originaltitel: Ice Regie: Robert Valley Visueller Stil: Cartoon/Anime Themen: Drogenmissbrauch, Modding, Kolonialisierung anderer Planeten Darum geht’s: Zwei Brüder liefern sich auf einem fremden Planeten ein gefährliches Rennen mit einer Gang. Diese ist „gemoddet“ und damit wesentlich leistungsstärker, als das Brüderpaar – es folgt ein Wettlauf um Leben und Tod. Bewertung: Dieser Kurzfilm gehört zu den schwächeren von Love, Death & Robots – Staffel 2. Die überfrachtete Story springt zwischen Weltraumkolonialisierung, sozialer Ungleichheit, Modding, Drogenkonsum und Peer Pressure so schnell hin und her, dass der emotionale Kern der Geschichte erstickt wird. Die Herkunft und der soziale Stand der Brüder ist dabei keineswegs uninteressant, wird in den lediglich 13 Minuten Laufzeit jedoch so schnell abgefrühstückt, dass kein nachhaltiger Eindruck entsteht. Der recht spannende Höhepunkt von Eis ist dabei effektiv und sieht in seinem Animationsstil auch eindrücklich aus – doch insgesamt hätten ein paar Minuten mehr der potenziell tiefgründigen und vielschichtigen Story gedient. Was bleibt, ist ein sanftes Echo dessen, was das Team um Regisseur Robert Valley gerne erzählt hätten, aber im Übereifer der Themen (oder des eingeschränkten Budgets) nicht ausschöpfen konnten. 2x03: 'Jäger und Gejagte' Originaltitel: Pop Squad Regie: Jennifer Yuh Nelson Visueller Stil: CGI Themen: Überbevölkerung, ewiges Leben, Machtstrukturen Darum geht’s: In einer dystopischen Zukunft leben reiche Menschen durch medizinische Eingriffe ewig. Um der dadurch drohenden Überbevölkerung Einhalt zu gebieten, ist das Kinderkriegen verboten. Polizisten wie Detective Briggs (Nolan North) und brutale Suchtrupps sorgen dafür, dass illegale Eltern und deren Kinder aufgespürt und getötet werden. Doch zunehmend regen sich Zweifel in dem hartgesottenen Detective. Bewertung: So geht Storytelling! Jäger und Gejagte scheut sich nicht vor tiefen, moralischen Dilemmas und philosophisch-abgründigen Zukunftsgedanken. Was passiert mit einer Gesellschaft, die immer älter, ja, unsterblich wird? Wie werden die Privilegien des ewigen Lebens verteilt? Welche Opfer müssen dabei gebracht werden? Und erfüllt dieses Lebenskonzept den Menschen überhaupt? Es ist bemerkenswert, wie stimmig Regisseurin Jennifer Yuh Nelson diese schweren Themen in ihren Kurzfilm einarbeitet. Fokus liegt auf dem zweifelnden Detective, der auf den Spuren von Fahrenheit 451 zunächst obrigkeitskonform die Waffen sprechen lässt, doch zunehmend Bedenken an dem vorherrschenden System hegt. Schon die Eröffnungssequenz, in dem Briggs einige im Untergrund versteckte Kinder erschießt, ist ein Schlag in die Magengrube. Entsprechend ist auch die Charakterentwicklung hin zum Zweifler folgerichtig und nachvollziehbar. Doch es verbirgt sich auch eine waschechte Kapitalismuskritik in Jäger und Gejagte, denn natürlich können sich nur die Superreichen das ewige Leben leisten, während ärmere Gesellschaftsschichten dezimiert und unterdrückt in den verrotteten Slums der Stadt hausen müssen. Dieses Abbild ist so offensichtlich wie effektiv! Stilistisch lässt dieser Kurzfilm nichts zu wünschen übrig. Auch die Settings irgendwo zwischen Blade Runner 2049 und Dredd sind eine Augenweide: nicht nur die Luxus-Villen über den Dächern der Stadt, auch die Solarpunk-Bauten und die siffigen Absteigen sind echte Hingucker. Ein, wenn nicht sogar das Highlight in Love, Death & Robots – Staffel 2. 2x04: 'Snow in der Wüste' Originaltitel: Snow in the Desert Regie: Leon Berelle, Dominique Boidin, Remi Kozyra & Maxime Luere Visueller Stil: realitätsnahe CGI Themen: Weltraum, Kopfgeldjagd, Unsterblichkeit Darum geht’s: Auf einem heißen Wüstenplaneten fristet der Albino Snow sein Dasein. Eines Tages lauern ihm in einer Bar Kopfgeldjäger auf und machen Snow klar, dass er aufgrund seiner Zellregeneration, die ihn unsterblich macht, von vielen gejagt wird. Im Schusswechsel rettet ihm eine mysteriöse Frau das Leben, die Interesse an Snow zeigt – jedoch auch ihr eigenes Ziel verfolgt. Bewertung: Schon in den ersten Sekunden zieht die Folge in ihren Bann. Aufgrund der fantastischen Animation, die uns mal wieder zweifeln lässt, ob es sich nicht doch um echte Schauspieler handelt, kleben unsere Augen von Anfang an am Bildschirm. Durch die ausgereifte CGI fesseln uns die rasanten Actionszenen umso mehr und gestalten die Folge wahnsinnig aufregend. Das Setting sieht zwar faszinierend aus, ist aber im Zusammenhang mit Kopfgeldjägern und fremden Planeten nichts Neues. Stattdessen erinnert die Situation des Protagonisten stark an den Mandalorian und auch die Kneipen-Szene kommt uns bekannt vor. Auch, wenn der Plot interessant und unterhaltsam ist, hätte etwas mehr Tiefe und Aufschlüsselung am Ende mit Sicherheit nicht geschadet. Insgesamt hinterlässt die Episode trotzdem einen sehr guten Eindruck, was zum einen natürlich am bildgewaltigen Geschehen liegt, aber auch an der schönen Dynamik zwischen Action-Szenen und ruhigen, entspannten Sequenzen. Zwar bleiben am Ende zwar einige offene Fragen, jedoch tun diese der Story keinen Abbruch und verleihen sogar einen Hauch von Romantik. Werbung 2x05: 'Im hohen Gras' Originaltitel: The Tall Grass Regie: Simon Otto Visueller Stil: Zeichentrick, Animation Themen: Monster, Mystery Darum geht’s: Der namenlose Protagonist sitzt alleine in seinem Abteil eines fast menschenleeren Zuges. Inmitten einer einsamen Landschaft stoppt dieser jedoch abrupt. Der Lokführer informiert den beunruhigten Passagier, dass lediglich Kohle nachgelegt werden muss, warnt ihn aber auch, sich nicht vom Zug zu entfernen. Im nahe gelegenen, hohen Gras entdeckt unser Passagier geheimnisvolle Lichter und erlebt eine böse Überraschung, als er dem Geheimnis auf den Grund gehen will. Bewertung: Bei dieser Episode springt der interessante Stil sofort ins Auge. Die gewöhnungsbedürftige, jedoch ästhetische 2D Optik, in der Szenen aussehen wie Öl-Gemälde, ist eine willkommene Abwechslung neben den ausgereiften CGI-Animationen der anderen Folgen. Begleitet wird das unheimliche Setting von düsteren Klängen, sodass sofort klar wird um welches Genre es sich handelt. Die Story ist allerdings weniger innovativ, denn die Motive kommen uns nur allzu bekannt vor. Spannung erzeugt vor allem die Frage, was sich hinter den wundersamen Lichtern wohl verbergen mag. Freunde der Schauerromantik á la Poe oder Lovecraft kommen hier trotzdem voll auf ihre Kosten, denn die Folge schöpft das Potenzial ihres Genres voll aus. Die Geschichte bleibt kurz und knackig und es wird nichts unnötig ausgeschmückt oder in die Länge gezogen, was den mysteriösen Charakter der Folge aufrechterhält. Alles in allem eine hauptsächlich optisch gelungene Folge! 2x06: 'Bescherung' Originaltitel: All through the House Regie: Elliot Dear Visueller Stil: Stop-Motion Themen: Weihnachten, Aliens, Monster Darum geht’s: Es ist endlich Weihnachten und zwei kleine Geschwister warten sehnlichst auf den Besuch des Weihnachtsmanns. Als sie die für Santa typischen Geräusche hören, können sie nicht widerstehen und wandern ins Wohnzimmer, um nachzusehen, was der gutmütige, bärtige Mann ihnen gebracht hat. Doch was sie entdecken ist ganz anders als erwartet... Bewertung: Die wohl kürzeste Episode der Staffel ist perfekt geeignet Fans des gepflegten Trash-Horrors. In den knapp sieben Minuten wandelt sich der zu Beginn niedliche Kurzfilm zu einem abstoßenden Monster-Ulk mit viel Schleim und Glibber. Zwar sind die liebevollen Animationen im Vergleich zu den anderen Folgen eher unspektakulär, jedoch passt die Optik gut zur kindlichen und anfangs auch wirklich süß dargestellten Thematik. Der Weihnachtsmann bildet hier einen tollen Kontrast zu den goldigen, hoffnungsvollen Kinderaugen. Im Gesamten ist Bescherung wohl nicht nur die kürzeste, sondern wohl auch die lustigste Episode, die sich mit einem Augenzwinkern verabschiedet. 2x07: 'Rettungskapsel' Originaltitel: Life Hutch Regie: Alex Beaty Visueller Stil: CGI Themen: Weltraum, Überleben, Kampf Darum geht’s: Nach einem Absturz auf einen verlassenen Planeten macht sich der verletzte Kampf-Pilot Terence (Michael B. Jordan) auf den Weg zu der dort stationierten Rettungskapsel. Die erhoffte Rettung stellt sich jedoch schnell als Bedrohung heraus, denn der Wartungsroboter scheint defekt zu sein und trachtet ihm schon bald nach dem Leben. Bewertung: Erneut rollt Love, Death & Robots den altbekannten Mensch-gegen-Maschine-Konflikt auf. Wir erfahren weder, in welchem Krieg unser Protagonist kämpft, noch wissen wir, durch welche Eigenschaften ihn auszeichnen. Durch das übergreifende Videospiel-Feeling, das dem Geschehen auf dem Bildschirm generell mehr Distanz verleiht, spielt der Charakter und die Geschichte des Protagonisten eher eine untergeordnete Rolle und bleibt daher ohnehin irrelevant. Heraus sticht hier eher der ausnahmsweise mal nicht animierte Schauspieler Michael B. Jordan, dem es gelingt, Verzweiflung, Angst, Schmerz und Hoffnung in den wenigen Minuten der Episode facettenreich zu präsentieren. Wir fiebern, leiden und schwitzen mit unserem Protagonisten mit und hoffen, dass er heil aus seiner verzwickten Lage herauskommt. Somit wird die nötige Spannung, die dem Plot fehlt, doch noch übermittelt. 2x08: 'Der ertrunkene Riese' Originaltitel: The Drowned Giant Regie: Dominique Boidin, Léon Bérelle, Rémi Kozyra, Maxime Luère Visueller Stil: CGI Themen: Menschlichkeit, Spektakel, Zivilisationen Darum geht’s: Am Strand eines idyllischen Fischerdörfchens wird ein lebloser Riese angeschwemmt. Der dort ansässige Wissenschaftler Steven untersucht dabei nicht nur dessen Herkunft, sondern philosophiert vor allem darüber, was die Kreatur bei den Menschen vor Ort auslöst. Bewertung: Diese auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von James Graham Ballard basierende Episode wartet mit ruhigem Pacing und einer hohen philosophischen Dichte auf. Der angespülte, nackte Riese ist zunächst noch befremdlich und auch für die Zuschauenden äußerst suspekt. Dann schleicht sich ein kurzer Moment des Horrors ein: Was, wenn der Gigant aufsteht und sein Unwesen treibt (wir sind ja immer noch bei Love, Death & Robots)? Doch schließlich entsteht eine tiefe Ruhe und observierende Distanz. Denn während die Menschen vor Ort den Riesen sezieren und auseinandersägen, zerlegt auch der Wissenschaftler seine Theorien sachte und reflektiert, um sich einen Reim auf dessen Existenz und der menschlichen Reaktion darauf zu machen. Der ertrunkene Riese hallt mit Abstand am längsten von all den Episoden nach. Die ohnehin brillante Prämisse wird durch den teils wortgetreu aus der Vorlage übernommenen inneren Monolog von Steven ergänzt und führt zu Erkenntnissen, die auf den ersten Blick unsere (Ko-)Existenz in dieser Welt beschreiben. Allein wie Furcht zu Neugier, Neugier zu Überhebung und Überhebung zu Respektlosigkeit wird, ist eindrücklich anzusehen (schon nach wenigen Tagen verewigen sich Sprayer auf dem Kadaver und die ersten Körperteile werden zweckentfremdet). Als wäre die Menschheit letztlich auch nur kleine Insekten, die kurz aufgerüttelt werden, aber dann jedes noch so bedrohliche Element ganz natürlich verwerten und integrieren. Ein Kurzfilm, der einerseits optisch voll überzeugt, aber auch in seiner Ruhe und seinem philosophischen Ansatz absolut entschleunigend und losgelöst von Effekthascherei agiert. Klare Empfehlung für Hobby-Philosophen und diejenigen, die sich Gullivers Reisen etwas makabrer gewünscht hätten.
    Episodenguide: Love, Death & Robots – Staffel 2
    2x01: 'Automatisierter Kundenservice'
    82%
    2x02: 'Eis'
    62%
    2x03: 'Jäger und Gejagte'
    85%
    2x04: 'Snow in der Wüste'
    80%
    2x05: 'Im hohen Gras'
    76%
    2x06: 'Bescherung'
    77%
    2x07: 'Rettungskapsel'
    73%
    2x04: 'Der ertrunkene Riese'
    86%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 14.05.2021
    Episoden: 26 in 2+ Staffeln
    FSK: 18
    Genre: , , , , , , , , , ,
    Showrunner: , , , , , , , , , ,

    Bildrechte: Netflix
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Gut
78%

Netflix beliebteste Anthologieserie 'Love, Death & Robots' geht in die zweite Runde. Mit nur acht Folgen sind zwar deutlich weniger Episoden im Gepäck, doch Quantität war ja noch nie ein Erfolgsgarant. Wie sich die zweite Staffel rund um Dystopien, mörderische Gadgets und Zukunftsphilosophien schlägt, erfährst du in unserem Episodenguide.

2x01: 'Automatisierter Kundenservice'

Originaltitel: Automated Customer Service

Regie: Meat Dept

Visueller Stil: CGI

Themen: Macht der Maschinen, absurder Kundenservice

Darum geht’s:

Da ihr Putzroboter sich zunehmend aggressiver verhält, fühlt sich eine ältere Dame gezwungen, den Kundenservice zu kontaktieren. Während dieser nicht gerade von großer Hilfe ist, fährt das Haushaltsgerät die großen Geschütze auf.

Bewertung:

Schon die erste Folge der zweiten Staffel verbindet alles, was wir an Love, Death & Robots lieben: der Kampf mit den Maschinen, eine Portion augenzwinkernde Gewalt und natürlich Humor. Tatsächlich gibt es in den weiteren Folgen fast gar nichts mehr zu lachen, was den Auftakt umso effektiver macht. Das fängt bei den herrlich schrulligen Figuren und der Slapstick-artigen Action an, doch auch die allzu reale Prämisse lässt uns schmunzeln (und seufzen).

Wir alle kennen die ewigen Warteschleifen, die automatisierten Informationsabfragen, die Hotline-Musik und verständnis- und empathielose Mitarbeitende, die einem ums Verrecken nicht weiterhelfen können oder wollen. Diesen Zustand treibt Automatisierter Kundenservice auf die Spitze. Die computergenerierte Stimme fährt seelenruhig ihr (teils absurdes) Protokoll ab, während die alte Dame panisch vor ihrem Roboter flüchtet, der ihr und ihren Haustieren an den Kragen will. Dieses Gefälle ist einfach witzig!

Während der Großteil dieser Folge rasant, actiongeladen und humorvoll ist, ist der sanfte Twist am Ende tiefgründiger, als man zunächst annehmen könnte. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber das Regie-Trio Meat Dept lässt sich nicht lumpen, die Ausmaße einer vollautomatisierten Welt kritisch zu beäugen. Ein fulminant-humorvoller Auftakt, an den fast keine der nachfolgenden Episoden heranreicht.


2x02: 'Eis'

Originaltitel: Ice

Regie: Robert Valley

Visueller Stil: Cartoon/Anime

Themen: Drogenmissbrauch, Modding, Kolonialisierung anderer Planeten

Darum geht’s:

Zwei Brüder liefern sich auf einem fremden Planeten ein gefährliches Rennen mit einer Gang. Diese ist „gemoddet“ und damit wesentlich leistungsstärker, als das Brüderpaar – es folgt ein Wettlauf um Leben und Tod.

Bewertung:

Dieser Kurzfilm gehört zu den schwächeren von Love, Death & Robots – Staffel 2. Die überfrachtete Story springt zwischen Weltraumkolonialisierung, sozialer Ungleichheit, Modding, Drogenkonsum und Peer Pressure so schnell hin und her, dass der emotionale Kern der Geschichte erstickt wird. Die Herkunft und der soziale Stand der Brüder ist dabei keineswegs uninteressant, wird in den lediglich 13 Minuten Laufzeit jedoch so schnell abgefrühstückt, dass kein nachhaltiger Eindruck entsteht.

Der recht spannende Höhepunkt von Eis ist dabei effektiv und sieht in seinem Animationsstil auch eindrücklich aus – doch insgesamt hätten ein paar Minuten mehr der potenziell tiefgründigen und vielschichtigen Story gedient. Was bleibt, ist ein sanftes Echo dessen, was das Team um Regisseur Robert Valley gerne erzählt hätten, aber im Übereifer der Themen (oder des eingeschränkten Budgets) nicht ausschöpfen konnten.


2x03: 'Jäger und Gejagte'

Originaltitel: Pop Squad

Regie: Jennifer Yuh Nelson

Visueller Stil: CGI

Themen: Überbevölkerung, ewiges Leben, Machtstrukturen

Darum geht’s:

In einer dystopischen Zukunft leben reiche Menschen durch medizinische Eingriffe ewig. Um der dadurch drohenden Überbevölkerung Einhalt zu gebieten, ist das Kinderkriegen verboten. Polizisten wie Detective Briggs (Nolan North) und brutale Suchtrupps sorgen dafür, dass illegale Eltern und deren Kinder aufgespürt und getötet werden. Doch zunehmend regen sich Zweifel in dem hartgesottenen Detective.

Bewertung:

So geht Storytelling! Jäger und Gejagte scheut sich nicht vor tiefen, moralischen Dilemmas und philosophisch-abgründigen Zukunftsgedanken. Was passiert mit einer Gesellschaft, die immer älter, ja, unsterblich wird? Wie werden die Privilegien des ewigen Lebens verteilt? Welche Opfer müssen dabei gebracht werden? Und erfüllt dieses Lebenskonzept den Menschen überhaupt? Es ist bemerkenswert, wie stimmig Regisseurin Jennifer Yuh Nelson diese schweren Themen in ihren Kurzfilm einarbeitet.

Fokus liegt auf dem zweifelnden Detective, der auf den Spuren von Fahrenheit 451 zunächst obrigkeitskonform die Waffen sprechen lässt, doch zunehmend Bedenken an dem vorherrschenden System hegt. Schon die Eröffnungssequenz, in dem Briggs einige im Untergrund versteckte Kinder erschießt, ist ein Schlag in die Magengrube. Entsprechend ist auch die Charakterentwicklung hin zum Zweifler folgerichtig und nachvollziehbar. Doch es verbirgt sich auch eine waschechte Kapitalismuskritik in Jäger und Gejagte, denn natürlich können sich nur die Superreichen das ewige Leben leisten, während ärmere Gesellschaftsschichten dezimiert und unterdrückt in den verrotteten Slums der Stadt hausen müssen. Dieses Abbild ist so offensichtlich wie effektiv!

Stilistisch lässt dieser Kurzfilm nichts zu wünschen übrig. Auch die Settings irgendwo zwischen Blade Runner 2049 und Dredd sind eine Augenweide: nicht nur die Luxus-Villen über den Dächern der Stadt, auch die Solarpunk-Bauten und die siffigen Absteigen sind echte Hingucker. Ein, wenn nicht sogar das Highlight in Love, Death & Robots – Staffel 2.


2x04: 'Snow in der Wüste'

Originaltitel: Snow in the Desert

Regie: Leon Berelle, Dominique Boidin, Remi Kozyra & Maxime Luere

Visueller Stil: realitätsnahe CGI

Themen: Weltraum, Kopfgeldjagd, Unsterblichkeit

Darum geht’s:

Auf einem heißen Wüstenplaneten fristet der Albino Snow sein Dasein. Eines Tages lauern ihm in einer Bar Kopfgeldjäger auf und machen Snow klar, dass er aufgrund seiner Zellregeneration, die ihn unsterblich macht, von vielen gejagt wird. Im Schusswechsel rettet ihm eine mysteriöse Frau das Leben, die Interesse an Snow zeigt – jedoch auch ihr eigenes Ziel verfolgt.

Bewertung:

Schon in den ersten Sekunden zieht die Folge in ihren Bann. Aufgrund der fantastischen Animation, die uns mal wieder zweifeln lässt, ob es sich nicht doch um echte Schauspieler handelt, kleben unsere Augen von Anfang an am Bildschirm. Durch die ausgereifte CGI fesseln uns die rasanten Actionszenen umso mehr und gestalten die Folge wahnsinnig aufregend.

Das Setting sieht zwar faszinierend aus, ist aber im Zusammenhang mit Kopfgeldjägern und fremden Planeten nichts Neues. Stattdessen erinnert die Situation des Protagonisten stark an den Mandalorian und auch die Kneipen-Szene kommt uns bekannt vor. Auch, wenn der Plot interessant und unterhaltsam ist, hätte etwas mehr Tiefe und Aufschlüsselung am Ende mit Sicherheit nicht geschadet.

Insgesamt hinterlässt die Episode trotzdem einen sehr guten Eindruck, was zum einen natürlich am bildgewaltigen Geschehen liegt, aber auch an der schönen Dynamik zwischen Action-Szenen und ruhigen, entspannten Sequenzen. Zwar bleiben am Ende zwar einige offene Fragen, jedoch tun diese der Story keinen Abbruch und verleihen sogar einen Hauch von Romantik.

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2x05: 'Im hohen Gras'

Originaltitel: The Tall Grass

Regie: Simon Otto

Visueller Stil: Zeichentrick, Animation

Themen: Monster, Mystery

Darum geht’s:

Der namenlose Protagonist sitzt alleine in seinem Abteil eines fast menschenleeren Zuges. Inmitten einer einsamen Landschaft stoppt dieser jedoch abrupt. Der Lokführer informiert den beunruhigten Passagier, dass lediglich Kohle nachgelegt werden muss, warnt ihn aber auch, sich nicht vom Zug zu entfernen. Im nahe gelegenen, hohen Gras entdeckt unser Passagier geheimnisvolle Lichter und erlebt eine böse Überraschung, als er dem Geheimnis auf den Grund gehen will.

Bewertung:

Bei dieser Episode springt der interessante Stil sofort ins Auge. Die gewöhnungsbedürftige, jedoch ästhetische 2D Optik, in der Szenen aussehen wie Öl-Gemälde, ist eine willkommene Abwechslung neben den ausgereiften CGI-Animationen der anderen Folgen. Begleitet wird das unheimliche Setting von düsteren Klängen, sodass sofort klar wird um welches Genre es sich handelt.

Die Story ist allerdings weniger innovativ, denn die Motive kommen uns nur allzu bekannt vor. Spannung erzeugt vor allem die Frage, was sich hinter den wundersamen Lichtern wohl verbergen mag. Freunde der Schauerromantik á la Poe oder Lovecraft kommen hier trotzdem voll auf ihre Kosten, denn die Folge schöpft das Potenzial ihres Genres voll aus. Die Geschichte bleibt kurz und knackig und es wird nichts unnötig ausgeschmückt oder in die Länge gezogen, was den mysteriösen Charakter der Folge aufrechterhält. Alles in allem eine hauptsächlich optisch gelungene Folge!


2x06: 'Bescherung'

Originaltitel: All through the House

Regie: Elliot Dear

Visueller Stil: Stop-Motion

Themen: Weihnachten, Aliens, Monster

Darum geht’s:

Es ist endlich Weihnachten und zwei kleine Geschwister warten sehnlichst auf den Besuch des Weihnachtsmanns. Als sie die für Santa typischen Geräusche hören, können sie nicht widerstehen und wandern ins Wohnzimmer, um nachzusehen, was der gutmütige, bärtige Mann ihnen gebracht hat. Doch was sie entdecken ist ganz anders als erwartet...

Bewertung:

Die wohl kürzeste Episode der Staffel ist perfekt geeignet Fans des gepflegten Trash-Horrors. In den knapp sieben Minuten wandelt sich der zu Beginn niedliche Kurzfilm zu einem abstoßenden Monster-Ulk mit viel Schleim und Glibber.

Zwar sind die liebevollen Animationen im Vergleich zu den anderen Folgen eher unspektakulär, jedoch passt die Optik gut zur kindlichen und anfangs auch wirklich süß dargestellten Thematik. Der Weihnachtsmann bildet hier einen tollen Kontrast zu den goldigen, hoffnungsvollen Kinderaugen. Im Gesamten ist Bescherung wohl nicht nur die kürzeste, sondern wohl auch die lustigste Episode, die sich mit einem Augenzwinkern verabschiedet.


2x07: 'Rettungskapsel'

Originaltitel: Life Hutch

Regie: Alex Beaty

Visueller Stil: CGI

Themen: Weltraum, Überleben, Kampf

Darum geht’s:

Nach einem Absturz auf einen verlassenen Planeten macht sich der verletzte Kampf-Pilot Terence (Michael B. Jordan) auf den Weg zu der dort stationierten Rettungskapsel. Die erhoffte Rettung stellt sich jedoch schnell als Bedrohung heraus, denn der Wartungsroboter scheint defekt zu sein und trachtet ihm schon bald nach dem Leben.

Bewertung:

Erneut rollt Love, Death & Robots den altbekannten Mensch-gegen-Maschine-Konflikt auf. Wir erfahren weder, in welchem Krieg unser Protagonist kämpft, noch wissen wir, durch welche Eigenschaften ihn auszeichnen. Durch das übergreifende Videospiel-Feeling, das dem Geschehen auf dem Bildschirm generell mehr Distanz verleiht, spielt der Charakter und die Geschichte des Protagonisten eher eine untergeordnete Rolle und bleibt daher ohnehin irrelevant.

Heraus sticht hier eher der ausnahmsweise mal nicht animierte Schauspieler Michael B. Jordan, dem es gelingt, Verzweiflung, Angst, Schmerz und Hoffnung in den wenigen Minuten der Episode facettenreich zu präsentieren. Wir fiebern, leiden und schwitzen mit unserem Protagonisten mit und hoffen, dass er heil aus seiner verzwickten Lage herauskommt. Somit wird die nötige Spannung, die dem Plot fehlt, doch noch übermittelt.


2x08: 'Der ertrunkene Riese'

Originaltitel: The Drowned Giant

Regie: Dominique Boidin, Léon Bérelle, Rémi Kozyra, Maxime Luère

Visueller Stil: CGI

Themen: Menschlichkeit, Spektakel, Zivilisationen

Darum geht’s:

Am Strand eines idyllischen Fischerdörfchens wird ein lebloser Riese angeschwemmt. Der dort ansässige Wissenschaftler Steven untersucht dabei nicht nur dessen Herkunft, sondern philosophiert vor allem darüber, was die Kreatur bei den Menschen vor Ort auslöst.

Bewertung:

Diese auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von James Graham Ballard basierende Episode wartet mit ruhigem Pacing und einer hohen philosophischen Dichte auf. Der angespülte, nackte Riese ist zunächst noch befremdlich und auch für die Zuschauenden äußerst suspekt. Dann schleicht sich ein kurzer Moment des Horrors ein: Was, wenn der Gigant aufsteht und sein Unwesen treibt (wir sind ja immer noch bei Love, Death & Robots)? Doch schließlich entsteht eine tiefe Ruhe und observierende Distanz. Denn während die Menschen vor Ort den Riesen sezieren und auseinandersägen, zerlegt auch der Wissenschaftler seine Theorien sachte und reflektiert, um sich einen Reim auf dessen Existenz und der menschlichen Reaktion darauf zu machen.

Der ertrunkene Riese hallt mit Abstand am längsten von all den Episoden nach. Die ohnehin brillante Prämisse wird durch den teils wortgetreu aus der Vorlage übernommenen inneren Monolog von Steven ergänzt und führt zu Erkenntnissen, die auf den ersten Blick unsere (Ko-)Existenz in dieser Welt beschreiben. Allein wie Furcht zu Neugier, Neugier zu Überhebung und Überhebung zu Respektlosigkeit wird, ist eindrücklich anzusehen (schon nach wenigen Tagen verewigen sich Sprayer auf dem Kadaver und die ersten Körperteile werden zweckentfremdet). Als wäre die Menschheit letztlich auch nur kleine Insekten, die kurz aufgerüttelt werden, aber dann jedes noch so bedrohliche Element ganz natürlich verwerten und integrieren.

Ein Kurzfilm, der einerseits optisch voll überzeugt, aber auch in seiner Ruhe und seinem philosophischen Ansatz absolut entschleunigend und losgelöst von Effekthascherei agiert. Klare Empfehlung für Hobby-Philosophen und diejenigen, die sich Gullivers Reisen etwas makabrer gewünscht hätten.

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