8.7/10

Kritik: Good Omens – Staffel 1

PRATCHETT UND GAIMAN WÜNSCHEN EINE FRÖHLICHE APOKALYPSE!

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Genres: Fantasy, Komödie, Startdatum: 31.05.2019

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Mit ‘Good Omens’ brachte Amazon den Roman von Terry Pratchett und Neil Gaiman in Serienform. Die Geschichte um die Freundschaft eines Engels und eines Dämons wurde als 6-teilige Miniserie abgedreht. Passend zu David Tennants 50sten Geburtstag erinnern wir uns nochmal daran, wieso ‘Good Omens’ eine wahrlich göttliche Komödie ist.

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

Es hätte niemals passieren sollen, und dennoch geschah es, dass der Engel Erziraphael (Michael Sheen) und Crowley (David Tennant, Jessica Jones) sich trafen, als sie aus unterschiedlichen Gründen im Garten Eden tätig waren. Crowley als die verleitende Schlange und Erziraphael als Wächter des Gartens, der es nicht lassen konnte, Adam und Eva das Feuerschwert zum Schutz zu geben als diese aus dem Paradies verbannt wurden. Was nur als kleines Gespräch begann, entwickelte sich schon bald zu einer ungleichen Freundschaft zwischen Engel und Dämon, während sie gemeinsam die Entwicklung der Menschheit beobachteten und deren Geschicke entweder zum Guten oder zum Bösen wendeten. Alles war gut, solange niemand von den Vorgesetzten dahinter kam.

Kleine Verwechslung mit höllischen Konsequenzen

Doch der Frieden sollte schon bald hinüber sein, als Crowley eines Nachts den Aufrag erhält, ein Neugeborenes abzuliefern. Denn dieses Kind ist niemand anderes als der Antichrist höchstpersönlich, der dazu bestimmt ist, den Weltuntergang einzuleiten. Crowley und Erziraphael, die sich beide an die Erde gewöhnt haben, entschließen sich, den Untergang abzuwenden, indem sie auf die Erziehung des Kindes einwirken. Zuspät bemerken sie einen fatalen Fehler: Offenbar gab es Verwechslungen im Kloster und der wahre Antichrist befindet sich… irgendwo.

Können Erziraphael und Crowley den Antichristen finden und das Unvermeidliche verhindern? Und was hat das Buch “Die freundlichen und zutreffenden Prophezeiungen der Hexe Agnes Spinner” mit der ganzen Sache zu tun? Fragen über Fragen…

Ungewöhnliche Freundschaft: Erziraphael (Michael Sheen) und Crowley (David Tennant) sind das Herz und die Seele von ‘Good Omens’.

Erziraphael (Michael Sheen) und Crowley (David Tennant) sitzen auf einer Bank

Ein Wahnsinns-Duo

Klar, Erizraphael und Crowley sind der Wahnsinn, doch reden wir mal über die beiden Genies hinter diesem Werk. Der Roman, auf den die Serie basiert, stammt von niemand anderen als den Koryphäen der Fantasyromane: Terry Pratchett (Scheibenwelt-Romane) und Neil Gaiman (American Gods). Beide wurden bekannt durch ihren satirischen und dekonstruktiven Umgang mit klassischen Fantasy-Genres und Stereotypen, was in fantastischen, glaubhaften und erstaunlich philosophischen Fantasywelten resultierte. Vor allem Religion wird gerne von beiden auf die Schippe genommen, weshalb der 1990 erschienene Roman Ein gutes Omen. Die freundlichen und zutreffenden Prophezeiungen der Hexe Agnes Spinner wie die Faust aufs Auge passt. Und auch in Good Omens-Der Serie hat Neil Gaiman als Showrunner ordentlich mitgeredet, sodass er seinem viel zu früh verstorbenen Freund eine würdevolle Adaption widmen kann.

Britischer Endzeithumor

Der von beiden bevorzugte britische Humor lässt sich nicht von der Hand weisen. Denn Good Omens ist eine bitterböse Fantasy-Komödie die für einen Schenkelklopfer nach dem anderen sorgt. Das liegt nicht zuletzt an der Göttin (Stimme: Heidrun Bartholomäus; Original: Frances McDormand), die bildlich und auf eine herrlich simplifizierte Weise auch die bizarrsten und übernatürlichsten Ereignisse wiedergibt. Auch hier zeigt sich mal wieder, dass der gewöhnliche Arbeitsalltag viel schräger und beängstigender sein kann, als das Übersinnliche – zumal selbst Himmel und Hölle nicht frei sind von den einnehmenden Fängen der Bürokratie. Da würde man selbst gelegentlich den Tod hinnehmen… wäre es nicht so viel Papierkram.

Und wenn ihr euch gefragt habt, wie viele Engel auf einen Stecknadelkopf passen – Mit Good Omens werdet ihr garantiert schlauer!

“Wir haben zwar beide als Engel angefangen, aber du bist gefallen.”, “Ah, ich bin nicht wirklich gefallen, ich bin nur irgendwie abwärts geschlurft.”

Erziraphael zu Crowley in Good Omens

Wenn der Engel mit dem Teufel…

… sich aufmachen um die Welt zu retten, kann es nur bombastisch werden. Deshalb muss man direkt sagen: Erziraphael und Crowley sind nicht nur die Hauptcharaktere der Show, sie SIND die Show!

Selten sieht man so eine hervorragend aufeinander abgestimmte Charakterdynamik, und das bereits in Episode eins. Das ist nicht zuletzt den Hauptdarstellern zu verdanken. Michael Sheen spielt hervorragenden den gutmütigen und (mehr oder weniger) gesetzestreuen, wenn auch naiv wirkenden Engel, der hin und hergerissen ist zwischen seiner Treue gegenüber dem großen Plan, seiner Sympathie gegenüber den Menschen und seiner verbotenen Freundschaft mit Crowley. Als komplettes Gegenstück dazu spielt David Tennant den Dämonen Crowley als antiheroischen Draufgänger, der sich immer damit abfinden musste, dass er trotz allem nicht ganz so böse ist, wie es die Dämonen von ihm erwarten. Er hält nicht viel von Kämpfen zwischen Himmel und Hölle und hat keine Probleme damit, mal die Regeln zu brechen, um sich und Erziraphael ein etwas einfacheres Leben zu bescheren. Er weiß was er tut und er tut es mit Stil – Wie es sein Anrufbeantworter so passend wiedergibt.

Vor allem in Rückblenden kommt diese Dynamik hervorragend zum Ausdruck. Wir erleben, wie Erziraphael und Crowley prägende Epochen der Menschen miterleben. Dabei kommentieren sie gewisse, fragwürdige Entscheidungen von Seiten des Himmels, sprechen sich ab, wenn sie jeweils gegensätzliche Aufträge haben oder greifen sich in brenzligen Situationen unter die Arme. Die Chemie ist hierbei fantastisch. Erziraphael und Crowley ergänzen sich gegenseitig phänomenal und vor allen Dingen glaubhaft – sei es durch clevere Dialoge, aufgebaute Konflikte oder ein intensives Saufgelage.

Erziraphael, Crowley… und der Rest

Die Dynamik zwischen Erziraphael und Crowley ist tatsächlich so gut, dass man gelegentlich vergisst, dass es noch andere Charaktere gibt, die Aufmerksamkeit verdienen. Die übernatürlichen Charaktere betrifft das nicht wirklich. Die apokalyptischen Reiter haben sich clever in die moderne Zeit integriert, der Dämon Hastur (Ned Dennehy) ist unterhaltsam grausam und Engel Gabriel (Jon Hamm) präsentiert auf beängstigende Weise, dass Engel nicht zwangsweise besser sind als ihre teuflischen Gegenspieler.

Es ist vor allem die menschliche Besetzung, die man besser hätte präsentieren könnte. Die Nebenhandlung rund um Anathema Apparat (Adria Arjona), Hexe und Erbin der Prophezeiungen von Agnes Spinner, wirkt nicht so, als würde sie immer nahtlos mit der Haupthandlung einhergehen. Genauso geht es mit Newton Läuterer (Jack Whitehall), der sich vom einfältigen Hexenjäger Shadwell (Michael McKean, Better Call Saul) rekrutieren lässt. Es dauert, bis er sich ins Geschehen integriert und da ist es schon etwas spät.

Zusammengefasst sind es zu viele Charaktere für eine 6-teilige Miniserie, sodass ein paar Entwicklungen und Charakterdynamiken zu kurz kommen. Good Omens ist einer der Fälle, wo ein paar mehr Folgen nicht verkehrt gewesen wären, um wirklich alle Charaktere besser zu etablieren.

Anathema Apparat (Adria Arjona) trägt entscheidend zur Rettung der Welt bei – auch wenn es anfangs nicht so scheint.

Adria Arjona (Anathema Device) macht Abmessungen im Wald

Visuell auf den Punkt gebracht

Für das Göttliche braucht man keine pompöse Darstellung und das hat Good Omens ziemlich gut hervorgebracht. Die visuellen Effekte sind simpel, passen jedoch in das satirische Setting (und gelingen, trotz beschränktem Budget). Die Engel laufen in Anzügen in einem hell beleuchteten Hochhaus herum und die Dämonen mit all ihren Ungeziefern und Hautproblemen sind allesamt in einem Keller gepfercht – mehr braucht es auch nicht. Ähnlich wie bei Preacher setzt man auf eine möglichst einfache Gestaltung des Übernatürlichen, ohne unnötige Spezialeffekte – allerdings viel subtiler und DEUTLICH weniger gewalttätig als noch in Preacher.

Was man unbedingt vom Visuellen her hervorheben muss, ist das Opening. Und ganz ehrlich: Das Opening verdient einen eigenen Beitrag. Selten bekommt man ein Opening serviert, das auf so bizarre aber geniale Weise unterhaltsam und einprägsam ist und zugleich das Setting so gut wiedergibt. Angelehnt an die klassischen surrealen Monty Python Openings sieht man die animierten Papierschnipsel-Versionen von Erziraphael und Crowley, wie sie die Menschheit begleiten, von ihrer Entstehung bis zu der kommenden Apokalypse. Und das alles mit einem erstsaunlich passenden Walzer-Soundtrack im Hintergrund.

Eines steht fest: Dieses Opening werdet Ihr garantiert nicht überspringen!

Monty Python lässt grüßen: Das Opening ist Surreal, sauwitzig und herrlich auf den Punkt gebracht.

Erziraphael und Crowley in einem animierten Opening

Fazit

8.7/10
Sehr gut
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 8/10
Charaktere 9.5/10
Humor 9/10
Tiefgang 9/10
Visuelle Umsetzung 8/10

Eine göttliche Fantasy-Komödie, wie es im Prophezeihungs-Buche steht

Good Omens war einer von Pratchetts und Gaimans ersten Geniestreichs und die Serienadaption von Amazon gibt nochmal wieder wieso: Die fantasiereiche Religionssatire ist clever, geistreich und strotzt nur so vor verrückten Einfällen, die trotzdem den klassischen, trockenen Humor der britischen Komik beibehält. Gerade Michael Sheen als Erziraphael und David Tennant als Crowley sind das unangefochtene Herzstück der Serie, auch wenn dadurch die anderen Charaktere etwas vernachlässigt werden.

Wie kann man sich da groß beschweren, wenn man die Tücken eines anstehenden Weltuntergangs live miterleben kann? Und das mit himmlischer UND höllischer Besetzung?

Artikel vom 18. April 2021

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