7.5/10

Kritik: Archer – Staffel 12

SPIONAGE WAR GESTERN? NICHT MIT ARCHER!

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Genres: Action, Animation, Komödie, Thriller, Startdatum: 15.12.2021

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In der zweiten Staffel nach dem Koma muss sich Sterling Archer nach wie vor von seiner besten Seite zeigen. Denn die gleichnamige Serie von Adam Reed möchte klar zeigen, dass ihre Top-Agenten auch mit der zwölften Staffel noch nicht zum alten Eisen gehört. Mit Erfolg, oder braucht es doch einen frühzeitigen Ruhestand?

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

Der Ruhm und Erfolg der letzten Staffel ist vorbei. Nun steht die berühmt berüchtigte Spionage Agentur unter der Leitung von Malory Archer (Jessica Walter / Nina Herting) kurz vor dem Bankrott. Eine Marketingagentur rät ihnen zu einer radikalen Neuorientierung, doch Malory möchte es lieber klassisch belassen. Immerhin brauchen sie nur einen guten Geldgeber, wie schwer kann das schon sein?

Kurz darauf bietet sich schon eine Chance: Es gilt, einen entführten Wissenschaftler zu retten, dessen Erfindung die gesamte globale Energiewirtschaft auf den Kopf stellen kann. Doch sie sind nicht alleine auf den Plan gekommen: Das riesige Spionage-Konglomerat „International Intelligence Agency“ (IIA) unter der Leitung von Fabian Kingsworth (Kayvan Novak / Frank Schaff) hat es ebenfalls auf diesen Wissenschaftler abgesehen.

Und sie sind viel organisierter und deutlich besser finanziert als es Archers Agentur jemals war…

Wieder auf Anfang. Und was jetzt?

Kaum eine andere Serie hat sich in kürzester Zeit so radikal neu erfunden wie die Spionage-Satire Archer über den chaotischen „Top“-Agenten Sterling Archer (H. Jon Benjamin / Dennis Schmidt-Foß). Spätestens seit seiner Koma-Zeit durchlebte die Serie drastische Genre-Wechsel. Alles wurde mit den uns bekannten Charakteren ausprobiert, um zu sehen, wie es sich entwickelt. Seit Staffel 11 ist Archer nun aus dem Koma erwacht und die Spionage-Serie kann sich nun wieder auf ihre alten Stärken verlassen.

Doch mit der Wiederherstellung des Status Quo stellt sich die altbekannte Frage: Wie geht es nun weiter? Wie kann man dieses klassische Setting neu beleben. Die Showrunner tun es, in dem sie auf die Veränderungen eingehen, mit denen sich die Charaktere konfrontieren müssen. Selbst die anachronistisch geprägte zeitlose Welt von Archerverändert sich und die eingesessene Agentur muss dort ihren Platz wiederfinden. Und auch die Charaktere haben sich verändert. Genau auf diese Änderungen greift Staffel 12 zu – mehr oder weniger.

Teambuilding für Anfänger

Während Archers Koma-Zeit haben sich vor allem die Charakterdynamiken zum Positiven verändert: Lana (Aisha Tyler / Britta Steffenhagen) ist glücklich mit dem Milliardär Robert (Stephen Tobolowsky / Bodo Wolf) verheiratet und Cyril Figgis (Chris Parnell / Alexander Doering) ist zu einem eingefleischten Super-Agenten geworden. Nun ist Archer zurück und schon bricht alles auseinander. Lanas Beziehung ist angespannt und Cyril wird wieder immer unsicherer. Auf diese Entwicklung greift Staffel 12 zurück. So wird Lanas Ehe zusätzlich erschwert als Robert die Agentur übernimmt und sich ihr privates und berufliches Leben vermischt. Mittlerweile ist Cyril so verweichlicht, dass Archer selbst ihn wieder aufrappeln muss. Das bietet Potenzial für faszinierende Entwicklungen.

Leider hat man damit nicht so viel gemacht. Während Lanas Beziehungsprobleme und Archers Versuche, an der Spitze zu bleiben, thematisiert werden, werden die Entwicklungen der anderen Charaktere nur geringfügig fortgeführt. So widmet man sich Cyrils Problemen nur in einer Episode und auch die anderen Angestellten der Agentur (so witzig sie auch sind) durchlaufen auch nicht wirklich die Entwicklungen, die in der letzten Staffel angedeutet wurden. Dabei hätte man hier ein paar interessante Themen aufgreifen können. Darunter auch die Frage, ob Archer selbst so einen zerstörerischen Einfluss auf seine Kollegen hat, oder ob sie ihre eigenen dunklen Seiten durch ihn ausleben.

In grüner Mission

Eine aktuelle Spionage-Agentur bedeutet auch ein neuer Umfang von Aufträgen. Immerhin muss die PR stimmen. Passend zur heutigen Zeit spielen auch Themen wie Ökologie und Umweltschutz eine größere Rolle. So überrascht es nicht, wenn Archer und seine Kollegen Tierschützern dabei helfen, ein Gorilla-Baby zu seiner Familie zurückzubringen. Ungewöhnliche Missionen, die aber auch Archers freundlichere Seite betonen. Glücklicherweise wirken solche Episoden nicht predigend und auch idealistische Umweltschützer werden durch den Kakao gezogen. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass Wilderer bewaffnet sein könnten und es daher Sinn gemacht hätte, sich selbst zu bewaffnen?

Ebenso lächerlich wird es, wenn Öko-Terroristen ein Flugzeug mit 3D-gedruckten Waffen als Geisel nehmen und sich so amateurhaft anstellen, dass Archer selbst anfängt, ihnen Ratschläge zu geben. Der Serie mangelt es auch hier nicht an absurden Settings, die zudem durch das modernere Umfeld weiter originell bleiben. Das merkt man auch, wenn man sich die IIA, die Gegenspieler von Archer und seinen Kollegen, ansieht: Organisiert und professionell, aber gnadenlos bürokratisch – weit entfernt von dem Chaos, den wir von den Agenten „alter Schule“ kennen. Da wird es ordentlich schwer fallen, standzuhalten.

Die Archer Identität

Auch mit einem neuen Setting macht die 12te Staffel klar, dass man wieder zu alter Stärke finden möchte. Dafür hat auch nichts an der Besetzung an Verrücktheit verloren. Dennoch versucht man zwischen all dem stärker auf den Hauptcharakter Archer einzugehen. So wird uns etwa ein Flashback von einem jungen Sterling Archer präsentiert, der – so unglaublich das sein mag – noch kein hoffnungsloser Alkoholiker war. Das hört sich vielversprechend an, doch die Staffel schafft es nicht immer die Balance zwischen Alt und Neu aufrecht zu erhalten. Doch das ist nicht alleine an den Showrunnern.

„Ich werde dich nicht zurücklassen, Cyril! Ich brauch nämlich was schön Weiches für die Landung!“

Sterling Archer zu Cyril Figgis in einem abstürzenden Hubschrauber in Archer

Ein Problem der 12sten Staffel ist nämlich, dass sie zu kurz ist. Bei gerade mal acht Episoden mit jeweils zwanzig Minuten Laufzeit kann man nur begrenzt eine ausschweifende Geschichte erzählen, die zudem noch detailliert auf ihre Charaktere eingeht. Doch auch das hält die Staffel nicht davor zurück, mit einem starken und erstaunlich melancholischen Finale zu enden. Das war in gewisser Hinsicht zu erwarten, zumal Malory Archers Synchronsprecherin Jessica Walter verstorben ist. Dennoch ist es ein überraschendes Ende, dass zeigt, dass die Serie auch in weiteren Staffeln originell weitergehen kann.

Fazit

7.5/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 6.5/10
Humor 8/10
Charaktere 7.5/10
Dialoge 7.5/10
Visuelle Umsetzung 8/10

Kurzfristiger, aber genialer Spionage-Spaß

Archer beweist, dass man keine Fantasy-Szenarien braucht, um mit originellen Ideen zu kommen. Geniale Charaktere und eine sich verändernde Welt voller Konflikte reicht dafür schon aus. Zwar knüpft die 12te Staffel nicht so sehr an die letzte Staffel an, was die Charakterentwicklungen und Archers Post-Koma Trauma angeht. Das macht die Staffel nicht ganz so erinnerungswürdig. Dafür nimmt sie sich zu viel vor, was in kurzen acht Episoden nicht zu erzählen ist. Dennoch bekommen wir clevere Aufträge, sauwitziges und altbewährtes Archer-Chaos und ein starkes Finale, welches eindeutig beweist, dass die Luft aus dieser abgedrehten Agenten-Serie noch lange nicht raus ist.

Archer kommt wieder – und mit ihm das „Phrasing“.

Artikel vom 17. Januar 2022

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