Kritik: Stranger Things – Staffel 2

Erst Hype, jetzt Meisterwerk

FSK 16

Spoilerfrei!

Mike, Will, Dustin und Lucas sitzen auf ihren Fahhrrädern und starren eine mysteriös rote Gewitterwolke an in Stranger Things Staffel 2

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Ein Jahr nach den Ereignissen der ersten Staffel ist in Hawkins, Indiana scheinbar alles beim Alten. Die größten Gedanken machen sich Mike (Finn Wolfhard), Dustin (Gaten Matarazzo) und Lucas (Caleb McLaughlin) darüber, ob sie die feurige Maxine (Sadie Sink) in ihren Kreis aufnehmen sollen oder eben nicht. Mike (Noah Schnapp) hingegen leidet unter rätselhaften „Tagträumen“, die von Dr. Owens (Paul Reiser) zu posttraumatischen Belastungsstörungen heruntergespielt werden. Doch pünktlich zu Halloween beginnt der Horror von Neuem: die mysteriöse Schattenwelt schlägt zurück – und Eleven (Millie Bobby Brown) kann ihren Freunden nicht helfen.    

Duffers unter Druck

Ghostbusters:  Stranger Things scheut sich nicht seine Einflüsse zu benennen.

Der überragende Erfolg einer ersten Staffel ist immer Fluch und Segen zugleich. Der Druck, noch eins drauflegen zu müssen, dürfte den Duffer Brothers, den Showrunnern der Serie, eigentlich Albträume beschert haben. Falls das so war, so ist davon zumindest nichts zu bemerken. Fans können beruhigt sein: Mit Staffel 2 bleiben die Zwillinge ihrer Linie treu.

Strenggenommen ist das ja gar nicht ihre Linie. Vielmehr ist das Werk der Duffers das eines leidenschaftlichen Teenagers, der sein Kinderzimmer über und über mit Plakaten seiner Idole tapeziert hat. Dabei gehen die Duffers mit Ehrfurcht und Liebe zum Detail vor. Wie Museumskuratoren rücken sie das Erbe von Klassikern wie E.T., Alien, Es oder auch Twin Peaks in neues Licht. Was dabei entsteht, ist nicht weniger als ein Meisterwerk – das eben doch eine eigene Handschrift hat.


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Das Beste von Film und Serie endlich vereint

In der ersten Staffel waren Mike, Will, Dustin, Lucas und Eleven meist zusammen zu sehen. In der Fortsetzung fächert sich die Story jedoch auf. Die Serie wird komplexer – aber nicht komplizierter. Denn anders als in etlichen anderen Serien bremsen die einzelnen Handlungsstränge die Serie nicht aus (bestes Beispiel: The Walking Dead). Viel mehr zahlt jeder Exkurs auf den Hauptplot ein: Den Kampf gegen das Upside Down. Dadurch gelingt etwas Außergewöhnliches: Stranger Things – Staffel 2 verheiratet die Zielstrebigkeit eines Spielfilms mit der Komplexität einer Serie.

Die besten Dialoge der Serie haben  Dustin und Steve parat.

Was bei dieser Heirat herausspringt, sind kleine Sidestories, die Ausflüge in unterschiedliche Genres unternehmen dürfen. So erlaubt sich Stranger Things zum Beispiel mit dem ungleichen Duo Steve Harrington (Joe Keery) und Dustin einen erstklassig geschriebenen Exkurs in den Buddy-Movie. Indes versuchen Nancy Wheeler (Natalia Dyer) und Jonathan Byers (Charlie Heaton) die Wahrheit über die Hawkins National Laboratories ans Licht zu bringen – ganz wie in einem Politthriller. Jim Hopper wiederum erlebt am eigenen Leib, was es heißt in einem Alien-Film zu stecken.  

Nebenrollen sind die Gewinner der Staffel

Gewinner der Experimentierfreudigkeit sind die Nebenrollen: Nancy, Jonathan, Steve und Hopper (David Harbour) sind in der neuen Staffel unterhaltender und wichtiger als zuvor. Lediglich Joyce Byers (Winona Ryder) muss Screentime an den überraschend unterhaltenden Neuzugang Bob Newby (Sean Astin, Sam in Herr der Ringe) abtreten.   

Der Hauptgewinn in der Kategorie Nebencast geht jedoch an Joe Keery. In der letzten Staffel noch antagonistisch angelegt, schwingt sich sein Charakter Steve zu einem der interessantesten der Staffel auf. Seine Dialoge mit Dustin sind die besten der Serie: emotional, nahbar und schlagkräftig zu gleich.

Keine Arzt kann aufhalten, was in Will Byers langsam heranwächst.

Die Krone gebührt jedoch Noah Schnapp in der Rolle Will Byers. In der ersten Staffel war er vor allem ein MacGuffin. Jetzt ist er Herz und Schaltzentrale der Staffel. Ob angsterfüllte Augen, schüchterne Blicke oder besessener Zorn, Noah Schnapp rührt zu Tränen und sorgt für Gänsehautmomente der Extraklasse. Das Schicksal seiner Rolle, dass er voller Hingebung spielt, sorgt für eine nicht aufhörende Spannung, die der der ersten Staffel um nichts nachsteht.

Ein visuelles Meisterwerk

Gekrönt wird die nervenaufreibende Spannung nur noch von der visuellen Umsetzung. Wie bei einem Puzzle wächst das Bild, das die Staffel vom Upside Down und seinen Kreaturen zeichnet, Folge für Folge an. Was wir im rot-bläulichen Schein von der Schattenwelt sehen ist mächtig beeindruckend und ein Novum in der Serienwelt. Spätestens mit dem Staffelfinale ist dann klar, dass das was wir da gerade sehen, ein Meisterwerk ist. Besagter Endkampf (keine Spoiler) erinnert nicht nur visuell an Frodos Schicksalsberg-Szene in Herr der Ringe 3, sondern steht dem auch in emotionaler Epik um nichts nach – ganz besonders dank Millie Bobby Brown (Eleven), die einfach atemberaubend ist.

Die Bilder, die die Mystery-Serie auf den Bildschirm zaubert, rauben einem den Atem.

Die Downside des Demorgorgon

Dennoch verbirgt sich in der neuen visuellen Strahlkraft eine kleine Gefahr. Was Stranger Things – Staffel 1 so einzigartig machte, ist, dass sich der wahre Horror mehr in unserem Kopf als auf dem Bildschirm abzeichnete. Ein Beispiel: Seit letztem Sommer bekomme ich bei flackernden Glühbirnen immer ein mulmiges Gefühl im Magen. Staffel 2 kann das zwar noch immer, ist aber auch deutlich plakativer. Staffel 3 sei geraten, sich nicht ausschließlich auf Hundemonster und Co. zu verlassen. Aber so wie die Duffer Brothers einzuschätzen sind, haben sie diesen Ratschlag gar nicht nötig.

'Stranger Things' – Staffel 2 ist sogar besser als Staffel 1

Die neun Folgen der zweiten Staffel Stranger Things überflügeln sogar die erste Staffel der Mystery-Serie. Was die Regie-Zwillinge The Duffer Brothers hier vollbringen, ist ein Meisterwerk. Erzählerisch unternehmen sie erfolgreiche Ausflüge in andere Genres, ohne dass dadurch die Haupthandlung ausgebremst wird. Insgesamt ist die Staffel düsterer, spannender und ernster, als bisher. Die Krone ist eine visuelle Umsetzung, die in einem epische Finale gipfelt. Für mich ist spätestens jetzt klar: Stranger Things ist die beste Serie aus dem Hause Netflix. Was meint ihr? 

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2 thoughts on “Kritik: Stranger Things – Staffel 2

  1. bin ein Kind der 80er. diese Serie lässt mich wieder 14-15 Jahre sein. jeder Darsteller passt perfekt, Mille Bobby brown wirf irgendwann einen Oscar bekommen wenn Sie weiterhin so überzeugen und atemberaubend spielt. netflix bisher beste Serie

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