Kritik: Aquaman

Der Fisch-Flüsterer
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Aquaman (Jason Momoa) sitzt auf einem Felsen unter dem Meer, ausgerüstet mit einem Dreizack.
  • Mit 'Aquaman' gibt Regisseur James Wan einem unterschätzten DC-Helden endlich seinen verdienten Solo-Film. Hat DC nun endlich dazugelernt oder verschwindet 'Aquaman' in den Tiefen der Bedeutungslosigkeit? Mehr dazu in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Unter dem Meer, unter dem Meer... Arthur Curry (Jason Momoa) hat eine sehr ungewöhnliche Abstammung. Als Sohn eines Leuchtturmwärters (Temuera Morrison) und einer atlantischen Königin (Nicole Kidman) war er stets zwischen zwei Welten hin und her gerissen. Und obwohl er sich als Held hin und wieder bewies und ebenso die Justice League ordentlich unterstützte, so will der dennoch von seinem königlichen Erbe nichts wissen. Doch schon…
    tba
    1
    Handlung
    70%
    Spannung
    75%
    Charaktere
    85%
    Action
    85%
    Visuelle Umsetzung
    90%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 20.12.2018
    Filmlänge: 143 Minuten
    FSK: 12
    Genre: , , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , , , ,
    Bildrechte: © Warner Bros

Gesamtbewertung:

Stark
81%

Mit 'Aquaman' gibt Regisseur James Wan einem unterschätzten DC-Helden endlich seinen verdienten Solo-Film. Hat DC nun endlich dazugelernt oder verschwindet 'Aquaman' in den Tiefen der Bedeutungslosigkeit? Mehr dazu in der Kritik.

Unter dem Meer, unter dem Meer...

Arthur Curry (Jason Momoa) hat eine sehr ungewöhnliche Abstammung. Als Sohn eines Leuchtturmwärters (Temuera Morrison) und einer atlantischen Königin (Nicole Kidman) war er stets zwischen zwei Welten hin und her gerissen. Und obwohl er sich als Held hin und wieder bewies und ebenso die Justice League ordentlich unterstützte, so will der dennoch von seinem königlichen Erbe nichts wissen. Doch schon bald wird es für ihn persönlich, denn sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) verabscheut die Oberflächenbewohner. Er will die sieben Unterwasserkönigreiche unter sich vereinen und einen Krieg gegen die Menschen starten. Schlussendlich ist Arthur gezwungen, auf den Ersuch von Prinzessin Mera (Amber Heard) zu reagieren, um Orm den Titel des Königs der Meere streitig zu machen und beiden Welten den Frieden zu bringen.

Doch davor steht eine legendäre Reise rund um die Welt an...

Arthur Curry (Jason Momoa) sitzt in einer Bar.

Arthur Curry (Jason Momoa) fühlt sich nicht wirklich königlich.

DCEU, oder doch nicht?

Die Geschichte des DC Extended Universe ist eine tragische. Vom plötzlichen Erfolg des Marvel Cinematic Universe überrascht, wollte DC unbedingt im Worldbuilding mitmischen. Doch statt das cinematische Universum schrittweise zu planen und auszubauen, handelte DC impulsiv und unbedacht. Für die Planung blieb nicht viel Zeit. Wie denn auch - Marvel war DC immer einen Schritt voraus. Die Folge war ein Haufen unausgereifter und unausgeglichener Helden, zusammen mit einer Reihe an frühzeitigen Crossovers, die nicht die nötige Vorbereitung bekamen. Spätestens nach dem unausgeglichenen Justice League steht das Schicksal um das DCEU in den Sternen.

Irgendwo in dieser verwurstelten Gleichung steckt Aquaman. Selbst ein solider Auftritt in Justice League konnte nicht davon hinwegtäuschen, dass es zu früh für ihn war: Er braucht eine ordentliche Einführung. Endlich, über ein Jahr später, erhält er das, was er als allererstes hätte erhalten sollen: Einen eigenen Film ohne erdrückende Düsternis. Und verdammt, DC hatte die Heiterkeit bitter nötig...

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Badass Aquaman?!

Über die letzten Jahrzehnte hinweg musste Aquaman viel Häme einstecken. Seine Fähigkeit mit Fischen zu sprechen machte ihn zum Ziel zahlreicher Witze und auch so galt er als lahmster unter den DC-Helden. Schon lange wollte man sein Image aufbessern. Hat man gerade deshalb den ehemaligen Khal Drogo-Darsteller aus Game of Thrones dafür angeheuert? Vielleicht. Was zählt ist jedoch, dass es funktioniert.

Bereits Justice League gab uns eine Andeutung, was wir erwarten können. Der muskelbepackte Meereskrieger verkörpert den gutmütigen Raubein perfekt. Momoa trägt die Geschichte mit einer erfrischenden Coolness und Leichtigkeit. Er ist offen, direkt, und bringt Witz in Situationen, in denen er unter normalen Umständen nicht funktionieren würde. Besonders unterhaltsam wird es, wenn Aquaman mit der sehr ernsten Mera unterwegs ist - die Dynamik zwischen den beiden ist köstlich.

Aquaman und Mera (Amber Heard) unter Wasser.

Um Aquaman zu helfen, begleitet ihn Mera (Amber Heard) bei der gefährlichen Reise.

Großes Fischbecken

Das Meer bietet Platz für zahlreiche interessante Geschöpfe, doch nicht alle erhalten die nötige Aufmerksamkeit. Dasselbe gilt für die Figuren. Einige Charaktere funktionieren, andere kommen einfach nicht genug zur Geltung. Ein gutes Beispiel ist Aquamans Mentor Vulko, gespielt von Willem Dafoe in einer erschreckend langweiligen Darbietung, der eine interessante Einführung bekommt, daraus jedoch später nicht viel macht. Von Patrick Wilsons markanter Performance als cholerischer Eroberer König Orm hätte ich auch gerne mehr gesehen.

Am drastischsten trifft es jedoch Black Manta (Yahya Abdul-Mateen II ). Der Pirat gibt Aquaman die Schuld am Tod seines Vaters und will diesen mit atlantischer Technologie vernichten. Tatsächlich ist Manta einer der einprägsamsten Charaktere des Filmes und sorgt für eine der besten Actionszenen des Films. Das Problem ist, dass er genauso schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist. Man wollte es mehr als deutlich machen, dass man sich ihn für ein Sequel aufheben wollte, dementsprechend kommt er in diesem Film viel zu kurz.

Grundsätzlich ist das Problem, dass man vom Leben in Atlantis zu wenig sieht. Zwar sieht man die Einwohner und die Könige anderer Königreiche, doch es hätte dem Weltenbau gut getan, wenn man bessere Einblicke in den Alltag der Meermenschen erhascht hätte. Es wirkt schon fast so, als sei Mera die eigentliche Protagonistin des Filmes, da sie mehr von der Oberfläche sieht, als Aquaman vom Meer.

Atlantis Forever!

Und das ist schade, denn Atlantis sieht einfach fantastisch aus! Regisseur James Wan nutzt das übernatürliche Setting zu seinem Vorteil aus, um mit bunten Lichteffekten zu hantieren um dadurch auch überzeichnete visuelle Eindrücke zu erschaffen. Im Gegensatz zu anderen Comicverfilmungen wie beispielsweise Black Panther, kann Aquaman seine geheime Welt mit fantastischen Elementen ausschmücken, ohne dass sie fehl am Platz wirken. Dafür nimmt sich der Film glücklicherweise nicht zu ernst - was vor allem für einen DC-Film ein wahrer Segen ist.

Doch der Film beschränkt sich nicht nur auf Atlantis. Denn neben den Parallelen zu Black Panther zitiert Aquaman auch weitere Motive. Mal wechselt Aquaman wie Thor in fremde Gefilde, mal reist er durch die Sahara auf der Suche nach magischen Funden und mal kämpft er gegen riesige Meeresungeheuer à la Pacific Rim. Der bunte Genre-Mix in Aquaman ist extrem. Das hat allerdings zur Folge, dass der Film vor allem in der Mitte recht unfokussiert und gelegentlich sogar chaotisch wirkt. Es braucht Zeit, bis Aquaman wieder auf den richtigen Zug springt. Fünfzehn Minuten weniger Laufzeit hätten gut getan.

EIne belebte Unterwasserstadt.

Atlantis sieht phänomenal aus, auch wenn man davon am Liebsten deutlich mehr gesehen hätte.

Die Kunst des Klischees

Wer die Kritik bis hierhin gelesen hat, denkt sich vermutlich: "Der Film ist doch das reinste Klischeefest!" Und ja, Aquaman bedient sich zahlreicher Klischees. Alleine schon die Geschichte des auserwählten Thronfolgers hat schon jeder mindestens zehn Mal gesehen. Für einige mag das vielleicht ein Kritikpunkt sein. Doch seien wir mal ehrlich: Mann kann die Geschichte um einen Wassermann, der mit Fischen spricht, nicht erzählen, ohne ins Absurde abzudriften. Und genau das tut der Film. Er schämt sich nicht wegen seiner Klischees, er akzeptiert sie und nutzt diese als Schutzschild. Bei all den künstlich düsteren Comic-Adaption ist das eine willkommene Abwechslung.

Das führt uns zu folgendem Fazit.

Fazit:

'Aquaman' badet in Klischees und fühlt sich wohl dabei

Nach der Zeit der Experimente und der Ungewissheit hat DC endlich seine Mitte gefunden, genehmigt die nötige Kreativität und akzeptiert die Freuden des Klischees. Und genau das ist Aquaman: Eine epische und kunterbunte Heldenreise mit einer sympathischen Besetzung und einem Setting, das die nötige Portion an Fantasy zulässt. Zwar hat man etwas zu viel Kreativität zugelassen, was den Film ein wenig unübersichtlich und unfokussiert wirken lässt. Zudem hätte man gerne mehr vom Leben unter Wasser gesehen. Dennoch (oder vielleicht auch deswegen) ist Aquaman ein actiongeladener Heidenspaß, der DC tatsächlich auf den richtigen Kurs bringen kann. Ob Extended Universe oder Stand-Alone-Filme, Aquaman bietet die Basis für beides. Mit Aquaman können Helden wieder Helden sein.

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