7.3/10

Kritik: Der schlimmste Mensch der Welt

SCHLIMMER GEHT’S IMMER

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Genres: Drama, Komödie, Romanze, Startdatum: 02.06.2022

Interessante Fakten für…

  • Der schlimmste Mensch der Welt ist der dritte Teil der Oslo-Trilogie von Regisseur Trier, nach Auf Anfang (2006) und Oslo, 31 (2011).
  • Regisseur Joachim Trier beschreibt seinen Film als „Rom Com für Leute, die keine Rom Coms mögen.“

Junge Leute, die vor lauter Möglichkeiten nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Und dann auch noch auf Norwegisch! Das klingt schrecklich. Wieso es aber unbedingt lohnt, erfahrt ihr in der Kritik.

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#KebabimKino #Arthaus #Cronenberg

Darum geht’s

Julie (Renate Reinsve) steckt mitten in der millenial endzwanziger Lebenskrise: sie studiert Medizin, damit die guten Noten in der Schule auch für irgendwas gut waren und treibt von Tag zu Tag. Doch plötzlich merkt sie, eigentlich will sie viel lieber Psychologie studieren und macht mit ihrem Freund Schluss. Achso, nein, doch lieber Fotografin werden. Die Beziehung ist aber aus. Jetzt ist sie sich aber sicher. Nein, überhaupt nicht. Sie lernt den über 15 Jahre älteren Aksel (Anders Danielsen Lie) kennen und ab dann wird es erst richtig turbulent…

Nichts und alles

Der schlimmste Mensch der Welt behandelt eigentlich gar nichts Besonders – und damit doch alles, was wichtig ist. Im Leben der meisten Europäischen Menschen Ende zwanzig gibt es eigentlich keine größeren Probleme. Nichts wirklich Existenzielles. Es sind die kleinen Unbedeutsamkeiten, die das Leben ausmachen und die Lebenskrisen entfachen.

Die einen attestieren der Millenial-Generation (und den Nachgeborenen) eine ganz besondere neue Art der Empfindsamkeit, die viel mehr im Reinen mit sich ist, die es zulässt, auf sich Acht zu geben und derartige Kleinigkeiten erst wahrzunehmen. Die anderen kritisieren das eher als Empfindlichkeit. Die Wahrheit liegt natürlich wie meist als grauer Bereich in der Mitte.

In jedem Fall trifft Der schlimmste Mensch der Welt einen von diversen Nägeln der Zeit. Es ist ein Sittenbild einer Generation, für die großen Erzählungen zerfallen und das nicht mehr anwendbar ist. Auf der einen Seite geht es auch nur um eine Liebesgeschichte – ganz alter Hut. Doch auf der anderen kann sie nicht mehr als großes Liebesepos erzählt werden.

Zu Beginn erklärt der Film, dass er in “zwölf Kapiteln, einem  Prolog und einem Epilog” eingeteilt ist. (Die Inhaltsangabe oben geht nicht über den Prolog hinaus.) Den großen Bogen, der alles zusammenhält, gibt es nicht mehr. Das Leben ist ein Flickenteppich aus Passagen und Eindrücken.

Spiel und Schau

Bereits in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet, trägt vor allem Renate Reinsve in der Hauptrolle den gesamten Film. Sie wandert von Kapitel zu Kapitel, von Szene zu Szene und schafft es, die verwöhnte Unbeschwertheit, die immer kurz vor der Lebenskrise steht, zu vermitteln.

Unterstrichen wird das Schauspiel von einer angenehmen spielerischen und kreativen visuellen Gestaltung. An vielen Stellen bricht der Film in seinen Bildern genauso aus wie seine Hauptfigur aus den zahmen Strukturen ihres Lebens. Dabei entstehen durchaus verspielte Augenblicke, die – rein von der optischen Virtuosität! – an z.B. Trainspotting (1996) erinnern. Doch wie auch die Probleme von Julie im Vergleich zu denen der Endzwanziger in Trainspotting wie in etlichen Spülgängen weichgespült wirken, so sind auch die visuellen Spiele nicht ganz so bahnbrechend.

Der größte Wermutstropfen des Films bleibt aber wohl sein Ende. Ohne etwas zu verraten, sei gesagt, dass Der schlimmste Mensch der Welt (a) deutlich kürzer hätte sein können für denselben Effekt; und (b) die Verweigerungshaltung gegenüber den großen Narrativen nicht ganz aufgeht und am Ende etwas fad in sich zusammenfällt.

Fazit

7.3/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 7.5/10
Schauspiel 8.5/10
Visuelle Umsetzung 8/10
Emotionen 6.5/10
Humor 6/10
Details:
Regisseur: Joachim Trier,
FSK: 12 Filmlänge: 121 Min.
Besetzung: Anders Danielsen Lie, Herbert Nordrum, Renate Reinsve,

Von vielen zum sofortigen Klassiker erklärt, hat Der schlimmste Mensch der Welt viel zu bieten. Gutes Schauspiel, eine anregende – wenn auch nicht revolutionäre – revolutionäre Handlung und einige gute visuelle Ideen. Ob er wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen wird, wird sich zeigen. Für den Moment gilt auf jeden Fall: unbedingt ins Kino und anschauen!

Artikel vom 3. Juni 2022

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