Kritik: Extinction

Klappe zu, Menschheit tot
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
  • Eine Gruppe Menschen versteckt sich vor einem Alien-Soldaten in Extinction auf Netflix
    © 2018 Netflix
  • Ach ja, die gute alte Alien-Invasion. Seit fast einem Jahrhundert zentrales Thema in Film und Literatur. Und obwohl selbst Regie-Ikone Roland Emmerich mit 'Independence Day: Wiederkehr' eine ordentliche Gurke abgeliefert hat, scheint das Sujet noch nicht ausgereizt. Werfen wir also nach 'How It Ends' einen Blick auf das nächste Endzeit-Spektakel aus dem Hause Netflix: 'Extinction'. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's Immer wieder wird Peter (Michael Peña) von bösen Albträumen geplagt: große Raumschiffe fallen über die Erde her und vernichten mit aller Urgewalt jegliches Lebewesen auf der Oberfläche. Seine Frau Alice (Lizzy Caplan) nimmt ihn nicht ernst und bittet ihn,…

    63%

    Mäßig

    Handlung
    70%
    Schauspiel
    65%
    Visuelle Umsetzung
    55%
    Tiefgang
    55%
    Action
    70%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 27.08.2018
    Filmlänge: 95 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , ,
    Bildrechte: © 2018 Netflix

Gesamtbewertung:

Mäßig
63%

Ach ja, die gute alte Alien-Invasion. Seit fast einem Jahrhundert zentrales Thema in Film und Literatur. Und obwohl selbst Regie-Ikone Roland Emmerich mit 'Independence Day: Wiederkehr' eine ordentliche Gurke abgeliefert hat, scheint das Sujet noch nicht ausgereizt. Werfen wir also nach 'How It Ends' einen Blick auf das nächste Endzeit-Spektakel aus dem Hause Netflix: 'Extinction'.

Darum geht's

Immer wieder wird Peter (Michael Peña) von bösen Albträumen geplagt: große Raumschiffe fallen über die Erde her und vernichten mit aller Urgewalt jegliches Lebewesen auf der Oberfläche. Seine Frau Alice (Lizzy Caplan) nimmt ihn nicht ernst und bittet ihn, sich endlich Hilfe zu besorgen. Denn nicht nur leidet ihre Ehe darunter, auch die Kinder Hannah (Amelia Crouch) und Lucy (Erica Tremblay) sind mit dem geistesabwesenden Vater nicht gerade happy. Doch es kommt, wie es kommen muss: eines Nachts werden die Visionen zur Realität...

Michael Pena als Peter versteckt sich zusammen mit  seiner Familie vor Aliens in Extinction

'Extinction' strengt sich visuell an, bleibt aber hinter Kinoqualität zurück.

B-Movie mit großen Ambitionen

Es ist Regisseur Ben Young anzumerken, dass er mit großen Träumen an das SciFi-Projekt herangetreten ist. Und zunächst macht das auch einiges her: das durchgestylte Setdesign, die unaufdringlich futuristischen Elemente, die bedrohlichen (obgleich bekannten) Visionen des Protagonisten – all das sieht zunächst stimmig und hochwertig aus.

Doch spätestens, wenn die Fetzen fliegen, machen sich die teils zu simplen Explosions- und Rauch-Effekte stark bemerkbar. Ein Trend, der zunehmend zu beobachten ist: für das Heimkino produzierte Spielfilme werden lange nicht so formvollendet produziert, wie das für die große Leinwand der Fall ist. Das ist hin und wieder noch zu verschmerzen, doch wenn im Schlussakt Animationen abgeliefert werden, die direkt aus Die Siedler III stammen könnten, dann wünscht man sich doch stark, dass aus der Not eine Tugend und nicht einfach halbgare Effekte gemacht werden würden.  Anders als etwa Auslöschung ist Extinction schlichtweg ein Sci-Fi B-Movie.

Werbung



Interessante, aber nicht tiefschürfende Storyline

Wenn es ein Genre gibt, das mit höchster Weitsicht und enorm kritischem Auge die Gesellschaft, technische Fortschritte, künstliche Intelligenz und grundsätzlich den kompletten Fortgang der menschlichen Rasse beackert, dann ist es die Science-Fiction. Sci-Fi-Urvater Isaac Asimov etwa formulierte bereits 1942 die Three Laws of Robotics, die mittlerweile fester Bestandteil in der Entwicklung künstlicher Intelligenzen sind (etwa beim selbstfahrenden Auto).

Seitdem haben Werke wie I, RobotMatrixEx Machina, Die Insel oder Westworld ihren Beitrag zur Unterhaltung und andauernden Debatte geleistet. Extinction möchte auch in dieser Liga spielen, doch auch, wenn der Film mit einem überraschenden Plot Twist aufwartet, werden die angerissenen Themen nie zu Ende erzählt. Stattdessen müssen wir uns mit Holocaust-Metaphern, kleinen kritischen Seitenhieben auf eine überängstliche Gesellschaft und einigen vagen Aussagen über das Fortbestehen der Menschheit begnügen. Das ist alles ganz nett, fügt dem Thema aber nichts Nennenswertes hinzu – und erinnert in seiner Gänze zu stark an Krieg der Welten.

Michael Pena in Extinction

Peter (Michael Peña) muss seine Liebsten vor Aliens beschützen, was sehr an Krieg der Welten erinnert.

Nette Action zum Zeitvertreib

Das schmale Budget versucht, alles aus den immer häufiger platzierten Actionszenen rauszuholen. Ein paar Spannungselemente, einige unerwartete Explosionen und eine Menge Zufall kaschieren recht gut, dass Extinction einfach kein bahnbrechendes Sci-Fi-Epos sein kann. Wenn Reihenweise Menschen totgeballert werden und Wohnungen mit Lasergewehren regelrecht durchsiebt werden, dann fetzt es im Heimkino schon ordentlich. Es fällt aber zunehmend auf, dass Einschusslöcher und dergleichen doch sehr offensichtlich aus dem Computer stammen – so bekommt Extinction den klassischen TV-Action-Look à la The Walking Dead. Wer mit der Einstellung rangeht, einen TV-Spielfilm zu sehen, wird mit Sicherheit weniger enttäuscht werden, als andere, die ein Sci-Fi-Gewitter erwarten.

Netflix' Apokalypse-Streifen unter der Lupe

In unserer Review-Reihe suchen wir den besten Netflix Original Apokalypse-Film:

Luke Cage kämpft gegen Außerirdische

Schauspielerisch bewegt sich Extinction im soliden Mittelfeld. Michael Peña kann deutlich mehr, das hat er uns zu Genüge bewiesen (z.B.: Ant-Man and the Wasp, World Trade Center, L.A. Crash). Sein Spiel als geplagter und gleichzeitig liebevoller Vater ist in Ordnung, jedoch lässt das Drehbuch nur wenig Charakterentwicklung zu. Lizzy Caplan (The Disaster Artist) bringt da schon etwas mehr Tiefe und Feingefühl in die Geschichte, auch wenn die Schauspielkunst insgesamt futuristischer Ballerei weichen muss. Als Überraschung hat Mike Colter (Luke Cage) einen kleinen, nicht unbedeutenden Auftritt, den er wie immer sympathisch absolviert. Doch auch ihm wird nicht wirklich Raum zur Entfaltung gegeben.

Fazit:

'Extinction' bietet pseudo-tiefe Unterhaltung für Zwischendurch

Wir haben es hier klar mit einem B-Movie zu tun, der niemandem weh tut. Die Story ist vernünftig, aber in ihren großen Ambitionen einfach nicht tiefgreifend genug, um wirklich nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Die Action ist mal fetzig, mal ertrinkt sie in dilettantischen Spezialeffekten. Der Cast macht seine Sache vernünftig, wenngleich niemand besonders hervorsticht. Die behandelten Themen sind durchaus relevant, bieten aber letztlich keinen besonderen Mehrwert für den Diskurs – ich könnte ewig so weitermachen. Man kann sich Extinction durchaus antun, man sollte aber mit seinen Erwartungen haushalten und nicht das ganz große Spektakel erwarten. Denn vor allem ist Extinction eins: ganz in Ordnung. Viel bedenklicher ist aber, wie inflationär Netflix Spielfilme produziert, die genau dieses Prädikat erhalten. Das kann und sollte nicht der Standard sein.

In der nächsten Kritik geht es um das letzte der drei neuen Netflix-Apokalypse Movies: Cargo. Vielleicht kann Netflix ja besser mit Zombiehorden umgehen...

NEUE ARTIKEL
Werbung
❯ Alle Artikel