8.8/10

Kritik: Narcos: Mexiko – Staffel 1

VIER MANN GEGEN DAS KARTELL

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Genres: Drama, Krimi, Thriller, Startdatum: 16.11.2018

Interessante Fakten für…

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Am Ende der dritten Staffel der Erfolgsserie ‚Narcos‘ schielte DEA-Agent Javier Peña bereits in Richtung Mexiko. Nun wird die Entstehung des ersten mexikanischen Drogenkartells von Grund auf erzählt. Ob die Schwester-Serie mit den überragenden Vorgängern mithalten kann, erfahrt ihr in unserer Bewertung und Kritik.

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From rags to riches

Er ist ein Visionär, ein Vordenker und risikobereiter Geschäftsmann: Félix Gallardo (Diego Luna, Rogue One: A Star Wars Story) möchte sich mit allen Mitteln aus der Engstirnigkeit seines Bosses in Sinaloa befreien und eigenständig das größte Drogen-Imperium Mexikos aufbauen. Hilfe bekommt er vom kritischen, aber loyalen Don Neto (Joaquín Cosio) und seinem überemotionalen Kindheitsfreund Rafael Quintero (Tenoch Huerta), mit denen er seinen kühnen Plan in die Tat umsetzt.

Auf der anderen Seite des Gesetzes steht Enrique „Kiki“ Camarena (Michael Peña, Ant-Man and the Wasp), der sich für einen Karriere-Boost nach Guadalajara versetzen lässt, um mit einem hoffnungslos im Stich gelassenen DEA-Team (nur drei weitere Agenten) die Drogenwelt Mexikos zu infiltrieren. Dank seines Scharfsinns und Ehrgeizes bekommt er schnell Wind vom aufkeimenden Mega-Kartell. Doch der Krieg gegen die Drogen fordert stets seine Opfer…

Eigentlich schon bekannt…

Geschichten über Gauner, die auszogen, um die Welt zu unterjochen, sind in Literatur und Film längst ein eigenes Genre. Martin Scorsese hat es mit Casino und Goodfellas vorgemacht, die Serienschöpfer von Narcos haben es meisterlich in die Serienlandschaft übertragen – und ja, auch die ersten gescheiterten Versuche wie El Chapo sind zu verzeichnen. Können Stoffe über Aufstieg und Fall eines Drogenbarons noch wirklich überzeugen?

Narcos: Mexiko – Staffel 1 liefert, wie so oft, augenscheinlich die selbe Prämisse. Ein Underdog schwingt sich durch Kalkül und Grips zum Patrón auf, schießt dabei allerlei Widersacher über den Haufen, kämpft mit logistischen Problemen, der Staatsgewalt und den machthungrigen Rückenstechern aus den eigenen Reihen – bis er eben selbst ins Kreuzfeuer gerät. Natürlich ist dieses sich wiederholende Storygeflecht keineswegs auf eine etwaige Ideenarmut des Autorenteams zurückzuführen – vielmehr scheint es in der Natur des Menschen zu liegen, die Geschichte zu wiederholen. Wie gehen die Showrunner nun aber mit einer solchen Zwickmühle um?

…doch immer noch frisch!

Entwarnung für alle Fans: das Erfolgskonzept funktioniert auch in Narcos: Mexiko – Staffel 1 blendend. Die Mischung zwischen dramaturgischen Spitzen, Actioneinlagen, Character-Building und stetig anziehender Spannung hat nichts von ihrer Wirkung verloren. Vor allem das immer wieder eingeschobene historische Videomaterial verfehlt seine Wirkung nicht: diese Geschichte ist real und genau deshalb so mitreißend. Leider wird dieser semi-dokumentarische Stil im Laufe der zehn Episoden deutlich zurückgefahren.

Die Autoren wissen genau, wie sie ihre Zuschauer bei der Stange halten. Dabei ist die ausführliche Einführung und Entwicklung der Protagonisten ebenso Fokus wie die immer wieder ausufernde Gewalt, die den Drogenkosmos umgarnt. Dazwischen gibt es etliche Wendungen, die bekannt anmuten (Bösewicht entkommt in der letzten Sekunde der Polizei) – aber auch einige böse Überraschungen, die an die Substanz gehen. Ja, die furchtbarsten Drehbücher schreibt eben doch das Leben selbst.

„I’m going to tell you a story. But I’ll be honest, it doesn’t have a happy ending. In fact, it doesn’t have an ending at all.“

Erzähler in Narcos: Mexiko

Parallelhandlung zu ‚Narcos – Staffel 1‘

Warum DEA-Agent Javier Peña trotz Anspielungen nicht in Narcos: Mexiko – Staffel 1 vorkommt, liegt daran, dass die Zeit hier wieder zurückgespult wurde. Der Aufbau des Guadalajara-Kartells geschieht zeitgleich mit den Machenschaften von Escobar & Co – was auch für ein paar Kurzauftritte sorgt, die Fans der ersten Staffeln zu Freudensprüngen animieren dürfte.

Das mexikanische Setting hat dabei allerdings nicht ganz den Charme, den die kolumbianischen Schauplätze noch versprühten. Authentisch wirkt es aber allemal, denn nicht nur der Cast, auch die Ausstattung ist so stark getroffen, wie die Piñata auf einer Quinceañera. Seien es die ausladenden Marihuana-Plantagen, das hektische Treiben der Großstadt oder die luxuriösen Villen der Drogenbande – im Detailreichtum der Serie kann man sich gut und gerne mal verlieren.

Wie immer: Hochspannung!

Narcos: Mexiko – Staffel 1 macht spannungstechnisch genau da weiter, wo die dritte Staffel aufgehört hat. Untermalt von einem überragenden (!) Score von Meisterkomponist Gustavo Santaolalla (Babel) geraten Infiltrierungsversuche (Stichwort: Marihuana-Plantage) und in aufwändigen Plansequenzen gefilmte Razzien zu schweißtreibenden Angelegenheiten für den Zuschauer. Gerade weil absolut nicht vorhersehbar ist, wie die Geschichte denn nun ausgeht (wir halten uns die Einführungssequenz im Gedächtnis), rutscht man mit jeder Folge etwas näher an die Kante der Couch. Und wenn mal die Fetzen fliegen, dann richtig. Die Serie hat sich noch nie um drastische Gewaltdarstellung gedrückt und so ist es auch diesmal: Narcos hat einfach cojones!

Starke Parallelen zwischen Pro- und Antagonist

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Es ist spannend mit anzusehen, wie die eigentlich grundverschiedenen Persönlichkeiten von einer ähnlichen Motivation getrieben werden. Kartellchef Félix Gallardo möchte sich und seinen Vorbildern beweisen, dass er es zu etwas bringen kann. Doch die erfahrene Ablehnung macht ihn ungenügsam – so will er nicht nur der größte Distributor von Marihuana werden, sondern auch von Kokain. Unter diesem Größenwahn leidet dabei vor allem seine Frau.

Agent Camarena steht augenscheinlich auch in einer intrinsischen Bringschuld. Immer wieder begibt er sich bewusst in hochgefährliche Situationen, um dem Drogenboss den Garaus zu machen. Doch zwischen den Zeilen wird deutlich, dass ein Großteil seiner Motivation darin begründet liegt, in der Geschichte bedeutsam zu sein. Der Haken bleibt derselbe: Wann ist es genug? Der dadurch aufkeimende Ehestreit erinnert nicht nur stark an seinen Widersacher, sondern auch an die Krise von Agent Murphy und seiner Frau Connie in den ersten beiden Staffeln. In Narcos: Mexiko – Staffel 1 treiben oftmals zutiefst menschliche Sehnsüchte die Story voran.

Ist Luna der neue Escobar?

Wir kommen nicht umhin: jeder neue Antagonist der Narcos-Reihe muss sich mit Wagner Moura messen. Diego Luna legt seinen smarten Drogenboss wahrheitsgetreu weniger emotional, dafür unglaublich gewieft an. Lange ist nicht klar, wann der Geschäftsmann mit großen Ambitionen anfängt, über Leichen zu gehen. Wenn es dann soweit ist, bemerkt man erst, was für ein schleichender Prozess das war. Luna macht sich die Figur zu eigen und spielt auch die zerbrechliche Seite voll aus – auch wenn der Charakter selbst nicht ganz so kantig ist, wie die Antagonisten in den Vorgängern.

Auf Gangsterseite sind es dann nämlich vor allem Joaguín Cosio und Tenoch Huerta, die ihre sorgsam ausgearbeiteten Figuren mit viel Leben füllen. Cosio überzeugt als Don Neto und als „Fels in der Brandung“, der kein Blatt vor den Mund nimmt. In den emotionalen Momenten haut Huerta dann richtig auf den Putz, was natürlich für die ganz großen Konflikte in Narcos: Mexiko – Staffel 1 sorgt. Dem Trio (und den auch sonst top besetzten Gaunern und Gaunerinnen) zuzusehen, macht Freude!

Michael Peña darf als ehrgeiziger DEA-Agent endlich mal wieder glänzen. Nach dem humorvollen Sidekick in Ant-Man and the Wasp und dem hoffnungslos unterfordernden Extinction zeigt der Vielspieler, was er auf dem Kasten hat. Peña füllt seine stark geschriebene Figur mit feinen Nuancen, gelegentlichem Witz und vor allem mit einer Dickköpfigkeit, die richtig aneckt. Dabei wechselt er mühelos zwischen einfühlsamen Momenten mit seiner Familie und richtigen Bad-Ass-Einlagen, als wäre es nichts. Zudem sorgt der bilinguale Schauspieler für die nötige Identifikationsfläche für den Zuschauer, der so einen einfacheren Zugang zur Story bekommt.

Fazit

8.8/10
Sehr gut
Community-Rating:
Handlung 8.5/10
Spannung 9/10
Schauspiel 8.5/10
Visuelle Umsetzung 8.5/10
Soundtrack 9.5/10
Details:
Showrunner: Carlo Bernard, Chris Brancato, Doug Miro,
FSK: 18 Episoden: 10
Besetzung: Alyssa Diaz, Diego Luna, Joaquín Cosio, Michael Peña, Scoot McNairy,

‚Narcos: Mexiko‘ – Staffel 1 überzeugt wie seine Vorgänger

Auch in neuem Schauplatz beweisen die Showrunner, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Narcos: Mexiko – Staffel 1 ist spannend, rasant, informativ und toll inszeniert. Obwohl die Entstehungsgeschichte des größten mexikanischen Kartells klare Parallelen zum kolumbianischen Pendant aufweist, bleibt sie eine packende Angelegenheit. Das liegt daran, dass die Drehbuchautoren die wahren Begebenheiten in ein dramaturgisch sehr durchdachtes Gewand legen und die tatsächliche Geschichte einfach schon unglaublich heftig ist. Michael Peña und Diego Luna spielen dabei wie der restliche Cast stark auf und liefern sich eine Hetzjagd, die immer wieder für Hochspannung sorgt. Starke Kameraarbeit und ein exzellenter Soundtrack sorgen für eine glaubhafte, authentische Atmosphäre. Wir können die bereits bestätigte zweite Staffel jetzt schon nicht erwarten!

Artikel vom 23. Dezember 2018

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