Kritik: Game Over, Man!

Lachflaute par excellence
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Adam Devine, Anders Holm und Blake Anderson vor einem brennenden Haus in Titelbild zu Kritik Game Over Man
  • In Hollywood sind Kreativkollektive wie 'The Lonely Island' oder Comedy-Buddies wie Seth Rogen und James Franco gern gesehen. Denn wenn sich Charakterköpfe mit ihrem ganz eigenen Humor an ausgefallenen Stoffen versuchen, dann hören die Studios längst die Kassen klingeln. Mit 'Game Over, Man!' versucht sich nun das Erfolgsteam von 'Workaholics' an einer zotigen Komödie. Ob diese mit der Konkurrenz mithalten kann, erfahrt ihr in unserer Bewertung und Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's: An Erfindergeist mangelt es den drei Freunden Alexxx (Adam Devine), Darren (Anders Holm) und Joel (Blake Anderson) sicher nicht. Für ihre höchst kreativen, teils abstrusen Geschäftsideen…

    26%

    Schlecht

    Handlung
    25%
    Schauspiel
    35%
    Humor
    20%
    Spannung
    15%
    Action
    35%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 23.03.2018
    Filmlänge: 101 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , ,
    Bildrechte: © 2018 Netflix

Gesamtbewertung:

Schlecht
26%

In Hollywood sind Kreativkollektive wie 'The Lonely Island' oder Comedy-Buddies wie Seth Rogen und James Franco gern gesehen. Denn wenn sich Charakterköpfe mit ihrem ganz eigenen Humor an ausgefallenen Stoffen versuchen, dann hören die Studios längst die Kassen klingeln. Mit 'Game Over, Man!' versucht sich nun das Erfolgsteam von 'Workaholics' an einer zotigen Komödie. Ob diese mit der Konkurrenz mithalten kann, erfahrt ihr in unserer Bewertung und Kritik.

Darum geht's:

An Erfindergeist mangelt es den drei Freunden Alexxx (Adam Devine), Darren (Anders Holm) und Joel (Blake Anderson) sicher nicht. Für ihre höchst kreativen, teils abstrusen Geschäftsideen haben sie bislang jedoch noch keinen Sponsor gefunden, weswegen sie sich in einem Hotel als Putzkräfte über Wasser halten müssen. Eines Tages taucht der Sohn eines reichen Arabers auf und die Kumpels wittern die Chance, ihm ihr neuestes Projekt zu pitchen.

Dumm nur, dass sich auch eine Gaunerbande für den Zaster des Scheichsprösslings interessiert. Anführer Conrad (Neal MacDonough) riegelt mit seiner Killer-Amazone Irma (Rhona Mitra) und einem Haufen bewaffneter Schergen das Hotel ab und nimmt die Gäste als Geiseln. Als Alexx, Darren und Joel davon Wind bekommen, schmieden sie den kühnen Plan, den Gangstern das Handwerk zu legen...

Netflix Originals am Tiefpunkt angelangt

Fast jede Woche werden wir mit einzigartigen, hochwertig produzierten und kreativ ausgeklügelten Netflix Serien beschenkt: House of Cards, Bojack Horseman und Stranger Things, um nur ein paar Schmuckstücke zu nennen. Das krasse Gegenteil findet bei den studioeigenen Spielfilmen statt. Während Beasts of No Nation oder die Indie-Perle The Meyerowitz Stories echte Geniestreiche sind, häuft sich mittlerweile der Fundus an belanglosen Streifen. Kein Mensch hat nach Blödeleien wie The Ridiculous Six oder halbgaren Kriegsfilmen wie Jadotville gefragt. Und doch scheint der ominöse Netflix-Algorithmus genau diese Werke regelrecht zu befeuern. Es ist fraglich, wann sich die passionierte Filmgemeinde endgültig verarscht vorkommt.

Leider ist nämlich Game Over, Man! der vorläufige Tiefpunkt der Netflix Originals. Natürlich hat die Stirb langsam-Prämisse und das eingespielte Comedy-Trio durchaus Potenzial, zumindest richtig gut zu unterhalten. Doch was hier aufgefahren wird, unterbietet alles bisher Dagewesene. Humor (kann man das noch so nennen?), der ganz vielleicht in den frühen 2000ern halbwegs funktioniert hätte; viel zu brutale Metzeleien, die weder den Lachern noch der Geschichte dienen, eine notdürftig zusammengeschusterte Handlung ohne nennenswerte Spannungselemente und schließlich eine Schauspieldynamik, die aller Hoffnung zum Trotz so gar nicht aufgeht.

Adam Devine, Anders Holm und Blake Anderson in weißen Fracks zu Kritik Game Over Man

Ein cooles Trio? Bis auf die Kleidung matcht hier aber gar nichts.

Wer lacht noch über Peniswitze?

Man kann im Laufe der öden 101 Minuten nur erahnen, was die Autoren mit ihrer Gewaltverherrlichung und überproportional (haha) eingesetzten Penis-Gags eigentlich bezwecken wollten. Klar, wer die Narrenfreiheit des Studios genießt, kann natürlich aus dem Vollen schöpfen. Doch Devine, Holm und Anderson scheint nicht bewusst zu sein, dass Blutfontänen und Phallussymbole nicht einfach wahllos platziert werden können, um für Lacher zu sorgen. Und provozierend sind sie schon gar nicht, immerhin leben wir in Zeiten von Game of Thrones.

Wenn Adam DeVine zu Beginn eine Actionszene komplett blank absolviert, ist das natürlich kurz überraschend. Wenn danach aber drei Mal darauf hingewiesen wird, dass alle seinen Penis sehen konnten, dann kann der Zuschauer nur noch müde mit der Stirn runzeln. Und wenn eine Figur mit ihrem abgetrennten (!) Gemächt für den Wendepunkt der Geschichte sorgt, wird das Stirnrunzeln zum Augenrollen.

Was dabei tragischerweise komplett ignoriert wird, ist die eigentliche Persiflage auf die Stirb Langsam-Reihe und ähnliche Actionthriller, die nun wirklich ordentlich Material bieten. Doch bis auf die Prämisse wollte man hier wohl eigene Akzente setzen. Nur sind Schwulenwitze und Nahaufnahmen von Penissen einfach lange nicht genug, um auch nur im Ansatz zu unterhalten. Humor geht anders. Setzen, sechs!

Die fehlende Chemie gibt den Rest

Humor funktioniert nicht zwangsläufig nur durch hoch frequentierte Aneinanderreihungen von absurden Begegnungen, sondern auch durch knackige, gut getimte Dialoge. Der Komödien-Gigant Hangover hat das 2009 zur Perfektion gebracht und auch die Darstellerriege um Seth Rogen ist sich dessen in ihren Filmen bewusst. Nun, ein eingespieltes Trio hätten wir schon mal. Doch können die drei Hauptdarsteller, die sich auch für die Produktion und das Drehbuch verantwortlich zeigen, diese Stärke nutzen?

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Die Antwort ist: leider nein! Auch wenn die Frotzeleien zwischen den Losern den energetischen Höhepunkt in Game Over, Man! liefern, unterliegt das Talent von Adam DeVine, Anders Holm und Blake Anderson der Belanglosigkeit der Dialoge. So schön es auch anzusehen ist, wenn sich drei Idioten verbal an die Gurgel gehen, so nichtssagend ist einfach der Inhalt. Und das fällt spätestens nach dem dritten erzwungenen Konflikt auf. Schade eigentlich, die Jungs können nämlich definitiv mehr als das.

Cameos zum Niederknien - und verzweifeln

Um die halbgare Geschichte zu würzen, wurde ein amtlicher Cast ins Rennen geworfen. Leider bekommt hier keiner die Möglichkeit geboten, wirklich zu überzeugen. Neal MacDonough (1922) ist ein generischer Bösewicht, Rhona Mitra (Doomsday) eine typische sexy Killerin und Daniel Stern ein schmieriger Hotelbesitzer, der zwar anständig funktioniert, vor allem aber durch Sterns Kultrolle in Kevin allein zu Haus für Jubel sorgen wird.

Tja, und dann wäre da noch eine inflationäre Menge an Cameos, die so unendlich viel Potenzial gehabt hätten, dass es fast weh tut mit anzusehen, wie nonchalant diese verheizt werden. Es wirkt mitunter so, als habe man einige vergessene Comedians Hollywoods verpflichtet, zumindest einmal durchs Bild zu huschen: Scrubs-Star Donald Faison bekommt immerhin noch ein wenig Screentime, während Steve-O und Chris Pontius (Jackass), Shaggy und Jillian Bell nur für einen raschen Gag platziert werden.

Die größte Frechheit ist jedoch der Auftritt von SNL-Legende Fred Armisen: er sitzt einfach mit den anderen Geiseln in einer Ecke und wird für ein paar Sekunden in den Fokus gerückt. Das war's. Kein Gag, kein Dialog, nichts. Armisen ist einfach nur da. Und das zeigt eigentlich ganz gut, wie undurchdacht Game Over, Man! geschrieben und inszeniert ist.

Fazit:

'Game Over, Man!' ist der Reinfall des Jahres

Es gibt nichts, was in Game Over, Man! überzeugt. Die halbgare Story dient bloß als Spielwiese für möglichst brutale, anzügliche und absurde Situationen, die jedoch allesamt nicht funktionieren. Das größte Manko ist der infantile Humor, der so unintelligent in das Drehbuch eingewoben wurde, dass er für maximal drei Lacher sorgt. Weder sind die Action-Sequenzen sonderlich amüsant inszeniert, noch haben die Dialoge genügend Pfeffer, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Fast alle Elemente, die für Überraschungen oder Provokationen eingesetzt werden, sind reiner Selbstzweck und dienen dem Film in keiner Weise. Die Schauspieler, allen voran das Trio DeVine, Holm und Anderson, unterliegen dem unausgereiften Drehbuch. Die Cameos werden ohne Sinn und Verstand verheizt und rauben Game Over, Man! auch noch die letzte Chance, den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Netflix, bitte verschone uns in Zukunft mit derartigen Produktionen. Keiner hat danach gefragt. Wirklich nicht!

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