7.3/10

Kritik: Black Adam

Der böse Shazam?

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Genres: Action, Comic, Fantasy, Startdatum: 20.10.2022

Interessante Fakten für…

  • Dwayne Johnson hat seine Fans einmal gefragt, welchen Charakter er spielen sollte: den Superhelden Shazam oder den Superschurken Black Adam. Seine Fans entschieden sich für Black Adam.

Dwayne ‚The Rock‘ Johnson als muskelbepackter Superschurke Black Adam. Klingt wie ein Superkombo für DC. Reicht es für ein comicreifes Actionspektakel oder braucht es doch mehr als nur den Rock, um den Film zu tragen?

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

2600 v. Chr.: Die antike Stadt Kahndaq wurde vom tyrannischen König Ahk-Ton regiert, dessen Einwohner er versklavt hat. Doch das Dasein als bloßer König reicht ihm nicht: Er strebt nach übernatürlicher Macht. Deshalb arbeitet er an der Herstellung einer magischen Krone, die ihm dämonische Kräfte verleihen soll und treibt dafür die Sklaven bis an ihr Äußeres. Doch eines Tages hat ein junger Sklave genug und er ruft zu einem Aufstand auf. Diese Demonstration von Mut und Willenskraft entgeht dem geheimen Konzil der Zauberer nicht und sie verleihen ihm als Auserwählten die Macht der Götter: SHAZAM! Mit dieser neu entfachten Kraft kommt das Regime zum Erliegen, doch auch vom Auserwählten wurde seitdem nichts mehr gesehen.

In der heutigen Zeit steht Kahndaq wieder unter einer Invasion, diesmal von Intergang, einer Gruppe internationaler Söldner. Als Antwort darauf reist die Archäologin Adrianna Tomaz (Sarah Shahi) in die Ruinen des Palastes, um die Krone vor den Invasoren zu finden. Doch sie wurde von Intergang verfolgt. Als sie in einem letzten Verzweiflungsakt die heilige Inschrift ausspricht, passiert etwas Unfassbares: Eine imponierende Gestalt erscheint und macht mit der Intergang kurzen Prozess. Es ist Teth-Adam (Dwayne Johnson), Träger der göttlichen Shazam-Kräfte, der sich nach 5000 Jahren Schlaf nun in einer ihm fremden Welt zurechtfinden muss.

Doch auch andere wurden auf sein plötzliches Erwachen aufmerksam: Die Regierungsbeamtin Amanda Waller (Viola Davis) sieht ihn als Gefahr und hat ein Superheldenteam auf ihn angesetzt: „Die Justice Society of America“.

Sag das Zauberwort: Dwayne „The Rock“ Johnson

Bereits 2019 hörten wir im DCEU das erste „SHAZAM!„. Damals kam es von Billy Batson, der zu einem heroischen Superhelden in einem leichtherzigeren DC-Ableger wurde. Doch mit Black Adam, der als Antagonist von Batson’s Shazam bekannt ist, sollte es ganz anders werden. Darum hatte man bereits 2014 niemand anderen als Dwayne „The Rock“ Johnson dafür angeheuert. Ein knallharter Actionschauspieler für eine knallharte Schurkenrolle? Passt doch wie angegossen.

Na gut: Schurke ist vielleicht etwas dick aufgetragen. Stattdessen fokussiert man sich hier auf Teth-Adam/Black Adam als Antihelden: Ein Mann mit göttlicher Macht, der sich in einer ihm fremden Welt zurecht finden muss. Zwar sieht er sich nicht als Held, dennoch hält es ihn nicht davon ab, die aktuellen Unterdrücker blitzartig aufzumischen. Und hier lässt sich in Ruhe sagen: Dwayne Johnson ist das Herzstück des Filmes. Wortkarg aber bestimmt, konfrontiert er seine Feinde mit ungezügelter Brutalität. Häufig bevorzugt er den pragmatischen Weg während Subtilität und Fingerspitzengefühl nicht seine Stärke sind. Dann fliegt er mal am helllichten Tag durch die Stadt, um die ihm gegoltene Statue zu betrachten. Was ist schon dabei?

Zwar ist diese Rolle nicht viel anders als die, für die The Rock bekannt ist, doch das hält ihn nicht davon ab, als Black Adam ordentlich die Sau rauszulassen. Er hat sogar mit Amon Tomaz (Bodhi Sabongui) seinen eigenen Fanboy.

Doch trotz des Filmnamens geht es im Film nicht nur um Black Adam…

Nobody expects the Justice Society of America

Von der offensichtlichen Monty Python Referenz mal abgesehen, wie viele haben tatsächlich mit der Justice Society of America gerechnet? Das Superheldenteam, das nicht bloß ein anderer Name für die Justice League ist, war offenbar die ganze Zeit da, es gab bis jetzt bloß keinen Grund zum Eingriff. Doch auch so wirken sie, als würden sie aus dem Nichts kommen. Wenn der Film am Anfang ausschließlich von Black Adam handelt und dann plötzlich die JSA einer nach dem anderen eingeführt wird, wirkt es etwas ablenkend.

Doch sehen wir uns fairerweise mal das Heldenteam genauer an: Der beste JSA Charakter ist hier eindeutig Pierce Brosman als Doctor Fate. Als feinsinniger und eloquenter Zauberer hebt er sich klar von seinen Teamkollegen hervor. Und auch wenn seine Magie nicht die psychedelischen Ausmaße eines Doctor Strange erreicht, so sind sie dennoch schön anzusehen.

Vor allem jedoch ist Doctor Fate das bedachtere Gegenstück zu Hawkman (Aldis Hodge), der in seiner schwarz-weiß-Moral festgefahren ist und daher für die meisten Konflikte mit Black Adam sorgt. Cyclon (Quintessa Swindell) und Atom Smasher (Noah Centineo) als die jüngeren Mitglieder des Teams können es leider nicht reißen. Da helfen auch weder komische Momente, noch erzwungene Expositionen…

Black Adam: Civil War

Wo die JSA richtig punktet, ist in ihrem Kontrast zu Black Adam. Sie sind die klassischen Oldschool-Superhelden, während Black Adam der brutale Antiheld ist. Interessant wird es, wie sich dieses etablierte Rollenverhältnis auf die aktuelle Situation in Kahndaq auswirkt: Die klassischen JSA-Helden, die Mord klar ablehnen und dabei auch Handlanger der Intergang retten, werden von den Bürgern als Eindringlinge angesehen. Black Adam hingegen, der sich seiner Feinde auf brutalste Weise entledigt, wird als Held von Kahndaq bejubelt. Diese Dynamik wird auch von Adrianna Tomaz aufgegriffen, die mittlerweile als Vermittlerin zwischen Black Adam und der JSA agiert: Klar ist Black Adams Brutalität ein Problem, doch wo war die JSA als das Land unterdrückt wurde?

Das sind interessante moralische Fragen, von denen man gerne mehr gesehen hätte. Doch dafür entwickelt sich die Handlung viel zu schnell. Nach einer übermäßig langen Exposition erwacht Adam und es geht sofort los. Tatsächlich ist es fraglich, ob überhaupt mehr als ein Tag vergangen ist. Hier hätte man sich stärker auf die Charakterentwicklungen von Black Adam und den Mitgliedern der JSA fokussieren können. Stattdessen wirkt es zu überstürzt und bestimmte Entscheidungen wirken nicht organisch. Doch der Gedanke ist auf jeden Fall da.

Die Krone des ewigen MacGuffins

Wir hatten Adamantium und Vibranium und jetzt gesellt sich auch noch Eternium als Comicbuch-Metall hinzu, dass zur Herstellung unzerstörbarer Artefakte genutzt wurde – in dem Fall zum Schmieden der Krone. Welche Krone? Na die, mit der alles angefangen hat. Doch euch sei verziehen, wenn ihr euch nicht mehr erinnert, denn die Krone ist selbst für Comicverhältnisse ein lächerlich schwaches MacGuffin. Immer wieder werden wir während des Filmes daran erinnert, dass es schlussendlich nicht um Black Adam geht, sondern um die Krone und den Oberschurken, den diese Krone beschwören soll. Und ganz im Geiste früherer Comicadaptionen ist der „wahre“ Antagonist des Films erschreckend unausgereift und uninteressant.

Tatsächlich hätte es dem Film deutlich besser getan, wenn man die Krone und den damit verbundenen Schurken ausgelassen hätten. Dadurch wäre die Handlung deutlich flüssiger verlaufen und wäre nicht auf eine zähe und überfüllte Exposition angewiesen. Man hätte den Hauptkonflikt auf Black Adam vs. die JSA auslegen können und es hätte der Thematik des Film keinen Dämpfer verpasst. Und wenn man unbedingt ein Feindbild braucht, gibt es immer noch Waller…

Türen sind optional

Doch kommen wir endlich zu dem Teil, auf den alle gewartet haben: Die Action. Denn an dem mangelt es dem Film garantiert nicht. Blitze werden abgefeuert, Häuserblocks werden zerstört und absolut niemand scheint mehr die Tür zu benutzen. Dabei ist es vor allem Dwayne Johnson, der richtig Spaß zu haben scheint. Und das zurecht, denn Black Adam weiß, wie ein Feuerwerk auszusehen hat. Dabei ist es interessant, wie er mit jedem Kampf mehr zu lernen scheint. Anfangs noch hält er Schusswaffen für schwache Magie. Dann lernt er wie Granaten funktionieren. Und später imitiert er den Westernfilm, den er kurz im Fernsehen gesehen hat. Hierbei mangelt es weder an Variation noch an einer guten Portion Comedy.

Kurz: Es macht einfach nur Spaß!

Fazit

7.3/10
Ordentlich
Community-Rating: (2 Votes)
Handlung 5.5/10
Humor 7/10
Charaktere 7.5/10
Action 8.5/10
Visuelle Umsetzung 8/10
Details:
Regisseur: Jaume Collet-Serra,
FSK: 12 Filmlänge: 125 Min.
Besetzung: Aldis Hodge, Bodhi Sabongui, Dwayne Johnson, Noah Centineo, Pierce Brosnan, Quintessa Swindell, Sarah Shahi,

Black Adam ist mit älteren Superheldenfilmen zu vergleichen: Viel CGI, überlange Show-don’t-Tell-Expositionen, schwacher Schurke usw. Und in diesem Fall macht Black Adam auch nichts anders. Es ist ein simpel gestrickter Superheldenfilm, dessen Tropes wir schon mehrmals gesehen haben.

Doch hier muss man kurioserweise sagen: Bei kaum einem Comicfilm ist man so willentlich bereit, über diese Makel hinwegzusehen, wie bei Black Adam. Dafür sind die meisten Charaktere zu sympathisch, die Action zu gewaltig und der Film macht einfach zu viel Spaß! Man merkt, dass die Produzenten hierbei vor allem Fans im Auge hatten. In dem Fall ist ihnen das sehr gut gelungen.

Wieso muss man das Rad neu erfinden, wenn dass aktuelle Rad einen an sein Ziel bringt? Und wenn das Rad auch noch von Dwayne „The Rock“ Johnson persönlich elektrisch angetrieben wird, was will man da noch mehr?

Artikel vom 29. Oktober 2022

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