7.2/10

Kritik: Harley Quinn: Birds of Prey

KOMISCHE VÖGEL

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Genres: Action, Comic, Komödie, Krimi, Startdatum: 07.02.2020

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Mit ‚Harley Quinn: Birds of Prey‘ versucht DC nochmal mit Margot Robbie die durchgeknallte Harlekin-Frau auf die Kinoleinwand zu bringen und das mit einer hochmotivierten Badass-Frauentruppe. Ist die Emanzipation geglückt oder sehen wir nur ein paar komische Vögel? Mehr in der Kritik.

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

Auch die verrückteste Beziehung muss irgendwann mal enden und so trennte sich die mehr als exzentrische Harley Quinn (Margot Robbie) von dem berüchtigten Clownprinzen des Verbrechens. Doch eine allzu große Gelegenheit, ihre neue Freiheit zu feiern hat sie nicht, denn nun möchte Ihr jeder an den Kragen, dem Sie unter Jokers Schutz in irgendeiner Weise schadete. Allen voran der sadistische Gangsterboss Roman Sionis aka Black Mask (Ewan McGregor) hat es auf ihr Leben abgesehen.

Harleys einzige Chance ist es, einen speziellen Diamanten für Sionis wiederzuerlangen. Dieser wurde von der Taschendiebin Cassandra Cain (Ella Jay Basco) gestohlen und verschluckt. Nun ist die ganze kriminelle Unterwelt hinter den beiden her. Komplexer machen die Situation noch die hartnäckige Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez), die knallharte Sängerin Dinah Lance aka Black Canary (Jurnee Smollett-Bell) und eine geheimnisvolle Vigilantin, nur bekannt als Huntress (Mary Elizabeth Winstead).
Da ist Chaos vorprogrammiert – genauso wie man es von einem Harley-Quinn-Film erwartet.

War da nicht was mit Suicide Squad?

Harley Quinn: Birds of Prey, oder Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn wie er ursprünglich hieß, überraschte zweifellos viele, denn der Film ist angelehnt an den mittelmäßig geglückten DCEU-Ableger Suicide Squad – ein DC-Film, welchen das DCEU offenbar selbst schnell vergessen wollte. Doch Harley Quinn ist ein viel zu beliebter Charakter um sie einfach zu ignorieren, sodass eine möglichst lose Verbindung zum drei Jahre alten Film aufgebaut wird, aber hoffentlich mit besseren Ergebnissen. Konstant verrückter Ton, eine fokussiertere Handlung, und vor allem: kein Leto-Joker mehr! Wobei letztes glasklar garantiert ist, so erweisen sich die anderen Punkte als deutlich komplizierter in der Umsetzung.

Harley (Margot Robbie) stellt fest – Neue Freiheiten bringen neue Probleme.

Harley Quinn (Margot Robbie) lehnt sich an einen Tisch

Von MCU zu Deadpool

Harley ist chaotisch, hat ein Hang zu überzogener Gewalt und kann einfach die freche Klappe nicht halten. Kommt das einem bekannt vor? In der Tat: Deadpool. Der Merc with a Mouth stand zweifellos Pate für diese Harley Quinn Interpretation. An sich ist das nicht schlimm, denn Harley passt klar in die Rolle der exzentrischen Närrin, die gerne mal das Voice Over übernimmt. Als eigenständiges Element kommen noch eigene stilisierte visuelle Elemente: So wird, immer wenn es jemand auf Harley abgesehen hat, der Grund eingeblendet, was sie demjenigen angetan hat. Witzig ist es allemal. Dennoch erreicht es nicht das Reynolds Deadpool-Niveau. Dafür mangelt es am nötigen Wortwitz, der an manchen Stellen in Banalitäten abdriftet, die man vielleicht in Stand-Ups erwartet hätte.

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Noch kritischer ist die Handlung. Bereits Deadpool kommentierte Rückblenden waren einer der wenigen Kritikpunkte, da diese die Handlung abbremsten. In Harley Quinns Fall ist dies noch überzogener. Oft wird man mitten aus einer gelungenen Action-Szene gerissen, weil Harley plötzlich erklären will, wie es dazu kam. Nicht nur verlangsamt es die Handlung, an einigen Stellen fragt man sich: Muss man das wirklich erklären? Und wenn Harley dann plötzlich auf die Ursprungsgeschichte der anderen Charaktere eingeht, vergisst man kurzzeitig, dass es um sie gehen sollte. Bei Deadpools Rückblenden ging es zumindest nur um Deadpool.

Birds of what now?

Das größte Problem des Filmes zeigt sich bereits im Filmtitel: Harley Quinn und Birds of Prey. Daraus folgt, es geht nicht nur um Harley. Stattdessen versucht man hier zwei Werke von DCs geistigem Eigentum in einen Film zu packen und Harleys Beliebtheit als Werbung zu nutzen. Anstatt sich einfach nur auf Harley zu fokussieren, was ganz im Sinne ihrer schrägen Persönlichkeit steht, möchte man noch unbedingt die Heldinnen von Birds of Prey hineinquetschen. So hat man zwar eine Heldentruppe, die sich jedoch kaum entfalten kann.

Auf dem Bild: Harley Quinn…und der Rest?

Harley QUinn und die Birds of Prey gehen einen Gang entlang

Und das ist schade, denn die Birds of Prey haben an sich eine interessante Prämisse, die mit etwas Mut einen eigenständigen Film hätte rechtfertigen können. Nehme man dafür z.B. Huntress die als kaltblütige Rächerin mit einer schrulligen Seite hervorragend die Protagonistin ihres eigenen Filmes hätte sein können. Und was passiert: Sie kommt in einer Rückblende vor und taucht dann erst spät wieder auf. Das alles macht die Handlung chaotisch – doch nicht auf die genießbare Weise.

Wer braucht tiefgründige Schurken?

Doch kommen wir vermehrt zu den guten Elementen. Unter diesen befindet sich ganz klar Roman Sionis aka Black Mask als Oberschurke. Der spuckt einfach auf den aktuellen Wunsch nach mehr tiefgründigen Anti-Schurken und präsentiert sich als ein eingebildetes, brutales und launenhaftes Mannkind, das jeden Moment seiner Schandtaten genießt. Er ist einer der wenigen Charaktere, die genug Screentime bekommen, um mehr von sich zu zeigen, einschließlich seiner Stimmungsschwankungen und seinem sehr bizarren Sinn für Ästhetik, die hervorragend seine gigantischen Komplexe veranschaulichen. Ganz nach dem Motto: Wenn schon böse, dann aber richtig und hab‘ Spaß dabei!

Toxische Männlichkeit zum Spaß haben: Roman Sionis aka Black Mask (Ewan McGregor).

Roman Sionis aka Black Mask (Ewan McGregor) schaut auf seine Maske

Handlager im Sonderverkauf

Wie der Schurke, so auch seine Armee. Dabei hat kaum ein anderer Comic-Film (oder Action-Film im generellen) nahegelegt, wie entbehrlich schurkische Handlanger tatsächlich sind. Harley Quinn: Birds of Prey bewirft uns mit einer überwältigenden Anzahl an protzigen Prügelknaben, seien es Sionis Männer, Kopfgeldmänner, oder andere rachegetriebene Charaktere. Immerhin sind sie eine hervorragende Vorlage für sehr unterhaltsame Action-Szenen, und an denen mangelt es im Film garantiert nicht.

Vor allem Harley zeichnet sich durch einige sehr kreative Stunts aus, die perfekt zu Ihrem Party-Thema passen. Es ist schon erstaunlich, wie viel man mit einem Baseballschläger und mit einer Konfetti-Kanone hinkriegen kann. Klar wird es auch mal blutig, doch eine Altersfreigabe für Erwachsene war auch nicht nötig.

Friede, Freude, Feminismus

Dass eine Gruppe Frauen eine Horde brutaler Männer niederprügelt kann in Anbetracht der aktuellen „Woke“-Atmosphäre als „billiges“ Beispiel feministischer Ermächtigung interpretiert werden. Das führte zu wütenden Kritiken, ähnlich wie bei Captain Marvel. Und ja: Die Tatsache, dass es fast keine positiven Männerrollen gibt, (nahezu) alle Schläger stereotypisch muskelbepackte Punks sind und der Oberschurke überzogen misogyne Eigenschaften zeigt, geschweige denn von einigen Aussagen hinter den Kulissen, ist schwer zu ignorieren. Glücklicherweise lässt sich sagen, dass sich diese „Implizierungen“ nicht auf die Hauptcharaktere auswirken, die sich weder moralisierend noch herablassend äußern. Verhaltensweisen, die mittlerweile nicht mehr selbstverständlich sind.

Daher lautet das „Woke“-Urteil: Vorhanden, hätte aber schlimmer sein können.

Fazit

7.2/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 6/10
Spannung 6.5/10
Charaktere 7.5/10
Action 8.5/10
Humor 7.5/10
Details:
Regisseur: Cathy Yan,
FSK: 16 Filmlänge: 110 Min.
Besetzung: Chris Messina, Ella Jay Basco, Ewan McGregor, Jurnee Smollett-Bell, Margot Robbie, Mary Elizabeth Winstead, Rosie Perez,

‚Harley Quinn: Birds of Prey‘ ist ein bunt zusammengewürfeltes Durcheinander

Harley Quinn: Birds of Prey hatte es aufgrund von hohen Erwartungen und fragwürdigen Studioentscheidungen schwer. Umso stärker ist hier zu betonen, dass der Film deutlich besser ist als sein Ruf: Es ist lustiges und unerhaltsames Action-Kino mit abgedrehten Anti-Helden, einem surrealen Großstadt-Flair und einem deutlich einheitlicherem Ton als in Suicide Squad. Was man dem Film vorwerfen kann, ist eine gewisse Feigheit des Studios. Man wollte auf Nummer sicher gehen und hat zwei Filme zusammengepackt, die auch eigenständig funktioniert hätten, ohne die Anzahl der Charaktere zu kürzen. So werden mehrere Ursprungsgeschichten parallel erzählt. Schlussendlich gilt: Chaotischer Spaß, doch Emanzipation sieht anders aus.

Artikel vom 5. April 2020

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