Kritik: Cash Truck

Blut, Rache und laute Schüsse
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Regisseur Guy Ritchie dreht wieder einen Film mit Jason Statham – den ersten seit 16 Jahren. Ein hartes Gangsterdrama in einer harten Männerwelt. Wieso das auch gelungen ist, obwohl es nach einem schrecklichen Klischee klingt, erfahrt ihr in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht's? Die Geldtransporterfirma Fortico wird von einer Bande schwerbewaffneter Ganoven beraubt. Es sterben zwei Sicherheitsleute und ein Zivilist. Das Verbrechen hallt als Schock nach. Fünf Monate später bewirbt sich Patrick “H” Hill (Jason Statham) um einen Job als Fahrer und Sicherheitsmann bei Fortico. Haiden "Bullet" Blaire (Holt McCallany), erfahrener Wachmann bei Fortico lernt den Neuen an und führt ihn ins Team ein. Die Belegschaft erzählt sich und “H” noch immer raunend vom Transporterraub. Ein paar sind ihm wohlgesinnt, doch andere bleiben skeptisch. Und tatsächlich hat “H” etwas zu verbergen... Werbung Nebensache Handlung Diese Inhaltsangabe ist sehr kurz und beschreibt auch nur etwa die ersten zehn Minuten des Films. Aber ich möchte nicht mehr verraten. Es ist am besten, sich Cash Truck ohne viel Vorwissen anzuschauen. Gar nicht, weil es große, spektakuläre Plottwists oder Enthüllungen gäbe. Ganz im Gegenteil. Cash Truck ist hier kein guter Titel: Das englischsprachige Original Wrath of Man, bedeutet soviel wie “Raserei des Menschen” und passt deutlich besser zur Handlung. Gar in unsere Liste schlecht übersetzter Filmtitel muss es jetzt nicht aufgenommen werden, aber dennoch ist die deutsche Übersetzung etwas blöde. Die Handlung, die Cash Truck erzählt, ist denkbar simpel: Irgendwas mit Rache und Gewalt. Etwas, das wir alle so oder so ähnlich bereits in mehrfacher Ausführung gesehen haben. Nein, es sind weniger große Enthüllungen, die einen ausrufen ließen “Das hätte ich ja nie kommen sehen!”. Vielmehr schafft der Film es, durch seine nicht chronologische Erzählweise, Gesehenes aus neuer Perspektive darzustellen und mit weiterer Bedeutung aufzuladen. Der Plot ist dabei nebensächlich. Es geht vielmehr um die affektive Geschichte, die der Film erzählt, als um die genauen Zusammenhänge und Verstrickungen altbekannter Thriller-Motive. Das Remake eines französischen Thrillers, betitelt Le Convoyeur (2004), ist modernes Genre-Kino, wie es sich gehört. Schwieriger Fall Es fällt mir dennoch schwer, Cash Truck zu bewerten. Sowohl eine sehr mittelmäßige als auch eine sehr positive Kritik wären gerechtfertigt. Ich habe mich nach anfänglichem Zögern für die positive Bewertung entschieden. Denn das, was der Film machen möchte, tut er sehr gut. Unironische, teilweise trockene, immer harte Action, eine simple und fokussierte Handlung in einer dunkel tristen, aggressiven und unfreundlichen Männerwelt. Das gelingt sehr gut. Es bleibt nur die Frage, ob das noch zeitgemäß ist. "Langeweile ist gefährlicher als Kugeln. Gib mir einen Feind, den ich sehen kann." Brad in Cash Truck. Unzeitgemäß ist dabei die Darstellung der Frau. Frauen spielen quasi überhaupt keine Rolle. Eigentlich sind sie reine Ausstattung, die ähnlich teuren Anzügen oder klimpernden Bierflaschen vor allem dazu dient, die männlichen Hauptfiguren als Gegenstände näher zu charakterisieren. Sie weinen, wenn die Männer hart bleiben, um deren emotionale Reaktion zu spiegeln und zu unterstreichen. Sie gucken vorwurfsvoll, wenn die Männer sich in die Küche verziehen, um unter Männern reden zu können. Sie werden aus der Ferne geliebt, sie sind Motivation für männliches Handeln. Das klingt erstmal abgedroschen und unzeitgemäß. Denn genau das ist es. Sein Geschlechterbild ist Cash Truck in jedem Fall vorzuhalten! Dass der Film dennoch funktioniert, muss dann aber als Leistung hervorgehoben werden und liegt vermutlich an der fehlenden Wertung, die der Film gerade nicht vornimmt. Cash Truck stellt nämlich die Welt als grundsätzlich moralisch ambivalent dar, in der weder alles geplant ist, noch irgendwer absolut gut noch absolut böse ist. Dunkle Bilder… Zwei weitere ganz entscheidende Faktoren für das Gelingen von Cash Truck sind sicher die visuelle Umsetzung und die Klangkulisse, die beide eine dichte und drückende Atmosphäre schaffen. Regisseur Guy Ritchie verliert sich ja gerne im Spiel mit filmischen Stilmitteln, was in den letzten zehn Jahren zu hauptsächlich schwachen bis nervigen Ergebnissen geführt hat. Cash Truck zeugt durchaus auch von viel visuellem Detailsinn. Schnitte und Kamerabewegungen sind genau überlegt und ebenso gearbeitet. Der wichtige Unterschied: sie sind nie selbstzweck. Nichts ist gefilmt, weil es einfach cool aussieht, sondern aus genauer Überlegung, wie Form und Inhalt zu korrespondieren haben. Die sehr beschränkte Farbpalette des Films – alles ist grau bis schwarz, sehr dunkel wenige Farben – harmoniert ebenfalls mit der bedrückenden und düsteren Welt, die dargestellt wird. Das ganze erinnert an vielen Stellen an die hardboiled Crime-Welten eines Michael Mann. Auch weil alles ähnlich zurückhaltend ist wie in Manns Filmen. Selbst der Auftritt von Post Malone, der sich wacker als Schauspieler schlägt, fügt sich ein (ganz anders als Cardi B in Fast & Furious 9 …) … dunkle Sounds Obendrauf kommt die Musik. Fast die ganze Zeit sind tiefe und zerrüttet wirkende Orchesterklänge zu hören, in die sich hier und da Klänge wie das Fauchen einer Großkatze oder Ähnliches zu mischen scheinen. Diese sind meist auch sehr laut. Zum einen, um mit den ebenfalls lauten Schüssen, die sich durch den Film ziehen, überhaupt mithalten zu können, zum anderen um das Publikum unter Druck zu setzen. Obwohl Cash Truck überhaupt nicht schnell erzählt ist, kommt man nicht zur Ruhe. Die Handlung mit ihren immer wieder aufplatzenden Gewaltblasen wirkt unausweichlich. Die Musik treibt dabei voran und lässt einen nicht zu Atem kommen und sorgt für Unruhe und Nervosität. Fazit: Endlich wieder ein guter Guy Ritchie! Eine düstere, brodelnde Handlung in einer knöchelharten und groben Machismo-Welt. Cash Truck schafft genau das, was er sich vornimmt. Eine reduzierte Thriller-Handlung um Rache und Gewalt mitreißend zu erzählen, dass einem der Atem stockt. Und weil wir schon bei solchen Floskeln sind, auch gleich so, wie es früher in der TV-Movie geheißen hätte: “ein packender Ganster-Thriller mit Transporter-Star Jason Statham. Knallharte Action, bei der man fast Gut und Böse aus dem Blick verliert.” Na dann! Klare Empfehlung.
    Kritik: Cash Truck
    Handlung
    70%
    Action
    75%
    Spannung
    80%
    Visuelle Umsetzung
    80%
    Charaktere
    65%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 29.07.2021
    Filmlänge: 119 Minuten
    FSK: 16
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    Bildrechte: Miramax
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Ordentlich
74%

Regisseur Guy Ritchie dreht wieder einen Film mit Jason Statham – den ersten seit 16 Jahren. Ein hartes Gangsterdrama in einer harten Männerwelt. Wieso das auch gelungen ist, obwohl es nach einem schrecklichen Klischee klingt, erfahrt ihr in der Kritik.

Worum geht's?

Die Geldtransporterfirma Fortico wird von einer Bande schwerbewaffneter Ganoven beraubt. Es sterben zwei Sicherheitsleute und ein Zivilist. Das Verbrechen hallt als Schock nach. Fünf Monate später bewirbt sich Patrick “H” Hill (Jason Statham) um einen Job als Fahrer und Sicherheitsmann bei Fortico. Haiden "Bullet" Blaire (Holt McCallany), erfahrener Wachmann bei Fortico lernt den Neuen an und führt ihn ins Team ein. Die Belegschaft erzählt sich und “H” noch immer raunend vom Transporterraub. Ein paar sind ihm wohlgesinnt, doch andere bleiben skeptisch. Und tatsächlich hat “H” etwas zu verbergen...

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Nebensache Handlung

Diese Inhaltsangabe ist sehr kurz und beschreibt auch nur etwa die ersten zehn Minuten des Films. Aber ich möchte nicht mehr verraten. Es ist am besten, sich Cash Truck ohne viel Vorwissen anzuschauen. Gar nicht, weil es große, spektakuläre Plottwists oder Enthüllungen gäbe. Ganz im Gegenteil.

Ausschnitt aus der Planung des großen Heist in Guy Ritchies Cash Truck (2021)

Viele klassische Handlungselemente kommen vor ersticken den Film aber nicht mit gezwungen cleveren Verwicklungen.

Cash Truck ist hier kein guter Titel: Das englischsprachige Original Wrath of Man, bedeutet soviel wie “Raserei des Menschen” und passt deutlich besser zur Handlung. Gar in unsere Liste schlecht übersetzter Filmtitel muss es jetzt nicht aufgenommen werden, aber dennoch ist die deutsche Übersetzung etwas blöde. Die Handlung, die Cash Truck erzählt, ist denkbar simpel: Irgendwas mit Rache und Gewalt. Etwas, das wir alle so oder so ähnlich bereits in mehrfacher Ausführung gesehen haben. Nein, es sind weniger große Enthüllungen, die einen ausrufen ließen “Das hätte ich ja nie kommen sehen!”. Vielmehr schafft der Film es, durch seine nicht chronologische Erzählweise, Gesehenes aus neuer Perspektive darzustellen und mit weiterer Bedeutung aufzuladen.

Der Plot ist dabei nebensächlich. Es geht vielmehr um die affektive Geschichte, die der Film erzählt, als um die genauen Zusammenhänge und Verstrickungen altbekannter Thriller-Motive. Das Remake eines französischen Thrillers, betitelt Le Convoyeur (2004), ist modernes Genre-Kino, wie es sich gehört.

Schwieriger Fall

Es fällt mir dennoch schwer, Cash Truck zu bewerten. Sowohl eine sehr mittelmäßige als auch eine sehr positive Kritik wären gerechtfertigt. Ich habe mich nach anfänglichem Zögern für die positive Bewertung entschieden. Denn das, was der Film machen möchte, tut er sehr gut. Unironische, teilweise trockene, immer harte Action, eine simple und fokussierte Handlung in einer dunkel tristen, aggressiven und unfreundlichen Männerwelt. Das gelingt sehr gut. Es bleibt nur die Frage, ob das noch zeitgemäß ist.

"Langeweile ist gefährlicher als Kugeln. Gib mir einen Feind, den ich sehen kann."

Brad in Cash Truck.

Unzeitgemäß ist dabei die Darstellung der Frau. Frauen spielen quasi überhaupt keine Rolle. Eigentlich sind sie reine Ausstattung, die ähnlich teuren Anzügen oder klimpernden Bierflaschen vor allem dazu dient, die männlichen Hauptfiguren als Gegenstände näher zu charakterisieren. Sie weinen, wenn die Männer hart bleiben, um deren emotionale Reaktion zu spiegeln und zu unterstreichen. Sie gucken vorwurfsvoll, wenn die Männer sich in die Küche verziehen, um unter Männern reden zu können. Sie werden aus der Ferne geliebt, sie sind Motivation für männliches Handeln.

Niamh Algar als Dana Curtis in Guy Ritchies Cash Truck (2021)

Wenn Frauenfiguren nicht nur Dekoration  sind, dann dienen sie hauptsächlich als Zweckmittel der Handlung.

Das klingt erstmal abgedroschen und unzeitgemäß. Denn genau das ist es. Sein Geschlechterbild ist Cash Truck in jedem Fall vorzuhalten! Dass der Film dennoch funktioniert, muss dann aber als Leistung hervorgehoben werden und liegt vermutlich an der fehlenden Wertung, die der Film gerade nicht vornimmt. Cash Truck stellt nämlich die Welt als grundsätzlich moralisch ambivalent dar, in der weder alles geplant ist, noch irgendwer absolut gut noch absolut böse ist.

Dunkle Bilder…

Zwei weitere ganz entscheidende Faktoren für das Gelingen von Cash Truck sind sicher die visuelle Umsetzung und die Klangkulisse, die beide eine dichte und drückende Atmosphäre schaffen. Regisseur Guy Ritchie verliert sich ja gerne im Spiel mit filmischen Stilmitteln, was in den letzten zehn Jahren zu hauptsächlich schwachen bis nervigen Ergebnissen geführt hat.

Transporter-Star Jason Statham als H in Guy Ritchies Cash Truck (2021)

Selbst die buntesten Sets wirken entsättigt, wie mit einem Grauschleier überzogen und trist.

Cash Truck zeugt durchaus auch von viel visuellem Detailsinn. Schnitte und Kamerabewegungen sind genau überlegt und ebenso gearbeitet. Der wichtige Unterschied: sie sind nie selbstzweck. Nichts ist gefilmt, weil es einfach cool aussieht, sondern aus genauer Überlegung, wie Form und Inhalt zu korrespondieren haben.

Die sehr beschränkte Farbpalette des Films – alles ist grau bis schwarz, sehr dunkel wenige Farben – harmoniert ebenfalls mit der bedrückenden und düsteren Welt, die dargestellt wird. Das ganze erinnert an vielen Stellen an die hardboiled Crime-Welten eines Michael Mann. Auch weil alles ähnlich zurückhaltend ist wie in Manns Filmen. Selbst der Auftritt von Post Malone, der sich wacker als Schauspieler schlägt, fügt sich ein (ganz anders als Cardi B in Fast & Furious 9 …)

… dunkle Sounds

Obendrauf kommt die Musik. Fast die ganze Zeit sind tiefe und zerrüttet wirkende Orchesterklänge zu hören, in die sich hier und da Klänge wie das Fauchen einer Großkatze oder Ähnliches zu mischen scheinen. Diese sind meist auch sehr laut. Zum einen, um mit den ebenfalls lauten Schüssen, die sich durch den Film ziehen, überhaupt mithalten zu können, zum anderen um das Publikum unter Druck zu setzen.

Post Malone in Guy Ritchies Cash Truck (2021)

Wieso Post Malone im Film auftaucht bleibt verwirrend, er macht aber durchaus eine akzeptable Figur als Schauspieler.

Obwohl Cash Truck überhaupt nicht schnell erzählt ist, kommt man nicht zur Ruhe. Die Handlung mit ihren immer wieder aufplatzenden Gewaltblasen wirkt unausweichlich. Die Musik treibt dabei voran und lässt einen nicht zu Atem kommen und sorgt für Unruhe und Nervosität.

Fazit:

Endlich wieder ein guter Guy Ritchie!

Eine düstere, brodelnde Handlung in einer knöchelharten und groben Machismo-Welt. Cash Truck schafft genau das, was er sich vornimmt. Eine reduzierte Thriller-Handlung um Rache und Gewalt mitreißend zu erzählen, dass einem der Atem stockt. Und weil wir schon bei solchen Floskeln sind, auch gleich so, wie es früher in der TV-Movie geheißen hätte: “ein packender Ganster-Thriller mit Transporter-Star Jason Statham. Knallharte Action, bei der man fast Gut und Böse aus dem Blick verliert.” Na dann! Klare Empfehlung.

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