Kritik: Operation: Overlord

Lasst die Nazi-Zombies los!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Poster zu Operation Overload
  • Machen wir uns nichts vor: wenn ein Film von untoten Nazi-Schergen handelt, dann schnappt man sich instinktiv ein Sixer Bier und ein paar Kumpels, um den hirnverbrannten Trash richtig zu zelebrieren. Auch beim neuesten Genre-Ausflug 'Operation: Overlord' denkt man erst einmal an B-Movie - nur, um mit aller Urgewalt eines besseren belehrt zu werden. Warum dieser Nazi-Schocker die große Überaschung 2018 ist, erfahrt ihr in unserer Bewertung und Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Update für unseren Geschichtsunterricht Frankreich, 1944. Es ist der Vorabend der großen Invasion der französischen Küste durch die Alliierten. Damit die Landungsboote auf möglichst wenig Widerstand stoßen…
    Kritik: Operation: Overlord tba
    1

    84%

    Stark

    Handlung
    75%
    Action
    85%
    Horror
    80%
    Sounddesign
    90%
    Visuelle Umsetzung
    90%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 08.11.2018
    Filmlänge: 109 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , ,
    Bildrechte: Paramount Pictures

Gesamtbewertung:

Stark
84%

Machen wir uns nichts vor: wenn ein Film von untoten Nazi-Schergen handelt, dann schnappt man sich instinktiv ein Sixer Bier und ein paar Kumpels, um den hirnverbrannten Trash richtig zu zelebrieren. Auch beim neuesten Genre-Ausflug 'Operation: Overlord' denkt man erst einmal an B-Movie - nur, um mit aller Urgewalt eines besseren belehrt zu werden. Warum dieser Nazi-Schocker die große Überaschung 2018 ist, erfahrt ihr in unserer Bewertung und Kritik.

Update für unseren Geschichtsunterricht

Frankreich, 1944. Es ist der Vorabend der großen Invasion der französischen Küste durch die Alliierten. Damit die Landungsboote auf möglichst wenig Widerstand stoßen und von den Lufttruppen unterstützt werden können, soll eine Fallschirm-Kompanie im Feindesland abspringen und einen Funkturm der Deutschen zerstören. Der knallharte Corporal Ford (Wyatt Russell, Black Mirror) versucht mit dem Rookie Boyce (Jovan Adepo) und einigen weiteren Soldaten, dieses Himmelfahrtskommando durchzuführen. Dabei stoßen sie jedoch auf Hauptsturmführer Wafner (Pilou Asbæk, Game of Thrones), der ausgerechnet unter dem Funkturm ein Labor für fürchterliche Experimente hat, um Super-Soldaten zu erschaffen...

Trash-Flick? Fehlanzeige!

Wenn der Filmtitel anfangs in prunkvollen Lettern auf die Kinoleinwand geworfen wird, riecht das schon gewaltig nach dem süß-modrigen Geruch von Trash. Und warum auch nicht? Was haben wir uns auch köstlich über Genre-Perlen wie Dead Snow oder dem irren Fake-Trailer Werewolf Women of the SS von Rob Zombie amüsiert. Nazis und Zombies in dieser Kombination sind zwar sicherlich keine Neuheit mehr, aber haben enorm viel Potenzial, richtig gut zu unterhalten.

Doch Regisseur Julius Avery verpasst dem Zuschauer in den ersten 20 Minuten eine derartige Klatsche, dass man kurz vergisst, dass es sich hier eigentlich um einen Nazi-Zombie-Film handelt. Der Absprung der Alliierten ist nämlich so packend, brachial und ausgeklügelt inszeniert, dass man sich sofort wie in einem Blockbuster-Kriegsfilm fühlt. Diese virtuose Exposition ist so stilsicher, dass die anfängliche Erwartung einer neuen Erkenntnis weichen muss: Moment mal... der Film nimmt sich ja ernst?

Jovan Adepo in einem Szenenbild für Kritik Operation Overlord

Im unterirdischen Labor entdeckt Boyce (Jovan Adepo), dass die Nazis an einer gefährlichen Wunderwaffe arbeiten...

Und genau das ist es, was Operation: Overlord so besonders macht. Keine selbstreferenziellen Seitenhiebe, kein billiger Look für den naheliegenden Trash-Faktor, nur dezent eingesetzter Humor und ein Erzählton, der von der ersten bis zur letzten Minute eiskalt durchgezogen wird. Hut ab, Herr Avery, so eine Nummer kann schon auch mal schiefgehen. Doch jeder Cent des - zumindest für dieses Nischenprodukt - üppigen Budgets von 38 Millionen Dollar ist optimal investiert, um genau diese Ernsthafigkeit aufzubauen. Das fällt sehr schnell auf, denn Operation: Overlord ist vor allem eins:

Handwerklich exzellent umgesetzt

Die Bilder, die Laurie Rose und Fabian Wagner abliefern, strotzen vor Atmosphäre, malerischer Schönheit und grauenerregendem Horror. Seien es die in den Bäumen hängenden Soldaten vor brennendem Hintergrund, das klassische 40er-Jahre Weltkriegs-Flair oder das düstere Labor der Nazis: jedes Bild sitzt! Dazu gesellt sich ein Sounddesign, welches in dieser Exzellenz wohl zuletzt bei Nolans Dunkirk vernehmbar war. Lange hat es sich nicht mehr so bombastisch angehört, wenn den Soldaten die Kugeln um die Ohren fliegen oder Knochen brechen.

Mindestens genau so beeindruckend ist das Zusammenspiel aus Maske, Prothesen und CGI. Zwar dauert es lange, bis wir die ersten Mutanten zu Gesicht bekommen, doch diese Momente haben es in sich. Die absolut ekelerregenden Kreaturen verfehlen ihr Ziel nicht und sehen dabei auch noch verdammt gut aus. Im derzeitigen CGI-Sumpf wirkt es zudem enorm erfrischend, wenn sich Filmemacher wie hier mal wieder an handgemachte Effekte wagen - ob nun Explosionen oder zerstückelte Untote.

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Mehr Krieg oder mehr Horror?

Viele Genrevertreter landen unabhängig von ihrer Exposition früher oder später in einer Splatter-Orgie, in denen dann fleißig Untote gemetzelt werden. Operation: Overlord erfindet zwar das Genre nicht neu, wagt aber einen willkommenen Spagat zwischen Horrorstreifen und Kriegsfilm, der eben nicht (nur) in einem reinen Blutbad endet. Die zwei Genres spielen sich nicht gegenseitig aus, sondern werden von Julius Avery gekonnt miteinander verwoben. In dem besetzten französischen Dorf flackert immer wieder das Unbehagen durch verstümmelte Dorfbewohner auf; in den Horror-Laboren der Deutschen arbeitet ein Mengele-Verschnitt eifrig an der Wunderwaffe, die dem Führer dienen soll. Erstaunlich, wie gut diese zwei Welten doch miteinander harmonieren.

"Ein tausendjähriges Reich verlangt nach tausendjährigen Soldaten!"

(Hauptsturmführer Wafner)

Als Zuschauer ist es jedoch wichtig zu wissen, dass es in Operation: Overlord primär nicht um die Ausrottung von zombieartigen Mutanten geht, sondern nach wie vor um die Zerstörung des Funkturms. Entsprechend sparsam werden die schaurigen Untoten auch zunächst eingesetzt. Das wird dem geneigten Horror-Fan womöglich sauer aufstoßen, auch, wenn der eine oder andere Jumpscare aufgefahren wird und die abartigen Experimente im Labor wirklich unter die Haut gehen. Doch genau diese Abwechslung ist die große Stärke: nach einer saftigen Zombie-Einlage folgt dann eben mal wieder ein Feuergefecht mit deutschen Soldaten. So bleibt der Film bis zum Ende insgesamt ausgeglichen und fokussiert sich weder zu sehr auf die Zombies, noch auf den Kriegsaspekt.

Ernste Kerle für einen ernsten Job

Doch von dieser Tatsache sollte man sich nicht abschrecken lassen: in Operation: Overlord geht es nicht zimperlich zu. Da werden Köpfe zerschlagen, Gesichter zerschossen und Knochen verdreht, dass man sich einmal mehr fragen muss, was bei den Herrschaften der FSK eigentlich falsch läuft. Dieser Film wäre eigentlich ohne Zweifel ein klarer Kandidat für das FSK:18-Siegel.

Frau mit einem Flammenwerfer in einem Tunnel in einem Szenenbild für Kritik Operation Overlord

Jetzt wird eingeheizt: wer gegen Nazi-Monster bestehen will, muss die großen Geschütze auffahren.

Zusammengehalten wird das brutale Treiben von einem weitestgehend unbekannten, aber stark aufspielenden Cast. Mit einer oft unglaublichen Ernsthaftigkeit werden die Szenen mühelos getragen - auch das ermöglicht dem Film wiederum, sich selbst ernst zu nehmen. Zudem schafft es Avery tatsächlich, aus den anfänglich generischen Figuren (der harte Kerl, das Weichei, der Jokester, der Idiot) einige plausible Entwicklungen herauszukitzeln. In den paar Stunden, in denen die Handlung spielt, passiert also wahnsinnig viel. Langatmig wird es dabei nie.

Fazit:

'Operation: Overlord' überrascht mit inszenatorischer Brillanz

Wer hätte gedacht, dass sich die Kombination aus Nazis und Zombies tatsächlich ernst nehmen kann -  und damit auch noch durchkommt? Operation: Overlord ist virtuos inszeniert und wartet mit einer handwerklichen Exzellenz auf, dass man sich als Zuschauer erst einmal darauf einlassen muss. Das Zusammenspiel aus großartigen Kameraeinstellungen, stimmiger CGI und herausragender Maske verpasst dem Film eine enorme Wertigkeit. Die eigentlich simple Story trägt aufgrund des überzeugenden Cast und der Tatsache, dass immer wieder geschickt zwischen Horror- und Kriegsfilm gewechselt wird. Das könnte Horror-Fans verärgern, macht Operation: Overlord aber zu einem ganz besonderen, ultrabrutalen Kinoerlebnis, das von der ersten bis zur letzten Sekunde blendend unterhält.

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