Kritik: Bright

Orc Lives matter!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Joel Edgerton als Ork und Will Smith als Polizisten auf einem Poster für Kritik Bright von Netflix
  • David Ayer hatte 2016 keinen leichten Stand bei den Fans. Seine filmische Umsetzung von 'Suicide Squad' krankte an immensen Story-Schwächen und überhasteter Charakterzeichnung. Im Netflix Original 'Bright' vereint er nun ähnliche Fantasy-Elemente mit seinem Lieblingsgenre des Polizeifilms. Ob Ayers Buddy-Movie überzeugt, erfahrt ihr in unserer Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's: LA, in einer alternativen Realität. Die Straßen der Metropole sind nicht nur von Menschen, sondern von allerhand Fabelwesen bevölkert: Orks besiedeln als Außenseiter die rauen Gegenden, Elfen halten sich längst im Verborgenen auf und die kleinen, schwirrenden Feen sind nichts weiter als lästige Insekten. Von Gleichheit der Erdbewohner…

    65%

    Ganz okay

    Handlung - 45%
    Schauspiel - 70%
    Action - 85%
    Visuelle Umsetzung - 80%
    Tiefgang - 45%

    'Bright' ist ein opulent umgesetzter Fantasy-Actionfilm. Leider verpasst er, der Rassismus-Debatte etwas Nachhaltiges hinzuzufügen. Schauspielerisch überzeugt neben Will Smith nur der herausragende Joel Edgerton. Der Rest bleibt belanglos.

    User Rating: 2.55 ( 1 votes)
  • Erscheinungsdatum: 22.12.2017
    Filmlänge: 117 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , ,
    Bildrechte: © Netflix (2017)

Gesamtbewertung:

Ganz okay
65%

David Ayer hatte 2016 keinen leichten Stand bei den Fans. Seine filmische Umsetzung von 'Suicide Squad' krankte an immensen Story-Schwächen und überhasteter Charakterzeichnung. Im Netflix Original 'Bright' vereint er nun ähnliche Fantasy-Elemente mit seinem Lieblingsgenre des Polizeifilms. Ob Ayers Buddy-Movie überzeugt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Darum geht's:

LA, in einer alternativen Realität. Die Straßen der Metropole sind nicht nur von Menschen, sondern von allerhand Fabelwesen bevölkert: Orks besiedeln als Außenseiter die rauen Gegenden, Elfen halten sich längst im Verborgenen auf und die kleinen, schwirrenden Feen sind nichts weiter als lästige Insekten. Von Gleichheit der Erdbewohner kann man längst nicht mehr sprechen.

Umso revolutionärer, als Nick Jacoby (Joel Edgerton) als erster Ork dem LAPD beitreten darf. Der Missmut unter den Kollegen ist deutlich spürbar, auch Jacobys neuer Partner Daryl Ward (Will Smith) ist nicht gerade begeistert, nun mit einem Ork auf Streife fahren zu müssen. Doch viel Zeit darüber nachzudenken, hat er nicht: denn eines Nachts fällt dem ungleichen Duo ein Zauberstab in die Hände. Dieser kann nur von so genannten "Brights" benutzt werden - und potenziell verheerenden Schaden anrichten. Schnell kommt die eiskalte Elfe Leilah (Noomi Rapace) den Cops auf die Spur, ebenso wie eine ganze Riege menschlicher und orkischer Gangster, die den Zauberstab für ihre Machenschaften missbrauchen möchten...

Joel Edgerton als Ork in Polizeiuniform mit einer Waffe in der Hand in einem Szenenbild für Kritik Bright von Netflix

Macht Platz für Ork-Cop (Joel Edgerton)! Doch irgendwie will keiner wirklich Platz machen...

Glaubhaftes Setting, halbes Potenzial

Schon die Einführung, in der zu eingängigen Beats kunstvolle Ork-Graffiti gezeigt werden ("Curse the Police"), stimmt hervorragend auf die gut durchdachte Fantasy-Welt ein. Mit einem großen Selbstverständnis kombiniert David Ayer Cop-Film, Außenseiter-Drama und Milieustudie, was sich durchgehend sehr stimmig anfühlt. Vor allem in den ersten 45 Minuten füllt er fast jede Szene mit liebevollen Details, die sehr lebendig wirken - etwa, wenn ein Ork im Hintergrund ein Auto hochhebt, weil der Ball seines Sprösslings darunter gerollt ist.

Leider ist davon gerade in der zweiten Filmhälfte nicht mehr viel zu sehen. Zwar werden hier fleißig Zaubersprüche umeinander geschossen, doch die wahre Magie der äußerst interessanten Filmwelt, geht flöten. Das liegt mit Sicherheit daran, dass die in den Mittelpunkt gestellten Elfen weder sonderlich in die Szenerie passen, noch genügend Unterbau haben, um wirklich zu interessieren. Und überhaupt wird in Bright irgendwann so viel geballert, dass man kaum Zeit hat, sich noch großartig mit der seichten Story oder der Glaubwürdigkeit des Gesehenen auseinander zu setzen.


Das gibt's außerdem auf Netflix: 

Ein halbgarer Kommentar zum Rassismus

So glaubhaft die Welt von Bright auch wirkt, so wenig subtil ist die Allegorie zum Rassismus in den USA. Anstatt schwarzer oder mexikanischer Thugs tummeln sich nun eben Orks in oversized Shirts und Goldkettchen in den heruntergekommenen Vierteln von Los Angeles. Gang-Konflikte, Machtspielchen, Shootouts - hier gibt es alles, nur halt im Ork-Gewand. Doch mehr als Stereotype werden hier nicht wirklich dargestellt.

Ein wenig weiter geht die Geschichte um Cop-Ork Jacoby. Als krasser Außenseiter wird er auf der Polizeiwache denunziert, veräppelt und bösartig beleidigt. Dabei hat das Ungetüm eigentlich ein gutes Herz und verdient diese Ablehnung nicht. Hier wird im Ansatz klar, was es bedeutet, nur aufgrund von Vorurteilen verachtet zu werden. Doch dieses Thema ist längst nichts Neues, die Autoren verpassen, der Rassismus-Debatte wirklich etwas hinzuzufügen und tischen bekannte Geschichten auf. Da ist auch Will Smiths trotzigste Line nur plakative Effekthascherei:

Fairy lives don't matter today!

Daryl Ward

Joel Edgerton brilliert trotz Gummimaske

Ähnlich wie schon in Suicide Squad tummeln sich allerhand Charaktere auf der Leinwand, ohne der Geschichte jedoch nachhaltig zu dienen. Viele Figuren tauchen auf, werden über den Haufen geballert und sind in der nächsten Szene schon wieder vergessen. Will Smith spielt gewohnt charismatisch und tough und hat als latent rassistischer Schwarzer zudem einen spannenden Spagat zu meistern, auch wenn darauf zu wenig eingegangen wird. Alle anderen Schauspieler (Noomi Rapace, Edgar Ramírez, Lucy Fry) bleiben blass und vollkommen austauschbar.

Die wirkliche Überraschung ist definitiv Joel Edgerton (Black Mass). Obwohl der präsente Australier hinter einer dicken Maske steckt, ist seine Mimik gut wahrnehmbar. Edgerton legt seinen gutherzigen Ork ein wenig schusselig, übermotiviert und sehr gewissenhaft an - und sorgt hierbei für die einzige Identifikationsfigur in Bright. Alle Sticheleien, alle Ungerechtigkeiten, alle Erniedrigungen gehen wirklich ans Herz, weil Nick Jacoby die Figur ist, um die sich der Zuschauer wirklich schert. Schade, dass sie die Einzige bleibt.

Tolle Schauwerte und knallharte Action

Joel Edgerton als Ork, Lucy Fry und Will Smith sitzen an einer Wand angelehnt in einem Szenenbild für Kritik Bright von Netflix

'Bright' versteckt nicht sein üppiges Budget: Der Film sieht verdammt schick aus.

Den Film komplett abzustrafen, nur weil das Potenzial der Filmwelt und der Kommentar zu #BlackLivesMatter nicht ausgeschöpft wird, wäre nicht richtig. Denn Bright bleibt trotz allem ein gut produzierter und brutaler Action-Thriller. So sehr David Ayers vergangene Werke auch unter wackliger Story litten (Fury war zwar opulent, aber lausig geschrieben) – er kann wuchtig inszenieren!

Die Kamera fängt stylisch wie eh und je das Setting von Bright ein, die nächtlichen Underground-Locations wirken ebenso beeindruckend wie das Ghetto bei Tag. Die Szenen werden mit einem satten Soundtrack versehen (Hochkaräter wie Machine Gun Kelly, A$AP Rocky und Snoop Dogg dürfen mitmischen), die Action ist aus einem Guss und das Makeup Department hat vor allem bei den zahlreichen Orks ganze Arbeit geleistet (noch ist der Film im Oscar-Rennen für "Best Makeup and Hairstyling"). Dafür lohnt es sich, Bright zumindest eine Chance zu geben – auch, wenn er unübersehbare Schwächen hat.

Fazit:

'Bright' liefert glaubhafte Action, aber leider wenig mehr

Wenn man bedenkt, was Bright alles hätte sein können, fällt das Ergebnis doch etwas ernüchternd aus. Keine Frage: die Filmwelt ist detailreich und glaubhaft, die Action erstklassig und die Ork-Riege macht eine Menge Spaß. Doch die vielversprechende Handlung geht in der zweiten Filmhälfte in belanglosem Kugelhagel unter, die Bösewichte interessieren nur wenig und sind zu beliebig. Auch verpassen es die Macher, den Film als zeitgemäßen Kommentar zur "Black Lives Matter"-Debatte anzulegen. Zu plakativ, zu plump sind die Aussagen, um irgendeinen Mehrwert zu haben. Wäre man etwas weniger prätentiös an die Sache herangegangen, wäre vielleicht ein unterhaltsamer Cop-Film in einer spannenden alternativen Realität herausgekommen. So hinterlässt Bright jedoch den faden Beigeschmack, dass hier einmal mehr eine Menge Potenzial auf der Strecke geblieben ist.

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