Kritik: Dark – Staffel 1

Netflix startet Revolution
Achtung: Spoiler!
Lesedauer: 4 Mins.
  • Jonas Kahnwald steht in einer gelben Regenjacke vor einer Höhle in Winden in Dark – Staffel 1
    © 2017 Netflix
  • Mit 'Dark' revolutioniert Netflix die deutsche TV-Landschaft. Ob es die Mystery-Serie von Baran bo Odar und Antje Friese auch mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann, erfährst du in unserer Kritik 'Dark'. Wenig Zeit? Zum Fazit! Du hast das Ende von 'Dark' nicht ganz verstanden? Hier erklären wir es dir.  Deutschland, ein Schauermärchen. Das denke ich, wenn ich mich heutzutage durch die deutsche Kino- und TV-Landschaft zappe. Realitätsferne Dialoge, einfallslose Handlungen und die immer gleichen Schweigers und Schweighöfers. Doch endlich ist Rettung da – und zwar ausgerechnet aus den USA: Der Streaming-Service Netflix hat den Mut und das Budget, das deutschen…
    tba
    1
    Handlung
    90%
    Spannung
    95%
    Schauspiel
    80%
    Visuelle Umsetzung
    90%
    Tiefgang
    100%

    'Dark' – Staffel 1 besticht durch eine ultra-komplexe Handlung, unerbittliche Spannung, einen frischen Cast und einen ästhetischen Look. Diese Serie bleibt einem noch lange im Gedächtnis.

    User Rating: 4.19 ( 7 votes)
  • Staffelstart: 01.12.2017
    Episoden: 10 in 1+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , , ,
    Showrunner: ,
    Besetzung: , , ,
    Bildrechte: © 2017 Netflix
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Gesamtbewertung:

Meisterwerk
91%

Mit 'Dark' revolutioniert Netflix die deutsche TV-Landschaft. Ob es die Mystery-Serie von Baran bo Odar und Antje Friese auch mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann, erfährst du in unserer Kritik 'Dark'.


Du hast das Ende von 'Dark' nicht ganz verstanden? Hier erklären wir es dir. 


Deutschland, ein Schauermärchen. Das denke ich, wenn ich mich heutzutage durch die deutsche Kino- und TV-Landschaft zappe. Realitätsferne Dialoge, einfallslose Handlungen und die immer gleichen Schweigers und Schweighöfers. Doch endlich ist Rettung da – und zwar ausgerechnet aus den USA: Der Streaming-Service Netflix hat den Mut und das Budget, das deutschen Produzenten fehlt. Mit Dark kommt nun die erste deutsche Netflix-Produktion auf den Markt. Die Entwicklungshilfe ist gut investiert: Was das deutsche Team von den Showrunnern Baran bo Odar und Antje Friese auf die Beine stellen, ist nicht weniger als eine Revolution.

Worum geht’s

Winden, 2019: Der kleine Mikkel (Daan Lennard Liebrenz) ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Den ermittelnden Polizisten Ulrich Nielsen (Oliver Masucci) und Charlotte Doppler (Karoline Eichhorn) fällt bald auf, dass es Parallelen zu vergangenen Vermisstenfällen gibt. Es scheint, als wiederhole sich, was vor 33 Jahre bereits geschehen ist. Als Jonas Kahnwald (Louis Hofmann) schließlich in einer Höhle unweit eines Kernkraftwerks eine mysteriöse Entdeckung macht, beginnt ein Kampf, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht unberührt lässt.

Mindfuck und Gänsehaut

Wer Dark für einen Krimi hält, wird schnell eines Besseren belehrt. Denn im Zentrum der Serie stehen Zeitreisen. Freilich sind Reisen durch die Zeit kein Novum in Film und Fernsehen. Was Regisseur Odar und Autorin Friese erschaffen, ist jedoch ein erfrischender Beitrag zur Thematik, der mit einer Fülle aus erstklassigen Mindfuck-Momenten und Gänsehaut-Szenen aufwarten kann.

Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei ein konsistentes Gedankenkonstrukt, das in Komplexität und Genialität an Werke von Christopher Nolan erinnert, aber dennoch eine eigene Handschrift trägt. Das funktioniert auch dank Baran bo Odars visuell geprägtem Stil, der komplexe Sachverhalte anschaulich in Szene setzt, wie zum Beispiel in Who Am I?.

Querverweise auf Kultur und Wissenschaft

Darüber hinaus profitiert das Setting von Querverweisen auf Kultur (Faden der Ariadne) und Wissenschaft (Triqueta). Diese Referenzen werden sorgsam in die Handlung eingeflochten, sodass Dark umso mächtiger in Bann schlägt. Vereinzelt verfällt die Serie dabei jedoch in eine gewisse Bedeutungsschwere, die gar nicht nötig gewesen wäre.

Ein weiterer Streitpunkt sind die offensichtlichen Parallelen zu anderen Filmen und Serien. Am offensichtlichsten sind dabei die Überschneidungen zur Netflix-Serie Stranger Things: Setting, Cast und Aufhänger beider Serien sind nahezu deckungsgleich. Wer genau hinschaut wird außerdem Einflüsse von Es, The Man in the High Castle, InterstellarBioshock Infinite und natürlich Zurück in die Zukunft finden.

Aber seien wir mal ehrlich: Wirklich störend sind diese Parallelen nicht, denn Dark interpretiert diese Aspekte so, dass etwas Neues daraus hervorgeht: Und das ist schlichtweg beeindruckend.

Auf internationalem Niveau

Dark – Staffel 1 überzeugt auf so hohem Niveau, dass sie den Vergleich mit internationalen Top-Serien nicht zu scheuen braucht. Das gilt insbesondere für die Ästhetik der Serie. Zum einen fesseln die bedachten Kamerafahrten, die ein besonderes Gespür für Stimmung der Szene und Emotionen der Charaktere haben. Zum anderen folgt das Production Design einem stilsicheren Farbkonzept, das von Gelb- und Bordeaux-Tönen dominiert wird, und dem hervorragenden Look von Fargo nahekommt.

Untermauert wird die visuelle Sprache durch einen erstklassigen Score, der mit schrillen, metallischen Akzenten und düsterem Wummern von der ersten bis zur letzten Szene für ein besonders schaurig-spannendes Feeling sorgt.


Noch mehr deutsche Filme und Serien: 


Es gibt noch deutsche Schauspieler

Bevor ich die Serie gesehen habe, hatte ich große Befürchtungen hinsichtlich des deutschen Casts. Keine Frage, es gibt großartige Schauspieler in Deutschland. Es scheint jedoch so, dass die Meisten von einem redundanten, quotengeilen System stumpf geworden sind.

Der Cast von Dark setzt sich anders als die erste deutsche Amazon-Serie You Are Wanted aus Darstellern zusammen, die noch nicht im Schweiger-Schweighöfer-M’Barek-Universum verheizt wurden. Besonders Oliver Masucci (Hitler aus Er ist wieder da) legt mit seiner vielschichtigen Darbietung des Polizisten Ulrich eine Leistung hin, die ihres Gleichen sucht. Und auch sonst ist erfreulich, dass nur wenige Darsteller in das typisch deutsche Schauspielern verfallen, das stets so schrecklich erzwungen wirkt.

Fazit:

'Dark – Staffel 1' ist ein Befreiungsschlag für deutsches Kino und TV

Dark – Staffel 1 ist nicht nur ein Befreiungsschlag für die deutsche Kino- und TV-Landschaft, sondern schneidet auch im internationalen Vergleich erstklassig ab. Das vielschichtige Setting, die spannende Handlung sowie die stimmungsvolle visuelle Umsetzung machen Dark zu einer der besten Netflix-Serien des Jahres. Lässt sich nur hoffen, dass sich deutsche Produzenten an Dark ein Vorbild nehmen, und nicht weitermachen wie bisher. Wer weiß, vielleicht dürfen wir uns ja in Zukunft auf noch mehr Genre-Produktionen aus Deutschland freuen. Dass Dark eine zweite Staffel bekommt, ist auf jeden Fall so gut wie sicher. 

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7 Kommentare zu diesem Artikel.
  • Yetikicker
    7 Dezember 2017 at 16:00
    Antworten

    Sorry, aber das in den Himmel zu loben kann ich nicht verstehen. Es fühlt sich an wie Tatort mit gestelzten und genuschelten Dialogen. Die Macher haben gesagt, dass sie nicht gerne Tatort schauen – aber genau ist dabei rausgekommen.
    Wenn ihr wirklich mal grandiose Darsteller in einer deutschen Serie erleben wollt, dann schaut Babylon Berlin – aber da diese Seite noch kein Wort darüber verloren hat, nehm ich euch auch nicht weiter ernst.

  • Keyvan Azh
    7 Dezember 2017 at 18:11
    Antworten

    Hallo Yetikicker,

    Da mein Kollege Nono heute nicht erreichbar ist, antworte erst einmal ich.

    Zugegeben: Die Dialoge sind (vor allem in den ersten Folgen) eine kleine Schwachstelle. Die Serie aber aufgrund gestelzter und genuschelter Dialoge mit Tatort zu vergleichen, ist auch nicht gerade ernst zu nehmen. Sollte Tatort einmal eine Folge mit Zeitreisen, Einstein-Rosenbrücken und Fantasy-Elementen produzieren, wäre ich sowas von an Bord!

    „Dark“ lebt nicht von seinen „grandiosen Darstellern“ (was wir so auch nie behaupten haben), sondern von der vertrackten Story, die für deutsches Fernsehen absolut ungewöhnlich ist. Das Storytelling wurde über die zehn Folgen stringent gemeistert und braucht sich vor Geschichten aus der Feder von Nolan und Co. nicht zu verstecken. Das sieht die internationale Presse übrigens ähnlich – zum Großteil.

    „Babylon Berlin“ steht auch auf der Liste. Diese beiden Serien haben allerdings, bis auf die deutsche Produktion, absolut keine Gemeinsamkeiten, weshalb man hier überhaupt nichts vergleichen muss.

    Das du uns nicht ernst nehmen kannst ist nicht so schlimm. Das verkraften wir. 🙂 Dennoch danke für deinen Kommentar.

    LG
    Keyvan

  • Anke
    7 Dezember 2017 at 23:06
    Antworten

    Ich finde die Serie super! Freue mich falls eine 2 Staffel kommt ! Den Vergleich mit Stranger Things etc. sehe ich nicht…nur weil ein Kind verschwindet und die Serie zeitweise in den 1980 spielt? Ich bin begeistert.
    Und doch ist der Ton schlecht. Mal zu leise,mal zu laut.
    Und auch kann ich nicht sagen das Deutschland schlechte Filme / Serien macht…in diesem Jahr fand ich Babylon Berlin und 4 Blocks auch mega genial!

  • jan
    17 Dezember 2017 at 22:42
    Antworten

    muss hier Yetikicker absolut zustimmen. Die Dialoge sind teils unterirdisch. Der Cast ist imho das positivste. Insgesammt eine Enttaeuschung, da hatte ich von den ‚who am i‘ Machern mehr erwartet.

  • Buzz T
    10 Januar 2018 at 10:00
    Antworten

    Tiefgang 100%? Sorry, aber das sehe ich nicht (weder in der Serie selbst noch in Euren Beiträgen dazu). Nur, weil ich Dutzende (z.T. existenzielle) Fragen aufwerfe, auf x Theorien oder was auch immer symbolisch Bezug nehme, ist das doch nicht als substanzielle Tiefe zu werten. Für mich ist DARK künstlich aufgeblasen und ziemlich pseudointellektuell. Es wird sich nicht mal auf ein klares Zeitkonzept festgelegt, was für mich ein totaler Dealbreaker ist. Und die Dialoge sind häufig wirklich hölzern, man stolpert dauern über diese typisch deutschen „Du als sein Therapeut solltest das doch wissen“-Zeilen. Nein, wirklich nicht Paradigmenwechsel, der grundsätzlich möglich gewesen wäre. Wenn man etwas weniger reingepackt hätte, sich dann aber mehr festgelegt hätte auf eine Story, die man zu einem Ende (oder einem echten Cliffhanger) erzählen möchte. So wirkt das alles wie ein zur TV-Serie gewordenes Bilderrätsel.

  • Stefan
    14 Januar 2018 at 21:38
    Antworten

    Die Serie zeigt unnötig brutalste Gewalt an einem Kind (Folge 8). Kann ich niemandem empfehlen.

  • Manuel
    22 Januar 2018 at 12:35
    Antworten

    Nun ja, für mich nur Mittelmaß kann den ganzen Hype nicht verstehen. Kommt absolut nicht an Stranger Things heran und kann auch nicht verstehen warum die Serie immer damit verglichen wird. Dann heißt es eine der Besten Serien bei Netflix naja. Bei mir ganz klare Nummer 1 Stranger Things 2 Van Helsing und dann kommen noch einige andere bevor ich Dark in Erwägung ziehen würde.
    Muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

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