Kritik: Dark – Staffel 1

Netflix startet Revolution

FSK 16

Spoilerfrei!

Jonas Kahnwald steht in einer gelben Regenjacke vor einer Höhle in Winden in Dark – Staffel 1

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.


Du hast das Ende von 'Dark' nicht ganz kapiert? Hier erklären wir es dir. 
Deutschland, ein Schauermärchen. Das denke ich, wenn ich mich heutzutage durch die deutsche Kino- und TV-Landschaft zappe. Realitätsferne Dialoge, einfallslose Handlungen und die immer gleichen Schweigers und Schweighöfers. Doch endlich ist Rettung da – und zwar ausgerechnet aus den USA: Der Streaming-Service Netflix hat den Mut und das Budget, das deutschen Produzenten fehlt. Mit Dark kommt nun die erste deutsche Netflix-Produktion auf den Markt. Die Entwicklungshilfe ist gut investiert: Was das deutsche Team von den Showrunnern Baran bo Odar und Antje Friese auf die Beine stellen, ist nicht weniger als eine Revolution.

Worum geht’s

Winden, 2019: Der kleine Mikkel (Daan Lennard Liebrenz) ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Den ermittelnden Polizisten Ulrich Nielsen (Oliver Masucci) und Charlotte Doppler (Karoline Eichhorn) fällt bald auf, dass es Parallelen zu vergangenen Vermisstenfällen gibt. Es scheint, als wiederhole sich, was vor 33 Jahre bereits geschehen ist. Als Jonas Kahnwald (Louis Hofmann) schließlich in einer Höhle unweit eines Kernkraftwerks eine mysteriöse Entdeckung macht, beginnt ein Kampf, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht unberührt lässt.

Mindfuck und Gänsehaut

Wer Dark für einen Krimi hält, wird schnell eines Besseren belehrt. Denn im Zentrum der Serie stehen Zeitreisen. Freilich sind Reisen durch die Zeit kein Novum in Film und Fernsehen. Was Regisseur Odar und Autorin Friese erschaffen, ist jedoch ein erfrischender Beitrag zur Thematik, der mit einer Fülle aus erstklassigen Mindfuck-Momenten und Gänsehaut-Szenen aufwarten kann.

Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei ein konsistentes Gedankenkonstrukt, das in Komplexität und Genialität an Werke von Christopher Nolan erinnert, aber dennoch eine eigene Handschrift trägt. Das funktioniert auch dank Baran bo Odars visuell geprägtem Stil, der komplexe Sachverhalte anschaulich in Szene setzt, wie zum Beispiel in Who Am I?.  

Querverweise auf Kultur und Wissenschaft

Darüber hinaus profitiert das Setting von Querverweisen auf Kultur (Faden der Ariadne) und Wissenschaft (Triqueta). Diese Referenzen werden sorgsam in die Handlung eingeflochten, sodass Dark umso mächtiger in Bann schlägt. Vereinzelt verfällt die Serie dabei jedoch in eine gewisse Bedeutungsschwere, die gar nicht nötig gewesen wäre.

Ein weiterer Streitpunkt sind die offensichtlichen Parallelen zu anderen Filmen und Serien. Am offensichtlichsten sind dabei die Überschneidungen zur Netflix-Serie Stranger Things: Setting, Cast und Aufhänger beider Serien sind nahezu deckungsgleich. Wer genau hinschaut wird außerdem Einflüsse von Es, The Man in the High Castle, InterstellarBioshock Infinite und natürlich Zurück in die Zukunft finden.

Aber seien wir mal ehrlich: Wirklich störend sind diese Parallelen nicht, denn Dark interpretiert diese Aspekte so, dass etwas Neues daraus hervorgeht: Und das ist schlichtweg beeindruckend.

Auf internationalem Niveau

Dark – Staffel 1 überzeugt auf so hohem Niveau, dass sie den Vergleich mit internationalen Top-Serien nicht zu scheuen braucht. Das gilt insbesondere für die Ästhetik der Serie. Zum einen fesseln die bedachten Kamerafahrten, die ein besonderes Gespür für Stimmung der Szene und Emotionen der Charaktere haben. Zum anderen folgt das Production Design einem stilsicheren Farbkonzept, das von Gelb- und Bordeaux-Tönen dominiert wird, und dem hervorragenden Look von Fargo nahekommt.

Untermauert wird die visuelle Sprache durch einen erstklassigen Score, der mit schrillen, metallischen Akzenten und düsterem Wummern von der ersten bis zur letzten Szene für ein besonders schaurig-spannendes Feeling sorgt.  


Noch mehr deutsche Filme und Serien: 

Es gibt noch deutsche Schauspieler

Bevor ich die Serie gesehen habe, hatte ich große Befürchtungen hinsichtlich des deutschen Casts. Keine Frage, es gibt großartige Schauspieler in Deutschland. Es scheint jedoch so, dass die Meisten von einem redundanten, quotengeilen System stumpf geworden sind.

Der Cast von Dark setzt sich anders als die erste deutsche Amazon-Serie You Are Wanted aus Darstellern zusammen, die noch nicht im Schweiger-Schweighöfer-M’Barek-Universum verheizt wurden. Besonders Oliver Masucci (Hitler aus Er ist wieder da) legt mit seiner vielschichtigen Darbietung des Polizisten Ulrich eine Leistung hin, die ihres Gleichen sucht. Und auch sonst ist erfreulich, dass nur wenige Darsteller in das typisch deutsche Schauspielern verfallen, das stets so schrecklich erzwungen wirkt.

'Dark – Staffel 1' ist ein Befreiungsschlag für deutsches Kino und TV

Dark – Staffel 1 ist nicht nur ein Befreiungsschlag für die deutsche Kino- und TV-Landschaft, sondern schneidet auch im internationalen Vergleich erstklassig ab. Das vielschichtige Setting, die spannende Handlung sowie die stimmungsvolle visuelle Umsetzung machen Dark zu einer der besten Netflix-Serien des Jahres. Lässt sich nur hoffen, dass sich deutsche Produzenten an Dark ein Vorbild nehmen, und nicht weitermachen wie bisher. Wer weiß, vielleicht dürfen wir uns ja in Zukunft auf noch mehr Genre-Produktionen aus Deutschland freuen. Dass Dark eine zweite Staffel bekommt, ist auf jeden Fall so gut wie sicher.

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3 thoughts on “Kritik: Dark – Staffel 1

  1. Ich finde die Serie super! Freue mich falls eine 2 Staffel kommt ! Den Vergleich mit Stranger Things etc. sehe ich nicht…nur weil ein Kind verschwindet und die Serie zeitweise in den 1980 spielt? Ich bin begeistert.
    Und doch ist der Ton schlecht. Mal zu leise,mal zu laut.
    Und auch kann ich nicht sagen das Deutschland schlechte Filme / Serien macht…in diesem Jahr fand ich Babylon Berlin und 4 Blocks auch mega genial!

  2. Sorry, aber das in den Himmel zu loben kann ich nicht verstehen. Es fühlt sich an wie Tatort mit gestelzten und genuschelten Dialogen. Die Macher haben gesagt, dass sie nicht gerne Tatort schauen – aber genau ist dabei rausgekommen.
    Wenn ihr wirklich mal grandiose Darsteller in einer deutschen Serie erleben wollt, dann schaut Babylon Berlin – aber da diese Seite noch kein Wort darüber verloren hat, nehm ich euch auch nicht weiter ernst.

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