8.9/10

Kritik: Planet der Affen: Survival

GANZ GROSSES AFFENTHEATER

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Genres: Drama, Science Fiction, Thriller, Startdatum: 03.08.2017

Interessante Fakten für…

  • In Planet der Affen: Prevolution (2011) konnte Caesar nur ein paar Worte sagen, vor allem „Nein!“ In Planet der Affen: Revolution (2014) hatte sich sein Wortschatz stark vergrößert und er war in der Lage, in fast vollständigen Sätzen mit Syntax und Grammatik zu sprechen, aber immer noch mit einem rauen Tonfall und einer rauen Kadenz in seiner Stimme. In diesem Film ist seine Sprache fast identisch mit dem, was ein Mensch produzieren kann, was auf seine Entwicklung zur Persönlichkeit hinweist.
  • Laut Matt Reeves war es Woody Harrelsons Idee, Caesar mit einer Aufzählung der militärischen Rivalen der Vergangenheit anzusprechen: „Wellington und Napoleon, Grant und Lee, Custer und Sitting Bull“, wobei er anmerkt, dass Caesar als Affe nicht wüsste, wovon er spricht.
  • Während der Werbung für Planet der Affen: Revolution (2014) wurde Andy Serkis gefragt, ob die Droge ALZ-113 auch auf Affen außerhalb von Caesars Stamm gewirkt habe. Matt Reeves und Mark Bomback nahmen dies zur Kenntnis, was zur Einführung des „Bad Ape“ in diesem Film führte.

Trilogien enden für gewöhnlich nie mit dem besten Teil. Die glorreiche Ausnahme ist ‚Der Herr der Ringe‘. Doch dieses Jahr beendet ‚Planet der Affen: Survival‘ ein weiteres, sehr starkes Film-Terzett, das tatsächlich mit jedem neuen Film besser und besser wurde. Dabei ist ‚Survival‘ gar kein typischer dritter Teil. Mehr dazu in der Kritik:

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#PotterUltra #SchwerMetaller #Storyteller

Darum geht’s

Kurze Text-Einblendungen zu Beginn des Films fassen die Ereignisse aus Prevolution und Revolution zusammen – mehr Exposition ist nicht nötig. Dann geht der Film sofort in die Vollen, ohne zu zögern.

Hauptaffe Caesar (Andy Serkis, „Gollum“ aus Der Herr der Ringe und Der Hobbit) will eigentlich nur Frieden. Doch die Menschen greifen ununterbrochen die Waldsiedlung an. Ihre Furcht vor dem endgültigen Aussterben war noch nie so groß. Nachdem ein Killer-Trupp Caesars Frau Cornelia (Judy Greer) und seinen Sohn „Blue Eyes“ (Max Lloyd-Jones) niederstreckt, wird die Sache persönlich. Caesar und seine vier besten Gefolgsleute begeben sich auf einen Rachefeldzug, während die restliche Affenkolonie auf Flucht ist.

Vorsicht: Falsche Erwartungen!

In nur wenigen Fällen ist der deutsche Filmtitel besser und passender als der Originaltitel. Während der Film im englischsprachigen Raum als War for the Planet of the Apes in den Kinos anläuft, entschied man sich in Deutschland für den weitaus treffenderen Titel Planet der Affen: Survival. Krieg und Schlachten spielen nämlich kaum eine Rolle.

Stattdessen geht es im dritten und finalen Film der Reihe tatsächlich vielmehr ums Überleben. Sowohl Affen, als auch Menschen wollen die Zukunft ihrer Spezies sichern. Survival ist somit ein sehr düsterer, schwerer und langsamer Film. Action-Szenen gibt es kaum. Wer fette Materialschlachten sehen will, sollte sich lieber für Transformers 5 entscheiden.

Das Drama trommelt auf seiner geschwellten Brust

Die Prequel-Trilogie der klassischen Planet der Affen-Filme nahm sich schon mit den Vorgängern todernst. Aber wer kann, der kann! Geschichte, Charaktere und Dialoge sind voller Pathos, werden aber niemals pathetisch. Grund dafür ist die meisterhafte und absolut stilsichere Regie von Matt Reeves, die keine Peinlichkeiten zulässt.

Ein episches Drama mit sprechenden Affen ist doch eigentlich zum Scheitern verurteilt. Doch stattdessen begibt sich Survival in derart düstere Gefilde, die schon beinahe an ein Holocaust-Drama erinnern. Wortwörtlich.

Die beklemmende Stimmung wird immer wieder durch Momente der Hoffnung gebrochen. Das Resultat sind Gänsehaut-Szenen im Minuten-Takt. Die Geschichte um Caesar mündet schon beinahe in einen Helden-Mythos. Der absolut umwerfende Soundtrack von Michael Giacchino reizt zudem noch das letzte Bisschen Dramatik aus der Geschichte. Ihr fandet Prevolution und Revolution schon episch? Survival gibt euch den Rest.

Die Affen werden von Film zu Film menschlicher.

Caesar und Cornelia in Planet der Affen Survival

Moment… „Holocaust-Drama“?

Ja, richtig gelesen. Ab der zweiten Hälfte wird ein Arbeitslager für Affen zum Hauptsetting des Films. Die Parallelen sind unübersehbar. Für Einige dürfte diese Symbolik etwas zu viel für ein Science-Fiction-Setting sein, wobei man schon beinahe nicht mehr von einer „Symbolik“ sprechen kann: Das Lager für Affen ist ein nachgeahmtes Konzentrationslager. Das kann man geschmacklos finden. Allerdings sollte man Matt Reeves‘ Mut, eine solche Thematik in einem „Popcorn-Blockbuster“ aufzugreifen, würdigen.

Durch die wenigen Wechsel der Settings wirkt der Film extrem fokussiert, aber auch „kleiner“ als man nach den Trailern vielleicht angenommen hätte. Hier spielt die Erwartungshaltung wieder eine Rolle.

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Woody Harrelson als überzeugende Fehlbesetzung

Der smarte Woody ist schon beinahe ein Schubladen-Schauspieler. Es bestanden also berechtigte Zweifel, ob er einen überzeugenden Bösewicht verkörpern kann, ohne müde belächelt zu werden. Dabei hat er in Tribute von Panem und True Detective schon bewiesen, dass er auch ernstere Rollen spielen kann. Nun soll Harrelson den brutalen Colonel verkörpern, der am liebsten alle Affen systematisch ausrotten würde. Nur Affen?

Tatsächlich wird Woody Harrelson in Survival nur vom Skript eingeschränkt, das ihn nie wirklich brutal sein lässt. An seinem fiesen Schauspiel gibt’s allerdings nichts zu meckern. Letztendlich stehlen ihm trotzdem die Affen die Show.

The Colonel (Woody Harrelson) versklavt Affen und lässt sie in Lagern arbeiten.

The Colonel (Woody Harrelson) in Planet der Affen Survival

Andy „Alleskönner“ Serkis

Die Academy traut sich einfach nicht, diesem Mann endlich seinen hochverdienten Oscar zu geben. Den alten Damen und Herren graust es bei der Vorstellung, das erhabene Gesicht eines Schauspielers durch Computereffekte bis zur Unkenntlichkeit zu manipulieren. Dieses wortwörtliche Affentheater sei zwar ganz nett und plakative Lobaussprüche ringt man sich mittlerweile auch ab – aber Mr. Serkis Talent muss nun endlich offiziell geehrt werden, wenigstens mit einer Oscar-Nominierung!

Er verkörpert den Affenanführer Caesar mit solch ehrfürchtiger Authentizität, dass am Ende des Films eigentlich ein Disclaimer mit den Worten „In diesem Film wurden keine Affen misshandelt.“ stehen müsste. Die Visual Effects sind endgültig unsichtbar geworden.

Affen… gemeinsam… stark.

Auch die anderen Affen-Imitatoren wie Karin Konoval als Orang-Utan Maurice, Terry Notary als Schimpanse „Rocket“ und Aleks Paunovic als Albino-Affe „Winter“ mimen und gebärden was das Zeug hält. Gesprochen wird kaum. Das stumme Menschen-Mädchen Nova (Amiah Miller), das von den Affen beschützt wird, ist der perfekte Gegenpart zu den (vermeintlich) groben Affen. Darüber hinaus ist ihr Charakter für Fans der Originalfilme ein großer Aha-Effekt. Selbst dem altbekannten Koba (Toby Kebell) werden ein paar kurze Szenen geschenkt.

Der plappernde Neuzugang „Bad Ape“ (Steve Zahn) wirkt da zunächst wie ein affiger Jar Jar Binks, beweist sich aber später als wichtiger Sidekick für das trostlose Setting.

Caesar und Maurice verstehen sich mit der kleinen Nova (Amiah Miller) auf Anhieb.

Caesar (Andy Serkis), Mauricee (Karin Konoval) undNova (Amiah Miller)

Das Finale

Planet der Affen: Survival geht nicht den einfachen Weg. Ein letzter Kampf, Affen gegen Menschen, und fertig? Nein. Regisseur Matt Reeves und Autor Mark Bomback suchen eine vertracktere Lösung für den Konflikt. Sie ist raffiniert und schon beinahe kathartisch, wird aber einige Blockbuster-Fans vor den Kopf stoßen. Action gibt’s zwar. Aber nicht in dem Ausmaß, das wir vermutlich für einen finalen Film erwarten würden. (siehe „Vorsicht: Falsche Erwartungen!“)

Die letzten Sekunden jagen dem Cineasten ein wohliges Kribbeln durch den Körper und Freudentränen in die Augen. Die Musik, die Bilder, die Emotionen: Perfekt.

Fazit

8.9/10
Sehr gut
Community-Rating: (2 Votes)
Handlung 8/10
Spannung 9/10
Emotionen 8.5/10
Visuelle Umsetzung 10/10
Charaktere 9/10
Details:

So sieht innovatives Blockbuster-Kino aus! Survival überrascht mit einer vollkommen unerwarteten Herangehensweise an die Geschichte und funktioniert dennoch prächtig als (vorläufiges) Finale einer großartigen Trilogie. Andy Serkis und Co. zeigen erneut, was für Wunder mit Performance Capture heutzutage möglich sind, ohne daraus einen Technik-Show-Off zu machen. Die großen Emotionen und einzigartigen Charaktere sind immer noch das Herz des Films. Glückwunsch, 20th Century Fox, für eine Film-Trilogie ohne Qualitätseinbruch!

Artikel vom 12. Juli 2017

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