Kritik: Vikings – Staffel 5 (Teil 1)

Ein verdammt starker Neuanfang

FSK 16

Achtung: Spoiler!

Titelbild für Kritik Vikings Staffel 5 mit den kämpfenden Hauptcharakteren, einem goldenen V und der Headline "Who will rise?"

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.


Kritik: Folge 1 'Der Fischerkönig' 

Original-Titel: The Departed, Part 1
Erscheinungsdatum: 29.11.2017

Jonathan Rhys Meyers als Bischof Heahmund mit einem Schwert in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1
Bischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers) scheint ein wichtiger, neuer Charakter der Serie zu sein. Kann er überzeugen?

Ivar (Alex Høgh Andersen) hat seinen eigenen Bruder Sigurd getötet. Dennoch kann Ubbe (Jordan Patrick Smith) nicht auf seinen fiesen, kleinen Bruder verzichten, da er sich als raffinierter Kriegstaktiker erweist. Während die Söhne Ragnars versuchen, mit dieser Situation umzugehen, reist König Harald () zurück nach Kattegat, um Königin Lagertha (Katheryn Winnick) vom Thron zu stoßen. Floki (Gustaf Skarsgård) hat hingegen keine Lust mehr auf Krieg und Verrat, weshalb er sich auf eine einsame Seereise ohne Ziel begibt. 

Nach der klimatischen zweiten Hälfte der vierten Staffel, konnte man sich ruhig fragen, ob Vikings nun seinen Zenit erreicht hat. Die zwei interessantesten Charaktere der Serie, Ragnar und König Ecbert (Linus Roache), sind beide tot. Dafür haben nun die vier Söhne Ragnars das Führungszepter übernommen. Bereits in der ersten Folge wird klar: Sie sind fantastische, neue Hauptcharaktere und geben Vikings eine ganz neue Dynamik und Komplexität. 

Andersens ultrafiese und dennoch vielschichtige Performance als Ivar ist in der Debütfolge der neuen Staffel erneut mehr als beeindruckend. Während man Ivar aus ganzem Herzen hassen kann, tut er einem nur wenige Szenen später wieder leid – wobei, Entschuldigung, Ivar möchte ja kein Mitleid. 

Zwischen den Brüdern brodelt ein unterschwelliger Konflikt. Ubbe, die bisherige Stimme der Vernunft, ist zwar bei weitem nicht so charismatisch wie sein alter Herr, doch sein Darsteller Jordan Patrick Smith überzeugt dafür mit dem subtilsten Schauspiel des neuen Vikings-Casts. Man darf gespannt sein, ob die leise Zwietracht zwischen ihm und Ivar in den kommenden Folgen implodiert. Hier hat Vikings ordentlichen Sprengstoff in den Fässern für eine explosive fünfte Staffel. 

Zum Glück hat Vikings seine Ecken und Kanten nicht verloren. Wem Game of Thrones mit der siebten Staffel zu weich wurde, wird hier seine Dosis an Blut und Schweiß bekommen. Das Massaker in der Kirche von York gehört zu den brutalsten Szenen der Serie (O.K., abgesehen vom Blutadler, nichts ist brutaler als der Blutadler) und Ivars krankes Lachen lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Die Serie schert sich nicht darum, die Wikinger aus ihrer Rolle der klaren Aggressoren zu heben. Sie sind Mörder und Vergewaltiger – ob wir uns als Zuschauer mit ihnen identifizieren können, bleibt weiterhin uns selbst überlassen. Umso erstaunlicher ist, das König Aethelwolf (Moe Dunford) immer mehr zu einem Sympathieträger mutiert. 

Der "Neue", Bischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers), muss erstmal zurück in die Beobachtung. Bis jetzt überzeugt der fesche Geistliche mit obligatorischem Undercut noch nicht so recht. Undercuts den Wikingern! Doch es liegt nicht nur an der Frisur – es bleibt abzuwarten, ob Heahmund der Geschichte eine interessante neue Dimension verleihen kann. 

Fazit: Folge 1 "Der Fischerkönig"

Vikings kann auch ohne Travis Fimmel. Die erste Folge der fünften Staffel konnte (fast) alle Zweifel in den Wind schlagen. Das Schachbrett wurde neu aufgestellt und mein Gefühl sagt mir, dass dies die interessanteste Partie der Serie werden könnte. 

Stand der Bewertung: 84%


Kritik: Folge 2 'Die Verstorbenen'

Original-Titel: The Departed, Part 2
Erscheinungsdatum: 29.11.2017

Gustaf Skarsgård als Floki steht vor einem Wasserfall in Island in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1
Hat Floki (Gustaf Skarsgård) wirklich Asgard gefunden?

Lagertha hält Harald als Gefangenen in Kattegat fest, um Haralds wahre Motive seiner Rückkehr herauszufinden. Währenddessen kommt es in York zu unterschwelligen Machtkämpfen zwischen Ivar, Ubbe und Hvertsik. Floki entdeckt nach einer erschöpfenden Seereise Island, das er allerdings für das Götterreich Asgard hält. 

Nach einem etwas schwachen Cliffhanger, geht es gleich weiter mit dem zweiten Teil der Doppelfolge. "Die Verstorbenen" bietet im Gegensatz zu "Der Fischerkönig" zwar keine große Action, überzeugt dafür aber mit dem souveränen Umgang der unterschiedlichen Erzählstränge, die sich immer weiter aufdröseln. Das mehrgleisige Storytelling erinnert spätestens jetzt an Game of Thrones

Am schwächsten fällt der neue Handlungsstrang in Kattegat aus. Die urplötzliche "Vergewaltigung" von Harald durch Lagertha (Ja, was war es denn sonst?) war ziemlich out-of-character. Allgemein scheint Lagertha etwas an ihrem messerscharfen Verstand eingebüßt zu haben, um Haralds wahre Motive nicht erahnen zu können. Es war dennoch herrlich mit anzusehen, wie "König" Harald erneut einen Korb kassieren musste, dieses Mal von Astrid (Josefin Asplund). Hier könnte sich ein interessanter Story-Kniff ergeben. Wird Astrid Lagertha verraten? Bis jetzt ist es ziemlich offensichtlich, dass die Story wohl darauf hinauslaufen wird. 

Am interessantesten ist mit Abstand die einsame Odyssee des Floki, der als erster Wikinger Island entdeckt – welches er aber für das Götterreich Asgard hält. Hier zeigt sich erneut die größte Stärke der Serie: Die Verschmelzung von Realität und Mystik. Beeindruckende Panoramabilder des trostlosen isländischen Strandes, der ganz nebenbei stark an Drachenstein aus Game of Thrones erinnert, laden dazu ein, Floki seine göttliche Illusion zu lassen. So prächtig sah die Serie noch nie zuvor aus. 

Ebenso surreal fällt die Vision von Prinz Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) aus, der sich in bester Frodo-Manier in Sumpfwasser schmeißt. Hier muss auch das Schauspiel von Jennie Jaques als Judith gelobt werden, das sich an Intensität kaum überbieten lässt. 

Der Hauptstrang um die Söhne Ragnars wird in "Die Verstorbenen" kaum weitergeführt. Allerdings ist die letzte Szene, das Aufbäumen Ivars, ein kleiner Gänsehaut-Moment. Ivar scheint mit jeder Folge mächtiger zu werden. Auch wenn ich mich mit Sicherheit nicht dem #TeamIvar verschreiben werde, bin ich gespannt, in welchem Chaos Ivar die Geschichte zurücklassen wird. 

Fazit: Folge 2 "Die Verstorbenen" 

Die zweite Folge der fünften Staffel ist ein Ruhepol, der mit vielschichtigem Storytelling, grandiosen Bildern und einer dichten Atmosphäre überzeugt. So kann es gerne weitergehen! 

Stand der Bewertung: 85 %


Kritik: Folge 3 'Heimatland' 

Ivar sitzt vor einer Schlachtkutsche mit blutverschmiertem Gesicht bei Regen auf einem Schlachtfeld in einem Szenenbild für Vikings Staffel 5 Folge 3 Heimatland
Ja, Ivar, wir wissen wie verrückt du bist.

Original-Titel: Homeland
Erscheinungsdatum: 07.12.2017

Floki ist immer noch davon überzeugt, dass er im Götterreich Asgard angekommen ist. Währenddessen stellt König Harald der entführten Astrid sein Königreich vor. In England findet eine brutale Schlacht in York statt. Ubbe und Hvitserk merken, wie Ivar die Macht über die Streitkraft an sich reißt... 

Mit der dritten Folge schaltet Vikings einen Gang hoch. Jede Exposition, die auf die kommenden Konflikte vorbereiten musste, wurde in den letzten beiden Folgen abgehakt. Heimatland zeigt uns bereits nach wenigen Minuten das erste große Action-Setpiece der neuen Staffel: Die in Regen und Blut getränkte Schlacht von York. Hierbei handelt es sich zwar nicht um die bildgewaltigste Vikings-Schlacht, doch merkt man, dass das Spektakel im Detail einfach wertiger wirkt. Unterkühlte Bilder, dichte Nebelschwaden und durchnässte Rüstungen – das gehört eigentlich auf die Kinoleinwand. 

Die derbe Schlacht hinterlässt jedoch einen etwas faden Beigeschmack, der ausgerechnet Ivar geschuldet ist. Alex Høgh Andersen minutenlanges Schlachtgeschrei ist dann doch etwas überambitioniert und kommt dem "Over-Acting" gefährlich nahe. Dabei überzeugt Andersen in jeder anderen Szene der Folge, die allgemein sehr Ivar-lastig ausgefallen ist. Je mächtiger Ivar wird, desto eher verwandelt er sich von einem "hassbaren" in einen beängstigenden Charakter. Ist ein #TeamIvar überhaupt noch ansatzweise moralisch zu vertreten? Wahrscheinlich nicht. Dennoch ist er ein bestialischer Gewinn für die Serie. 

Der zuvor prophezeite Bruderstreit trat nun doch schneller ein als gedacht. Ubbes Demütigung als (anscheinend) schwächerer Bruder ist schmerzhaft mit anzusehen und heizt die Charaktermotivationen und -konflikte dieser Staffel weiter an. Weiterhin interessant bleibt, welche Rolle Hvitserk in der neuen Parteikonstellation einnehmen wird. Wird er sich Ivar demütig unterordnen oder seine eigenen Interessen entwickeln? 

Während ich mich letzte Woche noch kritisch über Bischof Heahmund geäußert habe, muss ich nach Heimatland sagen, dass der schwertschwingende Geistliche immerhin einen "Prädikat Badass" verdient hat. Ein Zweikampf zwischen ihm und Ivar wurde nun schon beinahe offiziell für diese Staffel angekündigt – dieser Todesblick-Austausch auf dem Schlachtfeld kann nicht tatenlos stehengelassen werden! 

Fazit: Folge 3 "Heimatland"

Nach drei Folgen hat es Vikings – Staffel 5 bereits geschafft, das volle Interesse der Zuschauer einzufordern und neue visuelle Standards zu etablieren. Die Investition in Charaktere und Konflikte war noch nie so effektiv und das Set-Design noch nie so atmosphärisch. Auch wenn die Dämonisierung von Ivar schon beinahe ins Lächerliche übergeht, ist er dennoch das neue Aushängeschild der Serie. Hatte sich Ragnar nicht genau das für seinen Lieblingssohn gewünscht? Trotzdem bleibt es vorerst bei #TeamUbbe. 

Stand der Bewertung: 86 %


Kritik: Folge 4 'Der Plan'

Original-Titel: The Plan
Erscheinungsdatum: 14.12.2017

Die Kritik erscheint, sobald diese Folge ausgestrahlt wurde!

Das Staffel-Fazit gibt's sobald alle Folgen ausgestrahlt wurden! 

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